mini|Bruststern des Deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft. Die Abbildung zeigt eine Version der Firma Funcke & Brünninghaus aus Berlin. Sie wiegt 142,53 Gramm und besteht aus massivem Silber; die Punzierung weist einen Feingehalt von 800/1000 aus. Die Adler sind im Gegensatz zu den Versionen von 1937/38 nur vergoldet. Das abgebildete Exemplar wurde entweder für Ausstellungszwecke, als weiteres Vorlagenmuster oder als kostengünstigere Variante für die geplanten Verleihungen ab 1940 angefertigt. Verliehen wurde es in dieser Form nicht. Vgl. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen. Württemberg II – Deutsches Reich, Band IV, Zentralstelle für Wissenschaftliche Ordenskunde, München 2001, ISBN 3-00-001396-2; S. 1917 Detaillierte Abbildungen der Schärpe mit Agraffe sowie des Bruststerns finden sich in: Jörg Nimmergut, Klaus H. Feder, Heiko von der Heyde: Deutsche Orden und Ehrenzeichen: Drittes Reich, DDR und Bundesrepublik, Verlage Battenberg und Gietl, 2008, ISBN 978-3-86646-032-4; S. 14f. Der Deutsche Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft war ein Ehrenpreis und die höchste Friedensauszeichnung des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Er wurde 1937 durch Adolf Hitler gestiftet und sollte an die Stelle des Nobelpreises treten, den anzunehmen Hitler – als Reaktion auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an Carl von Ossietzky 1936 – „für alle Zukunft Deutschen“ untersagte. Der Preis wurde nur 1937 und 1938 verliehen.

Allgemein Der Journalist Carl von Ossietzky war im November 1931 im aufsehenerregenden Weltbühne-Prozess vom Reichsgericht wegen Landesverrats zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt worden, weil er aufdeckte, dass die Reichswehr entgegen den Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles den heimlichen Aufbau einer Luftwaffe betrieb. Ein Gnadengesuch lehnte Reichspräsident Paul von Hindenburg ab. Im Februar 1933 wurde der engagierte Pazifist und Demokrat von den Nationalsozialisten erneut interniert und in ein Konzentrationslager verschleppt.

Am 25. Juni 1936 sprach das Nobelpreiskomitee des norwegischen Parlaments dem nach wie vor inhaftierten Ossietzky den Friedensnobelpreis zu. Die Reichsregierung protestierte gegen den Beschluss; am 26. November äußerte sie ihr „äußerstes Befremden“ darüber und erklärte, sich „alle Schlussfolgerungen aus dem Vorfall vorbehalten“ zu wollen.Nimmergut 2001; S. 1910.Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, 1998, Walter de Gruyter, ISBN 3-11-013379-2; S. 145.

Am 30. Januar 1937 stiftete Adolf Hitler schließlich den Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft:

Die Durchführungsbestimmungen wurden von Propagandaminister Joseph Goebbels erlassen. Die Verleihung sollte demnach jährlich in einem feierlichen Akt auf dem Reichsparteitag der NSDAP stattfinden. Organisation und Durchführung des Festaktes oblag dem Reichspropagandaleiter im Einvernehmen mit dem Reichsorganisationsleiter Robert Ley.Ausführungsbestimmungen zum Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Stiftung eines Deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft, vom 30. Januar 1937 (RGBl. I S. 306, §4)

Details der Auszeichnung Entwurf: Gerdy Troost Ausführung: Franziska Kobell Mappe: Frieda Thiersch Die Auszeichnung beinhaltete neben der eigentlichen Ordensdekoration, dem Bruststern, eine prächtige Schärpe mit Agraffe, eine aufwändig gearbeitete Ordenskassette mit vergoldeten Eckbeschlägen in Adlerform und eine Urkundenmappe aus terrabraunem genarbtem Leder. Am 7. Dezember 1937 notierte Goebbels: „Urkunden zum Nationalpreis fertig. Sehr gut geworden. Frau Troost zeigt sie. Meisterstück!“Vgl. Nimmergut 2001; S. 1912–1916.

Es wurden verschiedene Mustervorlagen des Bruststerns angefertigt, unter anderem von Richard Klein und Herbert Zeitner, die jedoch von Hitler verworfen wurden, möglicherweise weil ihm ihr Symbolgehalt bezüglich der Begriffe „Kunst“ und „Wissenschaft“ zu schwach ausgeprägt war. Die endgültige Fassung der Dekoration basiert auf einem Entwurf des Bildhauers Hermann Müller.

Der gegossene und polierte Sternenkorpus besitzt einen Durchmesser von 95 mm und besteht aus Platin. Aufgelegt sind vier 20 × 22 mm große Adler aus 18-karätigem Gold. Das Medaillon zeigt auf rot emailliertem Grund den nach links gewandten Kopf der Pallas Athene. Der Schriftring trägt auf elfenbeinfarbig emailliertem Grund die handgesägte und polierte umlaufende Zweckinschrift: „FÜR * KUNST * UND * WISSENSCHAFT“ und wird umgeben von einem Medaillonring, besetzt mit 40 Diamanten in 8/8-Schliff mit facettierter Tafel. Um den Brillanten Licht zu geben, ist der Medaillonring nach hinten offen segmentiert. Das Gesamtgewicht der Dekoration beträgt je nach Version 205,0 (1937) oder 210,47 (1938) Gramm. Goebbels notierte am 15. Dezember: „Der Orden zum Nationalpreis ist nun fertig. Der Führer ist begeistert davon.“

Mit der Ausführung wurde der Juwelier Wilhelm Hülse in Berlin betraut. Die Beauftragung des relativ unbekannten Juweliers erfolgte entweder durch Goebbels selbst oder durch eine seiner Dienststellen.

Anlässlich der „Ersten Deutschen Architektur- und Kunsthandwerkausstellung“ vom 22. Januar bis 18. April 1938 in München wurde im Haus der Deutschen Kunst das Exemplar von Paul Ludwig Troost ausgestellt. Im Auftrag von Heinrich Doehle wurden Fotos davon für die Präsidialkanzlei gemacht, die er als Vorlage für seine Publikationen zur Ordenskunde gebrauchte.

Symbolik Pallas Athene gilt in der griechischen Mythologie als die jungfräuliche Göttin der Weisheit, Künste und Wissenschaften, Schirmherrin der Städte und Patronin des Handwerks. Der Adler auf Agraffe, Schatulle und Bruststern ist der des Reiches, blickt also nach heraldisch rechts, zu seiner rechten Schwinge – der Parteiadler blickte nach heraldisch links – und trägt ein Hakenkreuz in seinen Klauen. Der Adler ist frei gestaltet und entspricht keinem der gängigen Typen von Staat oder Partei. Auf der Tagung der Reichsfilmkammer, 1935 im Berliner Schillertheater, war ein derartiger Adler im Großformat an der Stirnwand des Festsaales angebracht, was dafür spricht, dass die Form vom Propagandaministerium vorgegeben wurde.

Vorschläge und Verleihungen § 2 der Durchführungsbestimmungen regelte die Vorschlagsberechtigungen:

Ferner waren vorschlagsberechtigt: Der Beauftragte des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung in der NSDAP, der Reichsorganisationsleiter, der Reichsjugendführer, der Reichsführer SS, der Stabschef der SA, der Chef der Kanzlei des Führers, der Reichsarbeitsführer, der Leiter des Hauptamts für Technik der NSDAP.

Die Vorlage der Vorschläge erfolgte jeweils am 1. Juli eines jeden Jahres. Über die endgültige Vergabe entschied Adolf Hitler persönlich. Ausführungsbestimmungen zum Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Stiftung eines Deutschen Nationalpreises für Kunst und Wissenschaft, vom 30. Januar 1937 (RGBl. I S. 306, §2)

Die Vorschlagsliste vom 31. August 1937 enthielt 26 Namen:Nimmergut 2001; S. 1911

NameAnmerkungVorgeschlagen von:Adolf BartelsLiteraturprofessor, „Kämpfer für die Sauberkeit im Deutschen Schrifttum“.Baldur von SchirachCarl BoschChemiker, Vorsitzender der I.G. Farben, Nobelpreisträger 1931.Hermann GöringHermann BurteLiterarisches Pseudonym des völkischen Schriftstellers Hermann Strübe.GöringLudwig DürrZeppelinkonstrukteur. Geehrt werden sollte die Idee des lenkbaren Luftschiffes.GöringEdwin Erich DwingerSchriftsteller, Mitglied des Reichskultursenats.GöringWilhelm FilchnerMajor a. D., Forschungsreisender, Leiter der Zweiten Deutschen Antarktisexpedition.GöringFranz FischerChemiker, Entwickler der Fischer-Tropsch-Synthese zur künstlichen Herstellung von Treibstoffen.GöringLeo FrobeniusVölkerkundler, Begründer der Kulturkreislehre.GöringWilhelm FurtwänglerGeneralmusikdirektor, Dirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters.GöringFritz HoffmannChemiker, Direktor des schlesischen Kohleforschungsinstituts der Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kohlenforschung in Breslau. Pionier auf dem Gebiet der Kautschuksynthese.GöringHanns JohstPräsident der Reichsschrifttumskammer, Mitarbeiter des Völkischen Beobachters.Heinrich HimmlerEberhard Wolfgang MöllerSchriftsteller, Referent im Propagandaministerium.von SchirachHans PfitznerGeneralmusikdirektor, Opernkomponist, Mitglied des Reichskultursenats.von SchirachLudwig PrandtlPhysiker, Universitätsprofessor, Ordinarius der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät Göttingen. Grundlagenforschung über Strömungsmechanik und Entwickler der Grenzschichttheorie.Bernhard RustAlfred RosenbergReichsleiter, Beauftragter für die gesamte weltanschauliche Erziehung in der NSDAP, Leiter des außenpolitischen Amtes der NSDAP, Verfasser von Der Mythus des 20. Jahrhunderts.RustErnst SagebielArchitekt, Ministerialrat im Reichsluftfahrtministerium, Erbauer des Reichsluftfahrtministeriums, Planer der Flughäfen München und Stuttgart.GöringFerdinand SauerbruchChirurg, Preußischer Staatsrat, Direktor der chirurgischen Universitätsklinik der Charité. Pionier bei der Entwicklung muskelgesteuerter Prothesen.GöringAlbert SpeerArchitekt und Schöpfer zahlreicher Bauten des Dritten Reiches, Mitglied des Reichskultursenats und Generalbauinspekteur der Reichshauptstadt.GöringHermann StegemannPublizist, „Vorkämpfer eines nationalen Deutschlands gegen die Siegerdiktatur von Versailles“.GöringHermann StehrDichter und „literarischer Führer des schlesischen Bauerntums“, Mitglied des Reichskultursenats.GöringEmil StraußDichter und Erzähler, Mitglied des Reichskultursenats.GöringGustav TammannChemiker, Direktor des physikalisch-chemischen Instituts in Göttingen, Pionier der Metallurgie bei der Entwicklung industrieller Großverfahren.GöringJosef ThorakBildhauer, Schöpfer zahlreicher Büsten und Monumentaldenkmäler (Hindenburg, Hitler, Mussolini, Atatürk, Piłsudski, Schah von Persien etc.).Philipp BouhlerPaul Ludwig TroostArchitekt, sein neoklassizistischer Stil prägte die Herrschaftsarchitektur des Dritten Reiches.BouhlerJosef WackerleBildhauer, Arbeiten am Reichssportfeld, im Braunen Haus und im Cecilienhof, Designer zahlreicher Münzen und Plaketten. Mitglied des Reichskultursenats.BouhlerWinifred WagnerSchwiegertochter Richard Wagners und Leiterin der Bayreuther Festspiele.Bouhler

Kontroversen im Vorfeld der Verleihungen Sauerbruch Der spätere Preisträger August Bier stand ursprünglich nicht auf der Vorschlagsliste, noch war er überhaupt dafür im Gespräch. Die Verleihung an Bier ist offenbar die Folge massiven Protestes durch Gerhard Wagner, Reichsärzteführer und Leiter des Amtes für Volksgesundheit in der Reichsleitung der NSDAP, gegen die Nominierung Sauerbruchs. Aufschlussreiche Einzelheiten dazu enthalten Goebbels’ Tagebucheinträge von 1937:Nimmergut 2001; S. 1912

3. September „Führers Meinung Nationalpreis: Rosenberg, Sauerbruch, und Furtwängler ... Im übrigen fällt die Entscheidung erst in Nürnberg selbst.“ 7. September „Mit Führer Nationalpreisträger durchgesprochen: wir haben uns auf folgender Basis geeinigt: Troost nochmal ehrenhalber über das Grab hinaus. Dann Rosenberg, Sauerbruch und Filchner. Eine ganz ulkige Zusammenstellung. Ein scharfer Parteimann und ein Mann der freien Medizin. Dazu noch ein bedeutender Forscher. Das macht einen guten Eindruck.“ 8. September