Der Echte Koriander (Coriandrum sativum), kurz Koriander (von gleichbedeutend lateinisch Coriandrum) genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Koriander (Coriandrum) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Er wird als Gewürz- und Heilpflanze verwendet.

Namensgebung mini|links|Illustration aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen: „Echter Koriander. A B Pflanze in natürl. Grösse; 1 Scheibenblüte, vergrössert; 2 Randblüte, desgl.; 3 Kronblatt der Scheibenblüte, desgl.; 4 Kronblätter der Randblüte, mittleres und seitliches, desgl.; 5 Staubgefäss, desgl.; 6 Pollen; desgl.; 7 u. 8 Fruchtknoten mit Kelch, desgl.; 9 dieselbe Figur im Längsschnitt; 10 Fruchtknoten im Querschnitt, desgl.; 11 Frucht, desgl.; 12 Teilfrüchtchen, von der Fugenseite, desgl.; 13 Frucht im Längsschnitt, desgl.; 14 dieselbe im Querschnitt, desgl.“ Der Name Koriander (über , „[Echter] Koriander“, von „Wanzendill“) leitet sich aufgrund des Geruchs der Pflanze von den griechischen Wörtern (für „Wanze“)Johann Baptist Hofmann: Etymologisches Wörterbuch des Griechischen. München 1950, ergänzter Neudruck 1966, S. 155. und („Lein“) oder (für Anis oder Dill) ab.J. Becker-Dillingen: Handbuch des gesamten Gemüsebaues, einschliesslich der Küchenkräuter. 6. Auflage. P. Parey, 1956, S. 685–686.Adam Lonitzer: Kreuterbuch... (Frankfurt am Main 1557), hrsg. von Peter Uffenbach, Ulm an der Donau 1679, S. 205 („Coriander, Coriandrum … heist sonst Wantzendill“). Weitere Trivialnamen sind Arabische Petersilie, Asiatische Petersilie, Chinesische Petersilie, Gartenkoriander, Gebauter Koriander, Gewürzkoriander, Indische Petersilie, Kaliander, Klanner, Schwindelkorn, Schwindelkraut, Stinkdill, Wandläusekraut, Wanzendill, Wanzenkraut oder Wanzenkümmel.Gernot Katzers Gewürzseiten Im anglo-amerikanischen Sprachraum wird das Korianderkraut mit dem aus dem Spanischen stammenden in Mittelamerika gebräuchlichen Namen Cilantro bezeichnet, der ursprünglich den dort heimischen Langen Koriander (Eryngium foetidum), aber auch Culantro oder Mexikanischen Koriander bezeichnete. Die Bezeichnung Cilantro wird im amerikanischen Englisch allerdings nur für die grünen Pflanzenteile (Blätter und Stängel) verwendet, die Samen und deren Produkte werden gleichfalls coriander genannt.Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 175 („Coriandrum – coriander, Corion, corianum, daybora, cumbera […] daibora“).

Beschreibung mini|Laubblätter mini|Blütenstand von oben mini|Korianderfrüchte mini|Habitus und Blütenstände mini|Illustration

Erscheinungsbild und Blatt Der Echte Koriander wächst als einjährige krautige Pflanze. Die Wuchshöhe liegt je nach Standort, Sorte und Verwendung zwischen 30 und 90 Zentimetern. Der Geruch der Pflanzenteile ähnelt stark dem Geruch der Ausdünstungen diverser Wanzenarten. Die Wurzel ist dünn und spindelförmig. Der längs geriefte Stängel ist im Querschnitt rund und im oberen Teil verzweigt. Alle oberirdischen Pflanzenteile sind kahl.

Die jüngeren Laubblätter unterscheiden sich in der Form deutlich von älteren. Die jungen Laubblätter sind eher rundlich, breit und dreigeteilt eingeschnitten, während die älteren Laubblätter doppelt gefiedert und fein zerteilt sind. Die unteren Laubblätter sind lang gestielt, die mittleren und oberen sind auf länglichen und breit hautrandigen Blattscheiden sitzend. Die Blattspreiten der mittleren und oberen Stängelblätter sind feiner geteilt, zwei- bis dreifach fiederschnittig mit entfernten, linealischen bis fast fädlichen meist ganzrandigen Blattzipfeln.

Blütenstand, Blüte und Frucht Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli und dauert etwa vier Wochen. Der auf einem langen Blütenstandsschaft stehende, doppeldoldige Blütenstand ist flach und drei- bis fünfstrahlig. Die Doldenhülle fehlt und besteht lediglich aus wenigen Blättchen, die fadenförmig sind. Die Döldchen haben nur an ihrer Außenseite Hüllchen. Koriander blüht weiß. Während der Anthese wird Koriander stark von Bienen beflogen. Das äußere Kronblatt der randständigen Blüten ist strahlend und 3 bis 4 Millimeter lang. Es ist tief zweispaltig mit länglich-eiförmigen Lappen. Die beiden Nachbar-Kronblätter sind schief asymmetrisch zweilappig; der vordere Lappen ist mehrmals größer als der hintere Lappen. Die inneren Blüten der Dolde sind nicht strahlend. Der Griffel ist etwa 2 Millimeter lang und zwei- bis dreimal so lang wie das kegelförmige Griffelpolster.

Die Doppelachänen sind fast kugelrund und zweiteilig. Sie bleiben nach der Abreife meist zusammen. Die Teilfrüchte sind an der Außenseite gelb bis braun, manchmal zum oberen Ende hin violett, und die Innenseite ist hell. Die Teilfrüchte sind außen vertikal gerieft und innen hohl. Zur Fruchtreife hin nimmt der wanzenartige Geruch der Pflanzenteile und der Früchte ab.

Die Züchtung Coriandrum sativum var. sativum weist einen Fruchtdurchmesser von durchschnittlich 2,5 bis 5 Millimeter auf, während die Früchte der Coriandrum sativum var. microcarpum nur einen durchschnittlichen Durchmesser von 1,5 bis 3,0 Millimeter besitzen. Größere Früchte werden vor allem in tropischen und subtropischen Ländern wie Marokko, Indien und Australien gezüchtet und zeichnen sich durch geringen Anteil an ätherischen Ölen (0,1–0,4 %) aus. Die Tausendkornmasse liegt zwischen 2 und 10 Gramm. Das Saatgut ist etwa 3 Jahre haltbar, bleibt bei konstanter Temperatur unter 10 °C und einer Saatgutfeuchte von weniger als 10 % aufbewahrt aber länger keimfähig, maximal bis zu 6 Jahren. Manche Züchter erzielen jedoch auch nach 8 Jahren trockener Saatgutaufbewahrung bei Raumtemperatur noch Keimerfolge von über 80 Prozent.

Koriander wird als eine der Originalzutaten in der Geheimformel von Coca-Cola beschrieben.

Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2 n = 20 oder 22.

Vorkommen Der Echte Koriander ist in Vorderasien von der Türkei bis zur Sinai-Halbinsel, Arabien und Pakistan beheimatet. In der Schweiz wurde er verwildert bei Samedan noch in einer Höhenlage von 1730 Metern beobachtet.

Der Echte Koriander gedeiht auf warmen, mäßig trockenen, nährstoffreichen und basenreichen, aber humusarmen Lehm- und Lößböden.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Coriandrum sativum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 256.

Inhaltsstoffe Die Samen des Korianders enthalten Korianderöl, ca. 0,3–2 % ätherisches Öl (Oleum coriandri aethereum, destillatum), das überwiegend aus den Monoterpenen Linalool, Campher, γ-Terpin, α-Pinen u. a. besteht. Die Zusammensetzung variiert auch je nach Reifestadium der Samen. Besonders diese Stoffe sorgen für den angenehmen Geruch der Samen und kommen erst nach der Trocknung zur Geltung. Der Samen enthält zudem ca. 13–23 % fettes Öl (Oleum coriandri), dessen Triglyceride überwiegend aus Estern mit der Petroselinsäure, Linol- und Ölsäure bestehen.Rudolf Hänsel, Otto Sticher: Pharmakognosie-Phytopharmazie. In: Gartenbaumagazin. Nr. 12, Springer, 2009, ISBN 978-3-642-00962-4, S. 966–967. Das fette Öl kann als Ersatz für Palmöl und Kokosöl verwendet werden, die Verwendung in Waschmitteln (Grundstoff) und in der Kosmetikherstellung oder Lederverarbeitung finden.M-L. Rottmann-Meyer: Modellanbauprojekt Koriander in Niedersachsen. In: Gartenbaumagazin Nr. 12, Thalacker Verlag, 1993, S. 26–27. Das Kraut und die Wurzeln enthalten ebenfalls ätherisches Öl (allerdings sehr wenig, nur ca. 0,1–0,25 %), das zu 85–95 % aus aliphatischen Aldehyden besteht. Die Blätter sind reich an Vitamin A, Vitamin C und Vitamin K mit Spurenelementen von Mineralstoffen (Tafel).

Anbau und Ernte Die Kultur von Koriander erfolgt einjährig. Für die Blatternte wird in Folgesätze gesät. Die Direktsaat ins Freiland erfolgt in Reihen mit einem Abstand von 20 bis 25 cm zueinander. Wird keine Präzisionssämaschine benutzt, wird nach der Keimung auf Endabstand von 15 bis 20 cm ausgedünnt. Frisches Saatgut keimt leicht. Die Keimung erfolgt lichtunabhängig. Der Samen wird nur zur besseren Feuchte mit Erde bedeckt. Die Keimlinge sind etwas frosthart.A. O. Tucker, T. DeBaggio: The Encyclopedia of Herbs: A Comprehensive Reference to Herbs of Flavor and Fragrance. 2. Ausgabe, Timber Press, 2009, ISBN 978-0-88192-994-2, S. 213–216. An die Fruchtfolge stellt Koriander keine großen Ansprüche. In der Anzuchtphase für Jungpflanzen sind ausreichende Wassergaben wichtig. Für eine optimale Keimung ist ein Temperaturbereich von 5 bis 25 °C nötig. Besondere Saatgutpartien keimen auch in einem engeren Temperaturbereich, der zwischen 10 und 20 °C liegt. Durch zu wenig Bewässerung in der Jugendphase wird Trockenstress hervorgerufen, der zu verfrühter Blüteninduktion (Schossen) führt. Der Anbau erfolgt als Direktsaat ins Freiland oder als Topfkultur im Treibhaus. Die Anzucht in Erdpresstöpfen im Treibhaus zur Ernteverfrühung ist auch möglich. Koriander bevorzugt einen sonnigen, eher halbschattigen Standort. Er gedeiht am besten auf durchlässigen, leichten Böden.C. Theiler-Hedtrich: Kräuter für die Sinne – Sehen Riechen Schmecken. Informationsschrift Kräuter, Samen Mauser AG, Winterthur 2000, S. 1–20. Zur Topfkultur werden 25 Samen in 12-cm-Töpfe gesät. Für gutes Wachstum haben sich Düngungsergänzung mit Flüssigdünger und zum kompakteren Wuchs leicht vorbeistreifende Tücher oder Folien als mechanischer Reizeinfluss bewährt.R. Ragnat, R. Koch, H. Sauer, D. Klein: Koriander im Topf – Sorten, Düngung, Mechanische Reizung. In: ÖKOmenischer Gärtnerrundbrief. Nr. 02, 2009, S. 18–19. Geerntet wird von Juli bis Anfang August, jedoch kurz vor Vollreife, weil sich sonst die Samen leicht von der Dolde lösen, was zu Ernteverlusten führt. Von Aussaat bis Ernte benötigt Koriander 20 bis 28 Wochen, im Mittel 24 Wochen. Der Ertrag von Koriandersamen beträgt bis zu 2 Tonnen pro Hektar bei einem Ölgehalt von 20–22 %.

Die Vermehrung zur Anzucht von Koriander erfolgt mittels „Samen“.

Krankheiten und Schädlinge An Koriander ist bei den bakteriellen Krankheiten vor allem Doldenwelke (Pseudomonas syringae pv. coriandricola) bekannt, die auch als Doldenbrand bezeichnet wird. Blütenbrand wird durch den Pilz Colletothrichum gloeosporioides verursacht. Flecken auf den Blättern werden durch Gelbwelke (Ramularia coriandri), Phyllosticta coriandri und Echten Mehltau (Erysiphe polygoni) erzeugt. Zu Fäulen an der Pflanze führt die Bakteriose Erwinia carotovora subsp. carotovora, Rhizoctonia solani und Fusarium spp. Als tierische Schädiger treten gelegentlich Weichwanzen auf.G. Crüger: Pflanzenschutz im Gemüsebau. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2002, ISBN 3-8001-3191-9, S. 254. Befall durch Insekten ist sonst weniger bekannt. Ungünstig sind sehr warme, trockene Wachstumsbedingungen, die durch langsames Wachstum und Samenverlust bei der Ernte starke Ertragsrückgänge verursachen können.

Ölgewinnung Das ätherische Koriander-Öl wird mittels Wasserdampf-Destillation aus den Samen gewonnen.

mini|Bund frischer Korianderblätter mini|Korianderfrüchte, Größe 2 bis 3 mm mini|Echter Koriander, ganz und gemahlen

Nutzung in der Küche