mini|Titelblatt der Erstausgabe des Manifests der Kommunistischen Partei. („Bu23“)
Das Manifest der Kommunistischen Partei, auch Das Kommunistische Manifest genannt, ist ein programmatischer Text aus dem Jahr 1848, in dem Karl Marx und Friedrich EngelsIring Fetscher, Hg. der Studienausgabe Marx-Engels, geht in seinem Vorwort davon aus, dass der Text von Karl Marx allein erstellt worden ist – Engels lieferte Vorarbeiten dazu (Fischer Tb. 6061, S. 9). Fetschers Auffassung wird nicht von den neueren Editoren (z. B. Wolfgang Meiser; Thomas Kuczynski) geteilt. große Teile der später als „Marxismus“ bezeichneten Weltanschauung entwickelten.
mini|Manuskriptseite des Manifests der Kommunistischen Partei mini|Kommunistisches Manifest. Schwedische Erstausgabe 1848
mini|Kommunistisches Manifest. Erste Ausgabe nach dem Tod von Karl Marx mini|hochkant|Sondermarke der sowjetischen Post zum 100. Jahrestag der Erstausgabe (1948) Das 23-seitige Werk besteht aus einer Einleitung und vier Kapiteln. Es beginnt mit dem heute geflügelten Wort: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“ und endet mit dem bekannten Aufruf:
Der Aufruf fand mehr als 70 Jahre später als Wahlspruch der Sowjetunion seinen Weg auf die Wappen sozialistischer und kommunistischer Staaten in ihrem Einflussbereich sowie 1923 auf das Wappen der UdSSR selbst.
Mittlerweile zählt das Manifest der Kommunistischen Partei mit über 500 Millionen verkauften Exemplaren zu den vier am meisten verkauften Büchern der Welt; in seinem Themenbereich nur noch übertroffen von der 1965 erschienenen „Mao-Bibel“.
Entstehung Die Forderung nach einem Statut kam bereits beim ersten Kongress des Bundes der Kommunisten auf. Neben Marx und Engels war auch Moses Hess in die Vorarbeiten involviert. Eine von Engels verfasste Skizze ist als Grundsätze des Kommunismus bekannt. Er schlug auch die Titulierung als „Manifest“ vor.Franz Mehring: Karl Marx. Geschichte seines Lebens. 2. Auflage. Leipziger Buchdruckerei AG, Leipzig 1919, S. 151 (1. Auflage online auf mlwerke.redflag.ps, abgerufen am 4. November 2021)Friedrich Engels: Grundsätze des Kommunismus. In Marx-Engels-Werke Band 4, Dietz Verlag, Berlin 1974, S. 361 ff., online auf mlwerke.redflag.ps, abgerufen am 4. November 2021
Auf dem zweiten Kongress am 29. November 1847 legten Marx und Engels den anderen Gründungsmitgliedern einen Entwurf vor, der einstimmig angenommen wurde. Damit ging der Auftrag einher, das Werk in eine endgültige Form zu bringen. Das Manuskript traf Anfang Februar 1848 in London ein und ging noch am 21. desselben MonatsThomas Kuczynski führt jedoch den Nachweis, dass es nicht vor dem 1. März 1848 gedruckt worden sein kann. Dies widerspricht Engels späteren Angaben (Thomas Kuczynski, S. 58–63). in Druck.Margarete Drachenberg (Hrsg.): Befreien wir sie von den Hirngespinsten. Anekdoten über Karl Marx, Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-359-01319-8, S. 30 Es erschien damit kurz vor der Februarrevolution in Frankreich sowie der Märzrevolution im Deutschen Bund und in dessen größten Staaten Österreich und Preußen.
Inhalt Kapitel 1: Bourgeois und Proletarier Marx und Engels bezeichnen die bisherige Gesellschaftsentwicklung als eine Geschichte von teils verborgenen, teils offenen Klassenkämpfen, grundsätzlich zweier gegensätzlicher Klassen: „Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener“. Dabei ist der Begriff der sozialen Klasse etwas sehr Wichtiges, da bisher analog zum Feudalismus von den Ständen Adel, Klerus, Bauern und Bürgertum (sowie Leibeigenen, die jedoch insgesamt keine eigenständige Rolle spielten) gesprochen wurde. Im ersten Abschnitt des Manifestes versuchen die Autoren also im Wesentlichen aufzuzeigen, inwieweit sich Wirtschaft und Gesellschaft aufgrund der industriellen Revolution für die Arbeiter bzw. das Proletariat verändert haben.
Durch die Entdeckung Amerikas, die Entwicklung der Industriegesellschaft und das Aufkommen des merkantilistischen Welthandels ist in Europa und Nordamerika die „moderne Bourgeoisie“ entstanden. An die Stelle der religiös und politisch verbrämten Ausbeutung im Feudalismus tritt jetzt die egoistische, kapitalistische Bereicherung. Die sozialen Beziehungen, sogar die Familienbeziehungen treten infolge der kapitalistischen Entfremdung als reine Geldverhältnisse auf. Auch die Angehörigen des Mittelstandes, wie „Ärzte, Juristen, Pfaffen, Poeten und Wissenschaftler“, sind der Herrschaft des Geldes unterworfen und zu bezahlten Lohnarbeitern geworden. Der Staat wird zum bloßen „Ausschuss“, der die „gemeinschaftlichen Geschäfte“ der Bourgeoisie verwaltet.
Die Bourgeoisie kann im Sinne des Kapitals nicht anders, als ständig die Produktionsverhältnisse und damit die auf diese bauenden Gesellschaftsformen zu revolutionieren. Darüber hinaus wird die nationale Beschränkung überwunden, die materielle und geistige Produktion und Konsumption kosmopolitisch gestaltet. Die Produktion benötigt Rohstoffe aus aller Welt. Es entsteht „eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander“.
Dabei wird der Bourgeoisie durchaus eine historisch fortschrittliche Rolle zugebilligt: „Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommunikationen, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation.“ Der Bourgeoisie wird damit eine potentiell revolutionäre Funktion – siehe auch: Materialistische Dialektik – gegenüber den bislang herrschenden Ständen zugebilligt, sie ist also die Antithese zum Feudalismus. Schon für diese Frühphase des Kapitalismus stellen Marx und Engels fest: Das Eigentum wird in wenigen Händen konzentriert. Die früheren kleinen Handwerker gehen im Proletariat auf. In kaum 100 Jahren hat die bourgeoise Klassenherrschaft mehr Produktivkräfte freigesetzt, als in der gesamten menschlichen Geschichte davor. Trotz der Not der unterjochten Klassen existiert „eine Epidemie der Überproduktion“, denn die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden und behindern den Absatz der Waren, immer wiederkehrende Überproduktionskrisen schütteln daher die Gesellschaften, denen die Bourgeoisie nur mit jeweils weiterer Verschärfung des Lohndrucks und Erschließung immer neuer Märkte begegnen kann.
Die Arbeitskraft, welche die Klasse der modernen Arbeiter zu Markte trägt, stellt eine Ware dar wie jeder andere Handelsartikel und ist daher allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt. Durch den wachsenden Einsatz von Maschinen sowie die zunehmende Arbeitsteilung wird die Arbeit im Sinne des Kapitals vereinfacht, jedoch auch für den Arbeiter zur Qual – Marx erklärt an anderer Stelle den Vorgang mit dem Theorem der „Entfremdung des Arbeiters von der Arbeit“.Marx und Engels: Feuerbach (1. Teil der deutschen Ideologie), MEW, Band 3, S. 13–77. Hatte im Feudalismus beispielsweise ein Schuhmacher den ganzen Schuh angefertigt, was Wissen und Handwerkskunst voraussetzte, ist er in einer Schuhfabrik nunmehr dazu verurteilt, nur noch die Naht zwischen Oberschuh und Sohle anzubringen. Eine derart einfache Arbeit kann jeder halbwegs gesunde Mensch ausführen, der Arbeiter wird also zum beliebig ersetzbaren Maschinenteil; der Lohn deckt daher gerade noch die zum einfachsten Lebenserhalt und zur Fortpflanzung des Arbeiters unbedingt nötigen Ansprüche. Arbeitermassen werden ausgebeutet und sind in den Fabriken der absoluten Herrschaft des Kapitals unterworfen. Geschlecht und Alter spielen dabei keine Rolle, qualifizierte Arbeit wird durch unqualifizierte Arbeit ersetzt, wichtig sind allein die möglichst niedrigen Kosten. Hinzu kommt die finanzielle Abhängigkeit des Proletariats von „Hausbesitzern, Krämern, Pfandverleihern usw.“siehe hierzu auch die umfangreiche Studie von Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. 1845, z. T. waren Arbeitgeber, Vermieter und Lebensmittelhändler identisch. (Truck-System/Cottage-System)
Als Auswuchs dieser Situation wird dargestellt, dass sich die Arbeiter gegen den jeweiligen Kapitalisten wehren, zunächst einzeln, dann in einer Fabrik, später in einem Ort. „Sie vernichten konkurrierende Waren, sie zerschlagen die Maschinen, stecken Fabriken in Brand“, weil sie hoffen, so die verloren gegangene gesellschaftliche Stellung der freien Handwerker früherer Zeiten zurückzugewinnen. Mit dem zunehmenden Druck auf den Einzelnen entsteht jedoch mehr und mehr ein Klassenbewusstsein, zumal ehemalige freie Handwerker und Kleinbürger durch die Entwicklung zwangsläufig ins Proletariat absinken.
Dabei wird deutlich, dass die Bourgeoisie das gemeinsame Interesse hat, die Produktionsbedingungen im Sinne der Maximierung von Erträgen immer weiter zu verschärfen, es kommt daher „zur Kollision zweier Klassen“, zum Klassenkampf. Der Klassenkampf jedoch wird notwendig zum politischen Kampf, die Proletarier organisieren sich zur politischen Partei. Diese erringt einzelne Gesetze zugunsten der Arbeiter, wie den Zehnstundentag in England. Nicht nur die Bourgeoisie, sondern auch das Proletariat ist demnach eine revolutionäre Klasse.
Die wesentliche Bedingung für die Existenz und Herrschaft der Bourgeoisieklasse ist die Anhäufung und Vermehrung des Reichtums in den Händen von wenigen, die Arbeitsweise des Kapitals ist die Lohnarbeit. Statt mit dem Fortschritt der Industrie seine Lage zu verbessern, wird der moderne Arbeiter zum Pauper, d. h., er verarmt zunehmend trotz des Fortschritts der Industrie. Die Bourgeoisie produziert mit der Pauperisierung breiter Massen im Zuge der großen Industrie ihre „eigenen Totengräber“, d. h., sie wirkt mit an der Entstehung und Formierung des Proletariats als kampfwillige Klasse.
Die jetzige Isolierung des einzelnen Arbeiters durch Konkurrenz wird aufgehoben in ihrer „revolutionären Vereinigung durch die Assoziation“.
Kapitel 2: Proletarier und Kommunisten In diesem Abschnitt geht es Marx und Engels vor allem darum, die Einwände gegen eine kommunistische Gesellschaft zu widerlegen. Dabei wird jeweils auf die Schwächen der bürgerlichen Gesellschaft verwiesen, um anschließend den Gegenentwurf darzustellen.
„Die Kommunisten sind keine besondere Partei gegenüber den anderen Arbeiterparteien.“ Sie haben laut Marx und Engels dieselben Interessen wie das gesamte Proletariat und vertreten stets die Interessen der Gesamtbewegung. Somit sind sie der entschiedenste Teil der Arbeiterparteien aller Länder. Den Kommunisten werde vorgeworfen, sie strebten die Aufhebung des Eigentums als solches an, allerdings habe bereits die Bourgeoisie das Eigentum an sich gerissen. Auch der einzelne Bourgeois verfüge nicht frei über sein Eigentum, sondern könne es nur im Rahmen der wirtschaftlichen Gesamtaktivität der Bourgeoisie und zu deren Regeln einsetzen; er müsse das Ausbeuterspiel mitspielen, ob er will oder nicht, sonst sei er bald kein Bourgeois mehr; das bourgeoise Eigentum sei daher gar kein persönliches Eigentum, sondern ein Klasseneigentum. Also müsse man es im Sinne des Sozialismus für alle zugänglich machen. „Wenn also das Kapital in gemeinschaftliches, allen Mitgliedern der Gesellschaft angehöriges Eigentum verwandelt wird, so verwandelt sich nicht persönliches Eigentum in gesellschaftliches. Nur der gesellschaftliche Charakter des Eigentums wandelt sich. Es verliert seinen Klassencharakter.“