Ditterke ist ein Dorf und eine Ortschaft der Stadt Gehrden in der Region Hannover in Niedersachsen.
Geschichte Das Dorf entwickelte sich aus einem Wachtposten an dem früheren Fernhandelsweg zwischen Rhein und Magdeburg. Ein „Alter Krug“ war der Beginn der Siedlung, die zunächst südlich der Straße entstand. Die Erweiterungen auf der Nordseite werden erst im 18. Jahrhundert vermutet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ditterke im Jahre 1208, damals noch als Ditriche.Institut für Denkmalpflege/Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.), Henner Hannig (Erfassung): Landkreis Hannover Teil 1 (südlicher Teil), in Reihe: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 13.1. Vieweg-Verlag, Braunschweig/Wiesbaden 1988, S. 199, ISBN 3-528-06207-X (Link zum Digitalisat des Werkes in der Bibliothek der Universität Heidelberg, Abruf am 20. Juni 2021) Nach Mithoff wurde der Ort in den ältesten Urkunden Thittereke (1266)Wilhelm von Hodenberg: Calenberger Urkundenbuch, 9. Abteilung – Archiv des Stifts Wunstorf, Urkunde 14, S. 11f. und Thitterike geschrieben.Hector Wilhelm Heinrich Mithoff: Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen. Erster Band: Fürstenthum Calenberg. Helwingsche Hofbuchhandlung, Hannover 1871, S. 24 Digitalisat, abgerufen am 4. Oktober 2023 Es gibt auch die Schreibweise Dytterke (um 1376)Wilhelm von Hodenberg: Calenberger Urkundenbuch, 9. Abteilung – Archiv des Stifts Wunstorf, Urkunde 170, S. 131. und Diderke (ebenfalls um 1376).Wilhelm von Hodenberg: Calenberger Urkundenbuch, 9. Abteilung – Archiv des Stifts Wunstorf, Urkunde 170, S. 137 Interpretiert wurden diese Namensformen als „Wohnplatz einer Diet“, d. h. einer Gruppe, die unter einem Führer umherziehend neue Wohnplätze suchte oder schützte. Es könnte sich daher sehr gut ursprünglich um eine Wache am früheren HellwegNaturhistorische Gesellschaft Hannover (Hrsg.): Der Deister – Natur • Mensch • Geschichte. (= Naturhistorica. Berichte der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. Band 131). zu Klampen Verlag, Springe 2017, ISBN 978-3-86674-545-2, S. 286. gehandelt haben. In Ditterke bestand die letzte Ausspannstation vor Hannover für die von Westen kommenden Gespanne. mini|1898: Preußens König verleiht dem Ditterker Ortsvorsteher Friedrich Ludwig Adolf Mehring einen Orden
Ditterke wurde seit dem Mittelalter in Urkunden immer wieder als Tauschobjekt oder als Leistungserbringer erwähnt, so in einer Urkunde von 1266, in der Ritter Heinrich von Goltern „Eigenbehörige“ in Ditterke gegen solche in Göxe tauscht. Das Dorf stand unter der Herrschaft der Ritter von Goltern und Eckerde, den Stiftsherren von Minden und Wunstorf und schließlich 1564 der Schaumburger Grafen.
Im Dreieck zwischen Bundesstraße und der Straße nach Leveste stand früher ein Kreuzstein – das Ditterker Kreuz. Er wird im Hausbuch vom Amt Calenberg von 1662 und in der Beschreibung der 3 Haupt-Heer-Straßen im Ambte Calenberg von 1737 erwähnt, in letzterem als Ditterker Creutz. In beiden Publikationen wird der genaue Standort angegeben. Der Accurate Situations Plan aus dem Jahr 1756, entstanden aus Anlass eines Streits über den Verlauf der Jagdgrenzen im Bereich Ditterke zwischen den Herren von Knigge und von Lenthe, stellt den Kreuzstein nicht mehr dar. Es wird daher vermutet, dass er zwischen 1737 und 1756 entfernt wurde.Heinz Weber: Flurnamenlexikon zur Flurnamenkarte Gehrden, in: Flurnamensammlung des Landkreises Hannover (Hrsg. Landkreis Hannover), Hannover 1989, ohne ISBN, S. 169.
In Ditterke war ein Schäfer beheimatet, der bis zum Jahr 1975 mit einer Herde von um 300 Schafen zwischen Deister und Leine unterwegs war.
Ditterke – begünstigt durch die gute Qualität des Bodens für die Landwirtschaft – war ein Bauerndorf. Seine Bewohner lebten von der Landwirtschaft. Die Kopfsteuerbeschreibung der Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen von 1689Max Burchard: Die Kopfsteuerbeschreibung der Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen von 1689, Teil 1, Verlag M. & H. Schaper, Hannover 1940, S. 93 f. listet für Ditterke vier Vollmeier, zwei Halbmeier, zwei Höflinge, drei Kötner und fünf BeibauernDies sind Bauern mit kleiner Fläche. (Deutsches Rechtswörterbuch I, Sp. 1457–1458 Digitalisat).Das deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm bezeichnet sie als Nebenbauern, die nicht das volle Recht der übrigen Bauern hätten. Band 1, Spalte 1358 Digitalisat. auf. Vollmeier waren damals Erich Garben mit 93 Morgen, Johann Hormann mit 55 Morgen, Hans Remmers mit 64 Morgen und Cord Bock.Letzterer ohne Flächenangabe bei Max Burchard: Die Kopfsteuerbeschreibung der Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen von 1689, Teil 1, Verlag M. & H. Schaper, Hannover 1940, S. 93 f. Die Halbmeier waren Curt Geveken und Dietrich Kokemüller mit je 32 Morgen. Die beiden Höflinge, Elmerhus Flohr und Dietrich Lampe, sind mit je etwa halb so großer Landfläche wie die Halbmeier aufgeführt. Für einen der Kötner wird eine Fläche von einem Morgen, für die anderen und die Beibauern werden keine Flächen genannt.
Bis zum Ende der Selbständigkeit als Gemeinde hatte Ditterke einen nebenamtlichen Ortsvorsteher, heute Bürgermeister genannt. Ende des 19. Jahrhunderts war dies der Landwirt Friedrich Ludwig Adolf Mehring. Er erhielt 1898 einen Orden vom preußischen König.Link zur Reproduktion der Ordensurkunde vom 12. September 1898
Bis in die 1950er Jahre gab es eine Kornbrennerei mit der Marke „Ditterker Garbenbrand“, der den Status eines „Kultschnaps'“ hatte.Klaus Wallendorf: Immer Ärger mit dem Cello, KiWi Köln, S. 14 Digitalisat. Diese Brennerei entstand 1766Der gute alte Ditterker. Ein heimatvertriebenes Erzeugnis der Scholle von 1766, ohne Autorenangabe, in: Heimatland, Zeitschrift des Heimatbundes Niedersachsen, Heft 5/6 des Jahres 1951, S. 198. und war damit eine der ältesten Kornbrennereien in Calenberg. Die Marke wurde Ende der 1950er Jahre an die Firma Hardenbergsche Kornbrennerei in Nörten-Hardenberg verkauft und als „Garben 32“ eingetragen.
Am 1. August 1971 erfolgte der freiwillige Gemeindezusammenschluss zur Großgemeinde Gehrden.
Politik Die Bevölkerungszahl wuchs nicht sehr an, sie betrug 312 (1. Januar 1999).ohne Angabe eines Autors: Gehrden. Eine Stadt stellt sich vor, Stadt-Bild-Verlag, Leipzig 2000, ISBN 3-931554-996, S. 30 Ortsrat Wahl 2021 Bei der Kommunalwahl am 12. September 2021 wurde auch der aus fünf Mitgliedern bestehende Ortsrat von Ditterke für die bis 2026 laufende Wahlperiode neu gewählt. Von den 233 Wahlberechtigten in Ditterke nahmen 141 an der Wahl teil (60,52 %). Auf die Partei Bündnis 90/Die Grünen entfielen 17,2 % der Stimmen und auf die Wählervereinigung BLD 82,8 %. Die Grünen erreichten damit einen Sitz und die BLD vier Sitze. Drei Mitglieder sind Frauen, zwei Männer., Abruf am 26. Oktober 2021 Die Amtszeit des Ortsrates beginnt im November 2021. Die erste Sitzung war für den 11. November 2021 terminiert.Angabe auf sessionnet.owl-it.de, Abruf am 26. Oktober 2021
Aufgrund des Umzuges der Kandidatin der Grünen wurde am 3. März 2022 der Sitzverlust der Grünen offiziell festgestellt, da es keinen Nachrücker auf der grünen Liste gab.
Der Ortsrat Ditterke hat seit dem 3. März 2022 nur noch 4 Mitglieder, 2 Frauen und 2 Männer der Bürgerliste Ditterker BLD. Wahl 2016 Der Ortsrat setzte sich nach der Kommunalwahl am 11. September 2016 aus zwei Ratsfrauen und drei Ratsherren folgender Wählervereinigungen/Parteien zusammen: WG Bürgerliste 4 Sitze und Bündnis 90/Die Grünen/Die Linke 1 Sitz.Der Ortsrat von Ditterke. Auf: Internetseite der Stadt Gehrden, Abruf am 28. November 2021
Ortsbürgermeister In seiner konstituierenden Sitzung wählte der Ortsrat am 11. November 2021 für die fünfjährige Wahlperiode Jörg Beckmann (Bürgerliste Ditterke BLD) zum Ortsbürgermeister von Ditterke und als seine Stellvertreterin Kerstin Gewecke (Bürgerliste Ditterke BLD).Auflistung auf Sessionnet, Abruf am 7. März 2022
Wappen Der Entwurf des Wappens von Ditterke stammt von dem in Gadenstedt geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Grafiker Alfred Brecht, der schon die Wappen von Bantorf, Barrigsen, Egestorf und vielen anderen Ortschaften im Landkreis Hannover entworfen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde am 29. November 1961 durch den Regierungspräsidenten in Hannover erteilt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Kapelle mit Glocke von 1662 mini|Gut Ditterke
Baudenkmale Die frühere Schule ist ein Fachwerkbau, der aus einer Kapelle hervorging. Das Gebäude hat einen Dachreiter, in dem eine Glocke von 1662 hing.Beschreibung im Denkmalatlas.Niedersachsen.de des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Abruf am 4. Oktober 2023 Die jetzige Kapelle auf dem Friedhof wurde Ende der 1940er Jahre von der Gemeinde Ditterke errichtet und der Kapellen-Gemeinde übergeben. Ihre ursprüngliche Vorgängerin war schon im 17. Jahrhundert zerstört. Über diese Vorgängerkapelle gibt es keine urkundlichen Nachweise. Die im Dachreiter der Kapelle hängende Glocke hatte früher ihren Platz im Dachreiter der ehemaligen Schule und datiert ausweislich der Inschrift aus dem Jahr 1662. Als Mahnmal für die Opfer der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts wurde auf dem Friedhof ein großes von zwei Steinsäulen flankiertes Steinkreuz „aus Thüster Serpelkalkstein des Oberen Jura“ errichtet.Naturhistorische Gesellschaft Hannover (Hrsg.): Der Deister – Natur • Mensch • Geschichte. (= Naturhistorica. Berichte der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. Band 131). Zu Klampen Verlag, Springe 2017, ISBN 978-3-86674-545-2, S. 287. Das Gut Ditterke war seit 1579 im Besitz von Jobst Knigge. Teile dieser Hofanlage stammen aus dem Mittelalter. Besonders erwähnenswert sind das Haupthaus im Nordteil der Anlage von 1794, eine Längsdurchfahrtscheune von 1802 und das Haupthaus von 1835 im Süden, das im 20. Jahrhundert mehrfach verändert wurde. Die Ziegel, aus dem die Bauten der früheren Brennerei entstanden, stammen aus einer im Süden Ditterkes im 19. Jahrhundert errichteten Ziegelei. Auf diesem seit 1640 der Familie Garben gehörenden BauernhofDer gute alte Ditterker. Ein heimatvertriebenes Erzeugnis der Scholle von 1766, ohne Autorenangabe. In: Heimatland, Zeitschrift des Heimatbundes Niedersachsen, Heft 7/9 des Jahres 1954, S. 164. werden Urkunden des Hofes und über den Hof aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis in die heutige Zeit aufbewahrt. Eine alte Türinschrift auf dem Hof lautet: Anno 1641 ist dieser Hof von schwedischem Kriegsvolk rein in den Grund eingeäschert.Franz Hinrich Hesse: Heimatkundliche Wahrzeichen. Ein Begleiter durch Wanderungen durch die Stadt Hannover und Umgegend, nach Standort, Herkunft, Bedeutung usw. zusammengestellt und beschrieben, Helwingsche Verlagsbuchhandlung, Hannover (o. J.; etwa 1929), S. 117, Nr. 141 Die niedersächsische Denkmaltopographie erwähnt in ihrem Band 13.1:die im 19. Jahrhundert zum Altenteilerhaus umgenutzte Fachwerkscheune Bundesstraße 4,das um 1900 errichtete zweigeschossige Wohnhaus in Ziegelbauweise Bundesstraße 10, eine sogenannte Rübenburg,das Hallenhaus Bundesstraße 13und die historische Brücke über die Haferriede im Zuge der Landesstraße 401 nach Leveste.
Naturdenkmal