Niederscheld (vereinfachend auch Scheld) ist ein Dorf und als solches ein Stadtteil der Stadt Dillenburg im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Überregional bekannt ist der Ort für die Schelder Kirmes, einem der ältesten und traditionsreichsten Volksfeste der Region.
Geografische Lage Die Ortschaft liegt im Dilltal, das zum Westerwald gehört. Es befindet sich südlich der Dillenburger Kernstadt Niederscheld und ist von den Erhebungen Hohes Rad, Horst und Gleichen am Westrand des Schelder Waldes umgeben. Durch das Dorf fließen die namensgebende Schelde und die Dill, sowie zahlreiche kleine Bäche, wie Lützelbach und Hustenbach.
mini|Blick auf Niederscheld aus Richtung Westen
Geschichte Ortsgeschichte mini|hochkant|Evangelische Kirche (Niederscheld)
Die Ortschaft wurde schriftlich erstmals am 22. Oktober 1274 als Schelt erwähnt, als Heydenreich von Dernbach Besitzungen im Ort an das Stift Keppel im Siegerland verkaufte.Siegener Urkundenbuch Band I, Siegen, 1887, S. 28–29, Nr. 43. Damals wurde noch nicht zwischen Niederscheld und Oberscheld unterschieden. Die erste eindeutige Erwähnung von Niederscheld war im Jahre 1447. Zwischen 1470 und 1490 suchte die Pest das Dorf heim. Im Jahre 1472 wurde ein Siechenhaus errichtet. Um 1530 erreichte die Reformation den Ort.
1604 erbaute man den Schelder Hammer zur Eisenverhüttung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Niederscheld mehrfach durch Truppen überfallen und ausgeplündert, die das Dillenburger Schloss belagerten. Niederscheld war 1629–1630 von Hexenverfolgung betroffen. Drei Frauen gerieten in Hexenprozesse und wurden hingerichtet.Opfer des Hexenwahns aus Niederscheld auf www.niederscheld.de
Im Jahre 1756 ereignete sich ein großer Dorfbrand. 1806 kam Niederscheld zum Großherzogtum Berg und gehörte dort dem Département Sieg an, womit der Ort zeitweise französisch wurde. Die Gebrüder Frank kauften 1839 den Schelder Hammer und benannten ihn in Adolfshütte um. Mit der Errichtung der Dillstrecke (1862) und der Scheldetalbahn (1882) stieg die Eisenverhüttung in der Adolfshütte an.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Niederscheld mit seinen umfangreichen Bahn- und Industrieanlagen mehrfach bombardiert. Bei einem Fliegerangriff am 25. Februar 1945 wurde das Dorf größtenteils zerstört. Bei Kriegsende lebten nur noch 80 Einwohner in Niederscheld.
Bundesweit in den Medien bekannt wurde Niederscheld durch das Scheldehochwasser 2006, welches den Ort stark getroffen hatte.
Am 28. Juni 2019 wurde eine unexplodierte 250-kg-Fliegerbombe oberhalb des Industrieparks Adolfshütte gefunden. Zu deren Entschärfung mussten etwa 5700 Menschen evakuiert werden: Niederscheld mit rund 2000 Einwohnern sowie etwa 3700 Bürger im Süden der Kernstadt.mittelhessen.de abgerufen am 29. Juni 2019
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Niederscheld zugleich mit anderen Gemeinden am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Stadt Dillenburg eingemeindet. Für den Stadtteil Niederscheld wurde, wie für die anderen nach Dillenburg eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden, ein Ortsbezirk gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Niederscheld angehört(e):
vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Dillenburg ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Dillenburg 1806–1813: Großherzogtum Berg,Infolge des Friedens von Tilsit. Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Dillenburg 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Dillenburg ab 1816: Herzogtum NassauInfolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses., Amt Dillenburg ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HerbornAbtrennung der Justiz (Justizamt Dillenburg) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, DillkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Dillenburg) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt DillenburgAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Stadt Dillenburg. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Dillenburg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Niederscheld 1992 Einwohner. Darunter waren 150 (7,85 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 354 Einwohner unter 18 Jahren, 798 zwischen 18 und 49, 390 zwischen 50 und 64 und 450 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 879 Haushalten. Davon waren 282 Singlehaushalte, 252 Paare ohne Kinder und 246 Paare mit Kindern, sowie 75 Alleinerziehende und 24 Wohngemeinschaften. In 234 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 561 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 1027 evangelische (= 92,52 %), 79 katholische (= 7,12 %) und 4 andere (= 0,36 %) Christen • 1961: 1814 evangelische (= 82,64 %) und 329 (= 14,99 %) katholische Einwohner • 2018: 1031 evangelische (= 52,55 %), 208 katholische (= 10,60 %) und 723 andere Einwohner
Politik Ortsbeirat Seit den Kommunalwahlen in Hessen 2021 besteht in Niederscheld kein Ortsbeirat mehr.
Wappen und Flagge mini|Aktuelle Flagge von Niederscheld mini|Ehemalige Flagge von Niederscheld Am 6. Juli 1967 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:
Kultur und Sehenswürdigkeiten Regelmäßige Veranstaltungen Alle zwei Jahre findet in Niederscheld eines der ältesten, größten und traditionsreichsten Volksfeste der Region, die Schelder Kirmes, statt.
Vereine LSG 1959 Niederscheld Schon in den 20er und 30er Jahren stand das Laienspiel in Niederscheld auf einem hohen Niveau. Es existierten drei Gesangvereine, in denen mehrere Mitglieder nicht nur den Gesang, sondern auch das Laienspiel liebten. So plätscherte das Wässerchen des Laienspiels dahin, bis sich einige Niederschelder am 27. Mai 1959 ein Herz nahmen und die „Laienspielgruppe 1959 Niederscheld“ gründeten.
Bauwerke mini|Gleichenhäuschen mini|Ehemaliges Jagdhaus - Neuhaus
Bekannte Gebäude in Niederscheld sind u. a. das Gleichenhäuschen und das Neuhaus, ein im Juli 1640 fertiggestelltes Jagdhaus des Grafen Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Bahnviadukt Niederscheld
Verkehr Am westlichen Ortsrand verläuft die vierspurige Bundesstraße 277 mit einer Anschlussstelle. Dort mündet die L 3042, die im Ort als Hauptstraße geführt wird und nach Oberscheld führt. Im Osten zweigt die K 52 in Richtung Eibach ab.
Niederscheld besitzt einen Haltepunkt an der Dillstrecke und wird vom Mittelhessen-Express bedient. Nahe dem Ort zweigte früher die Scheldetalbahn nach Wallau ab. Im Ort existierte der Bahnhof Adolfshütte sowie der Haltepunkt Niederscheld (Dillkr) Nord. Der Personenverkehr wurde am 30. Mai 1987 eingestellt.
Einrichtungen Im Ort gibt es einen Kindergarten, eine Grundschule (Scheldetalschule) sowie ein Dorfgemeinschaftshaus und eine Gemeinschaftshalle. Die Freiwillige Feuerwehr verfügt über ein Löschgruppenfahrzeug 10/6, einen Gerätewagen Logistik und ein Mannschaftstransportfahrzeug.
Persönlichkeiten Johann Carl Grün (1819–1889), Unternehmer und Abgeordneter des Provinziallandtages der Provinz Hessen-Nassau
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Einwohnerzahlen der Stadt Dillenburg aus dem Webarchiv: 1999, 2005, 2009, 2014, 2018, 2021
Literatur
Weblinks
Stadtteil Niederscheld im Internetauftritt der Stadt Dillenburg.
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