Watzenborn-Steinberg ist der nach Einwohnerzahl größte Ortsteil der Stadt Pohlheim im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografie Geografische Lage Watzenborn-Steinberg liegt am Obergermanischen Limes am Rande der Wetterau in Mittelhessen. Der Ortsteil liegt 6 km südöstlich Gießen.

Siedlungsplätze Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung waren oder sind: Dickmühle Neumühle Schiffenberger Mühle Ziegelei Wüstung Erlebach Wüstung Koden Wüstung Konradsrode Wüstung Pohlheim Wüstung Steinberg (Ober-)

Ortsgeschichte mini|Mädchen in Watzenborner Tracht, 1901

Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wazemburne bzw. Wazenburnen als eines von fünf durch Rodung entstehenden Dörfern im Jahre 1141. Allerdings war dies eine Fälschung des 13. Jahrhunderts.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3, Nr. 1331, 1333. Damals übertrug der Erzbischof von Trier dem Kloster Schiffenberg die Seelsorge des durch Rodung entstandenen Ortes Watzenborn. Hier wird die Siedlungsform von Watzenborn als Dorf bezeichnet.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordensballei Hessen 3. Nr. 1331, S. 304.

Kloster Thron und der von Bienheim verglichen sich 1278 wegen eines Lehnshofes und Weinbergs bei Watzenborn.Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau. Band 1 – 4. Band 1. Leipzig 1891 – 1897. Nr. 556.

In späteren Urkunden wurde Watzenborn u. a. 1353 erwähnt, als der Münzenberger Bürger Heinz Schurge dem Kloster Arnsburg einen Morgen Wiese zu Watzenborn verkauft: „… zu Watzenburnen obene an den frouwen von Schiffenburg …“Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg (= AUB) in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 808, S. 304.

Eine Mühle „… dy molen, dy gelegen ist under Watzenbuorne …“ wird 1376 genannt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordensballei Hessen 3. Nr. 1147, S. 138

Der Ortsname Watzenborn wird in der Namensforschung als „Siedlung an der Quelle des Wazo“ erklärt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 385.

Seit dem 19. Jahrhundert ist Steinberg mit Watzenborn zu einer Gemeinde verbunden.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 359. Im Hochmittelalter wurde zwischen Unter- und Obersteinberg unterschieden. In einem Transsumpt von 1307, welches auf das Jahr 128 datiert, heißt es: „… duos mansos terre arabilis apud inferius Steinberg sitos …“ (Zwei Mansen Ackerland in Unter-Steinberg gelegen).Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordensballei Hessen 3. Nr. 1373, S. 351. Aus dem Jahr 1307 stammt eine zweite Quelle: „… in villa Obirsteinberg …“.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordensballei Hessen 3. Nr. 1408, S. 381. Ober-Steinberg wird hier mit der Siedlungsform villa bezeichnet. Der Ortsname ist ein Flurname, der auf das Dorf übertragen wurde.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 359.

1161 wird eine Taufkapelle genannt. Steinberg wurde 1288 erstmals urkundlich genannt.

Neuzeit

Die erste Schule stammt aus dem Jahre 1680. 1765 kam das Pfarrhaus dazu.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Watzenborn und Steinberg:

Steinberg wurde bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Watzenborn zusammengeschlossen.

1955 wurde die Christuskirche errichtet, danach wurde die Alte Kirche wieder katholisch.

Vom 18. Jahrhundert bis 1942 bestand im Ort eine jüdische Gemeinde, die ab 1887 sogar einen eigenen Friedhof und ab 1892 eine eigene Synagoge hatte.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Die Gemeinde Pohlheim wurde zum 31. Dezember 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg gegründet. Für Watzenborn-Steinberg wurde, wie für die übrigen ehemaligen Gemeinden von Pohlheim, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Herkunft des Ortsnamens „Watzenborn“ Einer Ortslegende zufolge geht der Name „Watzenborn“ auf eine Dorfversammlung zurück, bei der ein Name für die neu geschaffene Ortschaft gefunden werden musste. Die Einwohner des noch namenlosen Dorfes hatten keine Ideen, also einigte man sich darauf, dass der nächste hervorgebrachte Vorschlag angenommen wird. Just in diesem Moment traf ein Bauer bei der Dorfversammlung ein, der im Ortsdialekt panisch darauf aufmerksam machte, dass sein Schwein („Watz“) in („en“) den Brunnen („Born“) gefallen sei und er Hilfe bräuchte. Dieser Ausruf wurde niedergeschrieben und so war der Name „Watzenborn“ geboren.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Watzenborn angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Gießen, Gericht SteinbachDie Zugehörigkeit des Amtes Gießen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Gießen, Gericht Steinbach 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Steinbach ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Landamt Gießen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Pohlheim ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Watzenborn-Steinberg das „Landamt Gießen“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. „Landgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Watzenborn-Steinberg zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt; ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, das seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, mit der Auflösung der Stadt Lahn wurde es wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Watzenborn-Steinberg 7206 Einwohner. Darunter waren 456 (6,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 1314 Einwohner unter 18 Jahren, 3162 zwischen 18 und 49, 1404 zwischen 50 und 64 und 1326 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 3144 Haushalten. Davon waren 1068 Singlehaushalte, 894 Paare ohne Kinder und 861 Paare mit Kindern, sowie 249 Alleinerziehende und 75 Wohngemeinschaften. In 612 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2256 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1502: 12 + 7 Männer • 1577: 61 Hausgesesse • 1630: 6 zweispännige, 22 einspännige Ackerleute, 18 Einläuftige, 8 Witwen, 8 Vormundschaften • 1669: 353 Seelen • 1742: 5 Geistliche/Beamte, 149 Untertanen, 51 Junge Mannschaften, 2 Beisassen/Juden • 1791: 622 Einwohner • 1800: 421 (Steinberg 235) Einwohner • 1806: 763 Einwohner, 138 Häuser • 1829: 942 Einwohner, 157 Häuser • 1867: 1247 Einwohner, 217 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 632 evangelische, ein katholischer, 9 jüdische Einwohner • 1861: 284 evangelisch-lutherische, 2 katholische Einwohner • 1961: 3289 evangelische, 739 katholische Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1747: Erwerbspersonen: 2 Schmiede, 2 Leineweber, 1 Drechsler, 1 Schuhflicker, 2 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 308 Land- und Forstwirtschaft, 1028 Prod. Gewerbe, 373 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 326 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Das Wappen und die Flagge wurden am 23. Dezember 1953 durch das Hessische Innenministerium genehmigt. Wappen

Flagge Flaggenbeschreibung: „Auf der weißen Mittelbahn des blau-weiß-blauen Flaggentuches das Wappen der Gemeinde Watzenborn-Steinberg.“

Vereine Watzenborn ist überregional als „singendes Dorf“ bekannt, weswegen es mehrere bekannte Gesangvereine gibt, darunter:

Gesangverein „Germania“ 1868 Watzenborn-Steinberg e. V. Gesangverein „Eintracht“ 1869 Watzenborn-Steinberg e. V. Gesangverein „Sängerkranz“ 1876 Watzenborn-Steinberg e. V. Gesangverein „Jugendfreund“ 1888 Watzenborn-Steinberg Gesangverein „Harmonie“ 1906/83 Watzenborn-Steinberg e. V.

In Watzenborn-Steinberg sind die Vereine FC Gießen (Fußball, hervorgegangen aus der Fusion des VfB Gießen und der SC Teutonia Watzenborn-Steinberg) und NSC Watzenborn-Steinberg (Tischtennis) beheimatet.

Wirtschaft und Infrastruktur Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus, eine Sporthalle und mehrere Kindergärten. Limesschule ist der Name der örtlichen Grundschule. Die Grundschule erhält derzeit einen Neubau, der noch im Bau ist (Stand: März 2023). Dazu gibt es noch die Adolf-Reichwein-Schule, eine Gesamtschule benannt nach dem Widerstandskämpfer mit über 800 Schülern.Schülerzahlen an ARS steigen auf über 800 an, Gießener Anzeiger vom 31. März 2010, abgerufen am 29. Juni 2010