260px|mini|Eingangsbereich zum Schrein von Muhammad al-Dschawad, al-Kazimiyya in Bagdad Muhammad ibn ʿAlī ibn Mūsā at-Taqī al-Dschawād (; * 12. April 811; † 27. November 835) war der neunte Imam nach dem Glauben der Zwölferschiiten (Imamiten) und somit ein direkter Nachfahre des Propheten Mohammed. Sein Geburtsname war Muhammad ibn Ali ibn Musa.

Muhammad at-Taqi wurde in Medina als Sohn des Imams Ali ar-Rida und einer nubischen Sklavin geboren. Trotz seines Alters von nur 9 Jahren übernahm er nach dem Tod des Vaters die Nachfolge seines Vaters als Imam. Er lebte lange Jahre in Bagdad unter der Protektion seines späteren Schwiegervaters, des Kalifen al-Ma'mun. Er geriet in Konflikt mit dessen Nachfolger al-Mutasim und wurde angeblich ermordet.

Er liegt zusammen mit seinem Großvater Imam Mūsā al-Kāzim in al-Kazimiyya, einem heutigen Vorort von Bagdad, begraben.

Seine Namen und Beinamen ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā gab seinem Sohn Muhammad al-Dschawād den Beinamen Abū Dschaʿfar", genau wie der Beiname seines Großvaters Imam Muhammad al-Bāqir. Zwischen den beiden wird oftmals differenziert, indem man Abū Dschaʿfar al-Awwal (arab. der Erste) für Muhammad al-Baqir und Abū Dschaʿfar ath-Thānī (arab. der Zweite) für Muhammad al-Dschawād nutzt.Vgl. The Life of Imam Muhammad al-Baqir by Sharif Baqir Qurashi, page 32, ISBN 964-438-653-1 500px|rahmenlos|rechts|al-Dschawad Seine Zunamen Bedeutung al-Dschawād (الجواد) Der Großzügige at-TaqīSiehe "The Life of Imam Muhammad al-Jawad" by Baqir Shareef al-Qurashi, S. 24 (التقي) Der Fromme; Der Gottesfürchtige al-Qāniʿ (القانع) Der Zufriedene al-MurtadāVgl. An-Nujoom az-Zahirah, vol. 2 p. 231; al-Fusul al-Muhimmah, p. 252. (المرتضى) Derjenige, mit dem man zufrieden ist ar-Radī (الرضي) Der Zufriedene al-Muchtār (المختار) Der Auserwählte al-Mutawakkil (المتوكل) Der sich (auf Gott) Verlassende az-ZakīVgl. Dala'il al-Imama, p.209 (الزكي) Der Reine Bāb al-Murād (باب المراد) Tor der Wünsche und Hoffnungen

Über seine Geburt Geboren im Medina im Jahre 195 n.H. (811 n. Chr.) als Sohn des Imam Ali ibn Musa al-Rida und seiner Mutter, die ehemalige Sklavin (Umm Walad), war Muhammad at-Taqi(arabisch. "Der Gottesfürchtige") bereits sehr früh eine angesehene Person in der islamischen Welt. Über seine Mutter sind mehrere Namen bekannt: 1. Al-Khayzuran (Chayzuran), die von Imam Ali al-Ridha so genannt wurde. Ihr eigentlicher Name soll Durrah sein.Vgl. Bahr ul-Ansab, Band 2, Seite 19 2.Sukaynah al-Nawbiyyah oder al-MurayssiyyahVgl. Al-Fusul al-Muhimmah, Seite 252; Tathiratul Khawas von Ibn al-Jawzi, Seite 321, wie es von Historikern berichtet wird. Es wird behauptet, dass ihre Blutlinie bis zu Maria al-Qibtiyya, der Frau des Propheten Mohammed, reicht.Vgl. The Life of Imam Muhammad al-Jawad by Baqir Shareef al-Qurashi, Seite 30, Publisher: Ansariyan Publications – Qum, ISBN 964-438-653-1 3. Ihr Name war Rayhanah.Vgl. Dala’il al-Imama by Muhammad bin Jarir al-Tabari, S. 209 4. Ihr Name war Sabikah.Vgl. Kitab al-Irshad von Sheikh al Mufid, Band 2, Seite 356, Englische Version Aufgrund der Unstimmigkeiten bezüglich ihres Namens lassen einige Historiker ihren Namen unerwähnt und bezeichnen sie schlichtweg als Umm ul-WaladVgl. Umdat al-Talib, p.188. (arab. „Mutter des Jungen“).

Ali ibn Musa al-Ridha bat seine Schwester Hakimah bint Imam Musa bin Ja’afar al-Kadhim darum, solange bei seiner schwangeren Frau zu bleiben, bis die Geburt des Muhammad al-Taqi eintrat. Hakimah ging jeder Bitte ihres Bruders nach. Als die Geburt bevorstand, bat Imam Ali al-Ridha seine Schwester darum gemeinsam mit einer Hebamme zu erscheinen. Er machte eine Leuchte im Haus an und erwartete erfreut das großartige Neugeborene. Es dauerte nicht lange, bis die ehemalige Sklavin „Umm ul-Walad“ eine bedeutende Persönlichkeit mit großem Intellekt und besonderen Charaktereigenschaften zur Welt brachte.Siehe The Life of Imam Muhammad al-Jawad by Baqir Shareef al-Qurashi, Seite 30, Publisher: Ansariyan Publications – Qum, ISBN 964-438-653-1

Große Freude und Glück überkamen den Vater bei der Geburt seines neugeborenen Sohnes. So wird berichtet, dass er sagte: „Das Gleichnis von Moses, Sohn des Imran, der Spalter des Meeres, und das Gleichnis von Jesus, Sohn der Mariah, gesegnet sei die Mutter, die ihn zur Welt brachte…wurde ebenso mir geboren.“ Zu seinen Gefährten sagte er: „Allah bereicherte mich mit einem, der mich beerben wird und die Kinder Davuds beerben wird …“.Vgl. „Bihar ul-Anwar“ by Muhammad al-Majlissi, Band 12, Seite 103 Mit dieser und mit vielen weiteren Aussagen machte Ali al-Ridha der Gesellschaft klar, dass Muhammad al-Taqi der ihm nachfolgende Imam wird.

Seine Kindheit und sein Leben Muhammad al-Taqi lebte unter den Flügeln seines Vaters für eine nur kurze Zeitspanne von sieben Jahren. In diesem jungen Alter zeigte er jedoch bereits Anzeichen hoher Intelligenz und besonderer Talente und verwunderte damit die Gemüter der Menschen, die ihn umgaben und erlebten. Genau wie sein Vater verinnerlichte er besondere Tugend und eine hohe Moral sowie seine vielfältigen Werte als Fackel der Führung und das Erwecken der islamischen Gesellschaft.Vgl. The Life of Imam Muhammad al-Jawad by Baqir Shareef al-Qurashi, Seite 30, Publisher: Ansariyan Publications – Qum, ISBN 964-438-653-1 Muhammad al-Dschawad beteiligte sich an den Freuden seiner Mitmenschen und ihrem Leid, tröstete sie in ihren Notlagen und Desastern und half den Schwachen und den Armen. Durch diese Nächstenliebe und durch seine Wohltaten gewann Muhammad al-Dschawad die Herzen und die Zuneigung der Menschen.

Von seinem Vater lernte der junge Muhammad die Religion des Islam, erbte sein gesamtes Wissen und war schon in sehr jungem Alter für die Angelegenheiten und Aufgaben seines Vaters zuständig, besonders jene in Medina.Vgl. Dhiya’ al-Aalameen, vol. 2 a manuscript in al-Husayniyya al-Shushtariyya Library.

Historiker berichten, dass Muhammad al-Dschawad den Dienern Befehle und Verbote erteilte und kein einziger sich ihnen jemals widersetzte oder ihn kritisierte. Sein Vater war mit allem zufrieden, was der kleine Muhammad al-Dschawad tat.Vgl. The Life of Imam Muhammad al-Jawad by Baqir Shareef al-Qurashi, Seite 52, Publisher: Ansariyan Publications – Qum, ISBN 964-438-653-1

Aus Chorasan (ehem. Provinz im Iran) sandte sein Vater einen Brief an seinen Sohn mit folgendem Inhalt: „ Oh Abu Ja’far (Beiname von Muhammad al-Jawad)! Ich wurde darüber informiert, dass wenn du mit deinem Gaul reiten gehen möchtest, die (befreiten) Sklaven dich aus dem kleinen Tor des Gartens das Haus verlassen lassen. Dies tun sie aufgrund ihrer Knauserigkeit, da sie befürchten, dass jemand eine Wohltat (Almosen) von dir erhält! Bei meinem Recht bitte ich dich also darum, dass du das Haus weder betreten noch verlassen sollst, außer durch den Haupteingang. Wann auch immer du rausgehen möchtest, trag etwas Gold und Silber mit dir. Niemand sollte dich um etwas bitten, ohne dass du es ihm geben könntest. Wenn einige deiner Onkel dich darum bitten ihnen freigiebig zu sein, gib ihnen nicht weniger als fünfzig Dinare, und du kannst ihnen sogar mehr geben, wenn du dies möchtest. Wenn einige deiner Tanten dich (um Geld) bitten, gib ihnen nicht weniger als fünfzig Dinare, und du kannst ihnen auch mehr geben, wenn du möchtest. Ich möchte, dass Allah dich (im Rang) erhöht, darum gib (Almosen) und fürchte nicht die Knauserigkeit des Herren des Thrones…“Vgl. "Uyun Akhbar Al-Ridha" by Sheikh Sadooq, vol. 2, p.8, ISBN 964-438-791-0 (2 VOL.SET)

Freigiebigkeit und Wohltätigkeit gegenüber den Schwachen und Armen gehörte zur Natur von Ali al-Ridha und Muhammad al-Dschawad. Diese Eigenschaft war ein impulsives Element in den Sitten der Imame der Ahlulbayt.Vgl. The Life of Imam Muhammad al-Jawad by Baqir Shareef al-Qurashi, Seite 52, Publisher: Ansariyan Publications – Qum, ISBN 964-438-653-1

Die Ernennung zum Imam Kurz vor seinem Ableben ernannte Ali ibn Musa al-Ridha seinen Sohn zum Imam und damit zum Führer der Muslime nach ihm. Er deklarierte das Imamat seines Sohnes und machte ihn zu seinem Nachfolger (arab. Khalifah) und Testamentsvollstrecker. Viele Überlieferer haben die Ernennung von al-Dschawad zum Imam nach seinem Vater berichtet. Eine dieser unzähligen Berichte stammt von Muhammad al-Mahmuri, der über seinen Vater folgendes berichtet: „Einst stand ich bei Imam al-Ridha, möge der Frieden Allahs auf ihm sein, in Tūs (in Chorasan), als einer seiner Gefährten ihn fragte: ‚Wenn dir etwas zustößt, an wen sollen wir uns dann (in unseren Angelegenheiten) wenden?‘ Er fragte den Imam, wem sie Gefolgschaft leisten und ihn unterstützen sollen. Imam al-Ridha sagte: ‚Meinen Sohn Abu Ja’far (Muhammad al-Taqi).‘ Da Imam al-Dschawad noch ein Kind war, fragte der Mann: ‚Ich glaube er ist momentan noch zu jung dafür.‘ Imam al-Ridha antwortete: ‚Allah sandte Jesus, den Sohn der Maria, (als Propheten) obwohl er sogar noch jünger war als Abu Ja’far es sein wird, wenn er zum Imam nach mir wird.‘“Vgl. Ad-Durr an-Nadheem, p.218, a manuscript in Ameerul Mo’mineen Library.

Martyrium von Ali ibn Musa al-Ridha Als die schmerzhafte Nachricht über das Martyrium von Imam Ali ibn Musa al-Ridha die Leute von Yathrib (Medina) erreichte, beeilten sie sich, um al-Dschawad den Trost auszusprechen. Dieser ist nun laut schiitischem Glauben, mit seinen sieben Jahren, zum Imam und damit zum Führer der Muslime in allen Angelegenheiten des Lebens geworden. Die Menschen teilten mit ihm das Leid und die Schmerzen über den Tod seines Vaters. Viele Delegationen aus anderen Ländern kamen, um ihm ebenfalls den Trost auszusprechen.Vgl. The Life of Imam Muhammad al-Jawad by Baqir Shareef al-Qurashi,Publisher: Ansariyan Publications – Qum, ISBN 964-438-653-1

Imam al-Dschawad in der Zeit von al-Ma’mun Imam al-Dschawad lebte die meiste seiner Lebenszeit unter der Herrschaft des Kalifen al-Ma’mun und er lebte nicht sehr lange nach ihm. Historiker berichten, dass Al-Ma’mun eine große und aufrichtige Liebe zu Muhammad al-Dschawad hatte. Daher verheiratete dieser ihn mit seiner Tochter, beschenkte ihn reichlich, sorgte sich sehr um ihn und verteidigte ihn. Andererseits wird angenommen, dass diese Liebe und diese Ehrung nicht aufgrund der Aufrichtigkeit gegenüber al-Dschawad war, sondern aufgrund von politischen Gründen.

Erstes Treffen zwischen al-Ma’mun und al-Dschawad Das erste Treffen zwischen al-Ma’mun und Abu Dscha’far al-Dschawad war in Bagdad, als eines Tages al-Ma’mun rausging, um das Jagen zu trainieren. Auf seinem Weg lief er an einigen Kindern vorbei, unter denen sich auch Muhammad al-Dschawad befand. Als die Kinder al-Ma’mun mit seinem Umzug sahen, rannten sie aus Angst vor ihm weg. Nur Imam al-Dschawad blieb. Als al-Ma’mun ihn sah, blieb er stehen und fragte ihn, weshalb er denn nicht auch davonrannte. Imam al-Dschawad antwortete weise: „ Der Weg ist nicht schmal, sodass ich ihn für dich frei machen müsste und ich habe keine Schuld, sodass ich dich fürchten müsste. Ich denke, dass du keinem schaden würdest, der keine Schuld hat.“

Al-Ma’mun war von dieser Antwort begeistert und fragte ihn: „Wie ist dein Name?“ Al-Dschawad antwortete: „Muhammad.“ Al-Ma’mun fragte: „Sohn von wem?“ „Sohn von Ali al-Ridha,“ entgegnete Imam al-Dschawad.

Al-Ma’mun fand diese außerordentliche Intelligenz nicht seltsam, da Muhammad (al-Dschawad) aus dem Hause des Propheten stammt, der Quelle der Botschaft (des Islam) und dem Zentrum des Wissens und des Sinns auf der Erde. Al-Ma’mun bat Allah darum, Imam al-Ridha gnädig zu sein, und führte seine Reise Richtung Wüste fort. Als er am Ort der Jagd ankam, ließ er einen Falken frei, den er bei sich hatte. Der Falke verschwand und nach einer geraumen Zeit, kam der Falke mit einem lebendigen Fisch in seinem Schnabel zurück. Al-Ma’mun war erstaunt und ging zurück zu seinem Palast. Er traf Muhammad al-Dschawad wieder und fragte ihn: „Oh Muhammad, was ist dies in meiner Hand?“