mini|Michail Gorbatschow, junge Pianistin und Lothar de Maizière am 15. Mai 2007 in Berlin. Das Deutsch-Russische Forum ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der sich seit 1993 für einen breiten gesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Russland engagiert.30 Jahre Deutsch-Russisches Forum: Neustart der „Putin-Versteher“ – mit weniger Politik und einer Pastorin. In: RND Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 15. August 2023.

Trägerschaft und Mitglieder Der Verein wird inhaltlich und finanziell durch Mitglieder aus Politik, Wirtschaft, Massenmedien und Kultur getragen. Die Mitgliedschaft wird durch Kooptation erworben.

Im Februar 1993 wurde der Verein mit 59 Mitgliedern gegründet, Stand 2023 gibt es 300 Mitglieder.Mitglieder Die Mitgliedschaft war öffentlich. (PDF).

Aktivitäten Zu den Aktivitäten und Projekten des Deutsch-Russischen Forums gehören unter anderem die Organisation von Praktika für Journalisten, jährliche deutsch-russische Städtepartnerkonferenzen, der Schüler- und Jugendaustausch sowie die Durchführung der Potsdamer Begegnungen. Diese wurden 1999 durch den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog initiiert und dienen dem Treffen von Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft statt.

In Kooperation mit der deutschen Botschaft Moskau und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst organisiert der Verein das Alumni-Netzwerk hallo deutschland!, das sich an russische Absolventen deutscher Förderinstitutionen richtet.

Seit 2001 beteiligte sich das Deutsch-Russische Forum auch an der Organisation des Petersburger Dialogs, ein bilaterales Diskussionsforum, das seit 2001 achtzehn mal stattfand, abwechselnd in Russland und Deutschland.

Weitere regelmäßige Aktivitäten sind das Kulturportal Russland und die Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz, die vom 28. bis 30. Juni 2021 in Kaluga zum sechzehnten Mal stattfand.mdz-moskau.eu: Martin Hoffmann über deutsch-russische kommunale Partnerschaften, abgerufen am 18. August 2021

Das Deutsch-Russische Forum betreibt neben dem Hauptportal zu den VereinstätigkeitenHauptportal des Deutsch-Russischen Forums vier weitere Internetportale: das Kulturportal Russland'Kulturportal Russland' des Deutsch-Russischen Forums, das Portal hallo deutschland!'hallo deutschland!', Portal des Deutsch-Russischen Forums zu Förder- und Austauschprogrammen zu Förder- und Austauschprogrammen, das Portal Spielend Russisch lernenPortal 'Spielend Russisch lernen' des Deutsch-Russischen Forums und ein Portal zu deutsch-russischen StädtepartnerschaftenPortal des Deutsch-Russischen Forums zu deutsch-russischen Städtepartnerschaften.

Der russische Überfall auf die Ukraine 2022 hatte einschneidende Auswirkungen auf die Aktivitäten des Deutsch-Russischen Forums. Der Vorsitzende Matthias Platzeck trat am 1. März 2022 zurück, das Deutsch-Russische Forum verurteilte den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine und erklärte, bis zum Ende der militärischen Auseinandersetzung und zur Rückkehr zu friedlichen Lösungsansätzen sämtliche Projekte und Veranstaltungen auszusetzen. „In diesem Zusammenhang wurde das Kuratorium vorläufig ausgesetzt, um dieses Gremium neu zu formieren.“ Im November 2022 wurde ein neuer Vorstand gewählt, die Pfarrerin Petra Schwermann übernahm den Vorsitz.

Kritik Im Zuge der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland und des russischen Kriegs gegen die Ukraine wurde dem Deutsch-Russischen Forum (DRF), insbesondere wegen der Wortmeldungen seines Vorsitzenden Matthias Platzeck, wiederholt eine zu unkritische Haltung gegenüber der umstrittenen Politik des russischen Präsidenten Putin vorgeworfen.

Im Mai 2014 polemisierte der damalige Chef der russischen Staatsbahn, Wladimir Jakunin, bei einer in Zusammenarbeit mit dem DRF ausgerichteten Veranstaltung in Berlin gegen Homosexuelle und kritisierte die Europäische Union scharf; Platzeck widersprach ihm dabei nach Darstellung des Tagesspiegels kaum. Im September 2014 trat Platzeck erneut gemeinsam mit Jakunin auf, diesmal beim von Jakunin gegründeten World Public Forum auf Rhodos, wo er davor warnte, Russland zu „bestrafen“ und dadurch von Europa wegzutreiben. Jakunin durfte zu diesem Zeitpunkt wegen der Ukraine-Krise nicht mehr in die Vereinigten Staaten einreisen. Platzeck sagte, er und Jakunin seien in einigen Punkten unterschiedlicher Meinung, ein offener Dialog sei aber notwendig. Laut der Mitgliederliste des Vereins gehörte Jakunin 2018 dem Kuratorium des DRF an.

Mitte November 2014 forderte Platzeck in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse, die Annexion der Krim müsse „nachträglich völkerrechtlich geregelt werden, so dass sie für alle hinnehmbar ist“. Als mögliche Wege nannte er finanzielle Leistungen und eine Wiederholung des Referendums unter Kontrolle der OSZE; der Westen müsse eine Lösung finden, bei der Putin nicht als Verlierer dastehe. Der Geschäftsträger der ukrainischen Botschaft in Berlin, Wassyl Chymynez, warf Platzeck vor, in Deutschland für eine Anerkennung der Annexion zu werben, statt seinen Gesprächspartnern in Moskau zu verdeutlichen, dass Völkerrechtsverletzungen nicht hingenommen würden. Eine nachträgliche Anerkennung wäre nach Ansicht des außenpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen, „ein Präzedenzfall mit destabilisierender Wirkung weit über die Ukraine hinaus“. Platzeck erklärte daraufhin gegenüber dem MDR, er habe keine Anerkennung der völkerrechtswidrigen Annexion gefordert, sein Vorschlag sei missverstanden worden.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete am 22. November 2014 von einem Eckpunktepapier, das von Kanzleramt und Auswärtigem Amt unterstützt wurde. Im Kabinett Merkel III (2013 bis 2017) war Frank-Walter Steinmeier (SPD) Außenminister. In dem Eckpunktepapier wurde gefordert, der Petersburger Dialog müsse „auch Raum für die kritische Auseinandersetzung mit der russischen Politik geben“. Die Anbindung an das Deutsch-Russische Forum solle beendet werden, da es in beiden Gremien große personelle Überschneidungen gab: Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft war stark vertreten.Deutsch-russische Beziehungen: Bund für Wechsel an der Spitze des Petersburger Dialogs, FAZ.net, 22. November 2014 Im Rahmen der Reform solle der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck an Einfluss im DRF verlieren. Dieses Zugeständnis habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 19. November 2014 „abgerungen“.Russland-Politik: Merkel bootet Platzeck aus, in: Spiegel Online, 22. November 2014, abgerufen am 18. Oktober 2021.

Die Journalistin und langjährige Moskau-Korrespondentin Elfie Siegl erklärte am 26. März 2015 auf einer Sitzung des DRF ihren Austritt. In ihrer Erklärung, die ihr Kollege Boris Reitschuster auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, heißt es, das DRF habe sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom in der Satzung festgeschriebenen Vereinszweck entfernt und setze nunmehr andere Prioritäten: „Es geht ihm weniger darum, Verständnis für Russland zu wecken, als vielmehr darum, der Politik des Putin-Regimes Verständnis entgegen zu bringen, sie zu billigen.“ Ferner kritisierte Siegl, dass mehrere bekannte Mitglieder und Vorstandsmitglieder des DRF den Appell „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ unterzeichnet hatten: „In diesem Aufruf wird auf den Kriegszustand in einigen Teilen der Ukraine und die Annexion der Krim mit keinem Wort eingegangen. Schon allein aus diesem Grund fühle ich mich als unabhängige Journalistin und Russland-Expertin vom Deutsch-Russischen Forum und seiner Leitung nicht mehr angemessen vertreten.“ Aus ähnlichen Gründen verließen laut Siegl der Politologe Hannes Adomeit und der Jurist Otto Luchterhandt das DRF. Reitschuster schrieb außerdem, ein Mitglied habe ihm gesagt, „im Forum würde offenbar durch Neuaufnahmen gezielt die Pro-Putin-Mehrheit gefestigt“.Post auf der Facebook-Seite von Boris Reitschuster Auch im November 2017 galt das Deutsch-Russische Forum bei den Reformbefürwortern des Petersburger Dialoges noch als zu kremlfreundlich.

Das Rechercheportal Correctiv bezeichnete im Jahr 2022 das DRF als „eine der vielen Vorfeldorganisationen Russlands“. In derselben Recherche verwies Correctiv auf eine Veranstaltung im Auswärtigen Amt im Jahr 2018, zu der das DRF eingeladen hatte und bei der die Außenminister Heiko Maas und Sergej Lawrow der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, vor rund 900 Gästen eine Auszeichnung für die Partnerschaft ihres Landes mit dem Leningrader Gebiet überreichten. Als weiteren Akteur des beschriebenen Netzwerks nannte Correctiv den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Heino Wiese, der lange Jahre dem Vorstand des DRF angehörte und 2016 zum Honorarkonsul der Russischen Föderation in Hannover ernannt wurde. Wiese schied 2020 aus dem Vorstand aus. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine legte er das Amt des Honorarkonsuls nieder, kündigte jedoch an, weiterhin im DRF mitarbeiten zu wollen. Correctiv schrieb 2024, Wiese habe „als einer der wichtigsten Interessenvertreter Moskaus in Deutschland“ gegolten.

Bei seinem Rücktritt vom Vorsitz am 1. März 2022 erklärte Platzeck, er habe den russischen Überfall auf die Ukraine nicht für möglich gehalten, und übernahm die Verantwortung für diese Fehleinschätzung.

Nach einem Bericht des Handelsblatts vom April 2023, der sich auf interne Dokumente und Protokolle stützte, hatte seit Kriegsbeginn rund ein Viertel der ehemals etwa 500 Mitglieder den Verein verlassen. Unter den verbliebenen Mitgliedern sei die künftige Ausrichtung heftig umstritten; eine Mehrheit suche offenbar nach Wegen, den Kontakt nach Russland aufrechtzuerhalten. Im September 2023 berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf interne Unterlagen über ein vom DRF in Baku veranstaltetes „Young-Leader-Seminar“ mit 28 deutschen und russischen Nachwuchskräften aus Politik und Wirtschaft, darunter politische Mitarbeiter und Journalisten. Die Zeitung wertete das Treffen als Bemühen des Vereins, ungeachtet des Angriffskriegs eine Annäherung an Russland zu betreiben. Die Berliner Zeitung kritisierte diese Berichterstattung in einem Kommentar als Ausdruck eines Generalverdachts gegen Gesprächskontakte zwischen Deutschen und Russen.

Im Oktober 2025 berichtete Table.Briefings unter Berufung auf Sitzungsteilnehmer, der Vorstand des DRF habe gegen die Kritik einiger Mitglieder mehrheitlich ein Treffen mit dem russischen Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, beschlossen. Der Verein verteidigte die Gespräche auf Anfrage mit dem Ziel, bestehende gesellschaftliche Anknüpfungspunkte „offen und transparent im Dialog mit den maßgeblichen Institutionen“ in Deutschland und Russland zu erhalten.

Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preis Der Verein verleiht seit 1994 jährlich den Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preis an Personen, die sich um die deutsch-russischen Beziehungen verdient gemacht haben. Der Preis ist benannt nach dem deutschen Arzt Friedrich Joseph Haass, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Russland wirkte.

Preisträger 1994: Wolfgang Kartte, ehemaliger Berater der Bundesregierung für die Russische Föderation 1995: Wjatscheslaw Daschitschew, Leiter des Zentrums für deutsch-russische Studien im Institut für globale wirtschaftliche und politische Studien 1996: Thomas Roth, Journalist, damals Leiter des ARD Studios Moskau 1997: Maja Turowskaja, Theater- und Filmkritikerin und Drehbuchautorin 1998: Sigmund Jähn, Raumfahrtberater, ESA 1999: Wladimir Wojnowitsch, Schriftsteller 2000: Otto Wolff von Amerongen, Unternehmer 2001: Juri Luschkow, Oberbürgermeister von Moskau 2002: Manfred Stolpe, damals Ministerpräsident des Landes Brandenburg 2003: Jekaterina Genijewa, Präsidentin des Moskauer Instituts »Offene Gesellschaft« 2004: Erzbischof Georg Kretschmar, geistlicher Leiter der evang.-luth. Kirche in Russland