mini|Charles M. Schulz, Autor und Zeichner der Peanuts (1956)
Die Peanuts ( ausgesprochen, engl. für Erdnüsse) ist der Titel einer erfolgreichen Comicserie. Der US-amerikanische Autor und Zeichner Charles M. Schulz (1922–2000) schilderte in seinen über Jahrzehnte hin täglich erschienenen Strips die Widersprüchlichkeiten menschlichen Lebens anhand einer Gruppe US-amerikanischer Vorstadtkinder. Erwachsene treten als handelnde Personen nur äußerst selten auf.
1947 gab es die ersten Veröffentlichungen unter dem Titel Li’l Folks (Kleine Leute) und zunächst einem Signum Sparky, Schulz’ Spitznamen. Seit dem 2. Oktober 1950 bis zum 13. Februar 2000 erschien die Serie unter dem Titel Peanuts (Kleinigkeiten; wörtlich: Erdnüsse). Am 12. Februar 2000, also einen Tag vor der Veröffentlichung des letzten Strips in den Sonntagszeitungen, starb Charles M. Schulz. Der Tod des Schöpfers der Zeichenserie wurde weltweit betrauert. Nach Schulz’ Willen sollte die Serie nicht mehr fortgesetzt werden, so wie es auch Hergé bei Tim und Struppi verfügt hatte.
Im Widerspruch dazu sind seit 2012 gleichwohl neue Geschichten in Comicform veröffentlicht worden. Vicki Scott hat diese Geschichten entwickelt und skizziert, Paige Braddock hat die Zeichnungen ausgeführt. 2014 ist beim Cross-Cult-Verlag/Toonfish der erste Band dieser Geschichten auf Deutsch erschienen (Peanuts – Auf zu den Sternen, Charlie Brown!). Alexis E. Fajardo ist als Chefredakteur von BOOM! Studios für die Comicserie verantwortlich und war hierfür auch als Colorist, Letterer und Inker tätig.
In Deutschland wurden die Peanuts in erster Linie von den Verlagen AAR und Krüger veröffentlicht. Jedoch wurden die Rechte zahlreiche Male in sogenannten Teilvermarktungsverträgen an andere Verlage übertragen.
Seit 2004 veröffentlicht der US-amerikanische Verlag Fantagraphics Books eine Peanuts-Gesamtausgabe namens The Complete Peanuts in 25 Bänden (zwei Jahre pro Band in chronologischer Reihenfolge). Der letzte Band der Edition, die Jahre 1999 und 2000, kam am 16. Mai 2016 auf den Markt. Die deutschsprachige Umsetzung Peanuts Werkausgabe erschien ab August 2006 mit ebenfalls zwei Jahren pro Band beim Carlsen Verlag. Der abschließende Band (1999 und 2000) erschien Ende 2018.
Im Dezember 2025 übernahm der japanische Sony-Konzern für 630 Millionen kanadische Dollar (390 Millionen Euro) die Mehrheit am Unternehmen hinter den „Peanuts“-Figuren. Verkäufer war die kanadische Firma WildBrain.
Der deutsche Literaturkritiker Denis Scheck nahm die Peanuts gar in seinen Kanon der 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur auf. Er schrieb über sie: „Die Sorgen und Nöte der Peanuts sind kein billiger Ersatz, kein im kindgerechten Maßstab verkleinertes Modell der Menschenwelt, sondern das reale Welttheater kleiner und großer Leute selbst.“Denis Scheck: Schecks Kanon: Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur. Piper, München 2019, ISBN 978-3-492-05934-3, Seite 195–198.
Figuren mini|hochkant|Peanuts-Mural in Aachen anlässlich der Comiciade 2016
Charlie Brown Charlie Brown ist in gewissem Sinne die Hauptfigur unter den Peanuts. Er ist der Sohn eines Friseurs und hat eine kleine Schwester namens Sally. Er ist ein glühender Verehrer des fiktiven Baseballspielers Joe Shlabotnik. Er besitzt den Hund Snoopy, dessen Verrücktheit und Versponnenheiten er gutmütig erträgt.
Charlie Brown ist ein ewiger Verlierer und Pechvogel, dessen Baseballmannschaft mit ihm als Manager fast nie gewinnt (ein Sieg wird ihnen zu allem Überfluss sogar noch aberkannt; in einer Comicfassung fängt Snoopy den entscheidenden Ball, nachdem Charlie ihn zunächst fallen lässt, und wird somit anstelle von Charlie vom Team als Sieger gefeiert). Außerdem landen seine Drachen regelmäßig im „drachenfressenden Baum“ (in einem Comic allerdings explodiert er, in einem anderen wird er komplett unter der Drachenschnur begraben und in wieder einem anderen versucht er sogar im Winter, Drachen steigen zu lassen).
Charlie Brown ist das Opfer böser Streiche aller Mädchen und ganz besonders Lucys, die ihm regelmäßig den Football unter dem Fuß wegzieht. Lucy ist jedoch auch diejenige, die ihn psychologisch berät, obwohl sie für seine psychischen Probleme maßgeblich verantwortlich ist. Charlie Brown ist hoffnungslos in ein kleines, rothaariges Mädchen verliebt. Deswegen bemerkt er nicht, dass sowohl Marcie als auch Peppermint Patty in ihn verliebt sind.
Charlie Brown ist ein ernsthaftes, unglückliches Kind und somit laut dem Zeichner Charles M. Schulz ein Abbild dessen eigener Kindheit.
Snoopy mini|Snoopy in seiner Rolle als Fliegerass auf einem Aufnäher des 20th Tactical Air Support Squadron der USAF mini|Snoopy-Graffito in Eichstätt; Snoopy ist hier zusammen mit seinem Vogel-Freund Woodstock und seiner roten Hundehütte abgebildet
Snoopy (engl. to snoop – „herumschnüffeln“) ist Charlie Browns Haushund, der sich nur selten artgerecht verhält. Meistens liegt der Beagle auf dem Dach seiner Hundehütte und geht philosophischen Gedanken nach, während er auf das Essen wartet, das der „kleine rundköpfige Junge“ (Charlie Brown) ihm bringt. Fehlt das Fressen, passiert es manchmal, dass ein Käfer sich in seinem Fressnapf befindet, der diesen mit einem Stadion verwechselt. Snoopy kann nicht reden, und er verständigt sich mit Gedanken und Tänzen („Das ist sein ‚Haha-Ihr-müsst-Schneeschippen-und-ich-nicht‘-Tanz“, Charlie Brown zu Linus) sowie schriftlich (in Comics unter anderem durch Schilder, die genau ausdrücken, was er sagen will). Ansonsten lebt er in einer Phantasiewelt, in der er als das englische „Fliegerass des Ersten Weltkrieges“ in einer Sopwith Camel die Welt vor dem Roten Baron Manfred von Richthofen beschützt, als der „weltberühmte Supermarktkassierer“ („Genaugenommen gibt es auf der ganzen Welt nicht mehr als ein Dutzend weltberühmter Supermarktkassierer“) oder als der „weltberühmte Eistanztrainer“ agiert. In dem Zeichentrickfilm Ein Junge namens Charlie Brown von 1969 träumt Snoopy davon, wie er sich als eben dieser Kampfpilot in ein schweres kriegerisches Gefecht am Himmel stürzt, danach erwacht er schweißgebadet aus diesem nächtlichen Traum. Snoopy denkt gern an die Zeit zurück, als er als Eiskunstläufer zusammen mit Sonja Henie auftrat. Er trainiert Peppermint Patty für einen Eiskunstlaufwettbewerb und ist ein sehr strenger Coach. Beim Wettbewerb selbst ist er zuständig für die Musik aller Teilnehmerinnen und fährt in der Pause die Eisbearbeitungsmaschine.
Snoopys Abenteuer mit dem Roten Baron wurden später von der Rockgruppe The Royal Guardsmen in ihren Songs verarbeitet. Snoopy joggt, spielt Tennis, Eishockey und ist Chef der Pfadfindergruppe um Woodstock. Außerdem ist er der Oster-Beagle und der erste Beagle auf dem Mond. Als sein Alter Ego Joe Cool fährt er auch gerne Rollschuh, trägt eine dunkle Sonnenbrille und hält sich für den größten Surfer/Wellenreiter am Strand.
Snoopy ist kunstbegeistert. Er hatte sogar einen echten Vincent van Gogh, Sternennacht, in seiner Hundehütte hängen, der leider irgendwann – zusammen mit seinem Billardtisch – einem Brand zum Opfer fiel. Es gelang Snoopy aber, ihn durch ein Bild des amerikanischen Malers Andrew Wyeth zu ersetzen.
Er liest auch gerne. Irgendwann beginnt er Krieg und Frieden, allerdings nur ein Wort pro Tag. Dann legt er sich wieder auf seine Hütte und denkt darüber nach. Sein Ziel, Schriftsteller zu werden, scheitert zumeist an der Ignoranz der Verleger, die sein Werk ständig ablehnen. Dieses beginnt mit: „Es war eine dunkle und stürmische Nacht“ – womit Snoopy aus dem Roman Paul Clifford des britischen Autors Edward Bulwer-Lytton zitiert.Edward Bulwer-Lytton: Paul Clifford. Erstes Bändchen. Übersetzung: Gustav Pfizer. J. B. Metzler'sche Buchhandlung, 1836, 1. Kapitel;
Snoopy hat sieben Geschwister, darunter seine Brüder Spike (der Dünne in der Wüste), Andy (der fluffig Pelzige, der immer noch auf dem Bauernhof wohnt, von dem die acht stammen), Olaf (der Dicke, der ebenfalls noch dort wohnt), Belle (das Mädchen) und Tupfen (sein verschollener Bruder; taucht nur einmal in einem Comic vom September 1982 auf). Sein bester Freund ist Woodstock. Sein ärgster Feind ist „die Katze von nebenan“, die dem Leser unsichtbar bleibt und die von ihm manchmal auch „World War II“ (Zweiter Weltkrieg) genannt wird.
Im Zeichentrickfilm Lauf um Dein Leben, Charlie Brown! von 1977 fährt Snoopy ein Motorrad, das dem Modell Captain America aus dem Film Easy Rider ähnelt. In dem Zeichentrickfilm Gute Reise, Charlie Brown von 1980 steuert Snoopy einen gemieteten blauen Citroën 2CV, umgangssprachlich Ente genannt. Wenn Snoopy etwas angestellt hat oder sich nicht benimmt, entfährt seinem seufzenden Herrchen Charlie Brown in den Filmen Ein Junge namens Charlie Brown, Lauf um Dein Leben, Charlie Brown! und Gute Reise, Charlie Brown augenrollend der Satz: „Warum kann ich keinen ganz normalen Hund haben wie alle anderen auch?“.
Woodstock Woodstock ist ein kleiner gelber Vogel und Snoopys bester Freund. Als dessen Sekretär kann er maschinenschreiben und stenografieren. Er selbst äußert nur unartikuliertes Gezwitscher, das durch kurze senkrechte Striche in den Sprechblasen dargestellt wird, doch wird der Inhalt meist von Snoopy für den Leser erschlossen, indem er es wiederholt oder drauf reagiert. Woodstock ist sehr chaotisch, aber dennoch sehr liebenswert.
Snoopy muss ihn auf Grund seiner mangelhaften Flugkünste hin und wieder aus seinem Wassernapf retten. Das liegt daran, dass seine Eltern das Nest, in dem er schlüpfte, auf dem Bauch des schlafenden Snoopy bauten. Als dieser keine Geduld mehr hatte, zog er das Nest weg, während Woodstock mit einem seiner Geschwister gerade Flugstunden machte. Damit zwang Snoopy die Vögel, trotz ihrer geringen Fertigkeiten in die Welt hinaus zu fliegen.
Woodstock ist außerdem in Snoopys Pfadfindergruppe, die er mit seinen Freunden Bill, Conrad und Oliver regelmäßig besucht.
Sein Name lehnt sich an den Ort des berühmten Musik-Festivals an.Charles M. Schulz: Conversations. Hrsg. von M. Thomas Inge, S. 74.
Sally Brown Charlie Browns jüngere Schwester wird im Laufe der Serie geboren. Im amerikanischen Original ist dies am 26. Mai 1959https://www.gocomics.com/peanuts/1959/05/26. Sie ist in Linus verliebt, den sie ihr „Bambusbärchen“ oder „Schnuckiputzi“ nennt (was dieser jedoch ablehnt), und schämt sich häufig wegen ihres Bruders. Sally hasst die Schule und versucht immer wieder, durch fragwürdige Ausreden zu Hause zu bleiben. Dennoch ist sie gut in der Schule und würde gern älter sein.
Sally zeigt sich ziemlich resistent Belehrungen gegenüber und neigt dazu, ihren Bruder auszunutzen oder zu beeinflussen. Auch lässt sie keine Gelegenheit aus, sein Zimmer für sich zu beanspruchen – vor allem, wenn er im Ferienlager ist.
In den Comics spricht sie Charlie nie mit richtigem Namen an, sondern nennt ihn nur großer Bruder.
Lucy van Pelt Lucy hat zwar einen Arztstand, bei dem sie ihren Freunden – und sich selbst – für 5 Cent psychologischen Rat erteilt, ihr gefällt es jedoch auch, Charlie Brown und Linus zu unterdrücken. Sie schreckt dabei auch vor physischer Gewalt nicht zurück, unter anderem indem sie als Running Gag Charlie Brown stets den Football bei Fieldgoal-Versuchen wegzieht. Sie macht sich auch einen Spaß daraus, ihrem kleinen Bruder kompletten Unsinn beizubringen. Im amerikanischen Original wirft sie ihm einmal vor, er sei dumm, weil er nicht wisse, warum die Bauern die Kühe nachts von der Weide (englisch: pasture) hereinholen. Sie erklärt ihm, dass sie das tun, weil die Kühe sonst pasteurisiert (englisch: pasteurized) werden. Linus antwortet, dass ihm das nie klar war („I never realized that.“).
Sie ist in Schroeder verliebt, an dessen Klavier sie häufig sitzt. Zu ihrem Leidwesen hat der Junge jedoch kein Interesse an ihr, und somit bringt sie ihn mit ihren Andeutungen stets zum Verzweifeln.