Samsonit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Klasse der Sulfide. Er kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Formel Ag4MnSb2S6, ist also ein Silber-Mangan-Sulfosalz mit dem Grundbaustein [SbS3]3− bzw. ein neutrales Silbersulfantimonid, in dem ein Atom Silber durch ein Atom Mangan ersetzt ist.

Samsonit entwickelt undurchsichtige, prismatische und in der Prismenzone stark gestreifte, bis zu 4 cm große Kristalle von stahlgrauer bis schwarzer Farbe. Seine Typlokalität ist der Samsoner Gang in der Grube Samson in Sankt Andreasberg im Oberharz, Niedersachsen,

Etymologie und Geschichte mini|links|Ansicht von Sankt Andreasberg mit der Grube Samson in der Mitte des linken Bildrandes. Nach dieser Grube wurde das Mineral Samsonit benannt. Im Sommer 1908 fand der Königliche Berginspektor Heinrich Werner (* 1872) in der „Grube Samson“ in Sankt Andreasberg im Oberharz ein unbekanntes Mineral, als ihm in der Firste der 29. Strecke auf dem Samsoner Gang, in einer Teufe von ca. 550 m, eine ungewöhnliche Ausbildung des Erzganges gezeigt wurde. Da die 29. Strecke bereits seit den 1890er Jahren einige schöne Anbrüche mit Silbererzen – darunter ausgezeichneten Pyrargyrit – geliefert hatte, verfolgte Werner die Arbeiten in diesem Bereich sehr aufmerksam. 20 bis 30 m über der Strecke war die Erzzone tektonisch ausgedünnt. Als Gangart standen Quarz, Calcit, Anhydrit und Gips an, durchsetzt von Galenitflittern. Zwei Meter über dem Gips fand sich eine ausgelängte Antimonit-Linse in massigem Calcit und einige Meter östlich davon eine Druse, in der rund 60 stahlgraue, bis zu 4 cm lange Kristalle auf „zerhacktem“ Quarz aufgewachsen waren. Einige der Prismen waren strahlenförmig in kleinen Gruppen angeordnet. Aus dieser Druse stammt der größte bekannte Samsonit-Kristall – 4 cm lang, 4 mm dick und auf Calcit und Quarz sitzend. Fünf Meter darüber fand sich eine zweite kleinere Druse, aus der weitere 20 Stüfchen geborgen wurden.

Werner hielt das Material zunächst für Miargyrit. Die Professoren Alfred Bergeat und Friedrich Kolbeck, die an der Bergakademie Clausthal bzw. Bergakademie Freiberg lehrten, machten Werner darauf aufmerksam, dass es sich bei seinem Fund um ein bisher nicht bekanntes Mineral handeln könnte. Daraufhin überließ Werner dem Analytiker Fraatz in Clausthal 0,5 g einer Probe. Bei der chemischen Untersuchung fanden sich neben Silber, Antimon und Schwefel auch 5,86 Gew.-% Mangan, womit klar wurde, dass es sich tatsächlich um ein neues Mineral

Die Erstbeschreibung des Samsonit erfolgte im Jahre 1910 durch Heinrich Werner und den Chemiker Fraatz in der Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Die Autoren benannten das Mineral nach seiner Typlokalität als „Samsonit“.

Typmaterial für das Mineral ist nicht definiert. Aufgrund der Entdeckung und Erstbeschreibung vor 1959 zählt Samsonit zu den Mineralen, die von der International Mineralogical Association (IMA) als Grandfathered bezeichnet werden.

1954 erwarb das damalige Amt für Bodenforschung in Hannover gemeinsam mit den Mineralogischen Instituten der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main die Wernersche Sammlung von dessen Erben, nachdem Werner verfügt hatte, dass seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich sein müsse. So besitzen sowohl die heutige Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe als auch die Universität Münster mehrere Stufen und Kristalle aus dem Originalfund dieses Minerals. Im März 2006 wurden während der Öffnungszeiten des Mineralogischen Museums in Münster einige der ausgestellten Samsonit-Stufen aus der Heinrich-Werner-Sammlung gestohlen, die zu den weltbesten Stücken des Minerals gehörten.

Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Samsonit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er als einziger Vertreter im Anhang zur „Proustit-Xanthokon-Gruppe“ mit der Systemnummer II/D.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.07-050. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Samsonit zusammen mit Debattistiit, Eckerit, Manganoquadratit, Proustit, Pyrargyrit, Pyrostilpnit, Quadratit und Xanthokon eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.07 bildet.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Samsonit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Insel-Sulfarsenide (Neso-Sulfarsenide) usw., ohne zusätzlichen Schwefel (S)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.GA.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Samsonit die System- und Mineralnummer 03.04.12.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.04.12.

Chemismus Zehn Mikrosondenanalysen an Samsonit ergaben Mittelwerte der wichtigsten Bestandteile (Summe 99,62 Gew.-%) von 45,76 % Silber (Ag); 25,86 % Antimon (Sb); 22,25 % Schwefel (S); 5,74 % Mangan (Mn) und 0,03 % Eisen (Fe). Daraus errechnete sich die empirische Formel Ag4,01Mn0,99Sb2,01S6,00, die zu Ag4MnSb2S6 idealisiert wurde. Samsonit enthält in Spuren Eisen und Kupfer.

Chemisch ähnlich sind Menchettiit, AgPb2,40Mn1,60Sb3As2S12, Oyonit, Ag3Mn2Pb4Sb7As4S24, und Uchucchacuait, AgMnPb3Sb5S12.

Samsonit war das weltweit erste silberhaltige Sulfidmineral bzw. Sulfosalz mit formelwirksamen Gehalten an Mangan. Heute existieren sechs solcher Minerale – neben den oben aufgelisteten sind dies noch Agmantinit, Ag2MnSnS4, und Manganoquadratit, AgMnAsS3.

Kristallstruktur mini|220px|Kristallstruktur von Samsonit als Farbtabelle: Samsonit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der mit den Gitterparametern a = 10,3861 Å, b = 8,1108 Å, c = 6,663 Å und β = 92,639° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Die Manganatome sind dabei von sechs Schwefelatomen in Form eines leicht deformierten MnS6-Oktaeders, die Antimonatome von drei Schwefelatomen trigonal-pyramidal umgeben. Die Oktaeder sind isoliert, besitzen also keine gemeinsamen Flächen, Kanten oder Ecken, und sind miteinander über die Ag- und Sb-Polyeder verknüpft. Die Sb-Atome sind trigonal koordiniert, die SbS3-Pyramiden sind voneinander getrennt. Samsonit enthält zwei Arten von Silberatomen. Ag(1) ist verzerrt-tetraedrisch von vier Schwefelatomen umgeben, wobei die drei kristallographisch verschiedenen Schwefelatome die Basis einer deformiert-trigonalen Pyramide bilden, an deren Spitze sich das Ag(1) befindet. Die [Ag(1)-S]-Abstände der ersten drei S-Atome sind etwas kürzer als die vierte [Ag-S]-Bindung, welche die Konfiguration zum deformierten Tetraeder vervollständigt. Ag(2) ist trigonal-planar von drei (2+1)-Schwefelatomen umgeben. In den Koordinationspolyedern um die drei S-Atome sind die S(1)- und S(2)-Atome deformiert-tetraedrisch von Ag(1), Ag(2), Mn und Sb umgeben. S(3) ist deformiert trigonal-bipyramidal von fünf Metallatomen umgeben. Ag(1), Ag(1′) und Sb bilden die Basis, während Ag(2) und Mn an der Spitze liegen. S(3) ist etwas aus der Basis in Richtung Mn verschoben. Die ermittelte Kristallstruktur konnte im Wesentlichen von Luca Bindi und Michael Evain bestätigt werden.

Eigenschaften Morphologie mini|Prismatischer Samsonitkristall mit deutlicher Längsstreifung (Sichtfeld 0,8 mm) Die Morphologie der Samsonitkristalle ist schon kurz nach der Entdeckung des Minerals intensiv untersucht worden, wodurch in schneller Folge drei verschiedene Arbeiten zu dieser Thematik erschienen. Willy Bruhns legte bereits 1911 die erste Veröffentlichung vor, gefolgt von František Slavík 1911 sowie Friedrich Kolbeck und Victor Goldschmidt 1912. Schließlich erfolgte 1934 noch eine kristallographische Beschreibung des Samsonits durch Charles Palache. Schon Palache bemerkte, dass sich die vier Veröffentlichungen hinsichtlich der Tracht der untersuchten Kristalle stark unterscheiden, was hinsichtlich der Herkunft aus nur zwei eng benachbarten Drusen erstaunlich ist.

Samsonit bildet bis zu 4 cm lange und 1 cm dicke Kristalle, die kurzprismatisch nach {110} entwickelt sind und eine starke Streifung in der Prismenzone parallel der c-Achse aufweisen. Sie treten häufig zu radialen Aggregaten zusammen. Dominierend und trachtbestimmend ist fast immer das Prisma {110}, fast immer werden an den Kristallen auch die Pinakoide {010} und {100} sowie die Prismen {110}, {210}, {103}, {101}, {01}, {01}, {111} und {11} beobachtet. Seltener sind die Prismen {140}, {130}, {012}, {01}, {212}, {21} und {73} vorhanden. Gelegentlich ist durch gleichmäßige Entwicklung von {101} und {01} ein pseudorhombischer Habitus zu beobachten. Da sie mit beiden Enden auf Quarzbruchstücken aufgewachsen sind, zeigte die Mehrzahl der Kristalle aus der ersten, größeren, unteren Druse keine Endflächen, während die Kristalle aus der zweiten, kleineren, oberen Druse zwar deutlich kleiner waren als die aus der ersten Druse, aber fast durchgehend gut ausgebildete Endflächen besaßen.

In der „Silver Miller Mine“, Cobalt in Kanada, fand sich der Samsonit in körnigen Aggregaten, in „Garpenberg Norra“ bei Garpenberg in Schweden in Form von winzigen Kristallen und in Příbram, Tschechien, in pseudorhombischen, bis 1 cm × 0,6 cm großen Kristallen, die teilweise von Tetraedrit und Galenit verdrängt werden.

Physikalische und chemische Eigenschaften mini|Tiefrot durchscheinende Samsonit-Mikrokristalle auf Quarz aus der Grube Samson (Sichtfeld 1,5 mm) Die Kristalle des Samsonits sind stahlgrau bis schwarz, ihre Strichfarbe ist dagegen immer dunkelrot mit einem unbedeutenden Stich ins Braune. Die Oberflächen der nur in dünnen Splittern tiefrot bis braun durchscheinenden, ansonsten opaken Kristalle weisen einen metallartigen Glanz auf, was gut mit den Werten für die Lichtbrechung übereinstimmt. An den Kristallen des Samsonits wurden enorm hohe Werte für die Lichtbrechung identifiziert.

Unter dem Mikroskop ist das Mineral im durchfallenden Licht tiefrot bis braun, im auffallenden (reflektierten) Licht bläulichweiß bis bläulichgrau. Charakteristisch sind zahlreiche tiefrote Innenreflexe bei Betrachtung in Immersionsöl. Samsonit weist keine Bireflektanz, aber einen deutlichen Pleochroismus von heller olivgrün nach blaugrau auf. Bei gekreuzten Polaren zeigt das Mineral nur schwache Anisotropieeffekte, die auch nur an den Korngrenzen deutlich erkennbar sind, mit moderaten Rotationsfarben in Schattierungen von dunkel grünlich bis bläulich nach bräunlich.

Samsonit besitzt keine Spaltbarkeit. Aufgrund seiner starken Sprödigkeit bricht er aber ähnlich wie Quarz, wobei die Bruchflächen muschelig ausgebildet sind. Mit einer Mohshärte von 2,5 gehört das Mineral zu den weichen bis mittelharten Mineralen, steht damit zwischen den Referenzmineralen Gips (Härte 2) und Calcit (Härte 3) und lässt sich wie diese mehr oder weniger gut mit dem Fingernagel (Gips) oder einer Kupfermünze (Calcit) ritzen. Die Vickershärte VHN100 wurde mit 187–212 kg/mm2 bestimmt. Die gemessene Dichte für Samsonit beträgt 5,51 g/cm³, die berechnete Dichte 5,461 g/cm³.