mini|Hüttenbrennen auf der Prümerburg in Prümzurlay Das Hüttenbrennen, teilweise auch als Burgbrennen oder Burgfeuer bezeichnet, ist ein althergebrachter Feuerbrauch in vielen Orten der Eifel. Er wird jedes Jahr an „Schafssonntag“ (Moselfränkisch: „Schoof-, Schoofs-, Schöf-, Schoaf-, Schaufs-, Scheifsunndich“ oder „Scheefsunndich“ [Scheef=Strohbund]), dem ersten Sonntag nach Fastnacht, auch „Funkensonntag“, begangen.
Herkunft mini|Das Winterverbrennen. Aus:Otto von Reinsberg-Düringsfeld, Das festliche Jahr in Sitten, Gebräuchen und Festen der germanischen Völker, Leipzig, 1863 mini|Steffeln (Eifel); brennendes Feuerrad Der genaue Ursprung des Brauches ist unklar. Vermutlich handelt es sich um eine Adaption heidnischer Traditionen, wobei mit dem Feuer zur Zeit des Frühlingsanfangs symbolisch der „Winter verbrannt“ und ein guter Sommer heraufbeschworen werden soll. Für Carlshausen (Dekanat Neuerburg) verbot 1687 der Bischof den jungen Leuten, am ersten Fastensonntag Strohfeuer auf den Straßen anzuzünden und dabei allerlei abergläubische Segnungen vorzunehmen.Ph. de Lorenzi, Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier 1, 392. Trier 1887. Im Zuge der Christianisierung wurde schließlich der heidnische Brauch durch Einbringen des Kreuzes legalisiert. Der Verzehr der Eier und anderer Leckereien sowie mitunter auch von Bier und Hochprozentigem am Schafsonntag, dem ersten Fastensonntag, widerspricht nicht den Geboten der Fastenzeit, da die Sonntage nicht zur Fastenzeit gerechnet werden.
Siehe auch: Kontinentalgermanische Mythologie Keltischer Jahreskreis Julfest Heidentum Mamuralia Laetare
Eine historische Beschreibung des Burgbrennens findet sich bei Pfarrer Michael Bormann aus Daleiden im „Beitrag zur Geschichte der Ardennen – 2. Teil“ aus dem Jahre 1842. Bormann erwähnt dort eine Urkunde von 1360, in der von großen Feuern, um die man tanzte, berichtet wird. Diese Feuer, auch Hagelfeuer genannt, wurden zur selben Zeit wie die Hütten- und Burgfeuer unter anderem am Krimhildisstuhl gezündet. Sie sind später vom Pfalzgrafen von Zweibrücken am 12. Dezember 1579 verboten worden.
Der Büllinger Pfarrer Arnold Ortmanns publizierte 1904 in seinem Werk Der fränkische Königshof Büllingen eine andere Ursprungstheorie über die Entstehung des Burgfeuers, die keineswegs christlich geprägt ist. Ortmann vermutet zum einen das Fest der Ostara und zum anderen die Raubzüge des französischen Königs Ludwig XIV. als Beginn. „Das Burgfeuer ist wohl zunächst eine Erinnerung an das Fest der Frühjahrs- und Sonnenwende unserer heidnischen Vorfahren und will die Hoffnung auf den baldigen Sieg des Lichtes und der Wärme über die winterliche Finsternis und Kälte ausdrücken. Mit dieser Feier verband sich nach den Raubzügen Ludwigs XIV. von Frankreich das Andenken an das schauerliche Mordbrennen der Kriegshorden, die 1689 in einer Nacht alle Burgen dieser Gegend niederbrannten“.
Matthias Paas aus Hüttingen an der Kyll fand folgendes in alten Verwaltungsakten: „Im Mittelalter herrschte die "Dreifelderwirtschaft". Kunstdünger kannte man noch nicht. Um den ausgelaugten Boden wieder vollwertig zu machen, wurde jedes Jahr ein bestimmter Flur zweimal im Jahr gepflügt, aber nicht bebaut, das heißt, die Äcker wurden "gebracht". Die anderen Fluren waren mit Hackfrüchten bepflanzt oder mit Spelz eingesät. Damit jeder wußte, welcher Flur "gebracht" wurde, zündeten die Eigentümer des Flures am Anfang des Jahres an einer bestimmten Stelle ein großes Feuer (Hett = Stroh und Reisig) an.“
Ablauf mini|Video vom Eifeler Hüttenbrennen mini|Radscheewen in der Eifel Das Hüttenbrennen wird in jedem Eifelort unterschiedlich gefeiert. Gemeinsam ist allen Orten, dass die Dorfjugend Stroh und andere brennbare Materialien sammelt. Auf den meisten Dörfern sammelt man das Material nur sonntags; manche tragen aber auch schon viele Wochen vorher gebundenes Reisig aus den nahe gelegenen Fichtenwäldern zusammen. Diese werden dann zu einem aufgeschichteten Haufen, meist auf einer erhabenen Stelle, zusammengetragen, welcher nach Anbruch der Dunkelheit entzündet wird. In vielen Orten wird das Brennmaterial auch mit einem Holzkreuz bestückt, das ebenfalls mit Stroh usw. ausstaffiert wird. An einigen Orten wird bereits samstags mit den Vorbereitungen begonnen.
In manchen Orten, wie Gees, Neroth, Steffeln, Rockeskyll, Walsdorf, Pellingen, Franzenheim (Trier-Saarburg), wird zur Wintervertreibung ein Feuerrad den Berg hinunter gerollt (Moselfränkisch: „Radscheewen, Radscheywen, Radscheiven, Radschiwwele, Raderscheiben“). Das Rad symbolisiert die lebenspendende Frühlingssonne – auch Freudenrad genannt.
Je nachdem in welche Richtung der Rauch während des Hüttenabbrennens zieht, so wird auch der Wind diese Richtung im Frühjahr beibehalten: "Wu den Damp vun der Hett gingät, su de Wand de ganze Virsumer bestäht!" oder "Wie de Wand op Scheefsonndich kent, su kennt hen de janze Virsumer!"
Noch bis in die 1950er Jahre war es in vielen Orten der Eifel üblich, dass singend oder mit lustigen Sprüchen um die Hütte herum getanzt wurde. Im Anschluss an das Feuer zieht die Dorfjugend in der Regel von Haus zu Haus, um sich für die getane Arbeit die Belohnung abzuholen. Diese besteht in der Regel aus Eiern, die nach dem Einsammeln gemeinsam in Form von Rührei verzehrt werden. Geld wird natürlich auch genommen. An einigen Orten wird das Feuer traditionsgemäß von der Freiwilligen Feuerwehr bereitet, die dann von Haus zu Haus zieht, um sich bewirten zu lassen. Es gibt jedoch auch Orte, in denen die jüngst zugezogenen Einwohner die Jugendlichen bewirten, oder wo nur die Junggesellen die Eier einsammeln und verspeisen dürfen. Heutzutage ist es üblich, nach dem Aufstellen des Kreuzes und entsprechenden Aufschichten des Strohhaufens am Vormittag des Funkensonntags nachmittags im Dorf den Hüttenlohn einzufordern, welcher in Form von rohen Eiern oder Geld erbracht werden kann. Das gemeinsame Essen erfolgt nach dem Abbrennen des Haufens (siehe Bspl. Preist.)
In einzelnen Orten der Eifel ist es Brauch, am Schafsonntagabend bei demjenigen Paar die Eier und Nautzen (Krapfen) zu verspeisen, das zuletzt geheiratet hat oder neu ins Dorf gezogen ist. Teilweise hat sich dies auch in örtliche Lokale usw. verlagert.
Ablauf in Bildern
Verse, Sprüche, Lieder Ortschaft Heische-/ Bettellieder Übersetzung Bedeutung Bemerkung Prümzurlay (Eifel)Eier rouß, Eier rouß, Oder de Wiesel kennt ant Hous, Een Ei, kän Ei, Zwä Eier, Ustaeier, Drei Eier, Klabbaeier, Ver Eier, Hetteneier! Eier raus, Eier raus, oder der Wiesel kommt ins Haus, ein Ei, kein Ei, zwei Eier, Ostereier, drei Eier, Klappereier, vier Eier, Hütteneier!Das Interessante am prümzurlayener Spruch ist, dass beim Brauch des Klapperns der gleiche verwendet wird; lediglich die letzten beiden Zeilen werden dabei vertauscht. Dies zeigt auch den Zusammenhang des Brauchtums. In aller Regel nehmen beim Brauch des Klapperns jüngere Kinder teil (die „Klapperjungen“), die dann ab einem gewissen Alter zu den „Hüttenjungen“ wechseln. Auch dies variiert jedoch von Ort zu Ort. Malbergweich (Eifel)malbergweich.de (Brauchtum -> Hüttenbrennen) Für den armen Feuermann, wollen wir paar Eier hann. Für den armen Feuermann, wollen wir ein paar Eier haben. Feuermann= Anzünder des Hüttenfeuers ... Utscheid-Rußdorf (Eifel) Streißchen ob dem Sterchen, liechten mengem Herrchen. Gelen Foden om dat Hous, dält da Fosicht Ajer ous. Än Äh oder zwäh, drej soll da gewehen, gleckseelisch soll da lewen. Petrus as den hellien Man, deen den Hiemel schlessen kaan. Stellt de Lader un de Wand, hullt eh Meesser an de Hand, schnett en decke fette Greev, dat de Kärchjen iwerlääääft. Sträußchen auf dem Sternchen, leuchtet meinem Herrn. Gelber Faden um das Haus, teilt zur Fastnacht Eier aus. Ein Ei oder zwei, drei solltet ihr geben, glückselig sollt ihr leben. Petrus ist der heilige Mann, der den Himmel schließen kann. Stellt die Leiter an die Wand, nimm ein Messer in die Hand, schneid eine dicke, fette Griebe, dass die Karre überläuft.Möglicherweise gingen früher die Mädchen (wie in Berk und Frauenkron sowie im Kreis Daun) in der Woche vor dem Burgsonntag „heischen“.
Der gelbe Faden um das Haus könnte als Bloßstellung eines geizigen Hausherren verstanden werden. Die Farbe Gelb symbolisiert vermutlich Geiz.
Im Mittelalter war die Farbe Gelb negativ besetzt; Gelb war die Farbe des Höllenlichts, stand für Gottesfeindschaft und Sünde, für Wollust, Neid, Geld, Pracht, Ketzer, Verräter, Krankheiten und Seuchen (Gelbsucht, Pest, Lepra). Gelb als Farbe der Sonne und des Göttlichen war nur dem kirchlichen Stand vorbehalten. Rhein. Archiv [Bd. 8, S. 803]Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens: Freen – Hexenschuss. Herausgeber: Eduard Hoffmann-Krayer. Liedtext S. 583. Streißchen ob dem Sterichen, Ech leichten mengem herrichen, E gellen Fodem um et Haus Speck on Aier on Mähl heraus Oder mer schecken euch de Wolf an et Haus.Sträußchen auf dem Sternchen, Ich leuchte meinem Herrn. Ein gelber Faden um das Haus, Speck und Eier und Mehl heraus, oder wir schicken euch den Wolf in das Haus. ... Bitburg und Wittlich (Eifel)Streiss-che steht om Sterchen, lichte meinem Herchen, gelle Fodem om et Haus, get de Fosichteier eraus, oder mer schecken eich de Wolf an't Haus!Sträußchen steht auf dem Sternchen, leuchtet meinem Herrn. Gelber Faden um das Haus, gibt die Fastnachtseier heraus. oder wir schicken euch den Wolf ins Haus. Nach Adam Wrede aus Eifler Volkskunde, S. 298: "Jeder der Burschen brachte selber noch ein Gebund Stroh mit; Mädchen sammelten Butter, Speck, Mehl, Eier und Milch. Die eßbaren Gaben wurden im Haus des jüngsten Ehemannes niedergelegt [ ]."Eifler Volkskunde: Herausgeber: Adam Wrede. 3. Auflage. Bonn 1960 Zwischen Bitburg und Gerolstein (Eifel)Stell de Leider an de Wand, hol dat Messer an de Hand, schned deck, schned denn! Göll’ne Foaden om dat Haus, gef den`n Brenner Aeier raus!Stell die Leiter an die Wand, nimm das Messer in die Hand, schneide dick, schneide dann! Gelber Faden um das Haus, gib den Hüttenbrennern Eier heraus. Nach P. Freppert aus Höttenbrennen ein uralter Brauch der Eifel, Monatszeitschrift Die Eifel, 47. Jg., Nr. 2, Februar 1954, S. 22Eifler Bräuche: Herausgeber: Rolf Dettmann und Mathias Weber. 1. Auflage. Köln 1981, ISBN 3-7616-0570-6 Schoden (Trier-Saarburg)Herchen un e Frächen, mer söngen em en Eichen; änt sollt er us gewe, lang sollt er lewe; Petrus ös de brave Mann, der den Himmel schleisse kann; owen aus bei Neckels Haus, bei Brockenhaus, do werfen se de Wecke met Schippen eraus!Herrchen und Frauchen, wir singen um ein Ei-chen; eines solltet ihr uns geben, lange solltet ihr leben; Petrus ist der brave Mann, der den Himmel schließen kann; obenauf bei Neckels Haus, bei Brockenhaus, da werfen sie die Wecken mit Schaufeln hinaus! ... Hüttingen an der Kyll (Eifel)Hei kommen die Hättinger Jungen, sei heschen Bieren un Bungen. Bieren un Bungen as got Speis, gägisch Noaren sein net weis. Ent, zwei, drei, Hanes komm herbei, schneid en decken Greven an dä Koref, dat en iwa left.Hier kommen die Hüttinger Jungen, sie heischen Birnen und Bohnen. Birnen und Bohnen ist gute Speise, geckige Narren sind nicht weise. Eins, zwei, drei, Hanes komm herbei, schneid eine dicke Griebe in den Korb, dass er überläuft. siehe auch: Birnen, Bohnen und SpeckMetterich (Eifel)Heenchen meenchenlai ma'n aichen,eent as keent,zwai as eent,drej sejn en poa,feah geht net doa,fünnef wollema,sächs kremada.Hühnchen, mein leg mir ein Eilein,
eins ist keins,
zwei sind eins,
drei sind ein paar,
vier reichen nicht,
fünf wollen wir,
sechs bekommen wir.Oft wird beim schnellen Aufsagen auch ein da in drej sejn en poa eingefügt: drej sejn da en poa Brecht (Eifel)Hei kommen de Brechter Jungen, sey hächen Bieren un Bungen. Bieren un Bungen as god Speis, Gäken un Nouren gen net weis. Mellich, Mellich, Mehl, Späk un Aier, wehn a laangen Hals hot as a Raier.Hier kommen die Brechter Jungen, sie heischen Birnen und Bohnen.