Cryptanthus ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Bromelioideae, die zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae) gehört. Die etwa 70 Arten sind hauptsächlich im östlichen Brasilien verbreitet.
Beschreibung mini|links|Blüten von Cryptanthus zonatus
Vegetative Merkmale Cryptanthus-Arten wachsen als immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Sie wachsen meist terrestrisch. Die meisten Cryptanthus-Arten sind relativ klein (Rosettendurchmesser 15 bis 30 Zentimetern, selten mehr). Die derben, parallelnervigen Laubblätter sitzen an einer gestauchten Hauptachse in einer grundständigen Rosette. Die Laubblätter sind durch einen gezähnten Blattrand leicht bewehrt. Das dekorativste an den Cryptanthus-Arten sind ihre manchmal gewellten, oft schön gezeichneten (gemusterten) Blätter. Die Blätter besitzen mindestens an der Blattunterseite Saugschuppen.
Generative Merkmale Die Blütenstände haben stark gestauchte Sprossachsen und so sitzen alle Blüten in einem „Köpfchen“ zusammen in der Mitte der Blattrosette (sehr unscheinbar, „versteckt“, daher der Name). Die relativ kleinen, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Es sind drei Kelchblätter vorhanden. Die drei meistens weißen, manchmal grünlichen, spreizenden Kronblätter enden stumpf. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die Staubfäden sind teilweise mit den Kronblättern verwachsen. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Der Griffel endet in einer dreilappigen Narbe.
Die Blütenformel lautet .
Es werden Beeren gebildet.
Systematik und Verbreitung Taxonomie Die gültige Erstveröffentlichung der Gattung Cryptanthus erfolgte 1836 durch Christoph Friedrich Otto und Albert Gottfried Dietrich in Über eine neue Gattung in der Familie Bromeliaceae in Allgemeine Gartenzeitung, 4. Jahrgang, Nr. 38, S. 297–299. Typusart ist Cryptanthus bromelioides Der Name Cryptanthus nom. cons. wurde gegenüber dem älteren Homonym Cryptanthus nom. rej. konserviert (Melbourne ICN Art. 14.10 & App. III, ICN Art. 53). Synonyme für Cryptanthus sind: Pholidophyllum , Madvigia , Eucryptanthus (seit 2017 eine Untergattung Cryptanthus subgen. Eucryptanthus), Hoplocryptanthus (2017 eine Untergattung Cryptanthus subgen. Hoplocryptanthus ). Der Gattungsname Cryptanthus leitet sich von und ab; der Gattungsname bedeutet also direktübersetzt „Verstecktblühende“.
Äußere Systematik und Abgrenzungen zwischen den nah verwandten Gattungen Die Gattungen Cryptanthus, Forzzaea, Orthophytum, Rokautskyia, Sincoraea und Lapanthus gehören zum Cryptanthoid-Komplex in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie Bromeliaceae. Bei dieser Verwandtschaftsgruppe gibt es noch laufend Änderungen.
Bei Leme et al. 2022 wurden weitere Arten aus dem Cryptanthoid-Komplex in neue Gattungen ausgegliedert: beispielsweise wurde aus der Gattung Orthophytum wurden Arten in neue Gattungen eingeordnet. Die Art Cryptanthus cinereus wurde als Siqueiranthus cinereus in die 2022 neue aufgestellte monotypische Gattung Siqueiranthus gestellt. Es ist ein Endemit des brasilianische Bundesstaates Alagoas.
Arten und ihre Verbreitung Es wurden im 21. Jahrhundert zwar viele Arten in andere Gattungen ausgegliedert, aber auch viele Arten erstbeschrieben.
Die Areale der Cryptanthus-Arten liegen fast nur in den Trockenwäldern im östlichen Brasilien. Es sind überwiegend terrestrisch auf dem Waldboden lebende Arten.
Es gibt 2025 etwa 70 Cryptanthus-Arten (Stand 2021):mini|Habitus und Laubblätter von Cryptanthus acaulis var. ruber mini|Habitus und Laubblätter einer panaschierten Sorte von Cryptanthus acaulis mini|Habitus und Blüten von Cryptanthus bahianus mini|Habitus und Laubblätter von Cryptanthus beuckeri mini|Habitus, Laubblätter und Blüte von Cryptanthus coriaceus im Habitat mini|Habitus und Laubblätter von Cryptanthus correia-araujoi mini|Halbsukkulente Blattrosetten von Cryptanthus heimenii im Habitat mini|Habitus und Laubblätter von Cryptanthus lacerdae mini|Habitus von Cryptanthus pickelii mini|Habitus und Blüten von Cryptanthus warren-loosei mini|Cryptanthus zonatus, durch die gestauchte Blütenstandsachse sitzen die dreizähligen, weißen Blüten nestartig zwischen den Blättern. Links oben ein Kindel Cryptanthus acaulis : Es gibt noch zwei Varietäten: Cryptanthus acaulis var. acaulis: Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Guanabara vor. Cryptanthus acaulis var. ruber : Sie ist nur aus Kultur bekannt. Cryptanthus alagoanus : Sie wurde 2001 aus dem brasilianischen Bundesstaat Alagoas erstbeschrieben. Sie gedeiht nur im küstennahen Mata Atlântica. Cryptanthus apiculatantherus : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Cryptanthus arelii : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia vor. Cryptanthus argyrophyllus : Sie wurde 2001 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Cryptanthus bahianus : Sie gedeiht terrestrisch in der Caatinga in Höhenlagen von etwa 500 Metern nur in den brasilianischen Bundesstaaten Paraíba sowie Bahia vor. Cryptanthus beuckeri : Sie ist in Brasilien verbreitet. Cryptanthus bibarrensis : Sie wurde 2002 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von etwa 300 Metern. Cryptanthus bivittatus : Die beiden Varietäten sind in Brasilien verbreitet: Cryptanthus bivittatus var. bivittatus (Syn.: Cryptanthus bivittatus var. moensis hort., Cryptanthus moensii hort. ex ) Cryptanthus bivittatus var. atropurpureus (Syn.: Cryptanthus atropurpureus hort. ) Cryptanthus boanovensis : Sie wurde 2020 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Cryptanthus brevibracteatus : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Cryptanthus brevifolius : Sie wurde 2010 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von etwa 200 Metern. Cryptanthus bromelioides (Syn.: Cryptanthus acaulis var. diversifolius , Cryptanthus diversifolius , Cryptanthus suaveolens ): Sie gedeiht in Tiefland-Wäldern an schattigen Standorten in Höhenlagen von 0 bis 100 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Cryptanthus burle-marxii : Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco vor. Cryptanthus cajuitensis : Sie wurde 2025 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Cryptanthus capitatus : Sie wurde 1994 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch an schattigen Standorten in Höhenlagen von etwa 200 Metern. Cryptanthus capitellatus : Sie wurde 2010 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch an schattigen Standorten im halbimmergrünen Mata Atlântica in Höhenlagen von etwa 200 Metern. Cryptanthus colnagoi : Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von etwa 1000 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Cryptanthus coriaceus : Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von etwa 200 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Cryptanthus correia-araujoi : Sie wurde 1995 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Cryptanthus crassifolius : Sie wurde 2002 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch inmitten von Felsaufschlüssen an mehr oder weniger offenen, sonnenexponierten Standorten. Cryptanthus cruzalmensis : Sie wurde 2020 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Cryptanthus delicatus : Sie wurde 1995 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie gedeiht lithophytisch. Cryptanthus diamantinensis : Sie wurde 1999 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht lithophytisch. Cryptanthus dianae : Sie wurde 1990 aus dem brasilianischen Bundesstaat Goiás erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von etwa 570 Metern. Cryptanthus dorothyae : Sie wurde 1996 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Cryptanthus euglossinii : Sie wurde 1922 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur in Chapada Diamantina gefunden. Sie gedeiht in Höhenlagen 400 bis 670 Meteren und gilt als EN = „Endangered“ = „stark gefährdet“, weil nicht nur das Areal klein ist, sondern auch durch Weidewirtschaft das Habitat fortlaufend negativ verändert wird. Cryptanthus felixii : Sie wurde 2007 aus Brasilien erstbeschrieben. Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 789 Metern in den brasilianischen Bundesstaaten Alagoas sowie Pernambuco. Cryptanthus flesherii : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Cryptanthus giganteus : Sie wurde 2008 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht terrestrisch in der tiefschattigen Krautschicht in fragmentierten Resten eines trockenen, halbimmergrünen, lianenreichen Mata Atlântica in Höhenlagen von 170 bis 200 Metern. Cryptanthus grazielae : Sie wurde 1999 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Cryptanthus guanduensis : Sie wurde 2020 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Cryptanthus heimenii : Sie wurde 2019 in Die Bromelie aus dem brasilianischen Bundesstaat Sergipe erstbeschrieben. Cryptanthus ilhanus : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch in Höhenlagen von etwa 400 Metern. Cryptanthus incrassatus : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo vor. Cryptanthus lacerdae (Syn.: Cryptanthus lacerdae hort. ex ): Sie wurde anhand eines kultivierten Exemplars, das aus Brasilien stammte, erstbeschrieben. Das Holotypusmaterial ist verloren gegangen. Über die genaue Herkunft und über ihre heutige Verbreitung ist nichts bekannt. Cryptanthus lutherianus : Sie wurde 1998 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch im humiden Grasland in Höhenlagen von etwa 100 Metern entlang der Küstenlinie. Cryptanthus lyman-smithii : Sie wurde 1999 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch. Cryptanthus marginatus (Syn.: Cryptanthus bivittatus var. luddemannii ): Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo vor. Cryptanthus maritimus : Sie kommt im südöstlichen Brasilien vor. Cryptanthus minarum : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor. Cryptanthus osiris (Syn.: Cryptanthus bromelioides var. tricolor ): Sie stammt aus Brasilien. Cryptanthus pickelii : Sie gedeiht im Wald nur im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco. Cryptanthus pirambuensis : Sie wurde 2022 aus dem brasilianischen Bundesstaat Sergipe erstbeschrieben.
Cryptanthus pseudopetiolatus : Sie gedeiht terrestrisch nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Cryptanthus reisii : Sie wurde 2002 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch in einer Höhenlage von etwa 300 Metern. Cryptanthus reptans : Sie wurde 2006/7 aus dem brasilianischen Bundesstaat Pernambuco erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur in einer Höhenlage von etwa 91 Metern terrestrisch in kleinen Gruppen in der Laubstreu am feuchten schattigen Boden des Tiefland-Mata Atlântica wachsend gefunden. Cryptanthus rigidifolius : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur in einer Höhenlage von etwa 685 Metern terrestrisch wachsend auf Hügeln, die von feuchten Mata Atlântica gedeckt sind, gefunden. Cryptanthus robsonianus : Sie wurde 2020 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Cryptanthus ruthae : Sie gedeiht terrestrisch im immergrünen Küstenwald nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Cryptanthus santateresinhensis : Sie wurde 2020 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben.