mini|hochkant=1.20|Oelsa im Dezember 2010 vom Lerchenberg

Oelsa [] ist ein Ortsteil der Stadt Rabenau im sächsischen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Geografie Oelsa ist ein fünf Kilometer lang gestrecktes Dorf entlang des Oelsabachs, dessen breites Muldental im Ortsbereich zwischen den Höhenzügen des Lerchenbergs, des Steinhübels und des Götzenbüschchens mit dem Oelsaberg von Südost nach Nordwest verläuft. Die Siedlungsform entspricht einem Reihendorf, welches auf ein Waldhufendorf slawischen Ursprungs zurückgeht. Der Ort liegt auf ca. 300 m Meereshöhe am Nordrand der Dippoldiswalder Heide im Osterzgebirge. Im Ortsteil Oelsa leben ca. 1300 Einwohner (2004).

Nachbarorte

Geologie Auf den Fluren von Oelsa ist der Gneis vorwiegend, aber auch weißer Quarzit, gelber und roter Sandstein und kreidezeitlicher Quadersandstein vorhanden. Als einzeln stehende Sandsteinfelsen befindet sich das Götzenbüschchen (357,5 m. ü. NN) auf der gleichnamigen Anhöhe, sowie der bereits 1785 benannte Weiße Stein (365 m. ü. NN) in einem Garten am alten Sportplatz in Neuoelsa.

Geschichte mini|links|Das Oberdorf von Oelsa (Großoelsa) mini|links|Das Niederdorf von Oelsa (Kleinoelsa)

Namen und Verwaltungsgeschichte Die erste urkundliche Erwähnung unter der Bezeichnung Olßen geht auf das Jahr 1443 zurück. Der altsorbische Bachname „Olšova“ (dt.: Erlenbach) gaben dem Ort seinen Namen, die Erlen, sind heute noch am Bachlauf zu finden.

Im Jahre 1501 werden die Zins und Dienste der Einwohner zur Burg Rabenau genannt, 1550 wird eine Brettmühle mit einem Mahlgang am Oelsabach erstmals erwähnt, welche in Oelsa zum Vorwerk gehörte.

Seit 1565 besaß der Ort einen Ortsrichter, ein Gerichtsbuch 1569.

Im Jahr 1624 wurde das Waldhufendorf mit seinen 28 Bauern in Großölsa zu  Hufen und Kleinölßa zu  Hufen geteilt. Erst am 1. April 1926 erfolgte der Zusammenschluss zur Dorfgemeinde Oelsa.

Großölsa war nach Seifersdorf gepfarrt, Kleinölsa nach Rabenau. Der Klein-Ölsaer Kirchweg war der heutige Rabenauer Weg.

Die am Rande von Neuoelsa stehende Martersäule, an der ein Wandersmann auf der einst vorbeiführenden Salzstraße (später Kleine Straße nach Frauenstein; zuletzt Groß-Ölsaer Kirchweg) verstarb, wurde im 15. Jahrhundert aufgestellt. Das neben dieser Säule liegende Gehöft wurde 1832 fertiggestellt und ist der Gründungshof von Neuoelsa. Das ältere der beiden Einzelstehenden Häuser am Fahrradweg bei Neuoelsa wurde 1845 fertiggestellt und war einst das Gasthaus zum Götzenbusch, das Gegenüber stehende wurde 1853 erbaut.

mini|Schule und Kirche

mini|Kirche von Oelsa

Die Landgemeinden Kleinölsa und Großölsa der Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde wurden am 1. April 1926 zur neuen Gemeinde Oelsa vereinigt. 1952 wurden die Gemeinden Oelsa und Karsdorf dem neu gebildeten Kreis Freital zugeschlagen.

1965 erhielt der postalische Ort Oelsa bei Freital von der Deutschen Post der DDR die Postleitzahl 8218.

Von 1971 bis 1994 gehörte der östlich benachbarte Ort Karsdorf zur Gemeinde Oelsa. Im Zuge der ersten Gemeindegebietsreform in Sachsen wurden beide Orte 1994 Ortsteile der Stadtgemeinde Rabenau. Diesem freiwilligen Zusammenschluss war die Kooperation im Abwasserzweckverband Oelsabachtal seit 1991 vorausgegangen. Für lokale Belange existiert nach der sächsischen Gemeindeordnung ein Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher.

Als öffentliches Veranstaltungshaus wurde 1996 das „Haus des Gastes“ eingeweiht, dieses beherbergt seitdem auch das Fremdenverkehrsamt der Stadt Rabenau.

Ereignisse Im Dreißigjährigen Krieg 1639 steckten schwedische Truppen Teile des Ortes in Brand.

1813 quartierten sich im Napoleonischen Krieg die französischen Truppen auf den Weg nach Dresden im Freigut Oelsa (Vorwerk) ein, hausten sehr wild, wobei auch der Rest des Ortes wohl nicht verschont geblieben ist.

1822 wird die Hufschmiede mit einem Haus unweit des Freigut des Pächters Johann Christoph Wolf genannt.

Im Jahre 1900 erfolgte die Bau einer Stromleitung nach Oelsa vom Wasserkraftwerk Seifersdorf her.

Für die Opfer des Ersten Weltkriegs wurde 1920 das Kriegerdenkmal in der Ortsmitte an der Kirche Oelsa geweiht.

Im Jahre 1907 wurde am Beginn des alten Mühlgrabens ein Freibad in der Ortsmitte von Großoelsa, neben dem alten Spritzenhaus, angelegt, heute stehen hier zwei Wohnhäuser. Von 1920 bis 1990 existierte im Oelsabachtal das Freibad Rabenau.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs kam es in Oelsa 1945 zu Kampfhandlungen und einem Bombenabwurf auf die Fabrik der Firma Anton Künstner. Getroffen wurde auch das nahegelegene Waldgebiet Dippoldiswalder Heide.

Hochwasser Hochwasser des Oelsabachs führten mehrfach zu Schäden in tiefer liegenden Bereichen des Ortsgebiets, unter anderem 1958, 2002 und 2013, mehrere Flächen in der gesamten Ortslage wurden im Jahre 2017 unter Flächenbiotopschutz gestellt, zur Erhaltung der alten Strukturen des Einzugsgebietes von dem Oelsabach mit seinen Nebenbächen.

Siedlungsentwicklung und Straßenbau 1822 entstand durch Abtrennung von dem 3/4-Hufengut am Rabenauer Weg ein erstes Haus an der Mittelgasse.

Der Ausbau der Verkehrswege erfolgte 1890 mit dem Ausbau von der bereits 1565 genannten Dippoldiswalder Straße (am Freigut und Götzenbüschchen). 1893 erfolgte der Bau der Staatsstraße nach Rabenau, letztere wurde 1929 im Oelsabachtal von Grund auf neu ausgebaut und verbreitert.

Im Jahre 1930 begann die Erschließung und der Bau von Wohnhäusern an der Wilmsdorfer und Kirchstraße. Bereits 1924 entstanden mehrere neue Häuser entlang der Possendorfer Straße, dem Waldweg und der Spechtritzer Straße. Am 11. Dezember 1935 wird berichtet: an der Hauptstraße gibt es nur noch zwei Baustellen.

1927 erfolgte der Bau der Kirchstraße, wo 1930 fünf Parzellen neue Eigentümer fanden. Das neue Postgebäude entstand 1929 auf dem bis dahin bestandenen Holzlagerplatz der Firma Paul Menzer; heute befindet sich in diesem Gebäude die Zahnarztpraxis Eisold. Der Klausenweg erhielt 1929 seinen Namen, da in diesem Jahr ein erstes Wohnhaus an diesem entstand.

Landwirtschaft 1927 wird an der Ostseite des Ortes eine Baumschulfläche für Obstbäume der Seifener Baumschule Schurig genannt. 1958 wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Typ III „Glückauf“ gegründet, dieser schlossen sich 1959 die LPG Neues Leben, 1966 die Karsdorfer Genossenschaftsbauern und 1969 die Oelsaer Genossenschaften „Erlental“ und „Immergrün“ an, bereits 1981 gehörten diese zur LPG „Freundschaft“ Lübau-OelsaHeft, Neuer Weg, 1981, Seite 674.

Stuhlbau Der Ort war zunächst geprägt vom Strohflechthandwerk, so werden im Jahre 1837, vier Flechter in Kleinölsa und 36 in Großölsa gezählt.

Weniger gute Bodenwerte führten zum Ende des 19. Jahrhunderts neben der Landwirtschaft zur Entwicklung von Handel und Handwerk und zu einer starken Holzindustrie. Aus einigen kleinen Bauerngütern wurden Betriebe und Werkstätten der Stuhlindustrie und Holzverarbeitung.

1773 werden in Kleinoelsa der Viertelhüfner und Stuhlmacher Christoph Müller, 1796 der Sechstelhüfner und Stuhlbauer Johann Gottfried Wunderwald genannt, bereits 1913 waren im Ort sechs Stuhlfabriken vorhanden, neben den ortsansässigen Bauern die ihre Stühle im Nebenerwerb herstellten.

Die größte Fabrik war die der 1879 in Großölsa gegründeten Firma Ernst Wolf, parallel der Mittelgasse in Kleinölsa gelegen. 1895 folgte der Bau eines ersten Fabrikgebäudes hier und im Jahre 1900/1907 erste An & Umbauten, mit der teilweisen Verrohrung der Oelsabach auf dem Fabrikgelände. Nach dem Tod von Ernst Hermann Wolf am 28. Dezember 1909 kam es 1914–1915 zur Werkserweiterung unter dessen Witwe Lina Agnes Wolf und Oskar Hermann Wolf, die zu gleichen Anteilen Eigentümer waren, diese ließen auch am Rabenauer Weg eine Fabrikantenvilla im Jahre 1910 erbauen. 1915 wurde die Firma Ernst Wolf & Cie offene Handelsgesellschaft eingetragen. Die Firma Wolf wurde wiederum 1951 zum Oelsaer Tisch- und Sitzmöbelfabrik Werk Nord, Im Jahr 1953 wurde dieses mit der verstaatlichten Fabrik in Rabenau (ehem. Sächs. Holzindustrie GmbH) zusammengelegt, aus der 1979 das Polstermöbelkombinat Oelsa-Rabenau entstand, in welcher Zeit der Oelsabach im ganzen Fabrikgelände verrohrt wurde, von 1986 bis 1990 gehörte das Werk zum Möbelkombinat Dresden-Hellerau.PM Oelsa GmbH, 1869 – 1986. Auf den Spuren der Zeit Seit 1992 zur Polstermöbel Oelsa-Rabenau GmbH, 1995 wurde das Werk geschlossen, bis 2017 wurden hier in der alten Produktionsstätte Polstergestelle für die PM Oelsa -Rabenau gefertigt. Am Lagerplatz, bis wohin das Werk reichte, befand sich der Supermarkt Penny, danach Diska und später Nah & Frisch, seit 2026 Nahkauf, Reste der ehemaligen Werksschienen, auf denen die Gestelle auf Wagen per Hand geschoben wurden, sind heute noch unter anderem auf dem Gelände der MTH-Oelsa sichtbar. Am Donnerstag, den 14. Mai 2026 gegen 20:54 Uhr brach ein Feuer im hinteren Bereich des alten Fabrikgebäudes aus. Der Brand breitete sich aus, vernichtete das komplette 2500 m² große Gebäude entlang der Hauptstraße, in welchem mittlerweile andere Gewerbe eingemietet waren, und die Feuerwehr ließ es schließlich kontrolliert abbrennen.

Das zweitgrößte Unternehmen, welche auch Sitzmöbel und Tische herstellte, war die Firma Anton Künstner, die im Mai 1902 gegründet wurde, dessen Fabrikgebäude mit dem markanten Glasdach gegenüber dem Parkplatz an der Wilmsdorfer Straße, die Hauptstraße 93 entstand im Jahre 1902–1903 als einstöckiges Gebäude und wurde 1913 aufgestockt erweitert. Derselbe Unternehmer ließ im Jahre 1921 die Villa, Hauptstraße 61 erbauen. 1935 übernahm die Firma Bruno Alfred Müller, Anton Künstner blieb Prokurist.

Am heutigen Standort der Dresdner Vorgebirgs-Agrar AG, und dem Garagenkomplex Hauptstraße 41b & 53 im Mitteldorf, gegenüber dem alten Spritzenhaus, über dem Oelsabach befand sich die Sitzmöbelindustrie: Karl Ernst Schneider, Eigentümer seit 1907 nach dem Konkurs von der Firma Gustav Hermann Schubert & Johann Smentek, beide Tischlermeister waren Gesellschafter seit dem Jahre 1902, Gustav Hermann Schubert ließ das Werk im Jahre 1901 erbauen und war zuletzt alleiniger Eigentümer. Der Konkurs wurde von den beschäftigten Arbeitern angemeldet, da der Schubert Großölsa heimlich in der Nacht vom 19. zum 20. Februar 1907 nach Dresden verlassen hatte. Im Jahre 1945 kam es zu einem Bombenabwurf auf die Fabrik.

Als drittgrößte Fabrik wurde im Jahre 1905 gegenüber der Einmündung Alte Straße, heute die Hauptstraße 33 & 35 von der Firma Hermann Max Ziegenhorn (+1898 Seifersdorf) , erbaut, am 4. Dezember 1905 nahm die Firma den Betrieb auf, gegründet wurde die Firma bereits 1897. Am Klausenweg die No.1 wurde von dem Max Ziegenhorn in Auftrag 1929 als Dreifamilienhaus erbaut. 1973 findet die Firma Erwähnung als Max Ziegenhorn KG, Sitzmöbelfabrik Oelsa ab 1979 wurde das Werk zum Oelsaer Tisch- und Sitzmöbelfabrik Werk Süd umgewandelt und gehörte zum Polstermöbelkombinat Oelsa-Rabenau, Diese Fabrikgebäude Existieren heute nicht mehr, Das Wohnhaus blieb erhalten.

Weitere Sitzmöbelfirmen war die von Karl Gottlieb Helbig, die Hauptstraße 57a, welche 1873 bereits erbaut und die von Paul Hugo Hausschild, die Hauptstraße 95b welche 1910 erbaut wurde.

Schule Durch den Katecheten Gottfried Ehrlich aus dem benachbarten Pfarrdorf Seifersdorf erfolgte bereits im Jahre 1734 der erste Schulunterricht in den Häusern des Ortes für die Kinder.

Die erste Schule wurde 1763 (neben Bäckerei Meyer an der Hauptstraße), das zweite Schulhaus 1842 (Mündung Kirchstraße auf Hauptstraße) gebaut und 1902 durch einen weiteren Schulneubau (am Friedhof) abgelöst, der nach dem Erwerb und Abriss der Neubertschen Gebäude im Jahre 1900 verwirklicht werden konnte, 1910 erfolgte ein Anbau mit 2 weiteren Klassenzimmern.