Die Spreewaldbahn, , war eine meterspurige Schmalspurbahn im Spreewald, von deren Betriebsmittelpunkt Straupitz die Strecken der Schmalspurbahn nach Lübben, Goyatz, Lieberose und Cottbus führten. Im Volksmund hieß die kleine Bahn „Spreewaldguste“, „Bimmelguste“ bzw. „Tschuchte“.
Die Spreewaldbahn AG war von 1933 bis 1945 auch Eigentümerin und zeitweilige Betriebsführungsgesellschaft.
In Betrieb war die Spreewaldbahn im Personenverkehr von 1898 bis 1970 (Restabschnitte), im Güterverkehr auf dem Reststück Cottbus Spreewaldbahnhof – Cottbus Flughafen (drei Gleisanschlüsse) noch bis 1983 (Umspurung auf Normalspur). Auf allen anderen Strecken wurde der Güterverkehr bis zum Jahr 1968 schrittweise aufgegeben. Danach wurden alle Gleisanlagen bis auf letzte Reste des Spreewaldbahnhofs in Burg abgebaut, dort stehen heute neben einer Gaststätte im Bahnhofsgebäude verschiedene Originalfahrzeuge im Außenbereich. Am ehemaligen Bahnhof Straupitz baut der Verein IG Spreewaldbahn eine Ausstellung auf, die sieben originale Wagen der Spreewaldbahn zeigt.
Geschichte In den 1890er Jahren wurden Pläne diskutiert, den Spreewald mit einer Eisenbahn zu erschließen. Diese Idee wurde jedoch nicht von allen Beteiligten begrüßt. Zu den größten Befürwortern zählten Graf von der Schulenburg in Lieberose sowie der frühere Landrat des Landkreises Lübben (Spreewald), Ernst von Houwald, wohingegen einflussreiche Geschäftsleute wie Rittmeister Ernst von Heynitz-Neuhausen gegen die Bahn argumentierten.
Die ursprüngliche Idee einer regelspurigen Nebenbahn scheiterte an den strengen gesetzlichen Grundlagen und an der Finanzierung. Man entschied sich daher für eine 750-mm-spurige Bahn. Da man allerdings von Anfang an beabsichtigte, regelspurige Güterwagen auf Rollböcken zu transportieren, die zuständige Eisenbahndirektion Halle dies allerdings wegen der Sicherheitsbedenken bei dieser schmalen Spur untersagte, wurde die Bahn schlussendlich in Meterspur ausgeführt.
Die Lübben-Cottbuser Kreisbahnen Als Eigentümer der zu bauenden Spreewaldbahn gründete der Landkreis Lübben unter Beteiligung der kreisfreien Stadt Cottbus am 11. bzw. 12. Dezember 1896 die Lübben-Cottbuser Kreisbahnen (offizielle Abkürzung LCK). Der ebenfalls betroffene Landkreis Cottbus lehnte das Projekt ab und war daher nicht daran beteiligt. Mit dem Bau und Betrieb der Bahn wurde das Berliner Unternehmen Becker & Co. mit Vertrag vom 21. Dezember 1896 beauftragt.
mini|Bahnhofsgebäude in Straupitz, Foto vor 1909 Der offizielle Baubeginn erfolgte mit der Grundsteinlegung des Bauhofsgebäudes in Straupitz am 16. März 1897. Von hier aus wurde die Bahn in mehrere Richtungen gleichzeitig gebaut. Nachdem die ersten Lokomotiven der Bahn am 3. August 1897 am Lieberoser Anschlussbahnhof eintrafen und in der Folgezeit auch schon Bauzüge zogen, wurden die ersten Strecken der Bahn am ersten Pfingstfeiertag, dem 29. Mai 1898, offiziell eröffnet. Dabei handelte es sich um die Strecken Lübben Ostbahnhof–Straupitz–Byhlen–Lieberose Anschlussbahnhof, wo Anschluss an die Cottbus-Großenhainer Eisenbahn bestand, und Straupitz–Goyatz.
Die Eröffnung des Streckenabschnitts Byhlen–Burg verzögerte sich jedoch bis zum 29. Juni 1898, da der Streit um den Schlossberg bei Burg viel Zeit kostete, einen eisenzeitlichen Rundwall, dessen vollständige Abtragung das ursprüngliche Projekt vorsah. Letztlich durfte aber nur ein bereits bestehender Einschnitt für die Bahn erweitert werden, was die Verlagerung der Strecke um etwa 60 Meter von der geplanten Trasse notwendig machte. Die bei der Erweiterung des Einschnitts gemachten archäologischen Funde, beispielsweise bronzezeitliches Geschirr, Münzen, Knochen und Ähnliches, gingen an das Berliner Naturkundemuseum. 1917 wurde schließlich der Burger Bismarckturm auf dem Schlossberg errichtet, der daraufhin weitere Ausflügler anlockte. Nachdem die Brücken über die Spree und den Umflutkanal fertiggestellt waren, konnte am 23. Oktober 1898 auch der Abschnitt Lübben Ostbahnhof–Lübben Anschlussbahnhof mit Anschluss an die Berlin-Görlitzer Eisenbahn eröffnet werden.
Querelen im Landkreis Cottbus, die zu langwierigen gerichtlichen Enteignungsverfahren führten, verzögerten die Eröffnung des Abschnitts Burg–Cottbus Westbahnhof bis zum ersten Pfingstfeiertag, dem 21. Mai 1899. Der Cottbuser Westbahnhof war ursprünglich gar nicht geplant und wurde nur als Notlösung errichtet, da die endgültige Linienführung im Cottbuser Stadtgebiet auf Grund des geplanten Umbaus des Staatsbahnhofs noch nicht feststand. Letztendlich wurde der Abschnitt Cottbus Westbahnhof–Cottbus Anschlussbahnhof am 7. Dezember 1899 offiziell eröffnet. Im Cottbusser Anschlussbahnhof (heute Spreewaldbahnhof genannt) bestand Anschluss an den Cottbuser Staatsbahnhof und somit an die Berlin–Görlitzer Eisenbahn, die Cottbus-Großenhainer Eisenbahn mit den Strecken nach Dresden und Frankfurt (Oder) sowie die Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn mit den Strecken nach Guben, Halle / Leipzig und Sorau.
Ab dem 1. Mai 1904 vervollständigte der nur dem Güterverkehr dienende Abschnitt Goyatz–Goyatz Umschlaghafen am Schwielochsee das Streckennetz der Spreewaldbahn, war allerdings nach dem Ersten Weltkrieg auch der erste stillgelegte und 1929 der erste rückgebaute Abschnitt der Bahn, da die erhofften Kohletransporte aus den Gruben südlich von Cottbus mangels der geplanten, aber nie realisierten Verlängerung der Spreewaldbahn nach Proschim nie zustande kamen. Ebenfalls nie realisiert wurde die von Anfang an konzessionierte Verlängerung von Goyatz nach Briescht zur damals noch in Planung befindlichen Strecke Lübben–Beeskow der Niederlausitzer Eisenbahn.
Die Spreewaldbahn AG Auf Grund der durch die Inflation bedingten schlechten wirtschaftlichen Situation der Lübben-Cottbuser Kreisbahnen wurde von Eigentümer und Betreiber die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft betrieben, die letztlich mit der Spreewaldbahn AG (offizielle Abkürzung: Spwb) mit Sitz in Lübben durch Vertrag der Anteilseigner vom 16. August 1923 und Eintragung in das Handelsregister im April 1924 gegründet wurde. Aktionäre waren der Landkreis Lübben (69 %), die Stadt Cottbus (25 %) und die Eisenbahnbaugesellschaft Becker & Co. GmbH (6 %); die Betriebsführung wurde 1924 vertraglich für weitere 17 Jahre an Becker & Co. vergeben.
In Vorbereitung auf die geplante, aber nie realisierte Erweiterung der Bahn über Goyatz hinaus nach Friedland nahm die Spreewaldbahn 1931 den Busverkehr auf den Linien Lübben–Goyatz–Friedland und Straupitz–Lieberose–Goyatz–Friedland auf. Da die potenziellen Fahrgäste für die Fahrt nach Friedland großen Teils das Fahrrad bevorzugten, wohl nicht zuletzt auch wegen der häufigen Ausfälle des Busses, rentierte sich diese Verbindung jedoch nicht und wurde zum 1. Januar 1933 eingestellt.
Streitigkeiten zwischen der Betreibergesellschaft und den Aktionären sorgten dafür, dass der Betreibervertrag am 26. Oktober 1933 vorzeitig aufgelöst wurde, der Landkreis Lübben und die Stadt Cottbus die Aktien von Becker & Co. aufkauften und die Spreewaldbahn AG selbst zum Betriebsführer wurde. Am 1. April 1937 übernahm die Eisenbahnabteilung des Landesverkehrsamts Brandenburg die Betriebsführung.
Die Zeit als Landesbahn und unter der Deutschen Reichsbahn mini|Rückbau der letzten Schmalspurgleise, Cottbus Spreewaldbahnhof (Februar 1983) mini|Der zweite „Abbauzug“ mit Tatra 148 der NVA und Rollwagen, Cottbus Spreewaldbahnhof (Februar 1983) Die Spreewaldbahn wurde zwischen 1945 und 1949 von verschiedenen Landesbehörden betrieben. Am 30. Oktober 1945 wurde sie nach dem Befehl Nummer 124 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) beschlagnahmt. Durch die von der Provinzialverwaltung betriebene entschädigungslose Enteignung am 5. August 1946 ging die Spreewaldbahn in Landeseigentum über. Ab dem 1. April 1949 wurde die Spreewaldbahn von der Deutschen Reichsbahn auf eigene Rechnung und unter eigenem Namen betrieben.
Die schrittweise Stilllegung der Spreewaldbahn begann am 18. Mai 1952, als man den Personenverkehr auf dem Abschnitt Lieberose Stadt–Lieberose Spreewaldbahnhof einstellte. Der Güterverkehr auf diesem Abschnitt endete 1957 und die offizielle Stilllegung mit Umbenennung des normalspurigen Bahnhofs Lieberose in Jamlitz erfolgte am 28. September 1958. Die unmittelbar anschließende Strecke Byhlen–Lieberose Stadt wurde am 18. Oktober 1964 stillgelegt und anschließend abgebaut. Der Rückbau stand im Zusammenhang mit der Nutzung der Lieberoser Heide als Truppenübungsplatz Lieberose. Die gesamte Strecke Byhlen – Lieberose Spreewaldbf war seit dem Zweiten Weltkrieg beinahe bedeutungslos.
Auf der Strecke Lübben–Straupitz wurde der Güterverkehr am 26. Mai 1967 und der Personenverkehr am 24. September 1967 eingestellt. Der Güterverkehr zwischen Cottbus Flughafen und Goyatz endete am 26. Mai 1968, damit gab es auf der gesamten Spreewaldbahn keinen Güterverkehr mehr. Der Personenverkehr zwischen Cottbus und Goyatz verblieb, bis in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 1970 mit Zug 456 von Cottbus Spreewaldbahnhof nach Straupitz bei dichtem Schneetreiben der letzte Reisezug auf den Gleisen der Spreewaldbahn fuhr. Mit Ausnahme des Abschnitts Cottbus Spreewaldbahnhof – Cottbus Flughafen wurden alle Strecken der Spreewaldbahn bis zum Sommer 1970 abgebaut. Die verbleibenden Gleise wurden für die Bedienung der letzten drei Anschließer benötigt, der PGH Glas und Spiegel, des Flugplatzes Cottbus der Nationalen Volksarmee (NVA) sowie des Straßenbahndepots des VEB Kraftverkehr Cottbus an der Berliner Straße.
Als Folge der auch in der DDR spürbaren Ölkrise musste auch das Ölheizwerk des Flugplatzes auf heimische Energieträger umgestellt werden. Die verbliebenen Schmalspurgleise und die Rollwagenanlage des Spreewaldbahnhofs wurden nach dem 14. Februar 1983 durch Pioniereinheiten der NVA rückgebaut. Das neu gebaute Braunkohleheizwerk des Flugplatzes erhielt danach einen regelspurigen Gleisanschluss auf der alten Schmalspur-Trasse. Die letzten Reste der Spreewaldbahn waren damit bis Mai 1983 beseitigt.
Aktuelle Entwicklungen mini|links|Schienenstrang vor dem Erlebnisbahnhof Burg (2006) mini|Dampflokomotive der Spreewaldbahn (DR-Nummer 99 5703), ausgestellt in der Außenstelle des Spreewaldmuseums im Schlosspark von Lübbenau (2003) Die Dampflokomotive 99 5703 der Spreewaldbahn und ein kombinierter Gepäck- und Personenwagen aus der Erstausstattung der Spreewaldbahn sind museal erhalten. Sie wurden ab dem 19. April 1975 zusammen mit vielen anderen Utensilien der Spreewaldbahn in einer dafür gebauten Halle als Außenstelle des Spreewaldmuseum im Schlosspark von Lübbenau ausgestellt. Die Halle musste jedoch abgerissen werden; für die Ausstellungsstücke wurde am Spreewaldmuseum Lübbenau am Topfmarkt ein neues Gebäude erstellt, wo sie seit 2012 frisch aufgearbeitet wieder den Museumsbesuchern gezeigt werden.
Anfang der 1990er Jahre wurden diverse Pläne zum Wiederaufbau von Teilen der Spreewaldbahn diskutiert. Diese Pläne reichten von einer dampfbetriebenen Museumsbahn zwischen Straupitz und Burg beziehungsweise zwischen Cottbus und Burg bis zur Verlängerung der ebenfalls 1000-mm-spurigen Cottbuser Straßenbahn über ihre derzeitige Endstation Schmellwitz hinaus über Sielow und die ehemalige Spreewaldbahntrasse nach Burg. Entsprechende Pläne verliefen jedoch im Sande, nicht zuletzt wegen der ungeklärten Finanzierung eines solchen Vorhabens. Der dafür gegründete Förderverein wurde 2005 aufgelöst.