Der Altmarkt ist der älteste Platz Dresdens. Der mit der Stadtgründung planmäßig angelegte Marktplatz wurde 1370 erstmals als circulus erwähnt.Urkundenbuch Dresden, Nr. 70 In späteren Urkunden wurde er 1400 als margt, 1410 als ring und 1452 als forum bezeichnet. Ihm direkt benachbart ist die Kreuzkirche, das über Jahrhunderte bedeutendste sakrale Bauwerk der Stadt. Nachdem um 1550 durch eine erste Stadterweiterung ein neuer Markt entstanden war, der Neumarkt an der Frauenkirche, führte der große, zentrale Platz den Namen der Alte Markt oder kurz Altmarkt. Zusammen mit dem Neumarkt ist er heute einer der wichtigsten Plätze der Stadt. Überregional bekannt ist der Altmarkt vor allem als Schauplatz des jährlichen Striezelmarkts, eines der ältesten Weihnachtsmärkte der Welt, der seit 1434 ausgerichtet wird.

Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der historischen Bebauung am Altmarkt vernichtet. Einzig die Kreuzkirche wurde rekonstruiert. Der Neuaufbau der West- und Ostseite sowie daran angrenzender Quartiere erfolgte in den 1950er Jahren nach den 16 Grundsätzen des Städtebaus in einem das „Kulturerbe fortführenden Baustil“, der sich an das barocke Stadtbild Dresdens anlehnt. An der Nordseite errichtete man entgegen diesen Plänen einen modernistischen Solitärbau, den Kulturpalast. Nach dem Ende der DDR wurde ab 1990 die Südseite des Platzes mit zwei stilistisch lose an die Nachbarbauten angepassten Bauwerken geschlossen. Der komplette Belag und die Stadtmöbel des Altmarktes wurden bis 2009 umgestaltet.

Geschichte: Anfänge bis 19. Jahrhundert mini|Der Altmarkt auf einem Gemälde von Bernardo Bellotto (Canaletto) 1752. mini|Der Justitia-Brunnen vor dem Kaufhaus Renner (bis 1945 das größte Kaufhaus Dresdens). Fotografie um 1885. Der etwa 1,3 ha (ca. 130 × 100 m) große rechteckige Platz lag zentral innerhalb des mittelalterlichen Stadtgebiets. Er war umgeben von einem nahezu orthogonalen Netz von Straßen, welches die Stadt in Wohnquartiere gliederte. An seiner Nordwestecke mündeten als wichtigste Verkehrswege die Wilsdruffer Gasse von Westen und die Elbgasse (die spätere Schloßstraße) von Norden ein. An der Süd- und Westseite des Marktplatzes floss bis ins 18. Jahrhundert in einem unbedeckten Gerinne von der Kreuzgasse kommend ein künstlicher Arm der Kaitzbach zur Elbe. Er diente in erster Linie zu Feuerlöschzwecken, später auch zu Gewerbe- und Reinigungszwecken.Dresdner Geschichtsblätter 1905, Nr. 1, S. 2.

1380 wird erstmals ein Rathaus in Dresden erwähnt.Urkundenbuch Dresden, Nr. 81 Dabei handelte es sich um einen freistehenden Bau von ca. 31 m Länge und mindestens 20 m Breite, der in der nördlichen Hälfte des Platzes stand. Das Gebäude ist aus dem Kaufhaus der Tuchmacherinnung hervorgegangen. Dieses Kaufhaus wurde bereits 1295 erstmals erwähnt.Urkundenbuch Dresden, Nr. 11

Um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert ist der Bau umfänglich erweitert worden, u. a. wurde an den Südflügel des zweischiffigen Gebäudes im Osten die gotische Rathauskapelle angebaut. Zu weiteren Um- und Erweiterungsbauten kam es im Verlauf des 15. und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ab dem 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts diente der Altmarkt dem kurfürstlichen Hof auch für Festlichkeiten und höfische Spiele, wobei das Rathaus zunehmend als störend empfunden wurde. Deshalb ist es im Jahre 1707 nach langjährigem Widerstand des Rates auf Initiative des Kurfürsten Friedrich August I. abgetragen worden.

Der Markt wurde begrenzt von den Häusern der Bürger, die hier auf repräsentativen Grundstücken Gebäude errichtet hatten, die Platz für Wohn-, Verkaufs- und Lagerraum boten. Die während des späten Mittelalters errichteten Holz- und Fachwerkbauten sind seit der Renaissance zunehmend durch reine Steinbauten ersetzt worden. Dies geschah auch auf Initiative des Stadtherren, der die Gefahr großer Stadtbrände, wie 1491 geschehen, einschränken wollte.

In der nordöstlichen Ecke des Marktes befand sich seit 1478 ein großer hölzerner Röhrtrog, an dessen Stelle 1653 ein steinerner Wassertrog trat. Diesen versah Christoph Abraham Walther mit der Figur der Justitia, weshalb sich der Name Justitia-Brunnen einbürgerte. Der Brunnen wurde 1749 erneuert, 1888 trug man ihn ab.

Zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 errichtete man 1880 ein Siegesdenkmal an zentraler Stelle des Marktes. Geschaffen wurde das Denkmal von Robert Henze. Es zeigte eine auf einem Sockel stehende, über vier Meter hohe Statue der Germania. Diese stützte sich mit der linken Hand auf ein Schild mit dem deutschen Reichsadler, in der rechten Hand hielt sie die lorbeergeschmückte Reichsfahne. Am Sockel des Germaniadenkmals waren vier allegorische Figuren angebracht, die Wehrkraft, Frieden, Wissenschaft und Religion darstellten. Zwischen den Figuren befanden sich Tafeln mit den Namen kriegsgefallener Dresdner Bürger.

Das Denkmal war am Vorabend des Sedantages, am 1. September 1880, eingeweiht worden, es wurde bei den Bombenangriffen 1945 beschädigt und im Juni 1949 abgebrochen. Ab 1943 befand sich rund um das Denkmal ein großer Löschwasserteich, in welchem in der Bombennacht im Februar 1945 zahlreiche Menschen Rettung suchten aber wegen der unvorstellbaren Hitze den Tod fanden.

Markante Bauten des 18. bis 20. Jahrhunderts mini|Chaisenhaus Außer dem alten Rathaus standen nie feste Gebäude auf dem Markt, mit Ausnahme des Chaisenhauses und des Rehfeldhauses, zwei pavillonartige Bauten. Ersteres befand sich seit 1746 auf der Südseite des Marktes vor der Einmündung der Schreibergasse. Hier hatten die Sänftenträger der Stadt ihr Quartier, das Gebäude wurde 1878 abgerissen.Hemker, Salmen; Archäologie im Herzen der Stadt, Landesamt für Archäologie Sachsen, 2009, S. 2

Das Rehfeldhaus, benannt nach dessen Erbauer Albert Rehfeld, stand ab 1926 auf der Nordseite des Marktes gegenüber dem Café Central und wurde 1945 zerstört. Es diente dem Dresdner Verkehrsverein als Geschäftsstelle, unter anderem wurden hier Karten für Veranstaltungen verkauft, auch Reisen konnte man hier buchen. Daneben unterhielt auch Pfunds Molkerei wie an vielen Stellen der Stadt im Rehfeldhaus Geschäftsräume.

Die den Markt begrenzenden mehrgeschossigen Bauten der Renaissance mit ihren reich verzierten Giebeln erfuhren teilweise im Barock, vor allem aber im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert Umbauten, wobei ganze Parzellen vollständig neu gestaltet wurden. Alle Gebäude fielen den Luftangriffen auf Dresden am 13. Februar 1945 zum Opfer und wurden später abgetragen.

Löwenapotheke mini|Wilsdruffer Straße 1 mit Löwenapotheke (1909) mini|Der Altmarkt auf einem Photochromdruck um 1900. In der Mitte das 1880 errichtete Siegesdenkmal. Das Haus Wilsdruffer Straße 1 bildete die nordwestliche Ecke des Altmarktes. Das Gebäude, in welchem sich seit 1631 die Löwenapotheke befand, gehörte nach Aussage von Cornelius Gurlitt zu den bemerkenswertesten und architektonisch wertvollsten Gebäuden Dresdens. Diese Aussage bezog sich auf den Bau von Johann Gottfried Fehre aus dem Jahre 1709, trifft aber in gleichem Maße auf den Neubau von Hans Erlwein von 1914 zu.

Das Privilegium der Löwen-Apotheke datiert urkundlich vom 3. Februar 1560 und wurde von Kurfürst August dem Apotheker Johannes unter den Linden in Anbetracht seiner geleisteten Dienste und der eingetretenen Vergrößerung der Stadt verliehen. Die Apotheke war zunächst nicht an der Ecke der Wilsdruffer Straße untergebracht, sondern in einem anderen Hause am Altmarkt. 1623 erwarb Jodokus Müller das Privilegium und übertrug es auf sein Haus an der Vogelecke, was ihm am 31. August 1631 bestätigt wurde; er unterzeichnete ab da als: „Apotheker an der Vogelecke“, während man die Apotheke kurz die „Vogelapotheke“ nannte. Die Bezeichnung „Vogelecke“ findet sich urkundlich erstmals 1536 und rührte von den Vogelhändlern, die dort an der Ecke der „Wilsdruffergasse“ ihren Verkaufsplatz hatten.Dresdner Anzeiger, 4. Januar 1913

Am 24. Februar 1707 gegen 7 Uhr am Abend ist die alte Vogelapotheke durch eine starke Feuersbrunst gänzlich in Asche gelegt worden und anschließend durch Ratsmaurermeister Johann Gottfried Fehre im Auftrag von Frau Anna Rosina Müller geb. Skorolin, Witwe des Apothekers Jodvei Müller, in zweijähriger Bauzeit neu errichtet worden.Dresdner Nachrichten, 16. August 1912 Der Bau hatte zum Altmarkt fünf Fensterachsen, nach der Wilsdruffer Straße eine Zehn-Fenster-Front. Den Hauptschmuck des Gebäudes bildete der fünfgeschossige Eckerker. Das Ganze hatte Fehre als Putzbau errichtet, nur Portale und Fenster waren in Sandstein gefasst.Fritz Löffler: Das alte Dresden. VEB E. A. Seemann Buch- und Kunstverlag, Leipzig 1987, S. 276. Ab dem Jahre 1740 tritt die Bezeichnung „Löwen-Apotheke“ auf, zu dieser Zeit entstand auch das Wahrzeichen des Gebäudes, ein liegender Löwe von Bildhauer Johann Ferdinand Feige.

Im Jahr 1907 begann der Löwenapotheker Ottomar von Mayenburg in seinem Laboratorium Leo auf dem Dachboden des Hauses die Entwicklung der Chlorodont-Zahnpasta. Der bauliche Zustand des Gebäudes wie auch die Verkehrssituation am Kreuzungspunkt der Hauptstraßenachsen Dresdens machte zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Neubau notwendig. Gegen den Widerstand von Teilen der Bevölkerung wurde in den Jahren 1913/14 durch Hans Erlwein ein Neubauprojekt realisiert, mit welchem es gelang, die Wilsdruffer Straße um fast 7 m zu verbreitern, ohne die markante Ecksituation aufzugeben. Dazu realisierte Erlwein erstmals für Dresden einen Laubengang mit vier Bögen, welche eine lichte Weite von 2,85 m hatten. Diese Variante wurde später beim Wiederaufbau des Altmarkts in den 1950er-Jahren in großem Stil wiederholt und fortgeführt.

Der Neubau erstreckte sich über die alte Löwenapotheke und das Krohne’sche Haus am Altmarkt, so dass die Löwenapotheke von 1914 bis 1945 unmittelbar an das Alte Rathaus anschloss. Zum Altmarkt war damit die Zahl der Fensterachsen auf sieben angewachsen, zur Wilsdruffer Straße blieb es bei zehn, von denen Erlwein jeweils drei gruppierte und mit einem Ziergiebel versah. Die Fenster zum Erker, welcher mit plastischem Schmuck von Georg Wrba versehen war, waren von der Gruppierung ausgenommen, jedoch gleichfalls von einem Ziergiebel bekrönt. Der Erker selbst war gegenüber dem Vorgängerbau wesentlich wuchtiger, was Löffler als Missverständnis der Dresdner Tradition wertete.Fritz Löffler: Das alte Dresden. VEB E. A. Seemann Buch- und Kunstverlag, Leipzig 1987, S. 302.

Altes Rathaus mini|Altstädter Rathaus am Altmarkt, 1910 Nach dem 1707 erzwungenen Abriss des an der Nordseite auf dem Markt stehenden ersten Rathauses der Stadt suchte der Rat ein geeignetes Haus am Altmarkt zu erwerben. Mit Zustimmung des Kurfürsten wurde 1709 das gräflich Taubische Haus am Markt, Ecke Scheffelgasse gekauft. 1740 war das Haus soweit heruntergekommen, dass ein Neubau nötig wurde. Die Entwürfe für das neue Rathaus lieferte der Dresdner Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel.

Die Realisierung von Knöffels Entwürfen erfolgte durch Ratsbaumeister Johann Gottfried Fehre in den Jahren 1741 bis 1745. Es entstand ein Haus mit einer 13-Achsen-Front zum Altmarkt, über dem putzbequaderten Untergeschoss befanden sich zwei durch Lisenen zusammengefasste Obergeschosse und ein durch Gesims getrenntes Halbgeschoss mit Stichbögen. Seitlich existierten zwei dreifenstrige Risalite. Diese waren mit Kartuschen bekrönt, in denen in goldenen Lettern „Soli Deo Gloria“ (Allein zur Ehre Gottes) bzw. „Salus publica suprema Lex“ (Das Wohl des Volkes, höchstes Gesetz) zu lesen war. Darüber erhob sich ein Walmdach mit Dachreiter und Uhr.

Vor den Fenstern des ersten Geschosses der beiden Risalite waren Balkone mit schmiedeeisernen vergoldeten Gittern angebracht. Über dem jeweiligen Mittelfenster befanden sich Stuckreliefs mit Medaillon-Bildnissen von Kurfürst Friedrich August II. und seiner Gemahlin Maria Josepha geschaffen von Hofbildhauer Johann Benjamin Thomae.