Die Schlacht um Khe Sanh, auch Belagerung von Khe Sanh, fand während des Vietnamkriegs im Zeitraum vom 21. Januar bis zum 9. Juli 1968 zwischen Teilen des 26. und 9. Regiments des United States Marine Corps und der 304. und 325C-Division der Vietnamesischen Volksarmee in Khe Sanh, Vietnam, statt. Khe Sanh (offizielle Bezeichnung: Khe Sanh Combat Base) war eine Basis der Marines in Südvietnam, unweit der laotischen Grenze in der Provinz Quảng Trị, südlich der entmilitarisierten Zone zu Nordvietnam. Neben der Tet-Offensive und der Schlacht um Huế gilt die Belagerung von Khe Sanh als eine der wichtigsten Militäroperationen während des Vietnamkriegs. Die Belagerung endete, ohne dass die Basis von den Nordvietnamesen eingenommen werden konnte. Da diese auch die größeren Verluste erlitten, wurde die Schlacht seitens der USA als Sieg proklamiert. Allerdings wurde das Militärlager nach der Schlacht von den Amerikanern aufgegeben und zurückgebaut; das strategische Ziel der USA, die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam durch eine Reihe schwer befestigter Stellungen abzuriegeln, hatte sich als undurchführbar erwiesen. Insofern war Khe Sanh ein taktischer Sieg der USA – aber eine strategische Niederlage.

Vorgeschichte Entstehung der Basis Die ersten Truppen der US Special Forces errichteten ihr Lager im Juli 1962 unweit des Ortes Khe Sanh in der Nähe eines aufgegebenen französischen Forts. Es war als Ausbildungsstätte für CIDG-Truppen gedacht und geplant. Die dort stationierten Truppen wurden im Laufe des Jahres verstärkt. Im September 1962 errichteten Pioniere der südvietnamesischen Armee die erste, knapp 400 m lange Start- und Landebahn der Basis. In der Folgezeit wurde die Basis massiv ausgebaut und verstärkt. Sie diente als Ausgangspunkt für Erkundungen gegen den Ho-Chi-Minh-Pfad in der Region und jenseits der laotischen Grenze. Außerdem kontrollierte die Basis eines der großen Täler, welches aus der demilitarisierten Zone und aus Laos nach Südosten in die Ebene um Quảng Trị und Đà Nẵng führt.

Im März 1964 wurde eine O-1 Birddog auf einem Aufklärungsflug in der Region um Khe Sanh abgeschossen. Der Pilot Captain Richard Whitesides wurde getötet und der Beobachter Captain Floyd Thompson gefangen genommen. Thompson war einer der ersten und am längsten in vietnamesischer Gefangenschaft verbliebenen US-Soldaten.

Im April 1964 trafen die ersten Einheiten des amerikanischen Marine Corps in Khe Sanh ein. Bei Aufklärungseinsätzen rund um das Lager, auch über die laotische Grenze, wurde mehrmals Feindkontakt hergestellt und somit der Beweis erbracht, dass der Norden Truppen nach Südvietnam schickte.

In den folgenden zwei Jahren wurde das Lager weiter ausgebaut. Die Special Forces zogen im September 1966 in das in der Nähe gelegene Camp Lang Vei um und übergaben den Marines die Kontrolle über die Khe Sanh Combat Base. Diese bauten das Lager (unter Mithilfe der SeaBees) im Laufe des Jahres 1967 weiter aus, wobei unter anderem die Landebahn von 500 auf 1200 Meter verlängert wurde. Da die Landebahn aber direkt auf dem Lateritboden lag, wurde sie bei starken Regenfällen, besonders im Frühjahr, unbenutzbar. Daher trugen die SeaBees die Bahn ab, errichteten eine neue Unterkonstruktion aus Fels und Asphalt und verlegten neue Aluminiumplatten. Diese Bahn war dann auch bei schlechtem Wetter fähig, schwere Flugzeuge wie die C-130 Hercules zu tragen.

Ende April 1967 stießen Patrouillen der Marines in den umgebenden Hügeln auf starke Kräfte der Nordvietnamesen. Bis zum 11. Mai entbrannten schwere Kämpfe, bei denen es den Marines gelang, die Vietnamesen zu schlagen und mehrere wichtige Hügelpositionen zu besetzen. Die Vietnamesen verloren etwa 950 Mann, 155 Marines wurden bei den Kämpfen in den Hügeln getötet. Khe Sanh Chronology 1962–1972 (engl.)

Khe Sanh Combat Base mini|Karte 2: Karte der Khe Sanh Combat Base Die Combat Base selbst erstreckte sich etwa 1,8 km entlang des Rao-Quan-Flusses auf einem Laterit-Plateau. Zentrales Element war eine 1200 m lange Start- und Landebahn, die mit Aluminiumgitterplatten befestigt war und Flugzeugen bis zur Größe der C-130 Hercules Starts und Landungen ermöglichte. Die Bahn verfügte über keine Rollbahn, so dass die Flugzeuge auf der Hauptbahn wenden mussten, um zum Rollfeld und damit zur Entladezone zu gelangen. Südlich der Landebahn erstreckten sich die Unterkünfte und Kommandoposten der 26th Marines, der ARVN-Rangers, sowie die Kommandoposten der Feldartillerie und das Flugkontrollzentrum der Landebahn. Neben dem östlichen Ende der Bahn lagerte die Munition der Basis im Ammo Dump 1. Ein weiteres, aber weitaus kleineres Munitionslager befand sich südlich des Rollfeldes im Zentrum der Basis.

Den Verteidigern standen 18 105-mm-Haubitzen M101 mit 12 km Reichweite, sechs 155-mm-Haubitzen M114 mit 14,6 km Reichweite sowie sechs 107-mm-Mörser M30 mit 4.020 m Reichweite zur Verfügung. Dazu kamen die weitreichenden 175-mm-Geschütze M107, die östlich von Khe Sanh auf dem Rockpile und in Camp Carrol stationiert waren und die Zugangswege zur Basis unter Feuer nehmen konnten. Für die direkte Basisverteidigung waren sechs M48-Kampfpanzer, zehn M50 Ontos, vier M42 Duster sowie mehrere Guntrucks mit 12,7-mm-Vierfach-MG Browning M2 in Feuerstellungen um die Basis verteilt und teilweise eingegraben.

Außerdem besetzten die Marines die nördlich der Basis gelegenen Hügel 881 Süd und Hügel 861, die das Plateau der Basis überblickten, sowie Hügel 558, welcher das Tal des Rao-Quan-Flusses absperrte. Auf dem Hügel 950 östlich des Flusses befand sich eine Funkrelaisstation (siehe Karte 3). Während der Belagerung wurden weitere Hügel in der Nähe, wie zum Beispiel Hügel 64 in der Hochebene, von Marines besetzt und teils zu Feuerbasen für Artillerieunterstützung ausgebaut.

Vorbereitungen für die Belagerung mini|Karte 3: Situation um die Basis

Wie Patrouillen um die Basis während der Operation Scotland und im Rahmen der elektronischen Aufklärung während der Operation Niagara I Ende 1967 zeigten, bewegten sich massive Verbände der nordvietnamesischen Armee unter Führung der 304. Division, die schon bei Điện Biên Phủ gegen die Franzosen gekämpft hatten, durch die demilitarisierte Zone nach Süden in die Region um Khe Sanh.

General Westmoreland verstärkte die Truppen in Khe Sanh, um einem etwaigen Angriff widerstehen zu können. Ähnlich wie die Franzosen bei Điện Biên Phủ suchte das amerikanische Oberkommando eine Entscheidung im Konflikt mit Nordvietnam. Die Vietnamesen ließen sich auch gerne auf diese Schlacht ein. Ein Sieg bei Khe Sanh hätte den Weg in das flache Küstenland freigemacht, und zusätzlich eine Kontrolle des durch die gebirgige Region laufenden Ho-Chi-Minh-Pfades für die Amerikaner beinahe unmöglich gemacht. Dadurch hätten die Nordvietnamesen ihren Nachschub nahezu ungestört in den Süden schaffen können.

In den Folgemonaten kam es immer wieder zu sporadischen Angriffen auf Stellungen der Marines um Khe Sanh. Diese blieben aber auch nicht untätig und unternahmen mehrere Angriffe auf Stellungen der Vietnamesen, die in den Hügeln nordwestlich der Basis ihre Artilleriestellungen aufgebaut hatten. Am erfolgreichsten war dabei ein Angriff eines Platoons der 26th Marines am 20. Januar 1968, dem Vortag des Beginns der Belagerung, als es fast gelungen wäre, den Feind vom Hügel 881 Nord zu verdrängen. Da aber an diesem Tag ein vietnamesischer Offizier zu den Amerikanern übergelaufen war und sie über den kurz bevorstehenden Angriff informierte, wurden die Truppen zurückgezogen und die Verteidiger der Basis in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Die Belagerung Beginn der Belagerung mini|links|Präsident Lyndon B. Johnson lässt sich von seinem Berater die Lage um Khe Sanh erläutern Kurz nach Mitternacht, am frühen Morgen des 21. Januar 1968, wurde der Hügel 861 von nordvietnamesischen Mörsern beschossen. Kurz darauf versuchten Sappeure, die Stacheldrahtverhaue, die rund um die Stellungen auf dem Gipfel angelegt waren, zu sprengen und so der Infanterie einen Weg in die Stellungen der Marines zu schaffen. Die Angreifer wurden aber zurückgeschlagen, unter anderem auch, weil sie Hügel 881 Süd ignorierten und so die ganze Zeit während des Angriffs unter Feuer aus den höhergelegenen Stellungen der Marines lagen. Gegen 05:30 Uhr begann das Artillerie- und Mörserfeuer aus den umliegenden Bergen auf die Basis selbst. Eine der ersten Granaten traf das Hauptmunitionslager, in dem mit über 1500 Tonnen Munition mehr als 90 % des Bestandes der Basis lagerten. Bei den gewaltigen Explosionen, die darauf folgten und über 48 Stunden andauerten, starben 18 US-Soldaten und 43 wurden zum Teil schwer verwundet. Gleichzeitig griffen NVA-Truppen das Dorf Khe Sanh an, das von Marines und südvietnamesischen Rangern gehalten wurde. Der erste Angriff durchbrach die Verteidigung, konnte aber erfolgreich zurückgeschlagen werden. Nach einem zweiten Angriff am selben Tag zogen sich die Verteidiger in die Khe Sanh Combat Base zurück und überließen den Nordvietnamesen das Dorf kampflos. Im Laufe der folgenden Tage kam es immer wieder zu bewaffneten Erkundungen der Vietnamesen gegen die Verteidigungslinien der Marines, der erwartete Großangriff blieb aber aus. Stattdessen schossen sich die Kanoniere der nordvietnamesischen Artillerie auf die Basis ein, auf die pro Tag im Durchschnitt etwa 300 Granaten fielen.

Khe Sanh unter Dauerfeuer mini|Typische Sandsackbunker, im Hintergrund ein brennendes Treibstofflager Der Dauerbeschuss durch die nordvietnamesischen Geschütze wurde in den folgenden zweieinhalb Monaten für die Marines der belagerten Basis zur täglichen Gewohnheit. Der Gefahr durch die niedergehenden Artillerie- und Mörsergeschosse begegneten die Marines, indem sie die Unterkünfte und Bunker soweit ausbauten und verstärkten, dass sie zumindest Mörsergeschossen und leichten Artillerietreffern standhielten, sowie ein Netz von Lauf- und Splitterschutzgräben innerhalb der Basis errichteten.

Die Luftversorgung der Basis gestaltete sich in den folgenden zweieinhalb Monaten zum Teil sehr schwierig. An manchen Tagen mussten die Essensrationen der Soldaten eingeschränkt werden. Trotz der Befestigungen kam es immer wieder zu Verwundungen und Todesopfern durch Artillerietreffer. Dazu entstand eine Rattenplage in den Bunkern und Unterkünften, da, bedingt durch das regnerische Wetter im Frühjahr, diese die einzigen einigermaßen trockenen Orte innerhalb der Basis waren. Ansonsten verwandelte sich der Lateritboden recht schnell in eine Schlammlandschaft.

Zu diesen äußeren Umständen kam der psychische Druck, der auf den Belagerten lastete, denn in den Bergen um die Basis wartete eine dreifache Übermacht der nordvietnamesischen Armee darauf, diese anzugreifen. Zwischen der Artillerie der Basis und den Geschützen der Nordvietnamesen in den Hügeln kam es immer wieder zu langanhaltenden Feuerduellen.

Der psychische Druck reichte hinauf bis ins Weiße Haus, wo Präsident Johnson sich täglich anhand eines Modells der Khe Sanh Combat Base über die aktuelle Lage informieren ließ. Johnson hatte sich zu Beginn der Belagerung von seinen Stabschefs versichern lassen, dass die Basis zu halten sei. Auch war das Krisenzentrum des Weißen Hauses zum ersten Mal während des Vietnamkriegs rund um die Uhr besetzt.

Kampf um Lang Vei mini|links|Das Camp Lang Vei der Special Forces Das Camp Lang Vei war entstanden, als die Special Forces 1966 aus Khe Sanh abzogen. Das Lager lag etwa 9 Kilometer von der USMC-Basis entfernt, am Highway 9 nach Laos. In den zwei Jahren bis 1968 entstand ein kleines, aber gut ausgebautes und befestigtes Camp.