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Salzenforst, , ist ein Dorf im ostsächsischen Landkreis Bautzen und gehört seit 1999 zur Großen Kreisstadt Bautzen. Seit 2007 zählt es offiziell als Stadtteil und bildet mit den Stadtteilen Bloaschütz, Bolbritz, Döberkitz, Löschau, Oberuhna, Niederuhna, Schmochtitz und Temritz die Ortschaft Salzenforst/Bolbritz. Salzenforst liegt in der Oberlausitz und befindet sich im Siedlungsgebiet der Sorben.
Der sorbische und deutsche Ortsname sind gleichbedeutend. Woher der Name stammt, ist unklar, es ist aber möglich, dass der Zusatz Salz-/Salzen- gewählt wurde, um den Ort an der Salzstraße von anderen namens Forst oder Förstchen zu unterscheiden. Alleine im Umkreis von zehn Kilometern gibt es vier Orte, die diesen Namen tragen.
Geografie mini|Salzenforst Ende des 18. Jahrhunderts. Deutlich erkennbar ist der Dorfanger (Norden ist rechts).
Der Ort befindet sich etwa vier Kilometer nordwestlich des Bautzener Stadtzentrums am Nordwesthang des Chorberges (266 m), der die höchste Erhebung Bautzens und der näheren Umgebung darstellt. Hier wurde 1865 eine Vermessungssäule der Königlich-Sächsischen Triangulation errichtet. Der Ort selbst liegt zwischen 239 und 266 m Höhe und ist damit der höchstgelegene Ortsteil Bautzens.
Salzenforst ist im Kern ein Straßenangerdorf, wobei sich der Anger mit dem Dorfteich an der Handrij-Zejler-Straße befindet. Siedlungserweiterungen gibt es in alle Richtungen, die jüngsten im südöstlichen Teil.
Die Nachbarorte sind Kleinseidau und Kleinwelka im Nordosten, Temritz im Osten, Dreistern im Süden sowie Oberuhna und Bolbritz im Westen.
Geschichte Östlich des Chorberges wurden Urnen, Geräte, Waffen und Siedlungsreste gefunden, die auf eine systematische Besiedelung vor bereits etwa 4000 Jahren schließen lassen.
Der Ort selbst wurde erstmals 1359 als Salczforst erwähnt. Die Grundherrschaft lag über lange Zeit nicht bei einem Rittergut, über das Salzenforst selbst auch nicht verfügt, sondern beim Bautzener Domstift. Die überregional bedeutsame Hohe Straße verlief seit dem Mittelalter aus der Bautzener Seidau kommend durch Salzenforst weiter in Richtung Dreikretscham und Kamenz und wurde hier auch als Salzstraße bezeichnet. Mit dem Ausbau der Landstraßen im 18. Jahrhundert wurde sie über Rattwitz und Bloaschütz gelegt.
Am 19. Mai 1813, einen Tag vor der Schlacht bei Bautzen, nutzte Napoleon die weite Aussicht des Salzenforster Chorberges zur Erstellung seines Schlachtplans.J. Aug. Ernst Köhler: Bilder aus der Oberlausitz, als ein Beitrag zur Vaterlandskunde, Reichel 1855, S. 78
Bis 1969 war Salzenforst eine eigenständige Landgemeinde mit den Ortsteilen Schmochtitz mit Oberuhna und Löschau (seit 1948) sowie Temritz (seit 1950). 1969 schlossen sich Salzenforst und Bolbritz zur Gemeinde Salzenforst-Bolbritz zusammen, die 1994 zunächst nach Kleinwelka und gemeinsam mit diesem 1999 nach Bautzen umgegliedert wurde.
Bevölkerung 1834 hatte Salzenforst 161 Einwohner, darunter eine relativ große Zahl von 71 Katholiken (44 %). In den folgenden Jahrzehnten stieg die Bevölkerungszahl langsam über 198 (1871) und 210 (1890) bis auf 234 (1939) an, wobei der Anteil der Katholiken unter 10 % fiel. Arnošt Muka zählte in den 1880er Jahren 213 Bewohner, davon 180 Sorben (85 %) und 33 Deutsche. Der Anteil der Sorbisch-Sprecher im Ort ist seitdem jedoch zurückgegangen. Ernst Tschernik zählte 1956 in der Gemeinde Salzenforst (mit Schmochtitz, Oberuhna, Löschau und Temritz) einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von noch 43,6 %.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl der Gemeinde Salzenforst durch den massenhaften Zuzug von Aussiedlern aus den Ostgebieten sprunghaft auf über 1300 an, um bis 1964 wieder auf 653 zu fallen. Durch den Bau von Eigenheimen am Chorberg ist die Einwohnerzahl Salzenforsts heute stabil.
Die Salzenforster sind evangelisch-lutherisch in die Bautzener Kirchgemeinde St. Michael, katholisch in die Gemeinde St. Petri gepfarrt.
Wirtschaft und Infrastruktur Salzenforst ist durch Kreisstraßen mit seinen Nachbarorten und mit Bautzen verbunden. Die zur nordwestlichen Ortsumgehung Bautzens ausgebaute S 106 ermöglicht einen schnellen Anschluss an die B 96 in Richtung Hoyerswerda und die Staatsstraße 111 in Richtung Bischofswerda. Die Anschlussstelle Salzenforst der A 4 befindet sich nur einen Kilometer vom Ort entfernt. Salzenforst verfügt über eine Tankstelle.
Das Industrie- und Gewerbegebiet Bautzen-Salzenforst mit zahlreichen Betrieben ist auf der anderen Seite der Autobahn nahe dem Ort Bloaschütz gelegen. Östlich von Salzenforst werden auf der hier vorhandenen Sand- und Kiesmoräne zwei Kiesgruben betrieben.
Mit der Freiwilligen Feuerwehr Salzenforst gibt es im Ort eine Abteilung der Feuerwehr Bautzen.
Persönlichkeiten mini|Denkmal für Zejler in der Dorfmitte Jakub Delenka (1695–1763), Bildhauer, geboren in Salzenforst Handrij Zejler (1804–1872), sorbischer Lyriker und Begründer der modernen sorbischen Dichtung, geboren in Salzenforst
Denkmäler In Salzenforst / Słona Boršć befinden sich mehrere Denkmäler und Gedenkstätten. 1865 wurde auf dem Chorberg eine Triangulationssäule, die Station 49 der Königlich-Sächsischen Triangulierung, aufgestellt. Eine Tafel mit der Aufschrift „Triangulation im Königreich Sachsen 1862-1890“ neben dieser Säule erklärt die Bedeutung der Triangulation und informiert in diesem Zusammenhang über Leben und Wirken von Christian August Nagel.
alternativtext=Denkmal für den 1. Weltkrieg. Foto August 2026.|mini|Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges Für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Männer aus Salzenforst/Słona Boršć wurde ein Denkmal aufgestellt. Die Inschrift lautet: „Zu Ehren unserer gefallenen Helden, die dankbare Gemeinde Salzenforst, 17.10.1920“; an den Seiten befinden sich sorbische Inschriften. Auf dem Stein sind die Namen der Gefallenen vermerkt. Das Denkmal ist mit vier Granaten an den Ecken des Denkmalsockels geschmückt.
alternativtext=In dieser Kiesgrube befindet sich die Gedenkstätte für die Opfer des Todesmarsches. Foto August 2026.|mini|Denkmal für die Opfer des Todesmarsches Als sich die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland dem Ende näherte, wurden die Häftlinge vieler Konzentrationslager evakuiert. In Grünberg/Schlesien wurden ca. 1.000 Frauen aus den Nebenlagern von Groß-Rosen gesammelt. Es waren Jüdinnen aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Deutschland. Seit dem 20. Januar 1945 waren sie aus Schlesiersee unterwegs. Am 28. Januar 1945 erreichten sie Grünberg; am folgenden Tag wurden sie mit den dortigen Gefangenen stark unterernährt, geschwächt, ohne warme Kleidung und ohne ordentliches Schuhwerk zu Fuß auf die winterlichen Straßen geschickt. Im Februar 1945 kam es bei Salzenforst / Słona Boršć zu einem Massaker an Gefangenen des Todesmarsches. Nachdem bei der Verteilung von Brot mehrere Laibe fehlten und sich niemand zu einem Diebstahl bekannte, ließ Marschkommandant Karl Hermann Jäschke Gefangene aus der Kolonne aussondern. In der Kiesgrube bei Salzenforst/Słona Boršć wurden 43 Frauen erschossen und verscharrt. Der Bürgermeister Karl Domschke meldete 1946 den Vorfall der Kreisleitung. Im selben Jahr 1946 ließ die Gemeinde das Grab einfrieden; dahinter befand sich ein großes Holzkreuz. Am 11. September 1949 weihte der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Martin Riesenburger unter Beteiligung von Tausenden Menschen die Gedenkstätte ein. Diese Einweihung wurde unter anderem von der DEFA für die Wochenschau dokumentiert. In der DDR fanden an der Gedenkstätte regelmäßig Gedenkveranstaltungen statt. In der Mitte des Gedenksteins befindet sich ein Davidstern aus zwei ineinandergreifenden Dreiecken. Er enthält einen roten Winkel, der in den Konzentrationslagern politische Häftlinge kennzeichnete und nach 1945 von der VVN als Symbol verwendet wurde.
Nach einer längeren Diskussion über den Standort wurde 2026 gegenüber dem Friedhof eine Gedenktafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs aufgestellt.
Der bekannteste Sohn des Ortes ist Handrij Zejler. An seinem Geburtshaus wurde am 19. September 1954 eine Gedenktafel enthüllt. In der Ortsmitte auf dem Dorfanger wurde am 26. April 1980 anlässlich des V. Festivals der sorbischen Kultur ein Denkmal für ihn eingeweiht. Gestaltet wurde es von den Künstlern Eva-Ursula Lange (1928–2020) und Steffen Lange (1931–2006). Es ist eine graue Stele aus Feinbeton. An der Vorderseite dieser befindet sich eine rötliche Rosette aus Porphyr, die das von sechs Blütenblättern umrahmte Gesicht Zejlers zeigt. Vor der Stele stehen mit Abstand voneinander zwei Hälften eines Lindenblattes, des sorbischen nationalen Symbols.
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Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Bautzen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Bautzen) Kategorie:Ort in der Oberlausitz Kategorie:Gemeindeauflösung 1969