mini|Übersichtskarten Wechselverkehr DB-DR Sommer 1970 mini|Aus Westdeutschland eingefahrener Transitzug in Berlin-Wannsee, 1987 mini|Schnellzug D 344 von Berlin nach Köln in Helmstedt (Mai 1974) mini|hochkant|Fahrkarten und Bettkarten im Wechselverkehr DB-DR 1977 Als Interzonenzug wurden die Reisezüge zwischen Westdeutschland bzw. der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR und Berlin bezeichnet. In späteren Jahren wurde zwischen Transitzügen, die in erster Linie dem Transitverkehr durch die DDR nach West-Berlin dienten, und Zügen mit Zielen innerhalb der DDR unterschieden. Letztere bedienten jenseits der Innerdeutschen Grenze verschiedene Orte und zählten so zum Binnenverkehr. Berliner Bahnhöfe wurden von ihnen generell nicht angefahren.

Da in beiden Fällen die Züge das Streckennetz der Deutschen Bundesbahn nicht wieder erreichten – für die Bahnanlagen in Berlin war ausschließlich die Deutsche Reichsbahn zuständig – handelte es sich auch bei den Zügen nach Berlin nicht um einen Privilegierten Eisenbahn-Durchgangsverkehr, sondern um eine spezielle Form vom Wechselverkehr.

Bezeichnungen Der Begriff Interzonenzug wurde im Jahr 1946 von der Deutschen Reichsbahn in der Sowjetischen Besatzungszone eingeführt.Eisenbahn Magazin, Ausgabe Oktober 2008, S. 10 ff. Er war auch nach der Bildung der beiden deutschen Staaten eine Zeitlang die offizielle Bezeichnung für deutsch-deutsche Reisezüge bei beiden Bahnverwaltungen, bei der Deutschen Reichsbahn (DR) bis 1954, bei der Deutschen Bundesbahn (DB) bis in die 1960er Jahre. Umgangssprachlich hat sich Interzonenzug bis zum Ende der DDR gehalten. Erst mit der Wiedervereinigung entfiel der Begriff. Im offiziellen Sprachgebrauch änderte sich die Bezeichnung als Folge der jeweiligen politischen Situation mehrfach. Bei der DR war beispielsweise 1960 von Zügen DDR–Westdeutschland die Rede, in den 1970er und 1980er Jahren von Zügen DDR–BRD. Sie galten als Internationale Reisezüge und standen daher im Internationalen Kursbuch der DR. Bei der DB sprach man von Zügen DB–DR (1970), in den 1980er Jahren ebenfalls von Zügen Bundesrepublik Deutschland – Deutsche Demokratische Republik bzw. Berlin (West). Auf Fachebene war auch der Ausdruck Wechselverkehrszüge üblich und die offizielle Bezeichnung war Reisezüge zwischen der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn.

Da die Züge in Bezug auf Bürger der DDR zu einem Großteil von Rentnern, die das 60. (Frauen) bzw. 65. Lebensjahr (Männer) überschritten hatten, genutzt wurden, da diese Erleichterungen bei den Reisebeschränkungen erhieltenhttps://www.mdr.de/geschichte/ddr/alltag/reisen-freizeit/reisefreiheit-ddr-rentner-westen-westverwandtschaft-brd-mindestrente-rentenreform-mauer-grenze-100.html bei mdr.de, abgerufen am 7. August 2025., hießen sie im Volksmund der DDR Silberhaar- oder auch Mumien-Expreß.

Interzonenverkehr nach 1945 mini|Abfahrt des ersten Interzonenzuges am 12. Mai 1949 um 14 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße Bereits am 5. August 1945 fuhr der erste Güterzug aus dem Ruhrgebiet nach Berlin. Der durchgehende Schienenpersonenfernverkehr wurde jedoch erst im Mai 1946 aufgenommen. Der erste, und bis 1949 einzige, Interzonen-Schnellzug – ausschließlich für ausländische Reisende reserviert – verkehrte zwischen Berlin und Osnabrück. Dort bestand Anschluss an den Nord-Express nach Amsterdam und Paris. Der Eisenbahnverkehr zwischen Berlin und den Westzonen war vom 23. April 1948 an bis zum 12. Mai 1949 während der Berlinblockade wegen angeblicher „technischer Schwierigkeiten“ auf sowjetische Weisung unterbrochen.

Da das einzige Fernschnellzugpaar im Interzonenverkehr (FD 111/112) zwischen Köln und Berlin ständig überlastet war, wurden ab dem 10. September 1949 fünf zusätzliche Fernschnellzugpaare über die innerdeutsche Grenze angeboten, die erstmals auch Wagen der (damaligen) zweiten Wagenklasse mitführten: FD 1/2 zwischen Berlin und Frankfurt am Main FD 63/64 zwischen Berlin und Hamburg FDt 65/66 als Schnelltriebwagen zwischen Berlin und Hamburg FD 109/110 als zweites Zugpaar zwischen Berlin und Köln FD 149/150 zwischen Berlin und München

Im Sommer 1949 gab es eine Besonderheit: Die Reichsbahndirektion Nürnberg setzte zur Bewältigung des ansteigenden Verkehrs zusätzliche Züge ein, die über Ludwigsstadt bis an die Demarkationslinie fuhren. Hier mussten die Reisenden aussteigen und die Grenze zu Fuß überqueren (Übergang Fernverkehrsstraße 85). Ab Probstzella bestand neben lokalem Verkehr ab dem 25. August 1949 eine Verbindung mit einem Schnelltriebwagen nach Berlin Friedrichstraße (FDt 79/80).

Reiseverkehr zwischen beiden deutschen Staaten bis 1961 DDR-Bürger, die in die Bundesrepublik reisen wollten, brauchten, um diese Züge nutzen zu dürfen, einen Interzonenpass, ab 1953 eine Ausreisegenehmigung der DDR oder den Reisepass der Deutschen Demokratischen Republik mit eingetragenem Visum.

Es verkehrten laut Fahrplan 1960/61 bis zum Mauerbau Züge über Lübeck/Herrnburg: D 1061/1062 Hamburg–Güstrow und D 161/162 Hamburg–Saßnitz Hafen über Büchen/Schwanheide: D 163/164, Ex 165/166 und D 1065/66 (nur im Sommer) Hamburg–Berlin über Wolfsburg/Oebisfelde: D 135/136 Düsseldorf–Leipzig, D 1035/1036 Aachen–Leipzig über Helmstedt/Marienborn: D 109/110, D 111/112, D 119/120 (Aachen–)Köln–Berlin, D 105/106 Paris–Moskau, D 1009/1010 Paris–Berlin und D 1011/1012 Hannover–Magdeburg (nur im Sommer) über Bebra/Wartha: D 1/2 Basel–Berlin, D 197/198 Mönchengladbach–Leipzig, D 199/200 und D 1001/1002 Frankfurt–Leipzig, D 1099/1100 Frankfurt–Weimar über Ludwigsstadt/Probstzella: D 129/130 München–Saßnitz Hafen, D 151/152 München–Leipzig–Berlin, D 1029/1030 München/Augsburg–Leipzig (nur im Sommer), D 1051/1052 Stuttgart–Leipzig über Hof/Gutenfürst: D 137/138 München–Gera–Leipzig, D 145/146 München–Dresden

Die meisten dieser Züge hielten auch auf Bahnhöfen in der DDR, waren jedoch dort nur in Ausnahmefällen für den Binnenverkehr freigegeben (D 1035 ab Magdeburg, D 197 ab Eisenach, D 1001 und D 1099 ab Gotha, D 1029 ab Saalfeld, D 137 ab Gera, D 145 ab Plauen). Bei den jeweiligen Gegenzügen mussten DDR-Binnenverkehrsreisende den Zug spätestens an diesen Bahnhöfen verlassen.

Reiseverkehr zwischen beiden deutschen Staaten zwischen 1961 und 1989 mini|Hamburg Hbf, D 407 nach Berlin, DR 01 0503-1 im Mai 1973 mini|01 0525 mit Schnellzug von Hamburg nach Berlin durchfährt Müssen (Mai 1973) mini|01 0525 vor dem D 337 aus Hamburg, Abfahrt im Bahnhof Berlin Zoo zur Weiterfahrt nach Berlin Friedrichstraße, um 12:35 Uhr am 12. Oktober 1975 mini|Interzonenzug in Halle auf der Fahrt nach Berlin-Wannsee, 1984 mini|Speisewagen der MITROPA auf der Fahrt nach Berlin mini|VT 11.5-Einheit mit DR-Logo Nach dem Mauerbau wurden die Kontrollen an der DDR-Grenze intensiviert und die Grenzbahnhöfe verstärkt gesichert. Es kam zu einer deutlichen Angebotstrennung zwischen den Zügen nach Berlin und solchen in die DDR.

Die Interzonenzüge waren überwiegend Schnellzüge zu Endbahnhöfen in der DDR mit teilweise langen Laufwegen, zum Beispiel Köln–Rostock über Lübeck, Frankfurt am Main–Frankfurt (Oder) über Gerstungen – Leipzig oder München–Rostock über Gutenfürst – Leipzig und Potsdam. Ab dem ersten Halt im Hinterland nach dem DDR-Grenzkontrollbahnhof dienten die Züge auch dem DDR-Binnenverkehr. Daher verkehrten sie nicht über West-Berliner Gebiet. Interzonenzüge, die durch den Großraum Berlin fuhren, nutzten den Berliner Außenring und hielten im damaligen Potsdamer Hauptbahnhof (Potsdam Pirschheide), auf der Route Köln–Görlitz auch im ebenfalls außerhalb Berlins gelegenen Flughafenbahnhof Berlin-Schönefeld. Für Reisen zwischen der Bundesrepublik und Ost-Berlin nutzten die meisten Reisenden die Züge des Transitverkehrs, die den in Ost-Berlin gelegenen Bahnhof Friedrichstraße bedienten, wobei die Grenzkontrollen an der Kontrollstelle des Bahnhofs stattfanden. Je Tag und Strecke gab es bei den Interzonenzügen in der Regel nur ein bis zwei Zugpaare.

Die Kontrollen waren recht umfangreich. So blieb der Interzonenzug Köln–Rostock–Köln in Herrnburg beim Grenzübertritt 40 Minuten für eingehende Personen- und Gepäcküberprüfungen stehen. Im anschließenden Streckenabschnitt bis Bad Kleinen wurde weitere 40 Minuten im fahrenden Zug kontrolliert. Analog wurde an den anderen Grenzübergängen verfahren. Auch innerhalb der DDR wurden diese Züge – zumindest in Grenznähe – von Mitarbeitern der DDR-Transportpolizei begleitet. Auf bundesdeutscher Seite wurden die Passkontrollen ohne weitere Verzögerung der Fahrt im fahrenden Zug vorgenommen. Reisende, die ostwärts an bundesdeutschen Grenzbahnhöfen zustiegen, wurden dort am Bahnsteig kontrolliert.

In den letzten Jahren der Existenz der DDR wurde das Angebot schrittweise ausgeweitet. So verkehrten seit Mitte der 1980er Jahre einige Eilzüge am Wochenende als Kleiner Grenzverkehr für Tagesreisende aus der Bundesrepublik etwa zwischen Lübeck und Schwerin, Lichtenfels und Saalfeld oder Helmstedt und Eilsleben. Als Folge von Reiseerleichterungen für DDR-Bürger wurden 1988/89 zusätzliche Züge eingeführt.

Nach dem Mauerfall versuchten beide deutsche Staatsbahnen, durch viele neu eingelegte Züge die sprunghaft gestiegene Nachfrage zu bewältigen. Nach der Wiedervereinigung wurden die Züge in das normale Angebot der Bahnen integriert; einige aber auch ersatzlos wieder eingestellt (z. B. die Verbindung Köln–Görlitz und Köln–Paderborn–Ellrich–Halle). Nur für kurze Zeit, nämlich vom 27. Juli 1990 bis zum 29. September 1990, wurde von der Deutschen Reichsbahn im Wechselverkehr DB-DR eine VT-11.5-Einheit als Intercity 'Max Liebermann' zwischen Berlin und Hamburg eingesetzt.

Transitzüge ab 1961

mini|Transitzug aus Hamburg durchfährt die Grenzanlagen am Bahnhof Berlin-Staaken, 1986 mini|Innerdeutsche Grenze 1970 bei Oebisfelde – vom Transitzug aus gesehen Im Verkehr mit Berlin fuhren die Transitzüge nach dem Mauerbau ohne planmäßigen Verkehrshalt durch die DDR.Ausreichend verbunden? in: Lok Magazin 10/2021, S. 80 ff. Vor dem Transitabkommen betrug die Wartezeit an den Grenzbahnhöfen der DDR bis zu einer Stunde. Kontrolliert wurde bei Einreise in und Ausreise aus der DDR, wobei auch das Gepäck der Reisenden überprüft wurde. Durch das Transitabkommen, das am 3. Juni 1972 in Kraft trat, wurde geregelt, dass nur noch eine einmalige Passkontrolle während der Fahrt durch die DDR stattfinden sollte. An den Grenzbahnhöfen der DDR betrug die Standzeit nun lediglich 5 bis 20 Minuten (länger als 5 Minuten nur in Gerstungen und Probstzella aufgrund des Lokwechsels). Die Züge wurden auf DDR-Gebiet von Angehörigen einer Passkontrolleinheit des Ministeriums für Staatssicherheit und der Transportpolizei begleitet.Interzonenzug bei bundesarchiv.de, abgerufen am 31. Oktober 2023.