Der Golmberg (Chółm. Sorbisches Institut. Arnošt Muka: Niedersorbische Namen der Städte und Dörfer. 1911–1928. ) ist mit die höchste Erhebung im Höhenzug Niederer Fläming.In westlich anschließenden Hohen Fläming ist der 200 Meter hohe Hagelberg die höchste Erhebung. Er liegt in der Gemarkung des Ortsteils Stülpe (Gemeinde Nuthe-Urstromtal, Landkreis Teltow-Fläming, Bundesland Brandenburg) und war Jahrhunderte Kernteil eines großen Gutskomplexes um Schloss Stülpe. Das Areal grenzt an ein ehemaliges sowjetisches Militärgelände. Heute ist der Berg Teil des Naturschutzgebietes Heidehof-Golmberg.
Geographischer Überblick und Geologie Der Golmberg gehört zu einem kleineren Höhenzug mit sieben Gipfeln, die auch insgesamt als Golmberge bezeichnet werden. Bei dieser Benennung trägt die höchste dieser Kuppen, der Golmberg, zur Unterscheidung den Namen „Großer Kirchberg“. Während sich der Golmberg, von Norden gesehen, nur wenig aus den Waldhügeln des Niederen Flämings heraushebt, markiert er, von Süden gesehen, die Grenze der Niederungslandschaft der Flemmingwiesen im Glogau-Baruther Urstromtal südlich des Dorfes Stülpe und der Stadt Baruth. Der Höhenunterschied zum Niveau des Urstromtals beträgt auf eine Entfernung von nur 1 Kilometer rund 120 Meter. Es ist damit eines der reliefenergiestärksten Gebiete in Brandenburg.
Das Golmberggebiet wird heute als Bestandteil der Werbig-Petkuser-Staffel als Endmoräne aus der Saaleeiszeit gedeutet. Da aktuelle geologische Bohrungen auf Grund der Militärgeschichte kaum vorliegen, nimmt man in Analogie zu benachbarten Gebieten an, dass das Material, aus dem der Golmberg besteht, durch den Druck des Inlandeises intensiv gestaucht (gestört) wurde. Das Golmberggebiet selbst besteht meist aus Sanden und untergeordnet Geschiebemergel. Als Bestandteil der Altmoränenlandschaft findet man am Golmberg zahlreiche Windkanter, die während der jüngsten Weichseleiszeit entstanden, als das Gebiet zwar eisfrei, aber auf Grund des kalten Klimas kaum mit Pflanzen bewachsen war. Nur 1,5 bis 2 Kilometer nördlich des Golmberges erreichte das weichselzeitliche Inlandeis seine maximale Ausdehnung nach Süden. Das Baruther Urstromtal gehört bereits zum Jungmoränenland.
Die Formung durch Endmoränen machte den Golmberg „steinreich“. Zwischen Golmberg und Merzdorf erstreckt sich ein zusammenhängender Zug von Geschiebelagern entlang der Endmoräne. Trotz Entnahme vieler Steine für Straßen-, Kirchen- und Häuserbau liegen noch heute zahlreiche Findlinge im Wald. Herausragende Findlinge im Golmgebiet sind der „Spitze Stein“ im Jagen 101, etwa 500 m östlich des Golmberges, von 6,50 m Umfang und 1,50 m Höhe, der „Wildsuhlenstein“ von 7 m Umfang und 1,50 m Höhe, sowie „Blaue Kuh“, „Blaues Kalb“ und „Kanzelstein“ im Jagen 84, zwischen dem Gipfel und dem früheren Weg von Lynow nach PetkusAutorenkollektiv: Natur und Naturschutz im Bezirk Potsdam. Hrsg. vom Rat des Bezirkes Potsdam, Abt. Land- und Forstwirtschaft – Bezirksnaturschutzverwaltung, Potsdam 1958, S. 204 f. und S. 211. (es geht die Sage, dass vor der Reformation von hier aus den Wallfahrern gepredigt wurde). Ein weiterer, kleinerer Findling aus rötlichem Granit steht bei den Fundamentresten der einstigen Schutzhütte westlich des Gipfels.
Die ursprüngliche Vegetation des Golmberg-Höhenzuges ist Eichenwald; noch 1796 wurden in der Golmforst 50.000 starke Eichen gezählt.Eberhard Scholz: Die naturräumliche Gliederung Brandenburgs. Hrsg. vom Pädagogischen Bezirkskabinett Potsdam 1962, S. 16. Um 1910 wurden die Hanglagen mit Kiefern aufgeforstet.
Während die Aussicht nach Süden hinter Ließen und Petkus durch Hügelkuppen des Flämings begrenzt ist, bot der Golmberg um 1900 einen weiten Blick nach Nordwesten, Norden und Nordosten, der bei besonders klarem Wetter bis nach Berlin und Potsdam (50–60 Kilometer) reichte; Wanderbuchautoren der 1920er Jahre bezeichneten den Golmberg als „märkische Rigi“.Paula Foerster: Der märkische Wanderkamerad. Band 1: Der Süden. Hugo Bermühler Verlag, Berlin o. J. (um 1930), S. 31. Nach 1990 wuchsen die letzten bis dahin noch unbewaldeten Kuppen mit Eichen-, Kiefern- und Schlehenaufwuchs zu, so dass sich heute nur im Winterhalbjahr ein spärlicher Ausblick bietet.
Naturschutzgebiet Heidehof-Golmberg
mini|links|Besenheide (Calluna vulgaris) Auf Grund der vormaligen Nutzung als Truppenübungsplatz der Roten Armee ist das Naturschutzgebiet Heidehof-Golmberg durch große Offen- und Sukzessionsflächen gekennzeichnet, die insbesondere im Golmbereich durch forstwirtschaftlich genutzte Bereiche ergänzt werden. Gemeinsam mit dem benachbarten NSG Forst Zinna Jüterbog-Keilberg zählt das Gesamtareal unmittelbar nördlich des Golmberges, das bereits zum Baruther Urstromtal gehört, zu den repräsentativsten Flugsand- und Binnendünengebieten Deutschlands.
Entsprechend den Bodenverhältnissen herrschen auf dem rund 12.000 Hektar umfassenden und unbesiedelten Schutzgebiet anspruchslose Sandheiden vor, die sich vorwiegend aus Silbergras (Corynephorus canescens), Besenheide (Calluna vulgaris) und verschiedenen Ginstern (Genista) zusammensetzen. Charakteristisch für die Vorwälder sind Birken und Kiefern, und auf dem Berg bestehen Reste reich strukturierter Eichen- und Rotbuchenwälder.
Der karge Boden beheimatet als typische Laufkäfer- und Heuschreckenfauna spezialisierte und seltene Insekten- und Spinnenarten. In den älteren Eichenbeständen findet sich der gefährdete Große Eichenbock oder Riesenbock (Cerambyx cerdo), den die Forstwirtschaft lange als Schädling eingestuft hatte. Dieser imposante Bockkäfer, dessen nach hinten gebogene Fühler beim Männchen eine Länge von zehn Zentimetern erreichen können, ist heute nach der FFH-Richtlinie der EU streng geschützt. Auch der große und seltene Hirschkäfer (Lucanus cervus) lebt im Golmer Eichenwald. Verschiedene Greifvögel und 14 Fledermausarten sind in dem Gebiet heimisch.
Geschichte
Namensherkunft Die Orts- bzw. Flurbezeichnung Golm taucht in Ostdeutschland mehrfach auf und leitet sich vom slawischen Wort für Berg bzw. Hügel ab. Die Wurzel des Wortes ist aber sicher noch älter (siehe Kulm (Geographie)).
Marienkapelle und Golmbergschatz In der slawischen Zeit soll auf dem Gipfel ein wendisches Heiligtum in Form einer Säule gestanden haben, die dem Ort Stülpe angeblich den Namen gab, denn Pfosten, Säule bedeutet im slawischen stolp. Nach heutigem Kenntnisstand lässt sich diese Zuordnung allerdings nicht aufrechterhalten, denn die namensgebenden Pfosten standen an einem heute verlandeten See, der nördlich des Dorfes lag und 1221 erstmals Erwähnung fand. Seit 2005 krönt den Gipfel des Golmberges ein Wallfahrtskreuz, das an den früheren Wallfahrtsort mit einer Marienkapelle des Klosters Zinna (zwischen Luckenwalde und Jüterbog an der B 101 gelegen) erinnert. Die Kapelle der Zisterzienser aus der Zeit um 1435 wurde nach der Reformation vollständig abgetragen, ihre beiden gotischen Flügelaltäre und die Glocke aus dem Jahre 1498 kamen in die Kirche des nahegelegenen Stülpe und sind dort zu besichtigen.
Mit dem erhaltenen Stülper Schloss aus dem Jahr 1754 und seinem Bauherrn Adam Ernst von Rochow aus der märkischen Uradelsfamilie von Rochow aus der Zauche ist die Berglegende verbunden, dass er den Schlossbau mit der Hebung des Golmbergschatzes finanziert habe. Diesen Schatz hatten angeblich die Klostermönche auf dem Berg vergraben – sicher ist, dass die Mönche aus den Wallfahrten zu ihrer Bergkapelle erhebliche Gewinne schlugen, und verbürgt ist auch, dass sein Vorgänger als Herr in Stülpe, Friedrich Wilhelm von Rochow (1642–1701), von einem Schatzgräber mit Wünschelrute, Geräten und allerlei Hokuspokus nach dem Schatz suchen ließ.
Überfall in der Golmheide mini|hochkant|Tetzel-Kasten in St. Nikolai (Jüterbog) Auch im 16. Jahrhundert spielten kirchliche Verdienstquellen, in diesem Fall in der Form des Ablasshandels und seines Protagonisten Tetzel, am Golmberg eine geschichtliche Rolle. In diese Begebenheit war Hans von Hake (1472–1541) aus der Familie von Hake verwickelt, die in Kleinmachnow residierte und den Rochows in Stülpe vorausging. Theodor Fontane beschreibt diese Begebenheit in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg:
Auch der Begründer des historischen Realismus in der deutschen Literatur und Vorgänger Fontanes als märkischer Schriftsteller, Willibald Alexis, widmete dem Vorfall in dem Roman Der Werwolf aus dem Jahr 1847 einen Abschnitt. Der geraubte Kasten (der „Tetzelkasten“) befindet sich seither in der Kirche St. Nikolai (Jüterbog). Es besitzen jedoch einige weitere Städte einen „Tetzelkasten“ beziehungsweise sind in Legenden um den Kasten verwoben.
Dass der Überfall in der beschriebenen Form stattfand, ist tatsächlich unwahrscheinlich, da Hans von Hake das nahe Dorf Stülpe erst 1537, viele Jahre nach dem Tode Tetzels, erwarbStülpe. In: Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Band X: Berlin-Brandenburg. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-520-31103-8, S. 317 f. Stichwort Dieter Mehlhardt: Märkische Dorfkirchen 150: Stülpe. In: Potsdamer Kirche, Nr. 4/1985. und von Kleinmachnow erst 45 km zur Golmheide hätte reiten müssen, um Tetzel dort zu überfallen.
Landesvermessung Seine herausragende Lage machte den Golmberg zu einem zentralen Punkt der preußischen Landesvermessung im 19. Jahrhundert. Um 1868 vermarkte man hier einen trigonometrischen Punkt erster Ordnung.:Datei:Die Dreieckspunkte I. Ordnung der Trigonometrischen Abtheilung der Königlich Preußischen Landesaufnahme.jpg Bis zur Umstellung der Landesvermessung auf Satellitendaten in den 1990er Jahren spielte der Golmberg in der Vermessung eine wichtige Rolle. Um 1900 wurden nachts über eine Entfernung von 103 km Lichtzeichen zwischen dem Turm auf dem Golmberg und der 23 m über Grund befindlichen Besuchergalerie des Kaiser-Friedrich-Turms auf dem 119 m hohen Pimpinellenberg bei Oderberg ausgetauscht.Alfons Girzalsky: Der Werbellin. Geschichte der Heide, des Sees und der Umgebung. Neu-Fehlefanz bei Velten 1931, S. 50Emil Albrecht: Wanderbuch für die Mark Brandenburg und angrenzende Gebiete.Zweiter Teil: Weitere Umgegend Berlins, Westliche Hälfte. Alexius Kießling Buch- und Landkartenverlag, Berlin 1910, S. 31; . Albrecht nennt den Signalaustausch „Telefunkenversuche“.
Der trigonometrische Punkt war mit einem weithin sichtbaren, etwa 40 m hohen Holzgerüst markiert. War das Besteigen des Gerüstes bis Anfang der 1920er Jahre verboten,Kießlings Wanderbuch für die Mark Brandenburg. 4. Teil: Der Süden. Carl Flemming u. C. T. Wiskott, Berlin 1925, S. 133. konnte man es Ende der 1920er Jahre auf Leitern bis zur Mitte ersteigen.Straubes Reiseführer durch die Provinz Brandenburg – Märkisches Wanderbuch mit angrenzenden Gebieten von Mecklenburg u. Anhalt. Band II. Geographisches Institut und Landkarten-Verlag Jul. Straube, Berlin 1929, S. 97. Noch bis in die 1990er Jahre stand ein zunehmend ruinöses Holzgerüst auf dem Gipfel.
Der Granit-Markstein des trigonometrischen Punktes ist bis heute erhalten. Er befindet sich nur wenige Schritte neben den Resten eines Unterstandes oder kleinen Bunkers vermutlich sowjetischer Herkunft auf dem Gipfel.
Wanderziel