|} Die Almetalbahn, benannt nach der Alme, ist eine insgesamt 60 Kilometer lange, eingleisige, nicht elektrifizierte und in Teilen nicht in Betrieb befindliche Nebenbahn von Paderborn über Büren und Brilon zum Bahnknoten Brilon Wald.

Langfristig wird die Inbetriebnahme der Gesamtstrecke für den Schienenpersonennahverkehr inklusive einem Neubau einer Eisenbahntrasse auf dem Abschnitt Paderborn – Büren angestrebt. Zwischen Paderborn und Büren Weinberg ist die Strecke stillgelegt und abgebaut, aber nicht entwidmet. Die verbliebene Trasse zwischen Büren Weinberg und Brilon Wald wurde lange Zeit nur noch für den Güterverkehr und von einer Museumsbahn genutzt, auf dem Abschnitt zwischen Brilon Stadt und Brilon Wald verkehren seit 2011 wieder Regionalzüge (Dortmund-Sauerland-Express).

Geschichte mini|links|Uerdinger Schienenbus auf der Strecke, April 2009

Die Trassierung der Strecke erfolgte zwischen 1898 und 1901. Gleichzeitig wurde die Verbindungsstrecke Geseke–Büren zur Bahnstrecke Hamm–Warburg geplant und gebaut.

Eröffnung und Betrieb Das nördliche Teilstück von Paderborn bis Büren wurde am 20. Oktober 1899 eröffnet; das Teilstück von Brilon Stadt nach Brilon Wald war ab dem 1. Juli 1900 betriebsbereit. Am 1. April 1901 wurde die Reststrecke zwischen Büren und Brilon in Betrieb genommen. Auf der Strecke fand Personen- und Güterverkehr zunächst mit Dampflokomotiven, später mit Diesellokomotiven und Triebwagen statt.

Von 1936 bis 1945 befand sich verdeckt im Wald bei Ringelstein die große Luftmunitionsanstalt Harth, die im Bahnhof an die Bahnstrecke angeschlossen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Almetalbahn ab Anfang 1945 immer häufiger Angriffsziel von Tieffliegern der Alliierten. Am 13. Februar 1945 wurde z. B. der Bahnhof Alme von Tieffliegern mit Bordwaffen beschossen. Zwei Lokomotiven blieben unbrauchbar liegen. Zwei Gebäude fingen Feuer, und mehrere Gebäude bekamen Treffer ab.

Ab 1950 war die Strecke durch den täglichen „Heckeneilzug“ Bremen–Paderborn–Büren–Brilon–Marburg–Frankfurt am Main auch an das Fernverkehrsnetz angeschlossen.Heckeneilzug 451/452 Bremen–Frankfurt auf db58.de, abgerufen am 5. September 2026. Mit Beginn des Sommerfahrplans 1969 fuhr an Samstagen zusätzlich das Eilzugpaar Hamburg–Winterberg über die Almetalbahn. Im Folgejahr wurde diese Relation als Kurswagen in den vorgenannten Heckeneilzug eingereiht.

Vom 27. Mai 1963 an verkehrte über die Almetalbahn täglich ein Zugpaar des Heckeneilzuges Paderborn–Köln: Eine V 100 brachte den aus drei „Silberlingen“ (mit einem Steuerwagen) bestehenden Zug von Köln über Dieringhausen, Olpe, Meschede und Brilon nach Paderborn. Diese Verbindung nannte die Bevölkerung wegen der beiden Dome bzw. Bischofssitze an den Endpunkten „Dom-Express“ oder „Kardinalsexpress“.E 698 Paderborn-Köln auf kursbucharchiv.de, abgerufen am 5. September 2026. Trotz guter Anbindung an andere Strecken verschwand der Zug nach nur zwei Jahren aus den Kursbüchern.

Stilllegung, Abbau und Restverkehr mini|links|Ehemaliger Bahnhof der Almetalbahn in Brenken mini|links|Ehemaliger Bahnhof der Almetalbahn in Ahden mini|links|Südportal des Wewelsburger Tunnels mit einer Länge von 143 m mini|links|Umgebung am Südportal des Ahdener Tunnels mit einer Länge von 118 m Auf dem Teilstück zwischen Büren und Brilon wurde der regelmäßige Personenzugverkehr am 29. September 1974 wegen Oberbaumängeln eingestellt. Der Kurs des Heckeneilzuges wurde noch bis zum Ende des Winterfahrplanes 1978/79 von Brilon-Wald über Warburg weiter in Richtung Norddeutschland geführt. Auf den übrigen Abschnitten Paderborn–Büren und Brilon Stadt–Brilon Wald gab es weiterhin regelmäßigen Personenverkehr, bis dieser am 30. Mai 1981 auch eingestellt wurde. Der Personenverkehr wurde anschließend vollständig durch Bahnbusse abgewickelt, die bereits im Vorfeld zunehmend Nahverkehrszüge ersetzten.

Die Bedienung im Güterverkehr war teilweise schon eher eingestellt worden; am 30. Mai 1965 war zwischen Büren und Ringelstein Schluss. Zwischen Ringelstein und Alme endete der Güterverkehr mit dem 14. April 1975. Bis Alme kamen noch bis zum 31. Juli 1991 Güterzüge, bis Thülen bis zum 30. Mai 1992. Nördlich von Büren wurde die Strecke bis Ende 1995 noch im Güterverkehr genutzt. Dann wurde auch dieser eingestellt. Das 10 km lange Teilstück zwischen Brilon-Wald und der Firma Egger in Brilon wird auch heute noch regelmäßig im Güterverkehr befahren; seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 verkehren auch wieder Personenzüge zwischen Brilon Wald und Brilon Stadt. Die Strecke zwischen Brilon Egger und Büren Weinberg wurde zeitweise an die Firma RWE bzw. zuletzt deren Tochter Amprion für Trafotransporte zum Umspannwerk Brilon verpachtet und wurde als Anschlussbahn weiterbetrieben. Im Jahre 2016 ist dieser Abschnitt von Amprion wieder an die DB Netz AG zurückgegeben worden. Das Umspannwerk wird aber weiterhin sporadisch auf der Schiene bedient.

mini|Zerstörtes Gleismaterial im Nordosten von Büren, 2008. Im Falle eines Lückenschlusses verliefe hier eine neue Trasse. Im Jahr 1999 übernahm die Westfälische Almetalbahn GmbH (WAB) den Streckenteil Paderborn–Büren mit dem Ziel, den Güterverkehr wieder zu beleben und für Ausflugsfahrten mit einer historischen Dampfeisenbahn zu nutzen. Es blieb allerdings bei einzelnen Bedarfsgüter- und Museumsbahnfahrten und zum 30. Juni 2006 wurde dieser Streckenteil wegen notwendiger Sanierungsarbeiten stillgelegt und kurz darauf abgebaut. Eine Freistellung von Bahnbetriebszwecken zwischen Paderborn und Büren Weinberg wurde jedoch aufgeschoben, um hier die Möglichkeit einer Reaktivierung und einer Anbindung des Flughafens Paderborn/Lippstadt prüfen zu können. Dieser liegt nördlich von Ahden etwa 1,3 km Luftlinie von der Strecke entfernt; der Höhenunterschied beträgt ca. 50 Meter.

2012 kaufte der Kreis Paderborn ein 26 Kilometer langes Teilstück der Almetalbahn zwischen Paderborn und Büren zum symbolischen Preis von einem Euro, um eine Entwidmung des Streckenabschnittes zu verhindern. Für die Verkehrssicherung zahlt der Kreis jährlich 32.000 Euro und die anliegenden Städte und Gemeinden 23.000 Euro. Die Städte und Gemeinden können die Trasse für andere Zwecke wie beispielsweise Radwege nutzen, müssen diese aber in angemessener Zeit an den Kreis rückübertragen, wenn die Gesamttrasse benötigt wird.https://www.kreis-paderborn.de/kreis_paderborn/aktuelles/pressemitteilungen/2012/almebahn.php Die Stadt Paderborn hat ein vier Kilometer langes Teilstück angepachtet und ein Teilstück im Bereich Wewer zur Optimierung des Almeradweg asphaltiert.https://www.bahntrassenradeln.de/details/nw5_11.htmhttps://media.frag-den-staat.de/files/foi/498264/PachtvertragAlmetalbahn.pdf

Reaktivierung Brilon Wald–Brilon Stadt mini|links|Der Bahnhof Brilon Stadt 2012 Die Stadt Brilon hatte sich etliche Jahre um eine Wiederaufnahme des SPNV zum zentrumsnahen Stadtbahnhof bemüht. Um die Realisierbarkeit aufzuzeigen, wurden während des FIS-Skisprung-Weltcups auf der Willinger Mühlenkopfschanze in einzelnen Jahren durchgehende Züge ab Brilon Stadt angeboten. Im Jahr 2006 veröffentlichte der Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) ein Gutachten zu Potenzial und Kosten einer Reaktivierung. Herausgearbeitet wurden drei Betriebsszenarien, womit je nach Variante langfristig zwischen 350 und 890 Neukunden gewonnen werden sollen. Die Variante mit der stärksten prognostizierten Nachfrage war eine Verlängerung der zweistündlich in Bestwig endenden Züge der Linie RE 57 aus Richtung Dortmund sowie eine stündliche Linie nach Korbach, die zweistündlich nach Marburg weiterverkehrt. Ermittelt wurden einmalige Investitionskosten in Höhe von 630.000 Euro sowie jährliche Betriebskosten von 1,5 Millionen Euro, die zu einem Fünftel aus Fahrgeldeinnahmen gedeckt werden sollten.

Nach der Erstellung des Gutachtens lag die Wiederinbetriebnahme weiter auf Eis, da die Finanzierung der jährlichen Betriebskosten nicht gesichert werden konnte. Im Jahr 2007 wurden die Gleise zwischen Brilon Wald und Brilon Egger saniert, da die Firma Egger einen gesteigerten Bedarf für die Bedienung im Güterverkehr hat und die Sanierung der Gleise eine Bedingung für einen Ausbau des Standortes Brilon war. Im Jahr 2008 wurden im Bahnhof Brilon Stadt die Gleise 1 und 4–8 entfernt; auf den ehemaligen Gleisflächen entstand das Einkaufszentrum Brilon Arkaden. Verblieben sind in Brilon Stadt nur zwei Gleise, die für den Güterverkehr benötigt werden. Wegen des fehlenden Bahnsteigs wurde der Endpunkt der Museumsbahn nach Thülen verlegt.

Ende 2008 sagte das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen zu, den Bahnhof Brilon Stadt in den Infrastrukturfinanzierungsplan aufzunehmen, unter der Bedingung, dass der Zweckverband SPNV Ruhr-Lippe (ZRL) den Schienenpersonennahverkehr auf der Bahnstrecke von Brilon Wald nach Brilon Stadt für zwanzig Jahre bestellt. Der ZRL beschloss daraufhin am 23. Juni 2009, den planmäßigen SPNV auf diesem Abschnitt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 wiederaufzunehmen. Der neue Bahnsteig wurde dabei nördlich des ehemaligen Bahnhofs Brilon Stadt angelegt. Neben einem Park & Ride-Parkplatz entstand ein zentraler Busbahnhof am Kombibahnsteig. Hier bestehen Anschlüsse zu den städtischen Buslinien sowie zu den Linie R 10 nach Paderborn, R 91 nach Marsberg und S 30 nach Medebach. Am 10. Dezember 2011 wurde der Verkehr aufgenommen. Um die Kosten für die Reaktivierung gering zu halten, wurde auf den Bau von Signalanlagen verzichtet und stattdessen ein technisch unterstützter Zugleitbetrieb als Betriebsverfahren ausgewählt. Bei diesem Verfahren müssen sich die Triebfahrzeugführer die Erlaubnis zur Befahrung von Streckenblöcken fernmündlich erteilen lassen. Die Fahrgastnachfrage lag im ersten Betriebsjahr (2012) bei 268 Fahrgästen pro Tag. Erstmals wurden im Jahr 2013 einzelne Züge nach Thülen durchgebunden, um dort einen Anschluss zu den Zügen der Waldbahn Almetal nach Büren Weinberg herzustellen. Die Durchbindung wurde auch im Jahr 2014 an vier Sonntagen im Juli und August angeboten.

Betrieb Personennahverkehr Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wurde das Fahrplanangebot der Linie RE 57 mit durchgehenden Zügen nach Dortmund ganztägig auf einen Zweistundentakt reduziert. Zuvor fuhren nur während der Hauptverkehrszeit unter der Woche stündlich durchgehende Züge von und nach Dortmund. In den übrigen Zeiten bestand ein stündlicher Pendelbetrieb zwischen Brilon Wald und Brilon Stadt. Mit Einrichtung einer Kreuzungsstelle in Viermünden im Dezember 2017 verkehren Züge der Linie RB 42 im Zweistundentakt, nachmittags im Stundentakt, durchgehend nach Marburg. Die Kürzungen auf der Linie RE 57 aus Dortmund wurden nachmittags wieder zurückgenommen, sodass in dieser Zeit zwischen Brilon Wald und Brilon Stadt in etwa ein Halbstundentakt durch die Linien RE 57 und RB 42 angeboten wird.

Zwischen Brilon und Paderborn verkehren Busse. Die Regionalbuslinie R 10 fährt über Bad Wünnenberg und bedient entlang der Bahnstrecke nur die Orte Thülen und Alme. Zwischen den Städten Brilon und Büren existiert kein durchgehendes Busangebot, hier besteht nur die Möglichkeit, mit einem Umstieg in Bad Wünnenberg auf Stadtverkehr Büren die Kreisgrenze zu überwinden. Zwischen Büren und Siddinghausen verkehrt der Stadtverkehr Büren, einige Fahrten werden im Schülerverkehr bis Alme verlängert. Der Streckenabschnitt zwischen Büren und Paderborn wird durch zwei Schnellbuslinien und mehrere Regionalbuslinien befahren. Wichtigste Verbindung hierbei ist die Linie S 60, die über den Flughafen Paderborn/Lippstadt verkehrt.

Güterverkehr