miniatur|Johannes Volkelt Johannes Volkelt (* 21. Juli 1848 in Kunzendorf (Lipnik) bei Biala (Galizien); † 8. Mai 1930 in Leipzig) war ein deutscher Philosoph.
Leben Er studierte in Wien, Jena und Leipzig. Seine Dissertation reichte er 1876 in Jena ein und wurde dort 1879 Professor. Von 1883 bis 1889 war er in Basel und ab 1889 in Würzburg tätig. Von 1894 bis 1921 lehrte er in Leipzig. Seit 1910 war er ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.
Lehre Johannes Volkelt war in seiner Lehre von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Arthur Schopenhauer, Eduard von Hartmann, Immanuel Kant und David Hume beeinflusst. Er wollte eine kritische Metaphysik aufstellen und deshalb die Metaphysik mit einer skeptisch-kritischen Herangehensweise verbinden. Dabei führte er zahlreiche psychologische Argumente in seine Theorie ein.
Als der Begründer der Erkenntnistheorie im modernen Sinne des Wortes wird gewöhnlich Kant genannt. Gegen diese Auffassung lässt sich einwenden, dass die Geschichte der Philosophie vor Kant zahlreiche Untersuchungen aufweist, die als mehr denn bloße Keime zu einer solchen Wissenschaft anzusehen sind. So bemerkte Volkelt in seinem grundlegenden Werk über Erkenntnistheorie, dass schon mit John Locke die kritische Behandlung dieser Wissenschaft ihren Anfang genommen habe. Aber auch bei noch früheren Philosophen, ja schon in der Philosophie der Griechen, finden sich Erörterungen, die gegenwärtig in der Erkenntnistheorie angestellt zu werden pflegen. Indessen sind durch Kant alle hier in Betracht kommenden Probleme in ihren Tiefen aufgewühlt worden, und an ihn anknüpfend haben zahlreiche Denker dieselben so allseitig durchgearbeitet, dass man die bereits früher vorkommenden Lösungsversuche entweder bei Kant selbst oder bei seinen Epigonen wiederfindet. miniatur|Grabstätte Johannes Volkelt und Angehörige auf dem Südfriedhof in Leipzig Volkelt unterschied ein erkenntnistheoretisches von einem psychologischen Apriori. Zum erkenntnistheoretischen Apriori schreibt er:
Zum psychologischen Apriori heißt es: Entscheidend ist, dass die eine „Erscheinung für eine andere bestimmend, maßgebend ist“. [Volkelt, Johannes: Erfahrung und Denken. 1886, 89] Kausalität ist die „unabänderliche Regelmäßigkeit in der Verbindung zweier Factoren oder Factorencomplexe“.
Volkelt hat sich in mehreren Werken mit der Ästhetik befasst.
Werke Pantheismus und Individualismus im Systeme Spinoza's. 1872 Das Unbewußte und der Pessimismus. 1872 Die Traumphantasie. 1875 Der Symbolbegriff in der neuesten Ästhetik. 1876. Immanuel Kants Erkenntnistheorie nach ihren Grundprinzipien analysiert. Leipzig 1879 Über die Möglichkeit einer Metaphysik. 1884 Erfahrung und Denken. Kritische Grundlegung der Erkenntnistheorie. Hamburg und Leipzig 1886 Franz Grillparzer als Dichter des Tragischen. 1888 Vorträge zur Einführung in die Philosophie der Gegenwart. 1892 Psychologische Streitfragen. 1893. Ästhetische Zeitfragen. 1894 Ästhetik des Tragischen. 1897, 1906 Zur Psychologie der ästhetischen Beseelung, 1899 Arthur Schopenhauer. Seine Persönlichkeit, seine Lehre, sein Glaube. 1900 Die Kunst des Individualisierens in d. Dichtung Jean Pauls, Haym-Festschrift, 1902 Die entwicklungsgeschichtl. Betrachtungsweise in d. Ästhetik, 1902 System der Ästhetik, 3 Bände: I 1905, II 1910, III 1912 Die Quellen der menschlichen Gewißheit. 1906 Zwischen Dichtung und Philosophie, gesammelte Aufsätze. 1908 Gewißheit und Wahrheit, München 1918 Phänomenologie und Metaphysik der Zeit, München 1925 Das Problem der Individualität, München 1928
Literatur Gottfried Gabriel: Volkelt, in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 8: Th – Z. Stuttgart, Metzler 2018, ISBN 978-3-476-02107-6, S. 344 (Lexikonartikel mit Literatur- und ausführlichem Werkverzeichnis). Felix Krueger: Nekrolog auf Johannes Volkelt. Leipzig 1930. Ernst Bermann (Hrsg.): Festschrift Johannes Volkelt zum 70. Geburtstag. München, C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck 1918 Thomas Neumann: Gewissheit und Skepsis. Untersuchungen zur Philosophie Johannes Volkelts. Amsterdam 1978 Raimund Schmidt (Hrsg., Einf.): Die deutsche Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Erster Band: Paul Barth / Erich Becher / Hans Driesch / Karl Joël / Alexius Meinong / Paul Natorp / Johannes Rehmke / Johannes Volkelt, Verlag von Felix Meiner, Leipzig 1921
Einzelnachweise
Weblinks
Weitere Quelle Nachlass Johannes Volkelt im Psychologiegeschichtlichen Forschungsarchiv (PGFA) der Fernuniversität in Hagen
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