mini|380x380px|Swami Omkarananda (1974)rahmenlos|zentriert|246x246px Swami Omkarananda (auch Omkarananda Saraswati; * 25. Dezember 1929 in Hyderabad, im Bundesstaat Andhra Pradesh, Indien; † 4. Januar 2000 in Langen bei Bregenz, Österreich), mit bürgerlichem Namen Hari Krishnain Secunderabad, war ein indischer Mönch, Philosoph, Schriftsteller, Mystiker und spiritueller Lehrer. Er gründete 1966 das Divine Light Zentrum (DLZ) in Winterthur in der Schweiz, 1983 den Omkarananda-Ashram in Rishikesh in Indien und 1986 den Omkarananda-Ashram Austria in Langen bei Bregenz. 1979 wurde Omkaranda wegen eines Anschlags auf das Haus des Zürcher Regierungsrats Jakob Stucki vom Bundesgericht zu 14 Jahren Haft verurteilt und wurde 1985 vorzeitig entlassen. Seit dem Urteil kämpfen seine Anhänger für seine Rehabilitation, Omkarananda selbst erkannte das Urteil nie an.

Leben und Wirken

Kindheit und Jugend Hari Krishnain Secunderabad, so sein bürgerlicher Name, verbrachte seine Kindheit in Südindien in Secunderabad, einem Vorort von Hyderabad. Er besuchte dort eine der im Zuge des britischen Kolonialreichs gegründeten christlichen Missionsschulen und erhielt dadurch früh seinen Bezug zum Christentum. Er galt als introvertierter Jugendlicher, der viel Zeit mit dem Lesen von spiritueller Literatur verbrachte. So auch Bücher von Swami Sivananda, einem bekannten indischen Yoga-Meister und Lehrer des Vedanta. Bereits im Alter von dreizehn Jahren machte er erste spirituelle Erfahrungen. Als Sechzehnjähriger verließ er seine Heimat im Süden und reiste durch den indischen Kontinent nach Rishikesh am Fuße des Himalayas, um dort Swami Sivananda zu begegnen.

Eintritt in den Sivananda Ashram Swami Sivananda Saraswati, Gründer und geistliches Oberhaupt, war Mönch in dem von Adi Shankara im 9. Jahrhundert n. Chr. etablierten hinduistischen Orden in der Ordens-Linie Saraswati. Der Mönchsorden steht in der altindischen Advaita-Vedanta-Tradition. Zu dieser Zeit war Sivananda bereits im Westen als indischer Weisheitslehrer und Yogi bekannt. Im Juni 1946 trat Hari Krishna in den Ashram ein.

Bereits in seinem ersten Jahr im Ashram durfte er seinem geistigen Lehrer assistieren, indem er Briefe für ihn schrieb oder Schriften für den Ashram verfasste. Swami Sivananda nannte ihn liebevoll „Bala-Jnani“, was so viel wie „ein Weiser im Kindesalter“ bedeutet. Sowohl Swami Sivananda wie auch die Mitglieder des Ashrams erkannten den besonderen Reifegrad seiner spirituellen Entwicklung und so erteilte ihm sein Lehrer im September des Jahres 1947 kurz vor seinem 18. Geburtstag die Initiation als Sannyasin. Er wurde damit in den Orden aufgenommen und erhielt den monastischen Namen Swami Omkarananda Saraswati.

Leben als Mönch Omkarananda lebte ein asketisches und zurückgezogenes Leben, an großen Festlichkeiten nahm er kaum teil. Er wohnte am Rand des Ashrams in einer kleinen Hütte, einem sogenannten Kutir, ohne Strom und Heizung und las viel bei Kerzenlicht. Aufgrund seiner Liebe zur Literatur wurde er bald der Publikationsabteilung zugeteilt und mit dem Herausgeben von Büchern für Swami Sivananda und den Verlag betraut.

Studium Swami Omkarananda studierte an der „Yoga-Vedanta Forest Academy“, welche von Sivananda 1948 gegründet worden war. Er beschäftigte sich mit europäischen Philosophen wie u. a. Plato, Kant, Leibniz, Schleiermacher. Dies war die Grundlage für seine weiteren wissenschaftlichen Arbeiten. Im Jahr 1954 schloss Swami Omkarananda das Master-Studium der Philosophie an der Yoga-Vedanta Forest University mit dem akademischen Titel „Master of Philosophy“ ab. Dies ist zu erkennen in seinem Buch „Studies in the Personality of Swami Sivananda“, das im Jahr 1955 veröffentlicht wurde, und in welchem er als „Master of Philosophy“ bezeichnet wird.

Leiter der Druckerei mini|273x273px|alt=Swami Omkarananda schreibt auf einer Schreibmaschine im Jahr 1968|Swami Omkarananda beim Schreiben von Manuskripten (1968) Der Ashram erfuhr in den Jahren 1947 bis 1957 eine große Wachstumsphase. Es entstand eine Ashram-eigene Druckerei und ein Verlag für Publikationen und Druck-Erzeugnisse. Die Druckerei diente in Folge auch als Universitätsdruckerei für lokales und internationales Lehrmaterial sowie für Publikationen für Interessierte und Yoga-Studenten. Der Verlag erzeugte und verlegte eine große Anzahl von Büchern, Publikationen und Lehrmaterial, darunter viele Bücher von Swami Sivananda und Publikationen wie das „Divine Life Magazin“. Im Jahr 1953 wurde Swami Omkarananda durch seine organisatorischen Fähigkeiten mit der Leitung der Druckerei betraut, der „Yoga-Vedanta Forest Press“.

Nach einem Jahr als Leiter der Druckerei wollte er sich mehr mit Inhalten und spirituellen Lehren als mit dem Management beschäftigen und widmete sich wieder dem Schreiben und Herausgeben von Büchern für Swami Sivananda.

Verlags- und Publikationstätigkeit Im Alter von 18 Jahren, nachdem er erst knapp ein Jahr im Ashram lebte, verfasste Omkarananda sein erstes Buch über Sivananda „The story of an eminent Yogi“, eine biographische Zusammenstellung von Informationen über Sivananda. Dieses wurde, nicht zuletzt aufgrund der internationalen Bekanntheit von Sivananda, weltweit bekannt. Er schrieb in weiterer Folge eine Vielzahl an Büchern.

Mit 25 Jahren, als Master of Philosophy, schrieb er eine vergleichende Studie „Shakespeare on Sivananda“, welche in Indien und im Westen von Fachleuten und Literaturkritikern als literarische Leistung wahrgenommen wurde. So bezeichnete ihn z. B. Audry Karegre, Autorin von “Color and Personality”, als ‘a brillant genius’.

Des Weiteren vertiefte er seine vergleichenden literaturwissenschaftlichen Studien und verglich das Werk von Swami Sivananda mit im Westen bekannten Schriftstellern und Philosophen. In den Jahren 1960 und 1961 publizierte er die ersten zwei Bände eines enzyklopädischen Werkes über das literarische Gesamtwerk von Swami Sivananda als Forscher an der Yoga-Vedanta Forest Academy. Beide Bände sind vergleichende Studien in der Sivananda Literatur und befassen sich u. a. mit Ethik, Psychologie, Religion, Yoga, Vedanta, Mystik, Medizin, Musik, Kunst, Literatur, Wissenschaft, Bildung, Kultur, Soziologie und internationalem Recht. „The Sivananda Literature. Preliminary Contributions to comparative Studies and Researches in The Sivananda Literature. Volume 1.“ wurde, wie auch die Bücher „Dawn of divine life“ und „Studies in the Personality of Swami Sivananda“ als wissenschaftliche Arbeit von der Stanford University in den USA anerkannt. Band 2 von „The Sivananda Literature“ wurde im Jahr 1961 publiziert.

Ankunft und Wirken in der Schweiz mini|227x227px|alt=Swami Omkarananda steht neben Hanna Hermann in Winterthur, Schweiz im Jahr 1965|Swami Omkarananda und Hanna Hermann nach der Ankunft in Winterthur, Schweiz (1965) Swami Omkarananda lebte und wirkte zwanzig Jahre (von 1946 bis 1966) im Sivananda Ashram und war einer der bedeutenden Schüler von Swami Sivananda. Am 14. Juli 1963 verstarb Sivananda. Zwei Jahre danach folgte Swami Omkarananda der schon seit Jahren bestehenden Einladung von Hanna Herrmann, einer schweizerischen Ordensschwester aus dem Sivananda Ashram, sie in der Schweiz zu besuchen. Er blieb zunächst für ein paar Monate in der Schweiz. Im Jahr 1966 reiste er erneut in die Schweiz, um dieses Mal im Westen zu bleiben.

In Winterthur gründete er im gleichen Jahr, analog zu der von seinem Lehrer gegründeten „Divine Life Society“ das Divine Light Zentrum, das auch als Forschungsinstitut für Wissenschaftssynthese dienen sollte. In den folgenden Jahren entstanden in Deutschland, Österreich und England weitere Vereine und Zweigstellen.

Omkarananda veröffentlichte eine Vielzahl an Büchern in deutscher Sprache. Viele Broschüren und Bücher wurden in weitere Sprachen übersetzt. Basierend auf seiner inneren Erfahrung, der Advaita Vedanta Tradition, der Lehre von Swami Sivananda sowie auf der Grundlage seiner eigenen fast zwanzigjährigen Expertise als Schriftsteller und Herausgeber wirkte er hier als spiritueller Lehrer.

Er weihte zahlreiche Menschen als Sannyasins in der Advaita Vedanta Tradition ein. Wie Sivananda machte er hierbei keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Im Jahr 1973 eröffnete er einen vedischen Tempel in Winterthur. Dort wird seit über 40 Jahren täglich eine mehrstündige Feuerzeremonie zum Wohl der Menschheit durchgeführt. Seit 1982 wird in einem weiteren Tempel, dem Veda-Mandir, das Maha-Mrityunjaya-Mantra für den Frieden und das Wohlergehen der Menschheit gebetet.

Aktivitäten in Indien 1993 gründete Swami Omkarananda einen weiteren Ashram, den Omkarananda Ashram Himalaya in Rishikesh. Es wurde eine Yogaschule gegründet. sowie zahlreiche kleinere Tempel erworben.

Leben und Wirken in Österreich Im Jahr 1985 reiste Swami Omkarananda nach Österreich und gründete dort den Omkarananda Ashram Österreich in Langen bei Bregenz. Dort lebte er seinen Leitspruch „Erlange Weisheit, liebe, diene, meditiere, erfahre Gott“ vor und führte die Meditationsansprachen bis zu seinem Ableben fort.

Bildungsprojekte Die von Swami Omkarananda gegründeten Organisationen in Uttarakhand, Indien, sind karitativ im Bereich von Bildung und Erziehung tätig und unterhalten Dutzende von Schulen und Institutionen im Vorgebirge des Himalaya. In den Garhwal-Bergen werden über vierzig Omkarananda Hill Schools finanziert und betrieben. Dadurch erhalten die Mädchen und Buben in den Bergdörfern die Möglichkeit einer grundlegenden Bildung. Weiter wird ein Intermediate College, das „English Medium Inter-College“ mit rund 2400 Schülern in Rishikesh und weitere Institutionen in Uttarakhand, Indien, betrieben.

Seit 1999 besteht das Omkarananda Institute for Management and Technology, kurz OIMT, welches von AICTE akkreditiert ist und mehrere Master-Programme in den Bereichen Business und Technik anbietet. Die Schulen vertreten Swami Omkaranandas Wahlspruch: „Denke wie ein Genie, arbeite wie ein Riese, lebe wie ein Heiliger -Think like a genius, work like a giant, live like a saint.“

Regionaler Konflikt Swami Omkarananda wirkte auf viele Menschen aus ganz Europa wie ein Magnet, der die Weisheit des Ostens nach Europa brachte. Der Inder mit fremdem Glauben, die vielen Besucher aus ganz Europa, die steigende Anzahl an hellblauen Häusern und die Bautätigkeiten im bürgerlichen Wohnviertel Brühlberg in Winterthur brachten Unruhe in die Nachbarschaft und in weiterer Folge eine Polarisierung und Politisierung mit sich.Audio & Podcasts:

Anschlag und Rechtsverfahren in der Schweiz Am 8. Oktober 1975 wurde auf das Haus des damaligen Zürcher Regierungsrates Jakob Stucki in Seuzach bei Winterthur ein Bombenanschlag verübt, bei dem ein Sachschaden entstand, aber niemand verletzt wurde. Zwei Teenager und junge Anhänger des DLZ wurden als Täter ermittelt. Im Mai 1979 wurde Omkarananda vom Bundesgericht wegen des Anschlags zu 14 Jahren Haft verurteilt und bereits 1985 entlassen. Swami Omkarananda wies stets alle Vorwürfe bezüglich einer Mittäterschaft oder auch nur eines Mitwissens zurück und erkannte das Urteil nicht an.

In der Folgezeit wurde von einem Journalisten die Vermutung geäußert, dass die Bombe mit Hilfe oder Duldung der Polizei gelegt worden sei. Zudem sei eine am Anschlag mitbeteiligte Anhängerin des DLZ in Winterthur eine Agentin der Polizei gewesen. Am 30. März 1999 wurden eine Administrativuntersuchung hierzu beauftragt. Diese hat keine Beweise oder gewichtigen Indizien zutage gebracht, wonach diese Thesen wahr sein könnten. Allerdings wurde auch angegeben, dass die Teenager und Anhänger des DLZ die Sprengkörper aus eigenem Antrieb zu beschaffen suchten und dass es zu Ermittlungspannen gekommen war., EJPD, 27. Oktober 2000, abgerufen am 3. April 2021.

Philosophie und Lehre

Bezug zur Philosophie des Advaita Vedanta