Die Motopädie ist eine Methode zur Behandlung psycho-, senso- und soziomotorischer Leistungs-, Wahrnehmungs- und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Zentraler Ansatz ist die Bewegung, wobei Wechselwirkungen zwischen dem Körper in Bewegung und der Psyche des Menschen, wie sie im Begriff Psychomotorik zum Ausdruck kommen, genutzt werden sollen. Motopäden arbeiten stärkenorientiert. Der deutsche Berufsverband für Motopädie (DBM) beschreibt das Berufsfeld umfassend. Die Motopädie wurde Mitte der 1950er-Jahre vom Sportpädagogen Ernst J. Kiphard zusammen mit den Kinder- und Jugendpsychiatern Elisabeth Hecker und Helmut Hünnekens entwickelt. Motopädie umfasst Motopädagogik und Mototherapie. Je nach Arbeitsschwerpunkt ist die motopädische Arbeit mehr pädagogisch-präventiv oder therapeutisch-rehabilitierend ausgerichtet. Arnd Krüger: Geschichte der Bewegungstherapie. In: Präventivmedizin. Springer Loseblatt Sammlung, Heidelberg 1999, 07.06, S. 1–22.
Nach Ansicht des Gemeinsamen Bundesausschusses handelt es sich um ein komplementäres Verfahren ohne Wirksamkeitsnachweis, das nach den Heilmittelrichtlinien nicht verordnungsfähig ist.
Das zugehörige Forschungs- und Lehrgebiet wird Motologie genannt. 1983 wurde an der Philipps-Universität Marburg ein motologischer Lehrstuhl eingerichtet,Masterstudiengang Motologie am Fachbereich Erziehungswissenschaften in Marburg zu dessen Schwerpunkten u. a. die Körperpsychotherapie und die psychomotorischen Entwicklungsförderung (Frühförderung) gehören.
Merkmale der motopädischen Arbeitsweise Körper, Geist und Seele als funktionale Einheit die Beziehung zum Menschen als Grundlage Ressourcenorientiertheit Achtung und Einbeziehung der Emotionalität Handlungs-, Erlebnis- und Konfliktorientiertheit Selbstwirksamkeit Formung eines positiven Selbstkonzeptes Aktivierung von Selbstheilungskräften Nutzung gruppendynamischer Prozesse Berücksichtigung systemischer Faktoren
Ausbildung zum Motopäden 1976 wurde der Aktionskreis Psychomotorik e. V. (AKP) gegründet und Lehrpläne für eine einjährige Fachschulausbildung erarbeitet. 1977 wurde die Fachschule für Gymnastik-Bewegungstherapie in Dortmund (heute mit Sitz in Unna am Märkischen Berufskolleg) staatlich genehmigt und begann, staatlich geprüfte Motopäden auszubilden.https://mbk-unna.de/bildungsangebot/erziehung-und-soziales/fachschule-des-sozialwesens-motopaedin/ Seit 1996 ist die Ausbildung am Ernst-Kiphard-Berufskolleg auch in Teilzeitform berufsbegleitend über zwei Jahre möglich. Auch am LWL Berufskolleg - Fachschulen Hamm wird Weiterbildung angeboten.https://www.lwl-berufskolleg.de/de/unsere-bildungsgaenge/fachschule-fuer-motopadie/ An der Fachschule für Heilpädagogik am Diakoniekolleg Hannover (Stephansstift) wird eine MotopädagogInnenausbildung in Kombination mit der Ausbildung zum staatlich anerkannten Heilpädagogen angeboten.https://www.diacampus.de/bildungsangebote/detail/teilzeit-heilpaedagogin-mit-dem-schwerpunkt-motopaedie-berufsbegleitend/
Weiterbildung an Hochschulen Die Hochschule Emden/Leer bietet den Bachelor-Studiengang Interdisziplinäre Physiotherapie-Motologie-Ergotherapie an. Quereinsteiger können nach erfolgreicher Zugangsprüfung teilnehmen.
Quellen und Einzelnachweise
Literatur Gudrun Kesper, Cornelia Hottinger: Mototherapie bei sensorischen Integrationsstörungen. 10. Auflage. 2024. Ernst Reinhardt Verlag, München. ISBN 978-3-497-03252-5. Ernst J. Kiphard: Motopädagogik. 10. Auflage. 2009. Verlag Modernes Lernen, Dortmund. ISBN 978-3-8080-0486-9.
Weblinks Weiterbildungsberuf Motopäde/Motopädin bei Bundesagentur für Arbeit Motopädie-Verband Aktionskreis Psychomotorik AKP
Kategorie:Physikalische und Rehabilitative Medizin Kategorie:Therapeutisches Verfahren in der Alternativmedizin