Aerophagie (häufiges und ausgeprägtes Luftschlucken) ist ein Symptom bzw. Symptomenbild, das oft unbewusst im Rahmen psychischer oder vegetativer Störungen auftritt. Die Folge kann vermehrtes Aufstoßen (als lautes Aufstoßen Rülpsen genannt) sein, wobei Luft aus dem Magen entweicht. Luftschlucken und das im Rahmen eines natürlichen Reflexablaufes folgende Aufstoßen sind beim Säugling häufig anzutreffen.

Eine krankhafte Aerophagie kann zu Völlegefühl im Oberbauch (durch Aufblähung des Magens) und, wenn kein Entleeren durch Aufstoßen erfolgt, nach Weiterbeförderung der Luft in den Darm zur Pneumatosis intestini mit kugelförmiger Auftreibung des Bauches führen.

In der ICD-10 wird die Aerophagie unter den somatoformen autonomen Funktionsstörungen als F45.3 eingeordnet.

Die Bezeichnung Aerophagie findet sich bereits 1926 als AérophagieLeven: L’Aérophagie. Paris 1926. im Französischen.

Mögliche Ursachen Baucherkrankungen Magenkrankheiten (Gastritis. Magengeschwür) Enterokolitis Gallenblasenerkrankungen Zwerchfellschwäche psychogene bzw. funktionelle neurotische Störungen (mit Herzstörungen)

Differentialdiagnosen (Beispiele) Angina pectoris, Koronarinsuffizienz, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen Magenleiden Gallenleiden Ileus Leberzirrhose

Siehe auch Schluckauf (Singultus) Roemheld-Syndrom

Literatur Günter Clauser: Funktionelle Verdauungsstörungen („Magen- und Darmneurosen“). In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. 1961, S. 1252–1255, hier: S. 1253–1254: Die Aerophagie (Luftschlucken). Ferdinand Hoff: Über Aerophagie. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 15–19.

Einzelnachweise

Kategorie:Krankheitsbild in der Gastroenterologie