alt=Buckelzikade Video, micro-CT|mini|Buckelzirpe der Art Heteronotus nodosus im Micro-CT. Man sieht die innere Anatomie des Insekts, insbesondere, dass das große Pronotum leer ist. Deutlich sind z. B. auch die Flugmuskeln zu erkennen. mini|Ginsterzikade (Gargara genistae)
mini|Buckelzirpen der Gattung Umbonia in Costa Rica
Buckelzirpen oder Buckelzikaden (Membracidae), englisch , sind eine Familie aus der Überfamilie der Membracoidea innerhalb der Unterordnung der Rundkopfzikaden (Cicadomorpha). Sie sind besonders in den Tropen verbreitet und dort sehr arten- und formenreich. Kennzeichnend sind die teilweise hochkomplizierten Fortsätze des Pronotums (Halsschildes) dieser Insekten. Weltweit sind über 3.200 Arten aus über 400 Gattungen beschrieben. Angenommen wird die Existenz von bis zu 10.000 Arten.
Beschreibung Buckelzirpen sind relativ große Arten mit stark geneigtem Kopf. Sie weisen besonders bizarre Formen durch verschiedene, zum Teil sehr komplexe und ausladende Fortsätze des Halsschildes (Pronotum) auf, die teilweise den Körper an Größe übertreffen.Meisterhaft: Wie die Evolution zum Großbildhauer wurde, in: FAZ vom 11. Mai 2011 Seite N1 Trotz dieser markanten Fortsätze bleibt die typische dachartige Flügelhaltung der Zikaden deutlich erkennbar.
Lebensweise Buckelzirpen leben auf verschiedenen Pflanzen und saugen am Phloem. Sie nutzen den stark zuckerhaltigen Pflanzensaft, wobei der überschüssige Zucker von den Tieren wieder ausgeschieden wird. Bei manchen Arten werden diese Ausscheidungen von Ameisen aufgenommen, mit denen die Zirpen vergesellschaftet sind.
Manche Arten sind auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert, manche können schädlich sein.
Da die Nahrung keine essentiellen Aminosäuren enthält, benötigen die Zirpen endosymbiontische Bakterien, die in Bakteriomen im Abdomen zu finden sind. Diese sind erst bei wenigen Arten untersucht, dürften jedoch bei den meisten Zikaden verbreitet sein.
Systematik Die Buckelzirpen werden in 9 Unterfamilien, meist mit mehreren Tribus, aufgeteilt: Centronodinae, Centrotinae, Darninae, Endoiastinae, Heteronotinae, Membracinae, Nicomiinae, Smiliinae und Stegaspidinae. Von den Unterfamilien sind praktisch alle außer den Centrotinae auf die Neotropis beschränkt. Die große Unterfamilie der Centrotinae hat 6 Tribus in der Neuen und 17 Tribus in der Alten Welt. Die neotropische Büffelzikade, die zu den Smiliinae gehört ist in weiten Teilen der Palaearktis eingeschleppt.
In Europa leben fünf Arten in vier Gattungen aus zwei Unterfamilien: die in Mitteleuropa einschließlich Deutschland vorkommende Dornzikade (Centrotus cornutus), die Ginsterzikade (Gargara genistae) und die Büffelzikade (Stictocephala bisonia) sowie die ausschließlich im Mittelmeerraum beheimateten Oxyrhachis capeneri und Centrotus chloroticus.
Unterfamilien, Gattungen und Arten in Europa: Centrotinae & , 1843 Centrotus , 1803 Dornzikade (Centrotus cornutus (, 1758)) Centrotus chloroticus , 1851 Gargara & , 1843 Ginsterzikade (Gargara genistae (, 1775)) Oxyrhachis , 1833 Oxyrhachis capeneri , 1953 Smiliinae , 1866 Stictocephala , 1869 Büffelzikade (Stictocephala bisonia & , 1977) – Neozoon
Gattungen außerhalb von Europa (Auswahl), nach Unterfamilien sortiert: Centrotinae Gargara Hypsauchenia Leptocentrus Darninae Cymbomorpha Hemikyptha Hypheodana Stictopelta Heteronotinae Heteronotus Membracinae Aconophora Alchisme Bolbonota Campylenchia Cladonota Enchenopa Enchophyllum Hypsoprora Membracis Notocera Phyllotropis Potnia Tritropidia Tylopelta Umbonia Platycotis Nicomiinae Tolania Smiliinae Acutalis Antonae Ceresa Chelyoidea Cyphonia Entylia Micrutalis Spissistilus Polyglypta Tapinolobus Vanduzea Stegaspindinae Bocydium Lycoderes Lycoderides Microcentrus Stegaspis
Quellen Literatur R. Biedermann, R. Niedringhaus: Die Zikaden Deutschlands – Bestimmungstafeln für alle Arten. Fründ, Scheeßel 2004, ISBN 3-00-012806-9 C. Godoy, X. Miranda, K. Nishida: Membrácidos de la América Tropical / Treehoppers of Tropical America. Santo Domingo de Heredia: INBIO, Inst. Nacional de Biodiversidad, 2006, ISBN 9968-927-10-4. W. E. Holzinger, I. Kammerlander, H. Nickel: The Auchenorrhyncha of Central Europe – Die Zikaden Mitteleuropas. Volume 1: Fulgoromorpha, Cicadomorpha excl. Cicadellidae. – Brill, Leiden 2003, ISBN 90-04-12895-6. H. Nickel: The leafhoppers and planthoppers of Germany (Hemiptera, Auchenorrhyncha): Patterns and strategies in a highly diverse group of phytophagous insects. Pensoft, Sofia and Moskau 2003, ISBN 954-642-169-3. H. Nickel, R. Remane: Artenliste der Zikaden Deutschlands, mit Angabe von Nährpflanzen, Nahrungsbreite, Lebenszyklus, Areal und Gefährdung (Hemiptera, Fulgoromorpha et Cicadomorpha). – Beiträge zur Zikadenkunde 5/2002 (PDF 229 KB). R. Remane, E. Wachmann: Zikaden – kennenlernen, beobachten – Naturbuch Verlag, Augsburg 1993, ISBN 3-89440-044-7.
Einzelnachweise Für Einzelaspekte werden folgende Quellen zitiert: [ Membracidae] in der , Stand 2. März 2015.Werner E. Holzinger, Wolfgang Fröhlich, Heidi Günthart, Pavel Lauterer, Herbert Nickel, Andräs Orosz, Wolfgang Schedl, Reinhard Remane: Vorläufiges Verzeichnis der Zikaden Mitteleuropas (Insecta: Auchenorrhyncha). Preliminary checklist of the Auchenorrhyncha of Central Europe. In: Beiträge zur Zikadenkunde. Band 1, 1997, S. 43–62, hier S. 50 ().Herbert Nickel und Reinhard Remane: Artenliste der Zikaden Deutschlands, mit Angabe von Nährpflanzen, Nahrungsbreite, Lebenszyklus, Areal und Gefährdung (Hemiptera, Fulgoromorpha et Cicadomorpha). Beiträge zur Zikadenkunde, 5, 2002, S. 27–64 (Volltext PDF, deutsch; 234 kB).
Weblinks
Fotos in der Zeitschrift GEO Fotos von Buckelzikaden (Membracidae) Mitteleuropas
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