Fußball ist Brasiliens Nationalsport. Die brasilianischen Fußballer gelten seit Jahrzehnten als technisch besonders begabt und erfinderisch, die Nationalmannschaft dominierte in den späten 1950er und in den 1960er Jahren den internationalen Fußball und stand in der seit 1993 veröffentlichten FIFA-Weltrangliste mit einer einjährigen Unterbrechung von 1995 bis Januar 2007 an der Spitze.

Mit fünf Weltmeistertiteln der Männer-Nationalmannschaft (1958, 1962, 1970, 1994 und 2002) ist Brasilien die erfolgreichste Fußballnation der Welt. Viele Brasilianer wie Arthur Friedenreich, Garrincha, Pelé, Rivelino, Zico, Sócrates, Romário, Rivaldo, Roberto Carlos, Ronaldo, Ronaldinho, Kaká und Neymar gehörten und gehören zu den besten Fußballspielern der Welt. Bei den Frauen erlangten vor allem die sechsfache Weltfußballerin Marta und ihre langjährige Sturmpartnerin in der Nationalmannschaft Cristiane zu Bekanntheit.

Wegen der immensen Größe des Landes gab es zunächst nur mehrere regionale Wettbewerbe und wechselnde Austragungsmodi für eine nationale Meisterschaft, bevor eine gesamtbrasilianische Liga entstand. Die großen Clubs konzentrieren sich in Rio de Janeiro, São Paulo, Belo Horizonte und Porto Alegre, was zu häufigen Stadtderbys und einer intensiven Rivalität der Städte führt. Erfolgreiche Vereine sind Fluminense, Flamengo, Botafogo FR und CR Vasco da Gama aus Rio, Corinthians São Paulo, Palmeiras, FC Santos und der FC São Paulo aus São Paulo, Cruzeiro EC und Atlético Mineiro aus Belo Horizonte, und Grêmio FBPA und SC Internacional aus Porto Alegre. Die Vereine können finanziell nicht mit den großen europäischen Clubs mithalten, so dass etwa 5000 brasilianische Fußballprofis weltweit in anderen Ligen spielen. Spieler und Vereine sind in der Confederação Brasileira de Futebol (CBF) organisiert.

Verband Der brasilianische Fußballverband Confederação Brasileira de Futebol (CBF) wurde am 20. August 1914 (nach anderen Angaben am 6. Juni) als Federação Brasileira de Sports (FBS) gegründet. 1916 wurde er durch eine Verschmelzung zum Confederação Brasileira de Desportos (CBD) und änderte den Namen 1979 schließlich zur heutigen Bezeichnung. Präsident ist seit 2012 José Maria Marin, als Nachfolger von Ricardo Teixeira. Der CBF gehörte 1916 zu den Gründungsmitgliedern des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL und ist seit 1923 Mitglied des Weltverbandes FIFA. Der Verband hat seinen Sitz in Rio de Janeiro. Von 1958 bis 1975 war João Havelange Präsident des CBF, der ab 1974 auch 24 Jahre lang (bis 1998) Präsident der FIFA war.

Entwicklung des Vereinsfußballs Erste Vereine und Ligen mini|Eines der ersten Fußballspiele in Brasilien überhaupt: Germânia – Internacional (1899)

Wie in vielen anderen Ländern führte ein Engländer den Fußball in Brasilien ein. Charles William Miller, Sohn eines eingewanderten Eisenbahningenieurs, brachte 1894 aus seiner Studienzeit in England die Erfahrung einiger Jahre als Mittelstürmer in Southampton und zwei Lederbälle mit nach São Paulo.

Englische Kaufleute stellten dort und in Rio den größten Teil der Importeure, Ingenieure und Fabrikanten und hatten Sportclubs nach englischem Vorbild gegründet. Außerhalb der Cricketsaison begannen diese elitären Clubs nun mit dem Fußballspiel. Am 14. April 1895 fand das erste historisch belegte offizielle Fußballspiel in Brasilien statt. Dabei traten englische und brasilianische Mitarbeiter der São Paulo Gas Company gegen jene der São Paulo Railway Company an. Das Freundschaftsspiel endete mit einem 4:2-Sieg für die Mannschaft der São Paulo Railway. 1901 fand die erste Begegnung zwischen einem Amateurteam aus São Paulo und Mitgliedern eines Cricketclubs aus Rio de Janeiro.

mini|São Paulo Athletic 1902 Bald entstanden in den beiden großen Städten Fußball-Ligen. Zu den Gründungsmitgliedern zählten bereits die heutigen Spitzenclubs Fluminense, Botafogo in Rio und Grêmio in Porto Alegre. 1902 gewann die aus Engländern bestehende Mannschaft des São Paulo Athletic Club die erste Meisterschaft von São Paulo und verteidigte den Titel in den nächsten beiden Jahren. Mit dem Club Athletico Paulistano gelang es 1905 zum ersten Mal einem brasilianischen Team, die Vorherrschaft der Engländer zu brechen und Meister von São Paulo zu werden.

Bahia wurde 1905 der zweite Staat mit einer Fußballmeisterschaft und im Jahr darauf folgte der damalige Bundesdistrikt, die damalige Hauptstadt Brasiliens, Rio de Janeiro. Die erste Meisterschaft wurde 1906 ausgetragen.

Jahrelang blieb Fußball ein Sport der Eliten und wurde zunächst von Engländern dominiert. Aus dem Englischen entlehnte man zahlreiche Begriffe, wobei die harten Laute abgerundet und der eigenen Aussprache angepasst wurden: Aus goal wurde gol (gesprochen []), Team wandelte sich zu time [], der Strafstoß heißt penalty und aus Football machte man Futebol [].

Auch deutschstämmige Einwanderer hatten einen starken Einfluss auf den frühen Fußball in Brasilien. Bereits 1899 gründete der aus Hamburg stammenden Hans Nobiling den Sport Club Germânia (während des Zweiten Weltkriegs zwangsweise in Esporte Clube Pinheiros umbenannt). Im Jahr 1900 schlossen sich andere Deutschstämmige an der Grenze zu Uruguay im Sport Clube Rio Grande zusammen, dessen erstes offizielles Spiel am 18. Mai 1901 gegen die Mannschaft des englischen Kanonenbootes Nymphe stattfand. Die Einheimischen gewannen mit 2:1.

Fußball wird Volkssport mini|hochkant|Arthur Friedenreich

Zum Volkssport avancierte Fußball in den frühen 1920er Jahren. In dieser Zeit wurden die Spieler der besseren Clubs bereits Halbprofis. Auf massiven Druck der Presse wurden ab 1918 die Vereine verpflichtet, afrobrasilianische Spieler aufzunehmen.

Zu einem Symbol des brasilianischen Fußballs um 1920 wurde der Deutschbrasilianer Arthur Friedenreich (1892–1969) aus São Paulo, dessen Mutter Afrobrasilianerin war. Seine Karriere begann Friedenreich im Sportclub Germania, wo er von dem damals bekanntesten Sportler Brasiliens, dem Fußballspieler, -trainer und Leichtathleten Hermann Friese, gefördert wurde.

Der Mulatte Friedenreich durfte nur aufgrund seines weißen deutschen Vaters in der ersten brasilianischen Nationalmannschaft spielen, in die er 1914 berufen und mit der er 1919 und 1922 südamerikanischer Meister wurde. Friedenreich und andere mussten ihr Kraushaar glätten, um wie Weiße auszusehen, einige mussten sich sogar mit Reismehl beschmieren. Trotzdem wurde Friedenreich zum ersten großen Fußballstar des Landes. 1921 befahl Präsident Epitacio da Silva Pessoa aus Sorge vor einem Ansehensverlust Brasiliens, dass keine Dunkelhäutigen bei der Copa América spielen durften. Als daraufhin der Erfolg des Titelverteidigers ausblieb und die Öffentlichkeit gegen das rassistische Vorgehen protestierte, nahm er die Verordnung jedoch zurück. Brasilien gewann wieder. Insgesamt hat Arthur Friedenreich 26 Jahre lang aktiv Fußball gespielt. In Brasilien nannten ihn die Fans Pé de Ouro (Goldfuß), in Uruguay El Tigre (der Tiger) und in Paris Roi du Football (König des Fußballs).

Der erste professionelle Verein Brasiliens war Vasco da Gama aus Rio, der auch gegen erbitterte Widerstände anderer Vereine besonders auf farbige Spieler setzte und 1923 mit drei Schwarzen, einem Mulatten und sieben Weißen die Meisterschaft von Rio gewann. Die Dominanz Vascos hielt bis 1950 an.

Einführung des Profifußballs Im Jahr 1933 wurde mit der Liga Carioca de Futebol in Rio de Janeiro der Profifußball offiziell eingeführt. Trotzdem gelang es dem brasilianischen Fußballverband angesichts der Größe des Landes lange nicht, eine nationale Meisterschaft auszurichten. Deshalb ist der brasilianische Ligafußball noch heute durch eine verwirrende Vielzahl an Meisterschaften und Pokalwettbewerben, zahlreiche Modusänderungen und häufige Umbenennungen der Wettbewerbe gekennzeichnet. Erst ab 1970 ließen die infrastrukturellen Voraussetzungen eine landesweite Meisterschaft zu.

Liga- und Pokalwettbewerbe heute Neben den vier nationalen Ligen und dem brasilianischen Pokal gibt es noch zahlreiche weitere Wettbewerbe der Regionen und Städte, an denen auch die Mannschaften der nationalen Liga teilnehmen. Da die besten Mannschaften zusätzlich in den südamerikanischen Kontinentalwettkämpfen aktiv sind, entsteht für die Vereine ein hoher Termindruck und die Teams sind das ganze Jahr hindurch ohne Pause im Einsatz. Heute geht deshalb die Tendenz in Richtung einer Vereinfachung des Spielbetriebes, die regionalen Pokalwettbewerbe wurden bereits größtenteils abgeschafft. Die Anzahl der Mannschaften in der Série A wurde sukzessive auf 20 reduziert und seit 2003 wird der Meister nicht mehr in einer Play-off-Runde ermittelt.

Ligapyramide Stufe Liga 1 Série A20 Vereine ↑↓ 4 Vereine 2 Série B20 Vereine ↑↓ 4 Vereine 3 Série C20 Vereine ↑↓ 4 Vereine 4 Série D64 Vereine ab 2022 ↑↓ variabel 5 Staatsmeisterschaften

Die Saison folgt traditionell dem Kalenderjahr. Nachdem bis April/Mai die Meisterschaften der Bundesstaaten ausgerichtet werden, findet die Saison der nationalen Ligen in der Regel von Mai bis Dezember statt. Nach heftigen Debatten, die sogar im Parlament geführt wurden, sollte der Spielplan bis 2007 an die europäischen Ligen angepasst werden. Dazu kam es jedoch nicht.

Die Zuschauerzahlen können stark variieren, insbesondere bei den Regionalmeisterschaften, an denen sowohl die Spitzenclubs des Campeonatos Brasileiro als auch Mannschaften der Série B und Série C teilnehmen. Hier können die großen Derbys 70.000 Fans anziehen, während am gleichen Spieltag bedeutungslosere Spiele mittlerer und kleiner Vereine vor wenigen hundert Zuschauern stattfinden. Sogar Spiele mit 50 Zuschauern kommen vor.

Der Durchschnitt der zahlenden Zuschauer der Série A bewegte sich in den Jahren von 2007 bis 2010 zwischen knapp 15.000 bis rund 17.700.Brasileirão, Bola n@ Area Die Eintrittspreise bewegten sich beispielsweise im Spiel der Saison 2010 zwischen Flamengo und dem Fluminense FC zwischen R$ 15,00 und R$ 70,00, durchschnittlich knapp R$ 28,00 bei fast 16.000 zahlenden Zuschauern. Weitere 3.000 Karten wurden aufgrund von Vereinbarungen mit dem Stadionbetreiber und aus rechtlichen Gründen kostenfrei abgegeben., Fußballverband von Rio de Janeiro (FERJ), 19. September 2010 (via Confederação Brasileira de Futebol). Bei sehr seltenen Anlässen können aber die Preise stark erhöht werden; so verdoppelte Fluminense bei dem für das über den Titel entscheidende Spiel am letzten Spieltag 2010 gegen den bereits abgestiegenen Guarani FC die Eintrittspreise, was zu einem durchschnittlichen Preis pro zahlenden Zuschauer von R$ 80.00 führte., Fußballverband von Rio de Janeiro (FERJ), 6. Dezember 2010 (via Confederação Brasileira de Futebol). Beim seinerzeitigen Wechselkurs entsprach dies etwa 35 €. Das gesetzliche Mindestgehalt im Bundesstaat Rio de Janeiro betrug 2010 etwa R$ 600,00 für Arbeiter.Lei nº 5.627, de 28 de dezembro de 2009, do Estado do Rio de Janeiro Die Rekordzuschauerzahl 2010 wurde mit 76.205 Zuschauern beim Spiel CR Vasco da Gama gegen Fluminense erreicht, neun weitere Spiele zählten mehr als 40.000 Zuschauer. Dreimal, jeweils bei Spielen des Absteigers Grêmio Barueri, blieb die Zuschauerzahl unter 1.000; insgesamt fanden 10 Partien vor weniger als 2.000 Zuschauern statt. Landesweit betrug der durchschnittlich bezahlte Eintrittspreis R$ 20,00.

Nationale Meisterschaft

Die immensen Ausmaße Brasiliens waren historisch ein wesentliches Hindernis zur Abhaltung nationaler Sportwettbewerbe. Als Beispiel sei hier erwähnt, dass erst 1975 eine Straßenverbindung zwischen den rund 500 km voneinander entfernten Städten Rio de Janeiro und Santos fertiggestellt wurde. , estradas.com.br Erst erschwingliche Flugverbindungen machten routinemäßiges Reisen zu Spielen in andere Metropolen möglich. Davor gab es mehr oder weniger regelmäßig ausgetragene Turniere zwischen den stärksten Vereinen diverser Bundesstaaten, wie beispielsweise das berühmte Torneio Rio-São Paulo, das erstmals 1933 stattfand.