Die Société Générale, abgekürzt SG oder SocGén, mit Sitz in Paris ist eine der wichtigsten Geschäftsbanken Frankreichs und gehört zusammen mit dem Crédit Lyonnais und der BNP Paribas zu den drei ältesten Geschäftsbanken des Landes (les trois vieilles). Ihr ursprünglicher Name lautet Société Générale pour favoriser le développement du commerce et de l’industrie en France (‚Allgemeine Gesellschaft zur Förderung der Entwicklung des Handels und der Industrie in Frankreich‘).

Die Großbank ist eine der Banken, die vom Financial Stability Board (FSB) auf der Liste global systemrelevanter Banken als systemisch bedeutsames Finanzinstitut eingestuft wurden.Policy Measures to Address Systemically Important Financial Institutions. In: Financial Stability Board (FSB) vom 4. November 2011 (PDF-Datei; 105 kB) Sie unterliegt damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital.Update of group of global systemically important banks (G-SIBs) (PDF; 43 kB) vom 1. November 2012

Geschichte

1864–1893 Die Bank wurde während des zweiten französischen Kaiserreichs am 4. Mai 1864 gegründet, um die Entwicklung von Handel und Industrie in Frankreich zu fördern. Sie stellte Angestellte ein und eröffnete planmäßig Büros überall in Frankreich. 1870 besaß die Bank 15 Niederlassungen in Paris und 32 in den französischen Provinzen. 1871 etablierte sie ein permanentes Büro in London. Zu Beginn benötigte die Bank ihre eigenen Ressourcen nahezu vollständig, sowohl für Aktiv- wie für Passivgeschäfte. 1871 dehnte sie ihre Tätigkeit auf den öffentlichen Emissionsmarkt aus, indem sie den Verkauf von Schuldverschreibungen übernahm, durch die die im Frieden von Frankfurt vereinbarten Reparationsleistungen nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg aufgebracht werden sollten. Zwischen 1871 und 1893 durchlief Frankreich eine ökonomisch finstere Zeitspanne, die mit dem Zusammenbruch verschiedener Banken verbunden war. Die Bank wuchs moderat und besaß 1889 bereits 148 Zweigstellen, die die Fähigkeit des Unternehmens demonstrierten, auch unvorteilhafte ökonomische Situationen zu überstehen.

1894–1930 1894 begann die Bank die Strukturen aufzubauen, die eine moderne Großbank charakterisieren: Sie begann sowohl privates wie geschäftliches Anlagevermögen anzuziehen als auch kurzfristige Kredite für Industrielle und Händler zur Verfügung zu stellen. Sie begann ferner mit der öffentlichen Emission von ausländischen Schuldverschreibungen sowohl in Frankreich als auch in Russland. Die Akquisition von Kapitalbeteiligungen wurde eine zweitrangige Aktivität. Die gesunden, ausgezeichneten finanziellen Ergebnisse erlaubten der Bank die Ausweitung ihrer Aktienstruktur: 1895 hatte Société Générale bereits 14.000 Aktionäre, deren Zahl sich bis 1913 auf 122.000 erhöhte. Die Kriegsjahre waren schwierig und brachten durch den Verlust des Russlandsgeschäfts ernste Konsequenzen mit sich. Dennoch wurde Société Générale die führende Geschäftsbank Frankreichs in den 1920er Jahren: Ihr Zweigstellennetz wuchs seit den 1890er Jahren bedeutend, mit einer großen Anzahl von Filialen und saisonalen Büros, die eine tiefe Durchdringung des Marktes in der Provinz ermöglichte (1910: 260 Saisonbüros; 1930: 864 Saisonbüros). Dank der Dynamik der Aufsichtsgremien und des Managements am Hauptsitz und den Niederlassungen zog es hinsichtlich des deponierten Anlagenvermögens und der ausgegebenen Kredite am Rivalen Crédit Lyonnais zwischen 1921 und 1928 vorbei. Um den Anforderungen der investierenden Unternehmen zu entsprechen, gründete Société Générale 1928 eine Tochtergesellschaft, Calif, die sich auf mittelfristige Darlehen spezialisierte.

1931–1945 Die 1930er Jahre waren erneut eine schwierige Phase. Wegen des rückläufigen internationalen und französischen Geschäfts war die Bank gezwungen, ihr Zweigstellennetz durch die Schließung lokaler Filialen zu straffen. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs war die Zahl ihrer Zweigstellen nicht viel größer als 1922. Dennoch war Société Générale bei der Platzierung zahlreicher öffentlicher Anleihen des Staates und der Kolonien während dieser Zeit aktiv. Der Krieg und die deutsche Besatzung unterbrachen ihre Expansion, aber die Bank ging nach Afrika und in die USA.

1945–1964 Die Société Générale wurde 1945 verstaatlicht. Sie hatte nur noch einen Aktionär: den französischen Staat. Die Zeitspanne von 1945 bis 1958 war in Frankreich durch das rapide ökonomische Wiedererstarken charakterisiert, aber auch durch ein größeres Zahlungsbilanzungleichgewicht, das eine kontinuierliche Wechselkurskontrolle und nahezu permanente Kreditkontrollmaßnahmen erforderte. Die Wirtschaft erstarkte erst ab 1959, aber die Kreditkontrollen wurden fortgesetzt, um inflationären Tendenzen entgegenzuwirken. Steiles Wachstum der Produktion und des Außenhandels eröffneten dem Bankensektor neue Geschäftsmöglichkeiten. Die Industrie erlebte einige radikale Veränderungen; eine der bedeutendsten war die größere Spezialisierung des Kreditwesens. Die Breite der offerierten Bankprodukte dehnte sich laufend aus. Dank ihrer Präsenz in New York war Société Générale imstande, an dem durch den Marshallplan hervorgerufenen Geschäft teilzuhaben. Société Générale setzte ihre Expansion in Frankreich und im Ausland fort. Sie ging nach Italien und Mexiko und änderte den Status ihres Geschäfts in Afrika nach der Entkolonialisierung in Übereinstimmung mit den Gesetzen dieser neuen unabhängigen Länder.

1965–1990 Nach der Aufhebung der Genehmigungspflicht für die Eröffnung von Zweigstellen 1966 erhielt Société Générale neue Anstöße für ihr französisches Zweigstellennetz. Auch ihre internationale Expansion war lebhaft. Sie war nicht länger, wie vorher, auf Finanzzentren (London, New York) und benachbarte Länder (Belgien, Spanien) und die früheren Kolonien begrenzt, mit dem vordringlichen Ziel, französische Firmen mit Krediten zu versorgen, aber auch darauf gerichtet, die Präsenz der Bank an den Bankplätzen zu ermöglichen, an denen sich neue Märkte entwickelten, entweder um technisches Know-how zu exportieren, das sie auf einigen Feldern erworben hatte, oder um in Kontakt mit den Multis zu bleiben. Die Jahre 1966 und 1967 waren ein fundamentaler Wendepunkt bei der Bankgesetzgebung: Die wichtigste Entwicklung war die Abschwächung der Trennung zwischen Anlagen- und Investmentbanking und die Gründung einer eigenen Hypothekenbank.

Société Générale machte sich diesen Vorteil zunutze und erwarb sich eine führende Position bei einigen neuen Finanztechniken, die hauptsächlich für das Firmengeschäft bestimmt waren, wie Finance-Leasing, durch die Gründung spezialisierter Tochterunternehmen für den jeweiligen Zweck, darunter 1968 ALD Automotive. Die 1970er Jahre waren durch zwei wesentliche Entwicklungen charakterisiert: durch eine Ausweitung des internationalen Zweigstellennetzes und die allgemeine Einführung der EDV, um mit der Ausweitung der Kundschaft und der Entwicklung des Anlagegeschäfts Schritt zu halten. Das Erscheinen von automatischen Bankautomaten 1971 krönte den Erfolg und die Entwicklung der Kreditkarte. Vor dem Hintergrund der Deregulierung und des technologischen Wandels zu Beginn der 1980er Jahre, der Internationalisierung der Märkte und des Auftauchens neuer Finanzinstrumente setzte sich Société Générale zwei Geschäftsziele: Sie konzentrierte sich auf private Konsumenten über ihr Zweigstellennetz und durch die Akquisition von spezialisierten Tochterunternehmen. Sie verfolgte und erweiterte ihre Geschäftsaktivitäten auf den französischen Kapitalmärkten und an verschiedenen ausgewählten, internationalen Bankplätzen. Am 29. Juli 1987 wurde Société Générale privatisiert. Sie wurde wegen ihres ausgezeichneten Risikomanagements, ihrer Eigenkapital- und Produktivitätsquote unter den drei 1945 verstaatlichten Großbanken ausgewählt.

Seit 1984 ist die ECS eine 100-prozentige Tochtergesellschaft. Die ECS ist in den Bereichen Leasing, Asset Management und IT-Services tätig.

Seit 1991 Während der letzten Jahre konzentrierte sich Société Générale auf die Entwicklung ihrer Geschäftsaktivitäten auf drei Kernfeldern durch die Kombination organischen Wachstums und weiterer Akquisitionen.

Mit der Akquisition des Konkurrenten Crédit du Nord 1997 wurde das Privatkundengeschäft gestärkt, was die Entschlossenheit der Bankengruppe bewies, die Restrukturierung des französischen Bankensystems zu nutzen. Zur gleichen Zeit bemühte sich die Société Générale mit dem Angebot „einer Kontonummer für das ganze Leben“ und der Einführung von „Jazz“ (einem Paket von Dienstleistungen) um die langfristige Kundenbindung. 1999 bemühte sich Société Générale um die feindliche Übernahme der Paribas, wobei jedoch der Konkurrent Banque Nationale de Paris letztlich siegte.

mini|Société générale – Expres Bank in Plowdiw, Bulgarien

1998 richtete Société Générale für das Privatkundengeschäft außerhalb Frankreichs eine separate Abteilung ein, womit die Entschlossenheit, diesen Geschäftszweig zu einer strategischen Entwicklungsachse der Gruppe auszubauen, unterstrichen wurde. Diese Aktivität wurde 1999 durch weitere Akquisitionen in Rumänien (BRD – Groupe Société Générale), Bulgarien und Madagaskar gestärkt. Die Strategie externen Wachstums wurde 2001 durch Akquisitionen in Mitteleuropa (Komerční banka in Tschechien und SKB Banka in Slowenien) manifestiert. Auch Afrika wurde 2002 mit der Übernahme der Eqdom – dem Marktführer für Konsumentenkredite in Marokko – und der Union International de Banque in Tunesien ein wichtiges Interessensgebiet der Bank. Zusätzlich wurden 2003 in Ghana 48 % der SBB Bank und 2004 in Griechenland 50 % der Geniki Bank und in Deutschland 75 % der Hanseatic Bank erworben. Am 30. Juni 2006 wurde die kroatische Splitska banka übernommen.

Bei den spezialisierten Finanzdienstleistungen, einer Mitte 2001 eingerichteten Abteilung, versetzte der Kauf dreier Tochterfirmen der Deutschen Bank (die auf markenunabhängige Autoleasinggeschäfte spezialisierte ALD AutoLeasing D GmbH, die auf Autokredite spezialisierte Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe GmbH und die auf Finanzierung und Leasing von mobilen Investitionsgütern für Firmen spezialisierte GEFA Gesellschaft für Absatzfinanzierung mbH) die Société Générale in die Lage, in diesem Sektor auf dem europäischen Markt zu wachsen. Mit dem Kauf der Hertz Leasing, einer europäischen Tochter des Ford-Konzerns, die auf Langzeitleasing und Flottenmanagement spezialisiert ist, wurde 2002 die Strategie externen Wachstums fortgesetzt. Im Mai 2023 übernahm die Société Générale über ihre Tochtergesellschaft ALD Automotive die niederländische Autoleasinggesellschaft LeasePlan und wurde damit, nach eigenen Angaben, zum größten Anbieter von langfristigen Autoleasingverträgen. Das fusionierte Unternehmen tritt seitdem unter dem Namen Ayvens auf.

Mit der Erfolgsgeschichte als Frankreichs führendem Anbieter von Anlageprodukten (Investmentfonds, Sparpläne) hat die Gruppe ihre Aktivitäten in der Vermögensanlageverwaltung und im Private Banking entwickelt. Mit ihrem Tochterunternehmen Société Générale Asset Management verfolgte sie seit 1999 die Strategie, sowohl das Anlagefondsgeschäft in Frankreich zu entwickeln als auch die Geschäftsaktivitäten, die sich an wichtige institutionelle Investoren auf internationaler Ebene richten. Mit der Gründung von Société Générale Asset Management UK in London und der Akquisition von Yamaichi in Japan unternahm die Société Générale einen entscheidenden Schritt zur Internationalisierung und ist heute fähig, ihren Kunden wirklich globale Fondsmanagementfähigkeiten anzubieten. Société Générale besitzt außerdem eine weltweite Präsenz im Private Banking. Nachdem sie 1998 eine Politik bedächtiger Akquisitionen verfolgte, entwickelte und konsolidierte sich Société Générale Private Banking 1999 vor dem Hintergrund härteren Wettbewerbs.