Als christlicher Metal wird Metal mit Liedtexten christlichen Inhalts bezeichnet. Er umfasst musikalisch fast alle Spielarten des Metal. Bands aus dem jeweiligen Stil werden häufig ohne den Zusatz „christlich“ klassifiziert. Eine Ausnahme davon bilden die beiden ausschließlich christlichen Subgenres White Metal und Unblack Metal.

Definition und Abgrenzung Der christliche Metal bewegt sich zu weiten Teilen in einer eigenen Subkultur mit eigenen Distributionskanälen, Labels, Magazinen und Festivals.

Die explizit christliche Metal-Szene bezeichnet zur Selbstabgrenzung die nicht-christliche Metal-Gemeinschaft oft als „säkular“, wenngleich dies nicht zwingend auf nicht-christliche Vertreter zutrifft.

Geschichte mini|Die amerikanische Hard-Rock-Band Resurrection Band live im Jahre 1988

Der Grundstein der christlichen Hard-Rock- und Metal-Szene wurde in den späten 1960er- sowie den beginnenden 1970er-Jahren gelegt, als Musiker und Bands im Zuge der Jesus-People-Bewegung zum Christentum konvertierten, den Stil ihrer Musik aber beibehielten. So erschien z. B. 1969 Larry Normans Album Upon the Rock, welches als eines der ersten christlichen Rock-Alben gilt. abgerufen am 26. November 2006.

Mitte bis Ende der 1970er entstanden Bands wie Jerusalem aus Schweden, die Resurrection Band oder die Daniel Band im Hard-Rock-Bereich. 1978 z. B. veröffentlichten sowohl Jerusalem abgerufen am 26. November 2006. mit Volume 1 (schwedisch: Volym 1), als auch die Resurrection Band (auch REZ genannt)rezflash, abgerufen am 26. November 2006. mit Awaiting Your Reply ihre Debütalben, die dem christlichen Metal als Vorreiter dienten.Christian Metal History (englisch) abgerufen am 26. November 2006. (englisch) abgerufen am 26. November 2006.

Die ersten Heavy-/Glam-Metal-Bands aus dem christlichen Sektor bildeten sich Mitte der 1980er, von denen die nominell 1983 gegründete Glam-Metal-Band Stryper wohl die bekannteste war. 1984 veröffentlichte sie ihre erste EP The Yellow and Black Attack und zwei Jahre später ihr meistverkauftes Album, To Hell with the Devil, das sogar den Platin-Status von der RIAA verliehen bekam. (englisch) abgerufen am 26. November 2006.

Doch nicht nur in den Mainstream-Metal der 80er Jahre fanden christliche Bands Eingang, sondern auch im deutlich raueren Thrash Metal. Ende der 80er publizierten z. B. Vengeance Rising aus Los Angeles ihr erstes Album Human Sacrifice., abgerufen am 31. Mai 2021. Eine weitere wichtige Band aus diesem Bereich war die 1990 gegründete Gruppe Tourniquet. Im selben Jahr veröffentlichten Opprobrium (seinerzeit noch unter dem Namen Incubus) ihr zweites Album Beyond the Unknown, das stilistisch zwischen Thrash- und Death Metal mäanderte und Lieder enthielt wie Massacre of the Unborn, das Abtreibung kritisiert. Im Jahr darauf brachte die australische Band Mortification das erste christliche Death-Metal-Album heraus, 1993 erschien das Debüt der ebenfalls aus Australien stammenden Death-/Doom-Metal-Band Paramaecium.

Während in Norwegen der Black Metal im Untergrund seinen Zenit erreichte, wurde 1994 mit dem Ein-Mann-Projekt Horde des ehemaligen Mortification- und Paramaecium-Schlagzeugers Jayson Sherlock der Unblack Metal begründet, benannt nach Hordes einzigem Album Hellig usvart (norwegisch für heilig unschwarz, holy unblack auf Englisch); diese Bezeichnung war die Antwort auf den Unholy Black Metal der norwegischen Bands wie Darkthrone und Mayhem.Erasmus: (englisch) abgerufen am 13. März 2007.

Eine weitere stilprägende Unblack-Metal-Band ist die 1990 in Norwegen unter dem Namen Crush Evil gegründete Band Antestor, welche neben Horde zu den ersten und wichtigsten Unblack-Metal-Bands zählt, obwohl sie von ihrer Gründungszeit als Crush Evil an bis zur Veröffentlichung ihres ersten richtigen Albums The Return of the Black Death 1998 eher Death-/Doom Metal spielten. Øystein „Euronymous“ Aarseth, Gitarrist von Mayhem und Gründer der norwegischen Black-Metal-Bewegung,„The opening of the record store Helvete happened a few months after [Dead’s suicide]. That’s the creation of the whole Norwegian Black Metal scene—it’s connected with that shop, the influence Euronymous had on the young customers in the shop, and how he convinced them of what was real and not real in this world. A lot of the guys in Immortal and Dark Throne [sic!] were all into normal Death Metal and Euronymous showed them what Black Metal was really like, how things should be, and they followed him. Looking at the first Dark Throne album compared to the second, you can see Euronymous’ influence on the second one, A Blaze in the Northern Sky. That’s the first Norwegian Black Metal album after Deathcrush which was really big and an influence on the rest of the scene. […] The whole Norwegian scene is based on Euronymous and his testimony from his shop. […] He was always telling what he thought, following his own instincts to the true Black Metal stuff like corpsepaint and spikes, worshipping death and being extreme.“ Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos. First Edition. Feral House, 1998, ISBN 0-922915-48-2, S. 39.„Euronymous, his band Mayhem and other key figures in the scene would transform Venom’s quasi-Satanic stage theatrics into a form of cultural expression unique from other forms of metal or Satanism. The early Nordic scene often suggested that they had no interest in making the world a better place or alleviating suffering; on the contrary, they asserted a desire to increase human suffering. Euronymous was the central figure involved in the formation of the Norwegian black metal scene. He established the look, sound and philosophy of the Norwegian scene and black metal as it exists today would not have existed without Euronymous.“ Benjamin Hedge Olson: (PDF) Bowling Green State University, Mai 2008, S. 27. hatte der Band Anfang der 1990er Jahre gedroht, die satanische Szene würde sie zur Auflösung zwingen, wozu es allerdings nie kam. Stattdessen spielte Mayhems Schlagzeuger, Jan Axel „Hellhammer“ Blomberg, sogar Schlagzeug auf ihrer EP Det tapte liv von 2004 und ihrem Album The Forsaken von 2005. (englisch) abgerufen am 26. November 2006.

Neben Antestor und Horde gehört auch die 1994 gegründete Band Admonish aus Stockholm zu den ältesten Gruppen aus dem Bereich des Unblack Metal. Obwohl bereits in den Anfangstagen dieser Musikrichtung gegründet, brachten sie erst im April 2005 ihre erste EP Den Yttersta Tiden heraus, die ironischerweise bei einem Konzert im Stockholmer Club 666 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.Official Admonish Website admonish.org (englisch) abgerufen am 28. Januar 2007.

Als Ende der 1990er der Nu Metal im Mainstream Anklang fand, feierte die Band P.O.D. (Abk. für: Payable on Death) Erfolge abgerufen am 26. November 2006. und kurz darauf konnte sich auch die kalifornische Band As I Lay Dying ins Spitzenfeld des Metalcores, weit über die Grenzen der christlichen Szene hinaus, schieben.As I Lay Dying – laut.de, abgerufen am 26. November 2006.

White Metal mini|Die White-Metal-Band Stryper mit aufwändiger Bühnenshow im Jahre 1986 Zur Abgrenzung von Bands, die wegen ihrer satanistischen Texte dem Black Metal zugeordnet wurden, hat Metal Blade Records beim Bewerben der Doom-Metal-Band Trouble den Begriff White Metal genutzt, da die Texte jener Band oftmals christliche Themen behandeln.Luxi Lahtinen: Interview with Trouble. Die Mitglieder der Band distanzierten sich später davon,Mike Meyer: Trouble. Unlucky Number Seven. allerdings wird die Band nach wie vor häufig dem White Metal zugeordnetMark Putterford: A Kind of Magic. In: Kerrang!. 1987, S. 10f.Götz Kühnemund: A History of Horror. In: Rock Hard, Nr. 282, November 2010, S. 20–27. auch von Musikern wie King Diamond, der mit Trouble auf Tournee ging, ihre Mitglieder allerdings nicht als „Hardcore-Christen“ wahrnahm und ihre Texte für vager als die von Stryper befand. Im Gegensatz zu Bands wie Stryper ging es Trouble auch nie darum, Fans zum Christentum zu bekehren.

Der Begriff White Metal bezeichnete später jene christlichen Metal-Bands der 1980er-Jahre, die dem Heavy Metal, dem frühen Power Metal und dem Glam Metal nahestanden. Typische Vertreter sind Stryper, Bloodgood und Bride. Ausgangspunkt und Zentrum des White Metals waren die USA, dort vor allem ausgehend von der amerikanischen Plattenfirma Enigma. Enigma nahm in den 1980ern, motiviert durch den Erfolg von Stryper, mehrere christliche Bands dieser Stilrichtung unter Vertrag.

Der White Metal verbreitete sich recht schnell in der internationalen Metal-Szene. So gab es auch in Europa mit der deutschen Band Creed (nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Alternative-Rock-Band gleichen Namens) oder der britischen Band Seventh Angel verschiedene White-Metal-Formationen, die mit zumindest mäßigem kommerziellem Erfolg auffallen konnten. Noch heute sind die klassischen White-Metal-Bands der 1980er vor allem in Südamerika und Japan sehr populär.

Im klassischen White Metal wird lyrisch vor allem die Gnade und Größe Gottes bzw. Jesu im Sinne von Lobpreisungen behandelt. Aber auch Evangelisation und die klare Distanzierung vom „Bösen“ kann in den Texten gefunden werden. Im Gegensatz zum später entstandenen Unblack Metal wirken die Texte positiv, direkt und plakativ und sind stark von reformatorischen und evangelikalen Einflüssen geprägt. Die Band Stryper verband ihr musikalisches Schaffen zudem mit offensiver Evangelisation, etwa durch das Verschenken von tausenden kostenloser Bibeln während ihrer Konzerte.

Der Begriff „White Metal“ hat in der Folgezeit eine Bedeutungsänderung erfahren und wird gelegentlich von der Fachpresse und von den Fans für alle ideologisch-christlich begründete Musik jeglicher Metal-Stile angewandt – vor allem im Gegensatz zu satanischen oder okkulten Spielarten wie dem Black Metal und teilweise auch dem Death Metal.

Vertreter August Burns Red (USA) Barren Cross (USA) Bloodgood (USA) Bride (USA) Deliverance (USA) Guardian (USA) Ken Tamplin (USA) Messiah Prophet (USA) Oh, Sleeper (USA) Saviour Machine (USA) Seventh Angel (UK) Seventh Avenue (DE) Since October (USA) Sleeping Giant (USA) Stryper (USA) Theocracy (USA) früher Vengeance Rising (USA) Whitecross (USA)

Unblack Metal mini|Horde mini|Antestor mini|Drottnar. Markenzeichen der Band sind kommunistische Uniformen

Unblack Metal bezeichnet christlichen Metal, der sich an Stilelementen des skandinavischen Black Metal bedient. Der Begriff „Unblack Metal“ geht auf das einzige Album Hellig usvart, norwegisch für Heilig unschwarz, des Projektes Horde zurück. Die Bezeichnung selbst wird oft mit Argwohn betrachtet und von der christlichen, abgerufen am 2. Dezember 2006. wie auch der nicht-christlichenAntestor / Det Tapte Liv (EP) – Review, abgerufen am 2. Dezember 2006.Vardoger / Whitefrozen – Review, abgerufen am 2. Dezember 2006. Szene selten verwendet. Stattdessen wird die Definition über die musikalischen Merkmale bevorzugt, was aber wiederum im traditionellen Black Metal, der über den Satanismus definiert ist, auf Ablehnung stößt.

Zentrales Thema im Unblack Metal ist der christliche Glaube. Allerdings liegt der Fokus im Gegensatz zu den teils plakativen Lobpreis-Texten des White Metal auf einem düsteren Blickwinkel. Im Unblack Metal werden primär negative Aspekte des Lebens wie Melancholie, Trauer und innere Verzweiflung, die mühsame Suche nach Gott oder Hass und Wut beleuchtet. Bands wie Crimson Moonlight lassen Prophetie in ihre Texte einfließen. Aber auch eine klare Distanzierung vom Bösen findet vor allem in stark anti-satanischen Texten Eingang, wie sie zum Beispiel auf Hordes Hellig usvart zu finden sind. Metapher, biblischer Symbolismus und ein archaischer Sprachstil sind typische sprachliche Merkmale.