mini|Darstellung der mythischen Gründung des Landes durch Kaiser Jimmu; Farbholzschnitt von Tsukioka Yoshitoshi, 1880. Die Geschichte Japans umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des heutigen Staates Japan von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie ist durch ein Wechselspiel aus Isolation und äußeren Einflüssen geprägt. Einerseits führten sowohl die geographische Abgeschiedenheit als auch die selbstgewählte Abschottung gegenüber der Außenwelt zu einer räumlich begrenzten und in sich geschlossenen Entwicklung auf den japanischen Inseln; so ist die Geschichte Japans nach Auffassung mancher Historiker ein Modell für die Entwicklung von der Urzivilisation zur Moderne. Andererseits prägte vor allem China durch die Ausbreitung des Buddhismus und die Lehren des Konfuzianismus die Kultur und Sprache Japans mit. Auch im Westen nahm man Einfluss auf Japans Geschichte: Gewaltsam wurde 1854 nach über zweihundertjähriger Isolation die Öffnung und Modernisierung des Landes erzwungen. Das Japanische Kaiserreich wurde in der Folge nicht nur die erste asiatische Industrienation, sondern strebte alsbald eine Ausdehnung seiner Einflusssphäre im Pazifikraum an. Die Expansion endete mit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg und mit der Besetzung durch Truppen der Vereinigten Staaten. Heute gilt Japan als technikbegeisterter und vor allem global agierender Industriestaat.

Für eine schematische Darstellung zur Aufteilung der Geschichte Japans in Perioden, siehe den Artikel zur Periodisierung der japanischen Geschichte.

Frühe Geschichte Besiedlung

mini|hochkant=2|Dai Nihon Enkai Yochi Zenzu (Karte Japanssiehe auch: Alte Karten aus Japan von Inō Tadataka, 1821) Über den Zeitpunkt der ersten Besiedlung der japanischen Inseln durch Homo sapiens liegen noch keine exakten Erkenntnisse vor, sie begann vor ungefähr 30.000 Jahren. Auf Okinawa wurde der älteste Knochenfund eines Menschen aus Japan entdeckt, bezeichnet als Minatogawa 1. Es gibt verschiedene Ansätze über die Besiedlung Japans durch Menschen:

Eine Gruppe wanderte aus der Gegend des heutigen Sibirien über die Landbrücke, die während der letzten Eiszeit die Japanischen Inseln mit Korea und der heutigen Primorje Region verband, nach Hokkaidō ein. Eine zweite Einwanderung erfolgte von der Koreanischen Halbinsel nach Zentraljapan. Der Süden Japans wurde von Menschen aus Südostasien auf dem Seeweg erschlossen. Bei diesen Siedlern handelte es sich laut einigen Thesen aus den 80ern um Angehörige der austronesischen Völker.

Die Landbrücken verschwanden nach der letzten Kaltzeit vor etwa Jahren.

Jōmon-Zeit

mini|Dogū Das Halbdunkel der japanischen Urgeschichte wird mit dem Auftreten der Jōmon-Kultur erhellt. Die Jōmon-Zeit umfasst etwa den Zeitraum von 16.500 bis 300 v. Chr. Ihr Name leitet sich von den mit Schnüren und Kordeln erzeugten Mustern in der damaligen Keramik ab; in Japan wurden die ältesten Schnurmusterkeramiken der Welt gefunden. Die Keramikproduktion reicht rund 12.000 Jahre zurück.Keiji Imamura: Prehistoric Japan. New Perspectives on Insular East Asia, Routledge, 2016. Die Menschen jener Zeit waren Jäger und Sammler, betrieben Brandrodung und lebten in lockeren Verbänden zusammen. Es wurde aber auch frühe Agrarkultur nachgewiesen.Gary W. Crawford: Advances in Understanding Early Agriculture in Japan. In: Current Anthropology 52, 2010, S. 331–345. So wurden unter anderem Reis, Getreide, Soja-Bohnen, Kürbisse, Hanf, Perilla und Adzukibohnen angebaut.A. Matsui, M. Kanehara: The Question of Prehistoric Plant Husbandry During the Jomon Period in Japan. In: World Archaeology 38, 2006, S. 259–273; Gary W. Crawford: The Transitions to Agriculture in Japan. In Transitions to Agriculture in Prehistory. Hrsg. von A.B. Gebauer, T.D. Price, Madison 1992, S. 117–132. Ihre Unterkünfte waren schlichte Grubenbehausungen.

Die heutigen Ainu zeigen eine ~80 % genetische Übereinstimmung mit den Jōmon, gefolgt von den Ryukyu-Bevölkerungen mit ~6–12 % sowie den Yamato-Japanern mit ~8 % auf. Die Seidenherstellung, Spinnerei und Weberei sind für das 1. Jahrtausend v. Chr. nachzuweisen.

Yayoi-Zeit

mini|Die Yamato-Japaner (direkte Nachfahren der Yayoi) unterwarfen die lokalen nicht-japanischen Jōmon-Stämme und verdrängten diese teilweise vollständig; hier leisten die Ainu einem Yamato-Japaner Tribut in Hokkaidō. Die Migration der Proto-Japaner (Yayoi-Menschen) nach Japan und deren technischer Fortschritt führte zum Übergang in eine neue Epoche, die Yayoi-Zeit (etwa von 400 v. Chr. bis 300 n. Chr.). In der Yayoi-Zeit verbreiteten sich der Nassreisanbau und Metallverarbeitung in Japan. Um 400 v. Chr. kam der Nassreisanbau mit Neueinwanderern nach Japan; die Menschen gaben ihre halbnomadisierende Lebensweise auf und begannen, Ackerbau zu betreiben. Benannt ist diese Zeit nach dem Tokioter Vorort Yayoi, in dem Keramik gefunden wurde, die zwar deutlich schlichter war als die der Jōmon-Zeit, aber von höherer Qualität. Offenbar hatten die Hersteller technisches Wissen hinzugewonnen. Aus der Kulturstufe der Yayoi-Zeit mit ihren Dorfgemeinschaften trat die Zeit der ersten Staaten in Japan hervor, unter denen Yamatai der mächtigste war. Der Schritt zur Staatsbildung leitet das japanische Altertum ein.

Um 100 v. Chr. eroberte die Han-Dynastie den Staat Go-Joseon im Nordwesten der koreanischen Halbinsel. Händler aus den Militärgarnisonen trieben Handel mit den koreanischen Staaten im Rest der koreanischen Halbinsel und gelegentlich auch mit der Bevölkerung Japans.

Heutige Japaner zeigen eine 92%ige genetische Übereinstimmung mit den Yayoi auf und sind somit als direkte Nachfahren jener Yayoi zu sehen. Die antiken Yayoi unterwarfen und verdrängten die unterlegenen Jōmon-Stämme beinahe vollständig.

Altertum Kofun-Zeit

mini|Daisenryō-kofun Die Kofun-Zeit (um 300–552) ist benannt nach den schlüssellochförmigen Hügelgräbern jener Zeit, den Kofun. Zu jener Zeit erwähnen chinesische Chroniken bereits ein Königreich Yamato auf den japanischen Inseln, wobei auch fünf Könige genannt werden. Auf der koreanischen Halbinsel wurden die Han-Kommandanturen im Nordwesten nach und nach durch das benachbarte koreanische Königreich Goguryeo zerstört, das mit den zwei anderen Reichen Baekje und Silla um die Vorherrschaft Koreas kämpfte. Die japanische Oberschicht war eng mit der Baekjes verknüpft. Koreanische Mönche aus Baekje brachten den Buddhismus im 6. Jahrhundert nach Japan. Er wurde nach heftigen Konflikten Staatsreligion (in diesem Kampf gelangte die Familie Soga zu erheblichem Einfluss). Die nun folgende Phase der japanischen Geschichte heißt nach der damaligen Hauptstadt Asuka-kyō Asuka-Zeit, sie beginnt etwa 592 und dauert bis 710 an.

Asuka-Zeit

Obwohl sich die Asuka-Zeit zeitlich mit der Kofun-Zeit überschneidet (552 markiert das Jahr der Übernahme des Buddhismus als Staatsreligion), wird sie gesondert betrachtet, da in diesem Zeitraum Weichenstellungen für Japans Geschichte stattfanden. Die Soga errichteten eine Herrschaft, die weit vom buddhistischen Ideal entfernt war. Dennoch leitete die Thronbesteigung Suikos (einer Nichte des Soga-Familienvorstandes) einen großen Wandel in Japans Geschichte ein. Suikos Schwiegersohn, Prinzregent Shōtoku Taishi, war gläubiger Buddhist. Er schuf 604 mit den „17 Artikeln“ eine Schrift zur ethischen Ausübung der Herrschaft. Weiterhin übernahm er das chinesische System der Hofränge, schuf ein erstes Wegenetz und befahl die Anfertigung von Chroniken. Obwohl die folgenden Jahre für Japan ungünstig verliefen, z. B. geriet es in Korea durch das erstarkte China militärisch unter Druck, folgten weitere Reformen von großer Tragweite. Nach dem Tod Shōtoku Taishis 622 kam es zu schweren politischen Machtkämpfen innerhalb Japans, die in einem Putsch der Reformpartei unter Führung von Naka-no-Ōe (Taishis Sohn) im Jahre 645 resultierten. Daraufhin wurden 646 eine Reihe von Gesetzen erlassen, die als Taika-Reform (Taika, jap. Große Wende) in die Geschichte eingehen sollten.

Die Taika-Edikte unterstellten alles Land dem Kaiser, ordneten den Bau einer Hauptstadt an, verfügten Landvermessungen, Volkszählungen und Steuererhebungen. Mit den Taiho-Erlässen des Jahres 701 wurde die Neugestaltung des japanischen Kaiserreichs abgeschlossen. Es war nun ein Zentralstaat mit einer gesetzlichen Ordnung, die um den Kaiser herum aufgebaut war. Aufgrund des japanischen Glaubens, dass jeder Tod den Ort des Versterbens verschmutzt, musste die Residenz im Verlauf der Asuka-Zeit einige Male gewechselt werden, befand sich aber die meiste Zeit in Asuka-kyō.

Nara-Zeit

mini|Tōdai-ji Erst im Jahr 710 wird Heijō-kyō (Nara) für längere Zeit Hauptstadt. Das japanische Altertum (auch japanische Klassik genannt) beginnt. Insgesamt war die Nara-Zeit geprägt von Frieden und kultureller Blüte. Gefahr drohte zwar in Form einer Invasion aus China oder Korea, aber ein Wehrpflichtsystem garantierte bemannte Verteidigungswälle. Ansonsten sicherten die Errungenschaften der Asuka-Zeit den kaiserlichen Hof ab, der aus einem weitgehend befriedeten und geordneten Land Steuereinkünfte erhielt. Allerdings entstanden fast unbemerkt von den Herrschenden neue Probleme, weil Land in den Besitz von Klöstern und Großfamilien geriet und so der Hof geschwächt wurde.

Diese Entwicklungen und die ungünstige geographische Lage Naras erzwangen eine Verlegung der Hauptstadt nach Heian-kyō (das spätere Kyōto).

Heian-Zeit

mini|Heian-kyō Nach dieser Stadt ist auch die Heian-Zeit (794–1185) benannt. Zu Beginn der Heian-Zeit gelang es Kammu-Tennō noch einmal die kaiserliche Herrschaft zu stabilisieren. Aber nach und nach gelang es der Familie Fujiwara die Herrschaft auszuüben. Durch geschickte Heiratspolitik sicherte der Clan seinen Einfluss. Erst Kaiser Go-Sanjō (Thronbesteigung 1068) brach die Herrschaft der Fujiwara, aber zu einem hohen Preis. Er ging ins Kloster und regierte von dort indirekt, eine Praxis, die das Kaiserhaus dann eine Weile beibehielt. Aber dieses Vorgehen hatte die kaiserliche Macht stark geschwächt und dem Ansehen des Kaiserhauses nachhaltig geschadet. Literatur und Dichtung gelangten trotz, oder gerade wegen der widrigen Zustände zu hoher Blüte, so wurde das Genji Monogatari in der Heian-Zeit verfasst. Aber die kulturelle Blüte konnte den Verfall der Ordnung nicht aufhalten. Der Kaiser war keine mächtige Ordnungskraft mehr, andere nahmen den Kampf um die Herrschaft auf.

Das japanische Mittelalter Mit dem Zerfall der zentralstaatlichen Ordnung begann das japanische Mittelalter, das sich von 1185 bis etwa 1600 erstreckt.

Kamakura-Zeit

mini|Minamoto no Yoritomo, erster Shōgun des Kamakura-Shōgunats Die erste Phase des Mittelalters ist die Kamakura-Zeit von 1185 bis 1333. Ihr zentrales Motiv ist der Konflikt zwischen den Familien Taira und Minamoto. Diese Kriegerfamilien hatten für den Hof in Heian-kyō Polizeiaufgaben erledigt und Feldzüge durchgeführt. Mit dem Zerfall der Ordnung spitzte sich die Situation zu einem Kampf um die Herrschaft zwischen den beiden Familien zu. Nachdem die Taira die Minamoto vernichtend geschlagen hatten, ließ Taira no Kiyomori aber die Führer der Minamoto am Leben. Ein folgenschwerer Fehler, denn unter der Führung der Brüder Yoritomo und Yoshitsune schlugen die Streitkräfte der Minamoto die Taira vernichtend. Dieser als Gempei-Krieg bekannt gewordene Konflikt ist ein beliebtes Motiv in Japans Literatur, Dichtung und Film.

Yoritomo zwang seinen Bruder nach Differenzen zum Selbstmord und errichtete dann in Kamakura das erste Shōgunat. Er errichtete parallel zur alten kaiserlichen Herrschaftsstruktur eine straffe, militärisch organisierte Verwaltung. Folgerichtig hieß seine Regierung auch Bakufu, das bedeutet in etwa Zeltregierung und deutet den militärischen Charakter der Führung an. Nach Yoritomo (der, so will es die Legende, nach einem Sturz vom Pferd verstarb, den der Geist seines Bruders Yoshitsune verursacht haben soll) regierten noch zwei seiner Söhne, doch dann verlagerte sich die Macht auf die Familie Hōjō.