Barf oder BARF ist eine Methode zur Ernährung fleischfressender Haustiere, die primär für Haushunde entwickelt wurde. Die Entwickler von Barf orientierten sich dabei nach eigenen Angaben an den Fressgewohnheiten von Wildhunden, insbesondere Wölfen. Daher werden die Rationen aus frischem oder tiefgekühltem Fleisch, Innereien, Knochen und Fisch zusammengestellt. Das Futter wird mit Obst und Gemüse ergänzt und roh verfüttert. Bei Bedarf können Getreideprodukte und Futterzusätze zugegeben werden. Für eine bedarfsgerechte Zusammenstellung der Rationen sind Kenntnisse zu Futtermittelkunde und Tierernährung erforderlich. Barf ist nicht auf Hunde beschränkt, es werden auch Katzen und Frettchen nach dieser Methode gefüttert.

Es gibt keine Nachweise für ernährungsphysiologische Vorteile der Rohfütterung gegenüber der Fütterung mit Fertigfutter. Da das „Barfen“ auch die Gefahr einer Mangelernährung und mikrobiologische Risiken sowohl für die roh gefütterten Tiere als auch die mit ihnen zusammenlebenden Menschen mit sich bringt, wird es von tierärztlichen Fachorganisationen abgelehnt.L. M. Freeman, M. L. Chandler, B. A. Hamper, L. P. Weeth: Current knowledge about the risks and benefits of raw meat-based diets for dogs and cats. In: Journal of the American Veterinary Medical Association. Band 243, Nummer 11, Dezember 2013, , S. 1549–1558, doi:10.2460/javma.243.11.1549. PMID 24261804. (Review).

Begriffsherkunft Der Begriff Barf wurde von der Kanadierin Debbie Tripp benutzt, um sowohl einen Hundebesitzer zu bezeichnen, der seine Hunde nach dieser Methode ernährt, als auch das Futter selbst.Gitta Vaughn: BARF oder nicht barf?, hundezeitung.de, 15. Januar 2002. Das Akronym BARF machte im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel durch. Zunächst stand diese Abkürzung für „Born-Again Raw Feeders“ (‚wiedergeborene Rohfütterer‘), eine Bezeichnung, die auch den ideologischen Aspekt dieser Bewegung verdeutlichte, dann „Bones And Raw Foods“ (‚Knochen und rohes Futter‘). Der australische Tierarzt Ian Billinghurst veröffentlichte im Jahr 1993 das Buch Give Your Dog A Bone und prägte die Bedeutung des Akronyms in Richtung „Biologically appropriate raw food“,I. Billinghurst: Give Your Dog A Bone. Selbstverlag, Alexandria (NSW, Australien) 1993, ISBN 0-646-16028-1. was im Deutschen mit dem Backronym „Biologisches artgerechtes rohes Futter“ bzw. „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ übersetzt wurde.

Das englische Verb to barf bedeutet auf Deutsch ‚sich übergeben, kotzen‘. Gelegentlich wird diese Gleichheit mit dem Akronym für Wortspiele genutzt.

Beweggründe Haustierhalter gaben in einer Befragung im Rahmen einer Diplomarbeit die folgenden Motive für eine Futterumstellung zu BARF an: Wunsch nach gesunder Ernährung, gesundheitliche Probleme des Haustiers (darunter Haut- und Magen-Darm-Probleme, Allergien, Erkrankungen des Bewegungsapparates und Nieren- sowie Harnwegserkrankungen), Futtermittelunverträglichkeiten, Verhaltensauffälligkeiten des Tieres (z. B. Aggression, Angst), Regulation des Körpergewichts, Empfehlung anderer Personen oder Institutionen.Sandra Zimmermann: Umfrage zum Thema Rohfütterung „BARF“ unter Hundebesitzern in Österreich und Deutschland und rechnerische Überprüfung von BARF-Rationen. Diplomarbeit aus dem Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Wien 2013, S. 8 und S. 30 ff. ; PDF). Es existiert allerdings kein Nachweis dafür, dass die Fütterung mit BARF die ihr zugeschriebenen positiven Effekte bewirkt.

Der Eindruck einer „mangelnden Transparenz“ bei der Zusammensetzung und Herstellung von Fertigprodukten sowie Futtermittelskandale in der Vergangenheit seien weitere Beweggründe für Tierhalter, nach anderen Fütterungskonzepten zu suchen.Natalie Dillitzer: Tierärztliche Ernährungsberatung: Diätetik und Fütterung von Hunden, Katzen, Reptilien, Meerschweinchen und Kaninchen. 2. Auflage. Urban & Fischer/Elsevier, München 2012, 7.2 Rohfütterung (Barfen), S. 101–121. Vor dem Hintergrund der Bestrebungen nach einer möglichst „natürlichen“ Ernährung von Haushunden nach Vorbild seines Vorfahren, des Wolfes, wird in Bezug auf kommerzielle Futtermittel vor allem der weitaus höhere Anteil an Getreide bzw. anderen Kohlenhydratquellen moniert.K. Sauer: B.A.R.F.-Bibel: Ein medizinischer Ratgeber. Minerva Verlag, 2012, S. 7.

Als vorteilhaft empfunden werden auch die folgenden Punkte: die Kenntnisse über sämtliche Bestandteile des Futters, das Kaubedürfnis des Tieres werde stärker befriedigt, die Zahnpflege werde unterstützt und die Rationsgestaltung könne bestimmten Erkrankungen (z. B. Futtermittelallergie) Rechnung tragen.

Risiken für das Tier Laut Jürgen Zentek, Leiter des Instituts für Tierernährung der FU Berlin, ist es möglich, Hunde mit selbsthergestellten Rationen ausgewogen zu füttern. Allerdings müsse die Zusammenstellung passen, sonst bestehe die Gefahr der Unterversorgung an Nährstoffen. Zentak schrieb 2013, eine bedarfsgerechte Ernährung entsprechend BARF-Kriterien erfordere fundierte Kenntnisse zu Futtermittelkunde und Tierernährung. Er empfehle eine Kontrolle der durch den Tierbesitzer zusammengestellten Rationen durch einen spezialisierten Tierarzt, weil viele Tierhalter solche Kenntnisse nicht hätten.tierklinik.de: J. Zentek, N. Paßlack: Rohfütterung (BARF) bei Hund und Katze: Möglichkeiten, Risiken und Probleme. 1. Auflage. Veterinärspiegel Verlag, 2013, S. 4.P. Kölle, M. Schmidt: BARF (Biologisch Artgerechte Rohfütterung) als Ernährungsform bei Hunden. In: Tierärztliche Praxis Kleintiere. Nr. 6, 2015, S. 409–419. ; PDF). Folge fehlerhaften BARFens können Magen-Darm-Probleme einschließlich Verstopfungen und Durchfälle, Zahnfrakturen und Fremdkörpererkrankungen durch Knochen sowie die Möglichkeit der Übertragung verschiedener Krankheiten (beispielsweise Pseudowut, Neosporose und Toxoplasmose) sein. Bei Katzen kam es durch Verfütterung eines kommerziellen Barf-Futters im Vereinigten Königreich zu einer Häufung von Infektionen mit Mycobacterium bovis, dem Erreger der Rindertuberkulose.O’Halloran: Tuberculosis due to Mycobacterium bovis in pet cats associated with feeding a commercial raw food diet. In: J. Feline Med. Surg. Band 21, Heft 8, 2019, S. 667–681.

Eine 2013 veröffentlichte US-amerikanische Untersuchung von 200 Rohfütterungs-Rezepten für gesunde erwachsene Hunde zeigte, dass bei über 90 % von ihnen mindestens ein essentieller Nährstoff nicht in der mindestens empfohlenen Menge enthalten war; über 80 % der Rezepte wiesen mehrere Mängel auf.J. Stockman, A. J. Fascetti, P. H. Kass, J. A. Larsen: Evaluation of recipes of home-prepared maintenance diets for dogs. In: Journal of the American Veterinary Medical Association. Band 242, Nummer 11, Juni 2013, , S. 1500–1505, doi:10.2460/javma.242.11.1500. PMID 23683013.

Besonders kritisch ist bei der Erstellung von BARF-Rationen die Versorgung mit Calcium, Kupfer, Zink, Iod, Vitamin A und D. Vor allem Junghunde sind empfindlich gegenüber Nährstoffmangel, aber auch -überversorgung. Auch für Tierärzte ist es oft nicht einfach, Mangelzustände zu erkennen, da Blutuntersuchungen („BARF-Profile“) hier wenig hilfreich sind. So wird das Calcium im Blut in engen Grenzen reguliert und Mangelzustände werden durch Mobilisierung aus den Knochen kompensiert. Kupfer wird vorwiegend in der Leber gespeichert und sinkt im Blutplasma erst bei extremen Mangelzuständen. Zudem gibt es bei einigen Vitaminen und Spurenelementen starke Tagesschwankungen. Am sichersten sind Fehlernährungen daher über die Analyse der Futterinhaltsstoffe zu erkennen.Melanie Thes, Natalie Dillitzer: Welpen richtig BARFen – Welche Kontrollmöglichkeiten der Nährstoffversorgung gibt es? In: Kleintierpraxis. Band 60, Heft 3, 2015, S. 136–152. (vetline.de).

Durch Verfütterung zu hoher Knochenanteile kann es zu einer Überversorgung mit Calcium kommen. Wird das Futter nicht bedarfsdeckend ergänzt, kann es zu einer Unterversorgung mit Calcium kommen.Helmut Meyer, Jürgen Zentek: Ernährung des Hundes. Grundlagen – Fütterung – Diätetik. 7., aktualisierte Auflage. Enke, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8304-1221-2, 6.1.4 BARF-Fütterung, S. 134–135. Bei zu eiweißreichen Barf-Rationen gelangt unverdautes Eiweiß in den Dickdarm. Dort wird es durch Mikroorganismen abgebaut, wobei viel Ammoniak und Amine entstehen, was vor allem für Tiere mit alters- und/oder krankheitsbedingt beeinträchtigter Leber- und Nierenfunktion eine Gefahr darstellt. Eine weitere Gefahr stellt die Verfütterung von Schlundteilen mit Schilddrüsengewebe dar, da es durch diese zu Symptomen einer Überfunktion der Schilddrüse kommen kann.

In einer kanadischen Studie zur Salmonellenbelastung bei roh gefütterten Therapiehunden wurde 2008 festgestellt, dass die roh gefütterten Tiere wesentlich häufiger Salmonellen und Cephalosporin-resistente E. coli ausschieden als nicht roh gefütterte Hunde.S. L. Lefebvre, R. Reid-Smith, P. Boerlin, J. S. Weese: . In: Zoonoses and public health. Band 55, Nummer 8–10, Oktober 2008, , S. 470–480, doi:10.1111/j.1863-2378.2008.01145.x. PMID 18811908.

Für das gebarfte Tier besteht kein höheres Risiko an Parasitosen zu erkranken. Allerdings können gebarfte Hunde und Katzen zur Verbreitung des Kleinen Leberegels (Dicrocoelium dendriticum) und von Eimeria stiedai beitragen.Barbara Tuska-Szalay et al.: Parasitological and molecular investigation of consequences of raw meat feeding (BARF) in dogs and cats: implications for other pets living nearby. In: Parasitology Research Band 123, 2024, Artikelnummer 114, doi:10.1007/s00436-024-08124-1

Gefahren für den Menschen Aufgrund des bei BARF im Rohzustand verwendeten Futtermittels können sich vorhandene Krankheitserreger schnell verbreiten.Milena Penkowa: Hund auf Rezept – Warum Hunde gesund für uns sind. Kynos, 2014, ISBN 978-3-95464-028-7, S. 123. Dabei stellen Zoonosen wie etwa Salmonellose, Escherichia-coli-Infektion, Bakterienruhr oder Campylobacter-Enteritis weniger eine Gefährdung für die Tiere selbst als vielmehr für die sie umgebenden Personen dar.Natalie Dillitzer, Britta Dobenecker: Rohfütterung: artgerecht und natürlich aber nicht automatisch bedarfsgerecht - Aufklärung statt Fehlernährung. In: Fachpraxis. Band 55, 2009, S. 31–34. Als besonders gefährdet gelten ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Personen mit einer Immunschwäche. Die Universität Zürich veröffentlichte 2019 eine Untersuchung, welche 51 Futterproben verschiedener Anbieter analysierte. Es zeigten sich überdurchschnittlich erhöhte Werte an unterschiedlichen multiresistenten Bakterien. Unter anderem wurden bei 73 Prozent der Proben eine Grenzwertüberschreitung an Enterobakterien und bei 61 Prozent der Proben ESBL-produzierende Bakterien nachgewiesen. Die Autoren schlussfolgerten daraus, dass die BARF-Ernährung ein Gesundheitsrisiko für Menschen und Tiere darstellt.