Ein Informationssystemvon bzw. , ‚eine Form, Gestalt, Auskunft geben‘; , altgriechische Aussprache , heute , ‚Zusammengestellte‘, ‚Verbundene‘ (kurz IS, auch Informations- und Kommunikationssystem, kurz IuK-System) ist ein soziotechnisches System, das die Deckung von Informationsnachfrage zur Aufgabe hat. Es handelt sich um ein Mensch-/Aufgabe-/Technik-System, das Daten (bzw. Informationen) produziert, beschafft, verteilt und verarbeitet. Angrenzende Themenfelder sind die Informationsinfrastruktur und die Informationsfunktion.

Daneben bezeichnet Informationssystem im allgemeineren Sinne ein „System von Informationen“, die in einem wechselseitigen Zusammenhang stehen und auf eine bestimmte Art organisiert sind. Insbesondere Wissen ist ein solches System aus Informationen.

Die Begriffe Informationssystem und Anwendungssystem werden häufig synonym verwendet. Dabei wird Informationssystem im engeren Sinne („und so wird es i. d. R. verstanden“) als computergestütztes Anwendungssystem verstanden. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass ein Anwendungssystem mit Anwendungssoftware und Datenbanken nur Teil eines Informationssystems ist., Uni Münster.

Definitionen Betriebswirtschaftslehre

Diese Definition stellt vor allem die Informationsgewinnung und -verarbeitung in den Mittelpunkt.

Wirtschaftsinformatik

Die Definition eines Informationssystems als Mensch/Aufgabe/Technik-System ist grundlegend und soll daher im Folgenden erläutert werden.

In allen drei Definitionen wird beschrieben, dass ein Informationssystem mit seiner Umwelt interagiert. Es interagiert auch mit anderen Informationssystemen, so dass diese voneinander abhängig sind und zusammenwirken.Karl Kurbel u. a.: Informationssystem. In: Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik. Oldenbourg, München 2008, abgerufen am 9. Dezember 2012. Man bezeichnet diese interdependente Gesamtheit als Informationsinfrastruktur.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 18.

Mensch/Aufgabe/Technik-System mini|Schematische Darstellung eines MAT-SystemsAngelehnt an Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 18.

Ein Mensch/Aufgabe/Technik-System (MAT)-System ist ein Beziehungsgefüge, welches als „offen, dynamisch, komplex, kompliziert und soziotechnisch“Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 3. charakterisiert ist. Das System besteht aus drei Elementen, die dieses Beziehungsgefüge durch ihre Zusammenarbeit und Interaktion festlegen:

Mensch Der Mensch ist der Anwender (beispielsweise in einem Betrieb), der als Aufgabenträger verschiedene Aufgaben mit dem System erfüllen möchte. Auf ihn und seine Bedürfnisse sollte das System angepasst werden. Die Entwickler und Planer eines Informationssystems sind ebenfalls unter dem Strukturelement Mensch einzuordnen, da auch sie mit dem System in einer wechselseitigen Beziehung stehen.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 17.

Systeme, die sich hauptsächlich mit der individuellen Ebene beschäftigen, heißen benutzerzentrierte Informationssysteme.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 259. Diese zeichnen sich hauptsächlich dadurch aus, dass sie mit Hilfe einer benutzerzentrierten Systementwicklung erstellt wurden. Das System beachtet dadurch Elemente wie Benutzerrollen, Benutzermodelle und Benutzerprofile, durch welche die Benutzer einbezogen und nach ihrem Verhalten, ihren Aufgaben und ihren Rechten im System beispielsweise in Persona kategorisiert werden können.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 261–262. Benutzer besitzen relevante Merkmale und Fähigkeiten, die sie in der Interaktion mit dem System klar unterscheidbar machen.Dafna Shahaf, Eric Horvitz: Investigation of Human-Computer Task Markets: Methods and Prototype. 2009, S. 3. research.microsoft.com, (PDF; 699 kB), abgerufen am 9. November 2012 Auch wird das Benutzerverhalten systematisch betrachtet, vor allem das Interaktionsverhalten der Benutzer, also die Art, wie diese mit dem System kommunizieren, und das Informationsverhalten, d. h. die stereotypischen Handlungen bei der Informationssuche, -verteilung und -verarbeitung. Bei der benutzerzentrierten Systementwicklung erfolgt somit zunächst eine Benutzeranalyse, dann ein benutzerzentrierter Entwurf und in der Ex-Post-Betrachtung eine Überprüfung der Benutzbarkeit.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 260–270. Diese Entwicklungsmethode wird häufig bei für Endbenutzer angepassten Systemen angewendet und stellt hohe Anforderungen sowohl an die menschliche als auch die technische Komponente bei der Entwicklung eines Systems, das zur Aufgabenlösung beiträgt.Dafna Shahaf, Eric Horvitz: Investigation of Human-Computer Task Markets: Methods and Prototype. 2009, S. 12. research.microsoft.com, (PDF; 699 kB), abgerufen am 9. November 2012

Aufgabe Die Aufgabe ist das Problem, das mit dem System gelöst werden soll. Sie besteht zumeist aus betrieblichen Handlungszielen sowie Systementwicklungsaufgaben bei der Entwicklung von Informationssystemen oder auch aus Problemen privater Haushalte.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 17. Aus der Aufgabe definiert sich auch das Ziel oder auch die funktionale AnforderungStefan Reinheimer, Robert Winter: Führungssysteme für eine neue Manager-Generation. (HMD, 282). dpunkt-Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-89864-757-1. bei der Entwicklung des Informationssystems. Es soll durch Informationsproduktion und -weitergabe die Informationsnachfrage gedeckt werden, die ausreichend ist für den Informationsbedarf, den die zu lösende Aufgabe aufwirft. Dies soll so effektiv wie möglich, nach wirtschaftlichen Kenngrößen, wie „Produktivität, Wirtschaftlichkeit oder Qualität“Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 3. geschehen.

Informationssysteme, die sich vor allem diesem Element widmen, nennt man aufgabenzentrierte Informationssysteme. Diese Systeme sind am weitesten verbreitet und haben durch ihre Häufigkeit eine große Bedeutung in der wissenschaftlichen Betrachtung.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 251. Hierbei sind vor allem Untersuchungsmodelle wichtig, die zeigen, wie verschiedene Struktureinheiten einer Organisation kooperativ eine Aufgabe lösen oder wie in betrieblichen Informationssystemen die Informationen effizient verarbeitet werden. Hierfür wurden Referenzmodelle entwickelt, die immer andere Aspekte der Aufgabe in den Mittelpunkt der Untersuchung stellen. Sie stellen Bezugspunkte für die Entwicklung weiterer unternehmensspezifischer Modelle dar. Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt auf den Funktionen und Prozessen, die dem Aufgabenträger bei der Aufgabenerfüllung helfen. Diese zeigen verallgemeinert die verschiedenen Schritte, die Daten, Informationen oder Produkte in einem System nacheinander absolvieren müssen und wie diese in Beziehung zueinander stehen.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 271–282. Genauere Beispiele lassen sich der unten erwähnten Typisierung von betrieblichen Informationssystemen entnehmen.

Technik Diese besteht aus der Soft- und Hardware des Systems, deren Zweck in der Erfüllung verschiedener Verarbeitung-, Verteilungs- und Speicherungsprozessen liegt. Diese werden zum einen zur Aufgabenerfüllung genutzt, andererseits auch zur Entwicklung eines Systems.

Systeme, bei denen die Technik im Vordergrund steht, heißen technikzentrierte Informationssysteme. Dazu wird beispielsweise die Systemarchitektur und deren technische Komponenten untersucht.Lutz J. Heinrich, Dirk Stelzer: Informationsmanagement – Grundlagen, Aufgaben, Methoden, 10. Aufl., Oldenbourg, München/Wien 2011, ISBN 978-3-486-70253-8. Hierbei werden die Informations- und Kommunikationstechnik sowie die Systementwicklungs- und Einführungsmethoden – wie beispielsweise spezielle Programmiertechniken – ins Zentrum des Untersuchungsinteresses gerückt.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 259. Bei der Entwicklung der benötigten Technik muss darauf geachtet werden, dass durch eine rein kommunikative Interaktion mit der Technik nicht automatisch Informationen generiert werden können. Hierfür muss Mehrwert durch die Technik erzeugt werden; beispielsweise müssen in einer Software verschiedene Grafiken klar erkennbare Bedeutungen haben.JoAnn Brooks, Anne W. Rawls (2012) Steps toward a Socio-Technical Categorization Scheme for Communication and Information Standards. In: Proceedings of the 2012 iConference. ACM DIGITAL LIBRARY, S. 411, abgerufen am 9. November 2012.

Arbeitstechniken (Methoden und Werkzeuge) Arbeitstechniken vermitteln zwischen diesen drei Ebenen und versuchen, die verschiedenen Beziehungen zu verstehen und zu optimieren. Hier existieren beispielsweise in der Informatik oder den Sozialwissenschaften verschiedene Konzepte, Modelle, Prinzipien und Strategien zur Gestaltung und Nutzung von Informationssystemen und Informationsinfrastrukturen.

Es existieren bisher nur Modelle, welche die Konkurrenz zwischen Aufgaben und Technik betrachten (Task-Technology-Fit-Modelle).Ilze Zigurs,d Bonnie K. Buckland: A Theory of Task/Technology Fit and Group Support Systems Effectiveness. 1993. Bei diesen wird erwartet, dass jeder, der eine bestimmte Aufgabe löst die dafür am besten geeignete Technik nutzen möchte und folglich auch wählt.Diane M. Strong, Mark T. Dishaw, D. Brent Bandy: Extending task technology fit with computer self-efficacy. In: ACM SIGMIS Database. 37(2-3) 2006, S. 97. Hier fehlt allerdings zumeist der Faktor Mensch. Ein Modell (Human-Task-Technology-Fit-Modell), welches die Kongruenz aller Elemente betrachtet, existiert bis heute nicht.Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 257.

Die Definition des MAT-Systems beinhaltet gleichzeitig die umfassende Betrachtung aller drei Elemente und setzt auf ein funktionales und kommunikationsfehlerloses Zusammenwirken dieser. Die Wirtschaftsinformatik versucht als einzige wissenschaftliche Disziplin, ein ganzheitliches Verständnis für diese Funktionalität zu entwickeln, während in den Sozialwissenschaften, der Betriebswirtschaft und der Informatik zumeist nur die verschiedene Untermodelle und -systeme untersucht werden. Diese Untersysteme, die sich nur mit Teilaspekten des Systems beschäftigen, sind beispielsweise ein Benutzersystem (Mensch/Technik- und Mensch/Aufgabe-Beziehung), ein Aufgabensystem (Aufgabe/Mensch- und Aufgabe/Technik-Beziehung) und ein Techniksystem (Technik/Mensch- und Technik/Aufgabe-Beziehung).Heinrich u. a.: Wirtschaftsinformatik. 2011, S. 18.

Schalenmodell für MAT-Systeme mini|Schematische Darstellung des Schalenmodells nach TeubnerAngelehnt an: Rolf Alexander Teubner: Organisations- und Informationssystemgestaltung. Dt. Univ.-Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-8244-6951-0, S. 26.