Ein Rübenroder ist eine landwirtschaftliche Maschine zur Ernte von Zuckerrüben. Während die ersten Maschinen von einem Traktor gezogen wurden und nur eine Reihe roden konnten, besitzen moderne selbstfahrende Rübenroder überwiegend 6-reihige Rodevorrichtungen. Die Rüben werden durch Rodeschare aus der Erde gehoben. Durch Reinigungswalzen und Siebbänder werden die Rüben von der anhaftenden Erde getrennt und in den Vorratsbunker der Maschine befördert. Die Rüben werden am Feldrand in Mieten abgelegt oder während des Rodens auf ein Transportfahrzeug überladen. Die Blätter der Rüben werden entfernt. Sie verbleiben zur Düngung auf dem Acker oder dienen als Viehfutter für Rinder und können frisch oder als Silage verfüttert werden. mini|6-reihiger Vollernter mit 2 Achsen und Knicklenkungmini|6-reihiger Zuckerrübenvollernter mit 3 Achsen und Knicklenkung
Arbeitsschritte Blätter der Rübe entfernen (schlegeln) Blattstrunken entfernen (köpfen) Rübe im Ganzen aus der Erde ziehen (roden) Rübe von anhaftender Erde reinigen Beförderung der Rüben bis zum Ackerrand und auf die Miete oder Überladen auf ein Transportmittel
Ernteverfahren Absetziges („2-Phasen“) Verfahren
Bei dem absetzigen oder zweiphasigen Verfahren werden die Rüben in zwei Arbeitsgängen geerntet. Erst werden die Blätter abgeschlegelt und bei manchen Systemen auch gleichzeitig die Rüben aus dem Boden gezogen und abgelegt. Vorrangig wird dieser Arbeitsgang durch an Traktoren angebaute Geräte erledigt. Der Antrieb erfolgt über die vordere oder hintere Zapfwelle des Schleppers. Bei geschobenen Systemen fährt der rückwärts fahrende, mit einer Rückfahreinrichtung ausgestattete Traktor über bereits vollständig abgeernteten Boden. Häufiger sind Systeme, bei denen vorne am Traktor ein so genannter Krautschläger mit Köpfer und hinten ein Rodeaggregat angebaut wird. Da der Traktor dabei durch die noch ungerodeten Rübenreihen fährt, ist er in diesem Fall mit dünnerer, sogenannter Pflegebereifung ausgestattet. Diese Reifen sind so schmal, dass sie ohne Beschädigung der Rüben durch die Reihen fahren können. Dann sammelt ein so genannter Ladebunker die abgelegten Rüben auf, dadurch werden grobe Schmutzanhaftungen beseitigt. Nach der Reinigung verbleiben die Rüben im Bunker, bis dieser voll ist. Über ein Förderband wird das Erntegut entweder auf eine Miete oder einen Hängerzug entleert. Neben gezogenen Systemen gibt es Ladebunker auch als Selbstfahrer (eine eigenständige Maschine, also ohne Fremdantrieb). Absetzige Systeme wurden in Deutschland weitgehend von selbstfahrenden Vollerntern ersetzt. In anderen Zuckerrübenanbauländern, insbesondere in Belgien, ist das „2-Phasen“-System das häufigste Ernteverfahren für Zuckerrüben.
Vollernter Mit dem Vollernter werden alle zur Ernte notwendigen Arbeitsgänge erledigt. Das heißt, das Köpfen, Roden und Reinigen der Rüben sowie das Entleeren des Bunkers erledigt eine Maschine. Auch bei diesem Ernteverfahren gibt es gezogene und selbstfahrende Maschinen. Die von einem Traktor gezogenen Maschinen sind noch öfter anzutreffen, werden aber zunehmend von Selbstfahrern verdrängt. Systeme, die bis zu 3 Reihen gleichzeitig ernten, sind in Deutschland üblich, allerdings gibt es z. B. in den USA auch gezogene 12-Reiher. mini|Gezogener Vollernter (2-reihig) Bei modernen selbstfahrenden Vollerntern werden meistens 6 Reihen gleichzeitig geerntet. Neuerdings gibt es auch 9- oder 12-reihige Roder, die aber eher für Standorte mit großen Schlaglängen oder -größen gedacht sind. Diese Maschinen haben, wie aktuelle Mähdrescher, eine abnehmbare Rodevorrichtung. In Deutschland kommen diese Systeme wegen ihrer Überbreite und Überlänge, bei hinten angehängtem Rodeaggregat, eher selten zum Einsatz.
Selbstfahrende 6-reihige Rübenvollernter bearbeiten circa 74 % der Anbaufläche in Deutschland. 1-reihige Roder ernten nur noch weniger als 4 %, und von 2-reihigen Rodern werden etwa 9 % der Zuckerrübenbestände eingefahren.DLG-Pressemitteilung Nr. 34, 14. September 2005. Der Rest verteilt sich auf andere Systeme.
Baugruppen Schlegler
Mit dem Schlegler (auch Häcksler genannt) wird das Rübenblatt entfernt. Er besteht aus einer quer zur Fahrtrichtung drehenden Schleglerwelle und dem dazugehörigen Schleglergehäuse. Die Schleglermesser, meist aus gebogenen Flacheisen gefertigt, sind auf der Schleglerwelle in Laufrichtung pendelnd gelagert.
Das abgeschlagene Blatt wird im Schleglergehäuse nach oben geworfen, dort in einem Trog aufgefangen, zur Seite gefördert (z. B. durch eine Blattschnecke) und dort durch eine Blattschleuder vom Rübenbestand weg auf dem Acker verteilt. Diese Bauart wird Blattschlegler genannt.
Bei einer anderen Ausführung wird das Blatt beim Schlegeln durch besondere Messer ganz fein geschnitten und mittels Leit- und Prallblechen zwischen den Rübenreihen abgelegt. Dort soll es liegen bleiben und den weiteren Rodevorgang nicht beeinflussen. Der Fachbegriff hierfür lautet: Integralschlegler.
Auch die Verkoppelung beider Bauarten findet Anwendung. Dabei ist der Aufbau wie ein normaler Blattschlegler, nur sind zusätzlich Leitbleche, wie beim Integralschlegler, und eine Klappe zum Verschließen des Blattschneckentroges vorhanden. Bei offener Klappe ist es ein Blattschlegler mit Seitenauswurf, bei geschlossener Klappe wird das Blatt zwischen die Reihen geworfen.
Nachköpfer Die Rübenköpfe zu entfernen ist Aufgabe des Nachköpfers. Den Nachköpfer, gelegentlich nur „Köpfer“ genannt, gibt es wieder in mehreren Bauarten. Allen gemeinsam sind die höhenverstellbaren Nachköpfmesser, die schräg zur Fahrtrichtung und federnd angebracht sind. Unterschiedlich sind die Messerformen (z. B. Sichelmesser) sowie die Anstellwinkel. Hinter den Messern sind Leitfedern angeordnet. Sie sorgen dafür, dass die abgeschnittenen Rübenköpfe zwischen die Reihen geleitet werden. Für die Höhenführung sind mal schleifende Kämme, mal Räder im Einsatz. Zusätzlich zur Höhenverstellung gibt es meist eine Vorrichtung zum Einstellen der Schnittstärke. Eine Sonderausführung stellt der Exaktköpfer dar. Seine gezackten, angetriebenen Tasträder sorgen für eine besonders genaue Köpfung.
Entblätterer mini|hochkant|Entblätterungssystem von Grimme Um noch mehr Ertrag aus der Zuckerrübe zu holen, werden Entblätterer verwendet. Diese können die Nachköpfer ergänzen oder komplett ersetzen. Mit dieser Technik wird versucht, die Rübe rückstandslos von Blättern und Strunken zu befreien. Hinter der Schleglerwelle ist eine zweite Welle mit Gummi- oder Kunststoffschlegeln angeordnet. Mit der ersten Welle werden die Blätter der Rüben höher abgeschnitten als bei der Verwendung eines Köpfers. Die Gummis der zweiten Welle „radieren“ auf dem Rübenkopf, ohne diesen wesentlich zu beschädigen. Die erreichbare Rüben-Qualität hängt dabei maßgeblich von der Beschaffenheit des Materials und dem Verschleiß der Gummischlegel ab. Ebenso wichtig ist ein gleichmäßiger Bestand der Rüben. Stehen die Rüben unterschiedlich hoch aus dem Boden oder gibt es im Bestand einen großen Größenunterschied, können auf den kleineren Zuckerrüben Blattreste stehen bleiben.
Der Betrieb einer zusätzlichen Entblätterer-Welle erfordert eine höhere Antriebsleistung. Das ist bedingt durch mehr Reibungsverluste in Lagerung und Antrieb der Entblätterer-Welle, der Gleitreibung der Gummischlegel auf den Rüben sowie dem zusätzlichen Luftwiderstand der Gummischlegel.
Rodeschare
Früher waren die Zinkenschar und die Plattenschar gebräuchliche Bauarten von Rodescharen. Heute werden die Zuckerrüben wahlweise durch Polderschare oder Radrodeschare aus dem Boden gehoben.
Polderschare, auch Rüttel- oder Flügelschare genannt, sind paarweise angeordnete flügelförmige Platten. Diese werden gleichzeitig oder phasenversetzt auf und ab bewegt. Das Scharpaar ist gewissermaßen in einer schrägen V-Form angeordnet, wobei die Spitze nach hinten-unten zeigt. Die Rübe wird durch die Vorwärtsbewegung nach oben gedrückt. Das Rütteln soll ein schonendes Roden ermöglichen, gleichzeitig wird ein Anhaften von Erde und Blatt verhindert. Angetrieben werden die Rüttelschare über Schubstangen einer Exzenterwelle. Eine Linearführung sorgt dafür, dass die Rüttelschare in einem begrenzten Bereich der Rübenreihe seitlich folgen können.
Radrodeschare, manchmal Oppelräder genannt, sind V-förmig paarig angeordnete Räder. Mindestens eins davon ist angetrieben. Bei der Drehbewegung wird die Zuckerrübe eingeklemmt und herausgezogen. Auch hier wird durch eine geeignete Lagerung dafür gesorgt, dass die Räder seitlich ausweichen können. Anstelle des zweiten Rades wird manchmal ein starres Schar verwendet.
Die Schare können über eine Höhenverstellung unterschiedlich tief in die Erde eingreifen und werden mit einer Tiefenführung parallel zum Boden geführt (siehe Abschn. 3.9.2 und 4.). Seit 2009 gibt es erstmals Rodeaggregate mit einzeln höhenverstellbaren Rüttelscharen. Damit kann sogar der Höhenunterschied zwischen einzelnen Reihen (Fahrspuren oder Furchen) ausgeglichen werden.
Reinigung mini|Beispiel für ein Siebband zwischen den Vorderrädern Durch die Reinigung wird die Zuckerrübe schonend von Erdresten befreit. Die Rüben durchlaufen oft mehrere Etappen der Reinigung. Die Rodeschare übergeben an die erste Etappe. Diese besteht häufig aus in Fahrtrichtung rotierende Aufnahmewalzen oder sogenannten Rodewalzen. Bei den populärsten Konstruktionen werden mehrere dieser Walzen hintereinander betrieben. Bis auf die erste sind meist alle Rodewalzen mit spiralförmigen Rundstahl-Wendeln bestückt. Nach Art einer Archimedischen Schraube werden die Rüben dadurch zur Mitte des Rodeaggregates und durch die Drehrichtung nach hinten zur zweiten Etappe gefördert. Einige Hersteller setzten bei der ersten Etappe statt Rodewalzen Siebsterne oder so genannte Aufnahmesterne ein. Die wichtigsten Aufgaben der ersten Etappe sind das Aussieben von groben Schmutz und das Zusammenführen der Rüben zu einem Strom. Bei den meisten Systemen wird dieser Rübenstrom zwischen den Vorderrädern hindurch geleitet. Beim 9 oder 12-reihigen Vollernter wird das zum limitierenden Faktor, weil der Durchlass und damit die Schlagkraft begrenzt ist. Die nun folgende Etappe der Hauptreinigung ist in ihrer Ausführung abhängig von der Größe des Rübenroders. Folgende Systeme werden einzeln oder kombiniert verwendet: Siebsterne Noppenwalzen Zwickwalzen Siebbandgurte (auch Siebkette genannt) Mit einem Elevatorgurt, der letzten Etappe, werden die Zuckerrüben kontinuierlich nach oben gefördert und in den Bunker geworfen.
Bunker Der Vorratsbunker nimmt die geernteten Zuckerrüben auf. Eine große Schneckenwelle sorgt dabei für eine gleichmäßige Verteilung im Bunker. Waagrechte Fördereinrichtungen am Boden des Bunkers sind Kratzböden. Dabei handelt es sich um paarige Kettenstränge, die mehrfach durch Stahlprofile verbunden sind. Werden die Ketten über den Boden gezogen, setzen sich die Rüben in Bewegung.
Das Abladen der Rüben erfolgt bei älteren Systemen einfach durch Abkippen. Um ein Überladen auf Anhänger zu ermöglichen, werden bevorzugt Siebbandgurte an einem ausklappenden Rahmen verwendet. Durch die Kratzböden im Bunker wird dieses Entladeband mit Rüben beliefert. Das Entladeband kann in der Höhe variiert werden, um die Zuckerrüben entweder auf eine Miete abzulegen oder auf ein Transportfahrzeug zu laden.
Fahrwerk mini|Dreiachsiger Roder fährt zur Schonung des Ackerbodens im Hundegang