Konradsiedlung-Wutzlhofen ist der Stadtbezirk 05 von Regensburg. Der Stadtbezirk liegt ca. 1 km nördlich des Stadtbezirks 07 Reinhausen und damit 2 km nördlich der Donau und 3 km nördlich der Altstadt von Regensburg. Der Stadtteil Konradsiedlung-Wutzlhofen selbst erstreckt sich über ca. 3 km westlich der von Süd nach Nord verlaufenden Bahntrasse Regensburg–Hof, die den Stadtteil vom Stadtteil 09 Schwabelweis östlich der Bahntrasse trennt.

Südlich des alten Dorfes Wutzlhofen entstand in den Jahren von 1933 bis 1943 unter dem NSDAP-Bürgermeister Otto Schottenheim eine große Neubausiedlung, die nach dem Bürgermeister als Schottenheim-Siedlung bezeichnet wurde. Nach Kriegsende wurde die Siedlung in Konradsiedlung umbenannt, jedoch hielt sich der alte Name noch jahrelang.

Geschichte mini|Kapelle St. Maria in Wutzlhofen

Wutzlhofen Der kleine Ortsteil Wutzlhofen, dessen Name heute auch als Straßenname genutzt wird, beschließt den Stadtteil im Norden. Der Ortsteil ist wesentlich älter als die Konradsiedlung und ist erstmals schon 1224 mit dem Namen „Wuzenhoven“ nachweisbar als im Besitz des Domkapitels Regensburg befindlich. In Wutzlhofen gab es damals zwei große Gutshöfe, den sog. Oberen Hof (heute Nr. 19) und den sog. Unteren Hof (heute Nr. 29) und außerdem mehrere Söldneranwesen. Die beiden Höfe hatten die Verpflichtung, Naturalien an das Domkapitel zu liefern. Die ehemaligen Besitzer der Höfe sind teilweise anhand von alten Wappen namentlich nachweisbar. Die heutigen Gebäude entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts aus Vorgängerbauten.

Bereits 1859 wurde Wutzlhofen an die Bahnstrecke Regensburg–Weiden angebunden und erhielt in der Folge Anbindungen an die Städte Nürnberg, Eger und Hof. Ab 1912 zweigte die Strecke der Lokalbahn von Regensburg nach Falkenstein in Wutzlhofen Richtung Osten ab. Die Verbindung wurde 1984 eingestellt und die Trasse zu einem Wander- und Radweg umgebaut, der als Falkenstein-Radweg bekannt ist.

Die Gemeinde Sallern mit den Orten Gallingkofen, Haslbach, Oedenthal, Sallermühle, Vogelherd und Wutzlhofen wurde am 1. April 1924 in die Stadt Regensburg eingemeindet.

Konradsiedlung Die den Stadtteil bildende große Siedlung erhielt ihren heutigen Namen Konradsiedlung nach dem Patron der Siedlungskirche St. Konrad erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Errichtet wurde die Siedlung bereits vor dem Krieg, in den Jahren nach 1933 am Beginn der Zeit des Nationalsozialismus. Damals erhielt die Siedlung den Namen Schottenheimsiedlung, nach dem damaligen Regensburger NSDAP-Bürgermeister Otto Schottenheim, der den Bau der Siedlung angeregt und betrieben hatte, nachdem er seinen Vorgänger Otto Hipp, den gewählten Oberbürgermeister der Bayerischen Volkspartei (BVP), in einer putschartigen Aktion mit Hilfe einer örtlichen SA-Gruppe aus dem Amt entfernt hatte und in Schutzhaft nehmen ließ.

Bauplanung Der Bau von Wohnsiedlungen war als staatliche Aufgabe bereits in der Weimarer Verfassung von 1919 verankert und war dadurch zu einem Bestandteil staatlicher Sozialpolitik geworden, bei der die Familie im Mittelpunkt stand. Dabei kamen nach 1920 zunehmend auch die Folgen der beginnenden Weltwirtschaftskrise in den Blick. Der Bau von Eigenheimen wurde zu einem Mittel gegen die Arbeitslosigkeit und der Besitz von Haus und Grund sollte sozial versöhnend wirken. In diesem Sinne machte eine Notverordnung des Reichspräsidenten vom 6. Oktober 1931 den Bau von vorstädtischen Kleinsiedlungen zu einem Programm, das von der NSDAP 1932 als Generalsiedlungsplan übernommen wurde. Die Finanzierung des Siedlungsplans war abhängig vom Wirtschaftsplan. Diese Art der Baufinanzierung unterscheidet die in der Zeit des Nationalsozialismus geplanten Wohnsiedlungen – neben der Konradsiedlung auch noch die Siedlung Westheim – von der anderen zu dieser Zeit in Regensburg geplanten und errichteten großen Werkssiedlung, der Ganghofer Siedlung, deren Bau allein von der Messerschmitt GmbH finanziert werden musste.

Ausgangsbedingungen, Erwartungen Die Stadt Regensburg hatte Anfang 1933 ca. 81.000 Einwohner. Während sich nach 1860 das gehobene Bürgertum nach Abbruch der Stadtmauern außerhalb der Altstadt umgeben von den neuen Parkanlagen an den neu entstandenen Ausfallstraßen angesiedelt hatte, war die Altstadt zu einem dicht bevölkerten Wohnquartier für die unteren sozialen Schichten geworden. Neben ca. 6.000 Arbeitslosen gab es zusätzlich noch 4.000 Wohnungslose und die Lebensbedingungen in der Altstadt waren wegen vieler Bauarbeiten (Kanalbau, Gas- und Wasserversorgung, Elektrifizierung, Straßenbahn) schwierig. Im März 1933 verkündete der kommissarische NSDAP-Bürgermeister Schottenheim gemäß dem Wirtschafts-Sofortprogramm der NSDAP seine Pläne zur „Errichtung einer Eigenheim-Siedlung zur Entproletarisierung des schaffenden Volkes“. Er beschrieb sein Vorhaben als eine Maßnahme von der alle Betroffenen positive Auswirkungen zu erwarten hätten: Aufbruch dichtbevölkerter Wohngebiete als den Orten von sozialen Unruhen und des politischen Widerstandes Rückführung entwurzelter Menschen zum eigenen Grund und Boden, Steigerung des Sozialprestiges durch Besitz eines Eigenheims Sicherung des sozialen Friedens durch Arbeitsbeschaffung für die durch Eigenheimbesitz immobil gewordene Bevölkerung Verringerung der Gefahr von Nahrungskrisen durch Selbstversorgung aus dem eigenen Garten Bei Vollbeschäftigung war von den Bewohnern eine gesteigerte Bereitschaft zur Industriearbeit zu erwarten Entlastung der öffentlichen Kassen durch die beim Bau geforderte Selbsthilfe und Selbstbeteiligung Verbesserung der schlechten Wohnverhältnisse in der Altstadt von Regensburg.

Die Siedlung war geplant als eine „völkische Gemeinschaftssiedlung“ und als nationalsozialistische Mustersiedlung, deren Bau die Wohnungsnot beheben sollte. Anfänglich war die Siedlung für 22.000 Personen geplant, eine Zahl, die nach Kriegsbeginn nicht mehr erreicht werden konnte und sich auf 4539 Bewohner reduzierte.

Bei der Grundsteinlegung am 17. September 1933 beschrieb Bürgermeister Schottenheim die Ziele des Siedlungsbaus emotional und betonte, dass nicht nur nüchtern und zweckmäßig Häuser zur Beseitigung der Wohnungsnot gebaut werden sollten, sondern dass ein neues städtisches „Gemeinwesen, eine neue Stadt entstehen solle, beherrscht vom Geist der Kameradschaft und der Treue und nur geeignet für gute Kameraden, als Keimzelle eines neuen Staates, zur Freude der Siedler, zur Ehre der Stadt und des deutschen Vaterlandes.“ Die Baumaßnahme wurde auch weithin öffentlich gemacht, indem der Holzbildhauer und spätere Stadtfotograf Christoph Lang den Auftrag bekam, ein Modell der geplanten Siedlung anzufertigen, das dann auf drei Ausstellungen in Tokio, Leipzig und Berlin präsentiert wurde.Peter Morsbach, Hanna Specht: Eine Stadt im Zweiten Weltkrieg. Regensburgs erster Stadtfotograf Christoph Lang 1937 bis 1959. Band 3 Morsbach, Regensburg 2020, ISBN 978-3-96018-095-1, S. 8f.

Erste Bauphase mini|Ehem. Hofkapelle des Harthofs

Die Siedlungshäuser der ersten Bauphase entstanden im Süden des Stadtteils, am Fuße der Jurahänge des Stadtteils Brandlberg-Keilberg westlich entlang der heutigen Bahnlinie nach Hof. Dort gab es einen Gutshof, genannt Harthof, der bereits 1031 als im Besitz von Kloster Sankt Emmeram nachweisbar ist. Das Areal des Guts gehörte bis 1924 zur Gemeinde Schwabelweis und wurde dann nach Regensburg eingemeindet. Der Gutsherr Michael Zahnweh, der das Gut von 1801 bis 1863 bewirtschaftete, hatte hier um 1850 eine Kapelle erbauen lassen.

Nach dem Abbruch der Gutsgebäude des Harthofs wurden die ersten Siedlungshäuser im Spätsommer 1933 von arbeitslosen Siedlern in Eigenleistung erbaut. Es entstanden westlich entlang der heutigen Bahntrasse Regensburg–Hof Häuser für 265 Siedlerstellen als Doppelhälften mit jeweils 50 m², auf Grundstücken von durchschnittlich 1000 m² zur Nutzung als Gartenfläche. Die Finanzierung erfolgte durch Reichsdarlehen und durch Darlehen aus einem städtischen Siedlungsfonds. Rückzahlungen erfolgten durch monatliche Tilgungen, wobei die eigene Mitarbeit bei den Tilgungszahlungen angerechnet wurden.

Die Kapelle des Harthofs überlebte die erste Bauphase, wurde dann aber 1985 um ca. 100 m westlich versetzt. Die im volkstümlichen Stil geschnitzten Heiligenfiguren in der Kapelle stammen von dem in der Siedlung ansässigen Bildhauer Max Reiger.

Am Nordende des Harthofareals wurde die Schule gebaut, die damals nach Hans Schemm dem NSDAP-Gauleiter Hans-Schemm-Schule genannt wurde. Seit 1945 nennt sich die Schule Konrad-Schule.

Zweite Bauphase Die zweite Bauphase für 185 Siedlerstellen begann 1935 westlich der ersten Siedlungshäuser im Bereich der flachen Höhenkuppe Am Flachlberg. Hier war die Südhanglage so günstig, dass auch Privatleute Eigenheime als freistehende Einfamilienhäuser durch Baufirmen errichten ließen. Beide Siedlungsteile hatten jeweils einen großen Marktplatz in der Mitte. Beim Platz Am Flachlberg wurde die noch heute bestehende Gaststätte Am Flachlberg errichtet. Am Nordende des Flachlberges wurde die Kirche gebaut, die allerdings über keinen eigenen Friedhof verfügte. Angehörige der Pfarrei wurden deshalb auf dem Friedhof der Pfarrei St. Josef (Reinhausen) bestattet.

Am Fuß der Höhenkuppe des Flachlbergs entstand das Kinder- und Schwesternheim der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, (NSV) heute der Kindergarten St. Konrad.

Dritte Bauphase Die dritte Bauphase begann ab 1936/37 nördlich der Ost-West verlaufenden Brandlberger Straße und umfasste ein Gebiet mit dem Flurnamen Reicher Winkel, benannt nach der Reinhausenener Familie Reich. Das Baugebiet in sonniger Südhanglage erwies sich als sehr beliebt, auch weil es bereits an das städtische Gasnetz angeschlossen war und weil die Gärten klein waren und nicht mehr durch Eigenbau selbst bestellt werden mussten. Außerdem hatte sich die allgemeine Wirtschaftslage stabilisiert. Die Bewerber stammten meist aus der Mittelschicht (Lehrer, Beamte, städtische Angestellte, Freiberufler) und die recht komfortablen Häuser mit Badezimmern wurden von ihnen privat finanziert.

Weitere Bauphasen, Endzustand 1940 Weitere Bauabschnitte wurden ab 1937/38 im nördlichen Abschnitt des Gebiets Reicher Winkel begonnen, aber während des Krieges bis zum Kriegsende nur teilweise und in sehr unterschiedlichen Bauweisen fertiggestellt. Hier entstanden auch komfortable Eigenheime für Betriebsangehörige des benachbarten Kalkwerks Buechl.

Das Straßennetz in der Gesamtsiedlung wurde vom Reichsarbeitsdienst angelegt und dem hügeligen Gelände dadurch angepasst, dass gerade verlaufende Straßenzüge vermieden wurden.

Als die Baumaßnahmen nach Kriegsbeginn im Oktober 1941 eingestellt wurden, zählte man 4539 Bewohner bei 961 Haushalten, von denen es sich in 827 Fällen um sog. Siedlerstellen mit Eigenheim und Garten auf 1000 m² handelte.An einigen Stellen der Siedlung wurden mit Sondergenehmigungen bis 1945 weitere Werkswohnungen für neu angelegte Industriebetriebe gebaut

Soziale Folgen