mini|hochkant=1.5|Karte des tibetischen Hochlands mini|hochkant|In Amdo, im Nordosten des tibetischen Hochlands

Das Hochland von Tibet, offiziell Qinghai-Tibet-Hochebene (, ), ist eine Landschaft und eine Ökoregion in Ostasien, die sich großteils über die westchinesischen Regionen Tibet und Qinghai erstreckt. Sie bildet als höchste Hochebene der Erde das wenig gebirgige Zentrum der Massenerhebung von Hochasien. Oft wird die Bezeichnung Dach der Welt für das tibetische Hochland verwendet.

Die Größe des Tibetplateu wird im Allgemeinen zwischen 2 Mio. und 2,5 Mio.km² angegeben, wobei alle Angaben die gesamten Randgebirge einschließen. Das wenig gebirgige Innere des Tibetischen Hochlands lässt sich näherungsweise aus dem Qiangtang- beziehungsweise Changthang-Plateau und dem Qaidam-Becken fassen. Für das Qiangtang-Plateau werden 597.000 km² angegeben, für das Qaidam-Becken etwa 120.000 km²; zusammen ergibt dies rund 720.000 km², wobei das östlich anschließende Yarmothang-Hochland je nach Abgrenzung zusätzlich einzubeziehen ist.Guocheng Dong, Chaolu Yi, Lijia Chen: An Introduction to the Physical Geography of the Qiangtang Plateau: A Frontier for Future Geoscience Research on the Tibetan Plateau. In: Physical Geography. Band 31, Nr. 6, 2010, S. 475–492, doi:10.2747/0272-3646.31.6.475.Jie Wang u. a.: Geological Features and Evolution of Yardangs in the Qaidam Basin, Tibetan Plateau (NW China): A Terrestrial Analogue for Mars. In: Journal of Geophysical Research: Planets. Band 123, Nr. 9, 2018, S. 2336–2364, doi:10.1029/2018JE005719. Nach den Grenzen der Karte Mountains vom Global Mountain Biodiversity Assessment kann man eine Fläche von rund 800.000 km² für das eigentliche Hochland ermitteln.

Etwa ein Drittel der Ökoregion liegt über 5000m hoch. Da die Begrenzung des Gebietes unterschiedlich gezogen wird, sind die Angaben zum höchsten Berg des Hochlandes uneinheitlich: Werden die Randketten des Hochlandes komplett einbezogen, ist es der 8849 m hohe Mount Everest, der gleichzeitig der höchste Berg Hochasiens und der Erde ist. Meistens werden nur die zum Zentrum weisenden Abdachungen der Randgebirge berücksichtigt. In diesem Fall ist es der 7206 m hohe Noijinkangsang in der Nordabdachung des Himalaya. Wird nur das zentrale Hochplateau betrachtet, ist es der 7162m hohe Nyainqêntanglha im Transhimalaya.

Die Vegetation des Hochlandes besteht größtenteils aus artenarmen Matten, Hochlandsteppe und Kältewüsten. Die Nutzung beschränkt sich auf eine sehr extensive, meist noch nomadisch betriebene Weidewirtschaft in den niedrigeren Regionen, die bereits seit Jahrtausenden existiert.

Im westlichen Hochland finden sich nur abflusslose Gewässer, die zudem häufig salzig sind und schnell austrocknen. Im Süden befinden sich jedoch die Quellflüsse der großen Ströme Indus, Brahmaputra, Salween, Mekong, Jangtsekiang und Gelber Fluss sowie einige Nebenflüsse des Ganges.

Aufgrund des niederschlagsarmen Klimas weisen nur die Gebirgszüge am Rand des Plateaus schwache Vergletscherungen auf.

Zumindest auf dem Papier stehen große Teile des Hochlandes unter Naturschutz. Im Jahr 2021 nahm die chinesische Volksrepublik am südöstlichen Rande des Tibeter Hochlands zwischen Lhasa und Nyingchi einen Streckenabschnitt der Sichuan-Tibet-Bahn in Betrieb. Bei Fertigstellung wird die Sichuan-Tibet-Bahn auch durch die ebenfalls im Südosten des Hochlands liegenden Verwaltungsgebiete Bomê und Zogang führen.

Geographie Das Hochland gliedert sich in das westlich gelegene Changthang im autonomen Gebiet Tibet (AGT) der Volksrepublik China sowie das weitgehend in der chinesischen Provinz Qinghai gelegene zentrale Yarmothang-Hochland, das im Nordosten liegende inselartige Qaidam-Becken in Qinghai und die Bergländer im Übergang zur Grenze der Provinz Sichuan. Es umfasst den größten Teil des historischen Tibets sowie des heute chinesischen autonomen Gebietes Tibet (AGT).

Im Norden wird das hügelige- bis mittelgebirgige Hochplateau von den Bergketten des Altun-Qilian-Kunlun begrenzt. Im Westen bildet das Karakorum-Gebirge und im Süden der Transhimalaya – oder je nach Autor der Himalaya – die Grenzen. Im Osten werden das Tanggula Shan und das Bayan-Har-Gebirge als Teile des Hochlandes verstanden, während die Gebirgszüge des (erweiterten) Hengduan Shan die Ostgrenze bilden.

Auf dem inneren Plateau gibt es mehr als 740 Seen mit einer Fläche >1 km2. Bezieht man die abgrenzenden Gebirgszüge mit ein, erhöht sich diese Zahl auf mehr als 1100 Seen. Darunter befindet sich u. a. der größte See Chinas, der Qinghai-See. Weitere große Wasserkörper sind beispielsweise Seling Co, Nam Co und Tangra Yumco auf dem zentralen tibetischen Hochland, Gyaring-See und Ngoring-See im Quellgebiet des Gelben Flusses, und der Hala-See im nördlichen Qilian Gebirge. Weiterhin gibt es zahlreiche Salzseen.

Klima Obwohl das gesamte Hochland von Tibet in der subtropischen Klimazone liegt, führt das ausgeprägte Höhenklima zu einer extrazonalen Vegetation, die eher an kaltgemäßigte bis polare Klimate erinnert. Demgegenüber sind jedoch einige entscheidende Unterschiede zu beachten:

Das Klima ist durch hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und durch schnelle, starke Wetterwechsel gekennzeichnet. Die Durchschnittstemperatur im Changtang variiert, wobei sie im Süden und Westen höher ist als im Norden und Osten. Am See Aru Co im Kreis Rutog liegt die Durchschnittstemperatur bei −8 Grad, in Shuanghu im Nordosten bei −24 Grad Celsius. Die jährlichen Temperaturschwankungen sind nicht so extrem wie die täglichen. So können die Temperaturen im Westen durchaus von +20 auf −40 Grad Celsius fallen. Im Nordosten, im Kreis Shuanghu, klettern die Temperaturen selbst im Juli nicht über den Gefrierpunkt. Die Durchschnittstemperatur liegt dann bei etwa −10 Grad Celsius.

Die Lage in subtropischen Breiten und großer Meereshöhe führt zu einer extrem starken Sonneneinstrahlung, sodass die Temperaturen im Sommer rund 25 Kelvin höher liegen als sie es ohne diese Faktoren wären (siehe Massenerhebungseffekt). Ebenso extrem ist auch die nächtliche Ausstrahlung, die selbst im Sommer Frostnächte bringen kann. Die Nordhälfte des Hochlandes ist komplett Permafrostgebiet, in der Südhälfte gilt das nur für die Gebirge.

Die Abschirmung durch die Randgebirge hat ein sehr trockenes Klima zur Folge, sodass es selten regnet oder eine Schneedecke entsteht. Indirekt ist dies am fehlenden weißen Winterkleid in der Tierwelt zu erkennen (wie es etwa vom Alpenschneehuhn und dem Schneehasen anderer kalter Klimate bekannt ist). Die meisten Niederschläge fallen im Sommer: Tagsüber meist heftige Gewitterschauer und nachts langanhaltender Niesel- und Schneeregen bei Westwind. Die enormen Tag-/Nacht-Unterschiede führen zu häufigen Gewittern (Jahresmittel: 90 Tage), die oft mit Sturmböen sowie in einigen Regionen Sandstürmen verbunden sind. Gegen Westen und Norden sinken die Jahresmittel der Niederschläge auf 20 bis 80mm.

Vegetation Subalpin Degradierte Waldstandorte Bis auf die Vorposten der Gebirgs-Nadelwälder aus Himalaja-Fichte und Tanne in den südöstlichen Tälern ist das Hochland heute waldfrei. Die aus religiösen Gründen geschützten vereinzelten Tibet- und Mekong-Wacholder (im subalpinen Süden Tibets bis 4800 m Höhe bei mindestens 200mm Jahresniederschlag) deuten jedoch darauf hin, dass hier einmal offene Wacholderwälder standen. Es wird angenommen, dass früher bis auf unter 4000m Wacholderwälder (Sonnhänge) oder Birken-Zitterpappelwälder (Schatthänge) wuchsen. Heute breiten sich dort allgemein dornstrauchreiche Trift-Weiden mit einem halbwüstenartigen Charakter und nur ganz vereinzelten Wacholdern oder immergrünen Eichen aus. Strauchvegetation sowie Seggen, Kräuter, Rhododendron- und Weiden-Dickichte mit vereinzelten Fichten und TannenGeorg Miehe, Sabine Miehe, Frank Schlütz und Frank Lehmkuhl: Wie natürlich ist die Vegetation der Hochweiden Osttibets? in Geographische Rundschau 59 (2007), Heft 11, S. 28–34. finden sich auf größeren Flächen und mit höherwüchsigen Pflanzen nur auf abgelegenen Standorten, während der Bewuchs in Siedlungsnähe immer niedriger und spärlicher wird. Die Hirten fördern die Wüstenbildung, indem sie die Sträucher mit dem Wurzelstock entfernen.

Mattenregion Den Übergang zur alpinen Höhenstufe und die einzige geschlossene Pflanzendecke des Hochlandes bildet der sogenannte Kobresia pygmaea-Rasen, der vor allem das östliche Hochland bestimmt und optisch an einen Golfrasen erinnert. Diese nur in Tibet vorkommende Pflanzenformation wird von der meist nicht mehr als 3cm hohen gleichnamigen Schuppensegge geprägt, die heute eine bis zu 30cm dicke Harttorfschicht bildet. In den niedrigeren Regionen zwischen unter 4000 und etwa 4800m ist dieser artenarme Rasen, der zu 95% aus diesem Sauergras und zu 5% aus Moosen und Krustenflechten gebildet wird, geschlossen. Auf potenziell waldbestandenen Sonnenhängen hat sich diese weidefeste und hangstabilisierende Vegetation nach der Brandrodung ausgebreitet. Erst im Übergang zu den Hochlandsteppen in Höhen von 4800 (Ost-Tibet) bis über 5500m (West-Tibet) tritt durch Austrocknung und Überweidung immer häufiger der nackte Torf zutage. Die Kobresia-Matten sind die Hauptweidegründe der Yak-, Schaf- und Ziegenherden der Nomaden, obwohl die Yaks nur die Spitzen der Gräser verwerten können und Schafe und Ziegen maximal zwei Drittel. Der Torf wird auch zum Hausbau verwendet. Wo die Rasenmatten durch Weidevieh und andere Nutzung, Pfeifhasen-Baue und Frosteinwirkung aufgerissen ist, siedeln sich häufig verschiedene Rosettenpflanzen an, sodass die degenerierten Mattenflächen wesentlich artenreicher sind, als die intakten. Aktuelle Studien legen nahe, dass die großen Flächen des Kobresia pygmaea-Rasens nicht natürlich entstanden sind, sondern sich als Folge der dauerhaften Beweidung seit 5000 Jahren etablierten (vgl. Alm, Páramo).

Alpin Die alpine Höhenstufe, die etwa zwischen 4500 und 5300m liegt, wird je nach Wasserhaushalt von zwei Vegetationstypen bestimmt:

Hochlandwüste Die alpine Wüste, die das kleinste extrazonale Biom des tibetischen Hochlandes ist, findet sich vor allem im Westen im Übergang zum Karakorum, das die Region großräumig abschirmt und zu dauernder und seit dem Ende des mittleren Holozäns fortschreitenden Trockenheit führt. Die tibetische Wüste gehört mit weit verbreiteten Flechtenarten, lokal kleinflächig vorkommenden Rosetten- und Polsterpflanzen sowie einer einzigen Zwergstrauchart zu den artenärmsten Regionen der Erde.

Hochlandsteppe Mehr als ein Drittel des Gesamtraumes ist von alpiner Hochlandsteppe bewachsen. Sie nimmt vor allem die nordwestliche Hälfte Tibets und damit fast den gesamten Changthang ein. Floristisch kann sie mit nur 17 bis 25 Pflanzenarten als artenärmere Höhenvariante der zentralasiatischen Kurzgrassteppen betrachtet werden. Zu den Flechten, Rosetten- und Polsterpflanzen der Höhenwüste gesellen sich hier Horste von Seggen und Süßgräsern, die jedoch selten mehr als 40% des Bodens bedecken. Die Entwicklung zur Halbwüste ist offensichtlich. Vermutlich liegt die Ursache für die Pflanzenarmut nicht nur am extremen Gebirgsklima, sondern auch an der seit über sieben Jahrtausenden stattfindenden Beweidung, da es sich bei den Pflanzen ausschließlich um verbissfeste Arten handelt.

Seggenmoore An wasserreichen Standorten in subalpinen und alpinen Höhenlagen sind Seggenmoore aus der 30 bis 80cm hohen Schuppensegge Kobresia schoenoides entstanden. Diese Segge wächst zu kopfartigen Bulten aus festem Harttorf auf. Die bis zu 10 % der Flächen einnehmenden anderen Pflanzenarten sind wiederum Rosettenpflanzen – hier meist salztolerant – sowie Kobresia pygmaea. Ihre größte Ausbreitung haben sie in den alpinen Permafrostsümpfen im Quellgebiet der großen ostasiatischen Ströme im Osten des Hochlandes (Naka-Moore). Im Westen des Hochlandes führt die andauernde Austrocknung zum Absterben vieler Seggenmoore.

Nival Frostbodenfluren