Der Begriff Weberaufstand wird oftmals mit dem spätmittelalterlichen Kölner Weberaufstand 1369–1371 oder dem Schlesischen Weberaufstand von 1844 verbunden. Weberaufstände gab es im 18. und 19. Jahrhundert jedoch vielerorts; sie richteten sich gegen verschiedene Missstände. Es handelte sich um frühindustrielle Unruhen, die sowohl von ländlichen Hausgewerbetreibenden als auch von städtischen Zunfthandwerkern ausgingen und sich gegen Verleger und frühe Fabrikanten richteten. Ein politischer Hintergrund war nach Einschätzung von Historikern im Allgemeinen nicht gegeben, dieser bildete sich erst mit der Deutschen Revolution 1848/49. Teilweise waren die Aufständischen so verarmt, dass es sich um Hungerrevolten handelte.

Hintergrund der Weberaufstände Bereits im ausgehenden Mittelalter war das Verlagssystem als Handelsorganisation verbreitet, ein Begriff, der heute nur noch im Buch- und Zeitschriftenwesen gebräuchlich ist. Der Verleger übernahm hierbei dank seiner Kapitalkraft, Marktübersicht und Organisationsfähigkeit die Beschaffung der Rohstoffe, die Lagerung und den Verkauf der Endprodukte. Der Handwerker wurde dadurch zum reinen Produzenten, und die Grenzen zur reinen Lohnarbeit wurden fließend.

Mit dem Bevölkerungsanstieg des 16. und 18. Jahrhunderts wuchs auch zunehmend die Schicht von landloser bzw. landarmer Landbevölkerung, die das karge Einkommen durch eine nicht-landwirtschaftliche Tätigkeit aufstocken musste. Hierzu gehörten auch die Webtätigkeiten als Auftragsprodukte für die Verleger. Der Kapitalgeber hatte es im Gegensatz zum zünftischen Handwerk mit einer relativ schutzlosen Landbevölkerung zu tun.

Der Verlust ausländischer Absatzmärkte im Zusammenhang mit der Kontinentalsperre und der englischen Seeblockade, der Einbruch englischer Fabrikware nach dem Ende der Kontinentalsperre, der Ausfall binnenländischer Nachfrage im Gefolge von Agrarkrisen, die fortschreitende Industrialisierung mit ihren Billigprodukten verschärften die Situation. Die an die Weber gezahlten Löhne sanken kontinuierlich. Es kam zum Interessenkonflikt der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Die Verleger trachteten nach einer Profitmaximierung bzw. -erhaltung, die letztlich durch niedrige Produktionskosten erreicht werden sollte.

Die wirtschaftliche Situation der verlegten Weber war zum Ende des 18. Jahrhunderts sehr schlecht, vor allem weil sie nur teilweise in bar entlohnt wurden. Mindestens die Hälfte des Warenwertes wurde mit Rohstofflieferungen aufgerechnet. Eine massenhafte Verarmung (Pauperismus) führte vielerorts zu Unruhen, Revolten und Maschinenstürmen.

Augsburger Weberaufstand 1784/85 und 1794/95 mini|Inschrift auf dem Weberhaus in Augsburg mini|Niederschlagung des Augsburger Weberaufstands durch württembergische Soldaten, zeitgenössische Darstellung von Franz Thomas Weber

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Augsburger Weberhandwerk zunehmend durch die Konkurrenz von in- und ausländischen Billiganbietern bedroht. Die ortsansässige Kaufmannschaft und Kattunfabrikanten (u. a. Schüle, Gignoux, Schöppler & Hartmann) kauften insbesondere ostindische Ware. Die einheimische Ware wurde zunehmend verdrängt und großteils nur im Warenwert gegen teure Wolle eingekauft.

Diese Situation führte zu erheblichen Einkommensverlusten, die 1784/85 zu ersten Unruhen führten. Die Gesellen, die wegen ihrer weithin ungesicherten Existenz besonders betroffen waren, verweigerten die Beitragszahlungen in die Gesellenlade und zettelten einen Tumult an. Der Gesellenstreik wurde zwar am 21. August 1784 friedlich beigelegt, entbrannte aber durch zwei Todesfälle neu. Es kam zu einem Demonstrationszug von 300 Gesellen, der durch die Polizei niedergeschlagen wurde. Die Rädelsführer wurden verhaftet. Viele Gesellen verließen die Stadt.

Während sich die Handwerksmeister an diesen Unruhen nicht beteiligten, änderte sich dieses mit der zunehmend rapiden Verschlechterung des Lebensunterhaltes und der Wohnsituation. Der Rat der Stadt blieb weitgehend untätig; so griffen die Weber zu Selbsthilfemaßnahmen und beschlagnahmten Warensendungen an die Kaufleute.

Im Oktober 1785 kam es zu einem Kompromiss zwischen den Kontrahenten, der jedoch nur vorübergehend für Ruhe sorgte, da sich die Fabrikanten über die Abmachungen hinwegsetzten. Die städtische Obrigkeit, die sich vordem um eine neutrale Haltung bemüht hatte, schlug sich immer mehr auf die Seite des Kapitals. Am 29. Januar 1794 stürmten dreihundert Webermeister das Rathaus und setzten einen Einfuhrstopp ausländischer Ware durch. Bereits am 25. Februar 1794 wiederholte sich die Situation, da das Einfuhrverbot bereits wieder gelockert worden war. Dieses Mal wurde der Amtsbürgermeister der Stadt als Geisel genommen. Zur Beruhigung der Massen erließ der Rat ein Dekret, das unter anderem den Einfuhrstopp erneut bestätigte. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass sich die Obrigkeit an die unter Zwang entstandenen Vereinbarungen nicht gebunden fühlte. Am 26. August 1794 kam es zu einer neuen Vereinbarung zwischen den Kaufleuten, Fabrikanten und Webern, die auf dem Kompromiss von 1785 basierte und zum Gesetz erhoben wurde. Am 18. November 1794 wurde dieses aufgehoben und vom Rat eine militärische Lösung des Konflikts angestrebt.

Am 24. Dezember 1794 wurde der Aufstand durch den Einsatz von Truppen des Schwäbischen Reichskreises endgültig niedergeschlagen. Die Soldaten blieben für eineinhalb Jahre in der Stadt, und die Stationierungskosten hatten die Weber zu tragen.

Schlesischer Weberaufstand 1844 Der schlesische Weberaufstand von 1844 war nicht der erste Weberaufstand in der Region des Eulengebirges. Bereits 1785/1786, 1793 und 1798 hatte es teils größere Aufstände gegeben. Die Besonderheit von 1844 lag in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: Zeitgenössische Publikationen und Literatur verarbeiteten und diskutierten das Thema ausgiebig. In diesem Sinne kann der schlesische Weberaufstand vom 4. bis zum 6. Juni 1844 in einen Zusammenhang mit der 1848 einsetzenden Revolution gebracht werden, da er wesentlich zur Herausbildung von politischen Meinungsbildern beitrug.

Grund des Aufstandes mini|Die schlesischen Weber (Gemälde von Carl Wilhelm Hübner, 1846) Das Gebiet der Provinz Schlesien war 1742 durch Preußen annektiert worden. Infolgedessen blieben die neuen Untertanen länger als anderswo an die adligen Grundherren gebundene Häusler. Die Bauernbefreiung wurde 1807 nur unvollständig umgesetzt. Zwei Drittel der schlesischen Bevölkerung waren noch einem Gutsherren unterworfen und mussten Feudalabgaben wie Grundzins, Webzins, Schulgeld etc. entrichten. Die schlesischen Weber versuchten, den Preisverfall ihrer Waren durch Quantität wettzumachen, doch selbst Kinderarbeit und die Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit schufen keinen Ausgleich, insbesondere da die Qualität der Produkte weiter sank. Technische Neuerungen und modernere Webstühle, wie es sie im Ausland teils bereits gab, konnten keine Abhilfe schaffen, da die Heimweber sie nicht finanzieren konnten. Zudem war das Eulengebirge einer der dichtestbevölkerten Bezirke Schlesiens, Peterswaldau hatte knapp 6.000, Langenbielau etwa 12.000 Einwohner. Folglich herrschte ein Überschuss an Arbeitskräften. Trotzdem ging es den in Peterswaldau und Langenbielau angesiedelten Baumwollwebern noch vergleichsweise gut, zumindest besser als den schlesischen Leinenwebern, die bereits vollkommen verarmt waren und hungerten.

Der Aufstand mini|Karikatur zum Weberaufstand (1848) Ursache In Peterswaldau und Langenbielau lebten vor allem vorindustrielle Heimarbeiter, die vorwiegend Baumwollwaren herstellten. Wirtschaftlich war ihre Existenz jedoch von sogenannten Verlegern abhängig. Während die Verleger, in der Regel vermögende Kaufleute, Garn auf dem Markt aufkauften, sollten die Baumwollweber daraus zu einem vereinbarten Preis die gewünschten Stoffe produzieren. Für ihre Ware wurden die Heimarbeiter entlohnt und der Verleger verkaufte die Baumwollprodukte weiter.Christina von Hodenberg: Aufstand der Weber. Die Revolte von 1844 und ihr Aufstieg zum Mythos. Dietz, Bonn 1997, ISBN 3-8012-3073-2, S. 48–49. Obwohl die schlesischen Baumwollweber im Gegensatz zu den Leinwebern und -spinnern zu den bessergestellten Arbeitern gehörten, fürchteten sie um ihren Lohn und ihre berufliche Selbstständigkeit.Christina von Hodenberg: Aufstand der Weber. Die Revolte von 1844 und ihr Aufstieg zum Mythos. Dietz, Bonn 1997, ISBN 3-8012-3073-2, S. 57. Wegen der Überproduktion im Textilgewerbe kam es in den 1840er-Jahren immer wieder zu Lohnkürzungen durch die Verleger, besonders durch den größten Unternehmer in Peterswaldau, Ernst Friedrich Zwanziger.Christina von Hodenberg: Aufstand der Weber. Die Revolte von 1844 und ihr Aufstieg zum Mythos. Dietz, Bonn 1997, ISBN 3-8012-3073-2, S. 27. Ihm gehörte das bedeutendste ortsansässige Unternehmen „Zwanziger & Söhne“. Die Forderungen der Weber richteten sich dabei auf gerechten Lohn und eine angemessene, würdige Behandlung durch die „Fabrikanten“.Christina von Hodenberg: Aufstand der Weber. Die Revolte von 1844 und ihr Aufstieg zum Mythos. Dietz, Bonn 1997, ISBN 3-8012-3073-2, S. 229.

Verlauf Am 3. Juni 1844 trafen sich etwa 20 Weber aus Peterswaldau und umliegenden Ortschaften auf dem Kapellenberg und berieten, wie man sich gegen die Fabrikanten wehren könne. Sie zogen daraufhin, das „Spottlied Blutgericht“ singend, vor die Fabrik der Gebrüder Zwanziger, die als Verleger tätig waren und die Löhne gekürzt hatten. Die Fabrikanten Ernst Friedrich und August Zwanziger ließen ihre Diener, mit Steinen und Knüppeln ausgerüstet, den kleinen Zug vertreiben und außerdem den Weber Wilhelm Mädler von der Ortspolizei verhaften.Der Weberaufstand. In: Die Zeit. 3. Juni 1994.

Mit dem Ziel, die Freilassung Wilhelm Mädlers und eine Lohnerhöhung zu erreichen, bildete sich am 4. Juni 1844 ein Protestzug, dem sich fast alle Heimweber der Umgebung anschlossen. Die Weber wählten zur Verhandlung eine Delegation; das Gespräch mit dem Landrat des Kreises Reichenbach blieb allerdings ergebnislos. Als sie vor dem Gebäude der Zwanzigers ankamen, waren diese gerade abwesend. Die Menge stürmte daraufhin wütend das Haus der Zwanzigers und zerstörte die gesamte Einrichtung. Ebenso wurde im Verwaltungshaus, im Lagerhaus und in der Fabrik gewütet. Die Familie Zwanziger floh daraufhin nach Breslau. Der Fabrikant Wagenknecht blieb hingegen unbelästigt und wurde wegen des „gerechten“ Lohnes sogar gelobt.

Am 5. Juni 1844 konnten sich die Fabrikanten Fellmann und Hoferichter durch Geldzahlungen, Brot und Speck „freikaufen“. Die Schar zog weiter nach Langenbielau zu den Fabrikanten Andretzky und Hilbert. Diese waren verhasst, ihre Anwesen wurden verwüstet. Dierig, der auch wegen der ausschließlich dort beschäftigten auswärtigen Arbeiter ins Visier der Aufrührer geraten war, bezahlte die eigenen Arbeiter, um gegen die anrückenden Weber vorzugehen. Zudem versuchten die Gebrüder Dierig, die Menge durch Geldausteilungen zu beruhigen.

Eine königliche Kabinettsorder wies den Kriminalsenat des Oberlandesgerichts Breslau an, „mit allem Fleiß ... die Aufwiegler zu entdecken und zur Bestrafung zu ziehen“. Zwischenzeitlich hatten die Behörden das Eingreifen des preußischen Militärs veranlasst und die Situation geriet außer Kontrolle. Der kommandierende Offizier ließ in die Menschenmenge schießen. Zehn Männer und eine Frau wurden getötet, weitere 24 schwer verletzt.Karl Obermann: Deutschland von 1815 bis 1849. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 3., überarb. Aufl. 1967, S. 153. Dieses Vorgehen schürte eher noch die Wut und es kam zu hilflosen Plünderungen. Die Einheit wich zunächst der mit Knüppeln und Steinen bewehrten Menge, nach dem Eintreffen der Verstärkung wurde der Aufstand am 6. Juni 1844 niedergeschlagen.