Kommandos in der Schifffahrt werden von dazu befugten und eingeteilten Vorgesetzten der Besatzung allgemein oder spezielle Funktionen ausübenden Besatzungsmitglieder erteilt und dienen der sicheren, klaren und in Routinen festgelegten Führung von Wasserfahrzeugen. Sie betreffen sowohl die Bordorganisation und die Abläufe an Bord als auch einzelne Manöver im nautischen, technischen und operativen Bereich.

Das gängigste, in der Berufsschifffahrt vor dem An- und Ablegen über Bordlautsprecher zu vernehmende Kommando ist „Klar vorn und achtern!“. Es besagt, dass das Oberdeckspersonal sich an Bug und Heck bereit macht, die Festmacherleinen zu bedienen. Traditionell steht dieses Kommando als Inbegriff für den Beginn oder das Ende einer Seefahrt schlechthin.

Allgemeine Ruder- und Maschinenkommandos In der Seefahrt über Jahrhunderte entwickelt, stellen Kommandos, die den Kurs und die Geschwindigkeit eines Wasserfahrzeugs betreffen, die wesentliche Kommunikation von Entscheidungen der Schiffsführung gegenüber der Besatzung dar. Kommandos dieser Art sind den Regeln folgend unmittelbar verständlich, da sie häufig erprobt und eingeübt sind. Zur Sicherstellung der unmittelbaren und ordnungsmäßigen Ausführung sind direkt an Einzelne gerichtete Kommandos von diesen zu wiederholen. Die Ausführung ist unmittelbar zu melden und diese Meldung ist wiederum von dem das Kommando Gebenden zu quittieren (z. B. mit „Ja“ oder „Aye“). Erfolgt diese Quittung nicht, hat der Ausführende die Meldung der Erledigung so lange zu wiederholen, bis er die Bestätigung erhält, dass sie zur Kenntnis genommen wurde. Versteht der das Kommando Gebende die Quittung oder eine Meldung des Ausführenden nicht, so ruft er laut: „Nicht verstanden!“

Zur Vermeidung von Missverständnissen ist Ruderkommandos stets das Wort „Ruder“ voranzustellen. Anderenfalls würde bei Schiffen mit zwei Maschinen/Wellen ein Kommando wie z. B. „Backbord 10“ nicht einzuordnen sein.

Ruderkommandos nach Ruderlage mini|Ruderlagenanzeiger Bei Ruderkommandos gibt Backbord oder Steuerbord die Richtung an, in der das Schiff drehen soll. Bei üblichen analogen Ruderanlagen wird das Steuerruder entsprechend nach links oder nach rechts gedreht. In der modernen Schifffahrt wird ein Hebel (Joystick) entsprechend bewegt, um das Rudersignal elektronisch zu verarbeiten. Auf kleinen Sportbooten vor allem der Segler ist auch die Pinnensteuerung zu finden, bei der die händische Hebelwirkung unmittelbar auf das Ruderblatt übertragen wird und die Pinne bei Kursänderung nach Steuerbord vom Steurer nach Backbord bewegt werden muss.

Nach Ruderlage wird üblicherweise bei An- und Ablegemanövern sowie in engen Gewässern gesteuert.

Die folgenden Kommandos werden mit Steuerbord gelistet; für Backbord gelten sie entsprechend.

Kommando: „Ruder hart steuerbord!“. Der Rudergänger hat das Ruder schnell (Hartruderlagen bedeuten stets, dass Eile geboten ist) nach Steuerbord in die (maximale) Hartruderlage zu drehen. Rudergänger wiederholt: „Ruder hart steuerbord“. Nach Ausführung meldet der Rudergänger „Ruder liegt hart steuerbord“ und wiederholt ggf. die Meldung, bis er vom Kommandogebenden ein „Ja“ oder „Aye“ hört. Kommando: „Ruder mittschiffs!“. Der Rudergänger hat das Ruder in Mittschiffsposition (geradeaus) zu legen. Rudergänger wiederholt: „Ruder mittschiffs“. Nach Ausführung meldet der Rudergänger „Ruder liegt mittschiffs“ und wiederholt ggf. die Meldung, bis er vom Kommandogebenden ein „Ja“ oder „Aye“ hört. Kommando: „Ruder Steuerbord 20!“. Der Rudergänger hat das Ruder auf 20 Grad Steuerbord zu legen. Rudergänger wiederholt: „Ruder Steuerbord 20“. Nach Ausführung meldet der Rudergänger „Ruder liegt Steuerbord 20“ und wiederholt ggf. die Meldung, bis er vom Kommandogebenden ein „Ja“ oder „Aye“ hört. Da das Wasserfahrzeug mit gegebener Ruderlage sich nun in einer fortlaufenden Drehung befindet, meldet der Rudergänger laufend, wenn auf dem Kompass 10 Grad durchgehen (z. B. „050 geht durch“, „060 geht durch“, „070 geht durch“, …). Um sich der Aufmerksamkeit des Kommandogebenden sicher zu sein, wiederholt er jede einzelne Durchgangsmeldung, bis sie mit einem „Ja“ oder „Aye“ quittiert wird oder der Kommando Gebende befiehlt: „Keine Durchgänge melden!“ Letzteres wird besonders dann der Fall sein, wenn der Kommandogebende ohnehin ganz auf den Verlauf des Manövers konzentriert ist und Ablenkung durch andere Meldungen, Funkverkehr usw. nicht gegeben ist. Kommando: „Komm auf auf …“ verringert die Ruderlage in einer laufenden Drehung. Der Rudergänger kann so z. B. den Befehl erhalten, aus einer Hartruderlage auf Ruderlage Steuerbord 10 aufzukommen (zu verringern). Wiederholung des Befehls, Meldung der Ausführung und Quittung wie vor. Kommando: „Stütz (das) Ruder“. Der Rudergänger hat in einer Abfolge von Drehungen des Fahrzeugs ohne festen Kurs die aktuelle Fahrtrichtung dadurch beizubehalten, dass er die nachlaufende Drehbewegung durch leichtes Gegenruder abfängt, d. h. bei einer Drehung nach Steuerbord das Ruder so nach Backbord legen, dass die Drehbewegung rascher endet. Wiederholung des Befehls wie vor. Sobald der Kurs sich nicht mehr ändert, Meldung der Ausführung („Kurs … liegt an“) und Quittung wie vor.

Ruderkommandos nach Kurs, Fahrwasser oder Landmarke Der zu steuernde Kurs ergibt sich aus der Navigation nach Seekarte (oder elektronischem Äquivalent wie Electronic Navigational Chart; ENC). Ein Wasserfahrzeug nach Kurs zu steuern, folgt stets einem Manöver (vor allem Ablegen), das abgeschlossen sein sollte. Einem Rudergänger einen zu steuernden Kurs aus einer noch laufenden Drehung heraus zu befehlen, ist unvernünftig.

Kommando: „Kurs … steuern“. Der Rudergänger hat aus einer Drehung, die bereits mit Ruderlage mittschiffs verlangsamt wurde, den befohlenen neuen Kurs zu steuern. Wiederholung des Befehls, Meldung der Ausführung („Kurs … liegt an“) und Quittung wie vor. Kommando „Neuer Kurs wird eins-zwo-drei“: Der Rudergänger beobachtet nun die Kompassanzeige, achtet aber anhand des Ruderlagenanzeigers darauf, keine zu heftigen Ruderlagen zu erzeugen. Der Rudergänger wiederholt das Kommando. Sobald der befohlene Kurs sicher anliegt, meldet er „eins-zwo-drei liegt an“. Der Kommandogebende quittiert mit „Ja“ oder „Aye“. Kommando „Nach Steuerbord auf eins-zwo-acht gehen“: Dieses Kommando dient der leichten Anpassung des Kurses, um z. B. Versatz durch Gezeitenstrom auszugleichen. Es soll auf diese Weise nie eine Kursänderung um mehr als 10 Grad vorgenommen werden; eine solche wäre mit Kommando nach Ruderlage einzuleiten. Rudergänger wiederholt den Befehl, steuert entsprechend ein, meldet „Kurs eins-zwo-acht“ liegt an und dies wird quittiert. Kommando „Mitte Fahrwasser steuern“ auch „Steuerbord Seite Fahrwasser steuern“: Ein erfahrener Rudergänger steuert selbstständig unter Beobachtung des Schiffsführers in der Mitte (oder an Steuerbord Seite) eines klar gekennzeichneten Fahrwassers. Rudergänger wiederholt den Befehl und steuert entsprechend. Kommando „Mitte Kanal steuern“: Ein erfahrener Rudergänger steuert selbstständig unter Beobachtung des Schiffsführers in der Mitte eines Kanals. Rudergänger wiederholt den Befehl und steuert entsprechend. Kommando: „Rudergänger, Kiel Leuchtturm voraus nehmen“: Diese Art der Angabe der Richtung, in die gesteuert werden soll, ist nicht unüblich und kann seemännisch gerechtfertigt sein. Rudergänger wiederholt, meldet „Kiel Leuchtturm recht voraus“ und dies wird quittiert. Kommando: „Recht so steuern“. Rudergänger liest den gerade anliegenden Kurs ab, bestätigt das Kommando mit „… steuern“, überprüft den Kurs und meldet „… liegt an“.

Maschinenkommandos mini|Maschinentelegraf mini|Kommandogabe mit Sprachrohr Bei größeren Wasserfahrzeugen dienen die Maschinenkommandos der Übermittlung an den Maschinenraum per Maschinentelegraf oder Sprachrohr. Das Kommando muss von dort aus quittiert werden, was wiederum über die mechanische Rückmeldung des Maschinentelegrafen oder durch Sprachrohr erfolgt. Kleinere Einheiten, vor allem Sportboote, sind mit einem Fahrtstufenregler zur direkten Bedienung vom Steuerstand ausgestattet.

Bei Schiffen und Booten mit einem Propeller (Schraube) bedarf es keiner zusätzlichen Ansprache. Mehrschraubenschiffe und -boote erfordern die deutliche Nennung, welche Maschine (Steuerbord, Backbord) wie laufen soll.

Kommando „Beide/Steuerbord/Backbord Maschine[n] voraus/zurück geringste/kleine/halbe/große/äußerste“ Kommando „Beide/Steuerbord/Backbord Maschine[n] stopp“

Wiederholung, Meldung und Quittung wie bei Ruderkommandos.

Vor allem bei Wasserfahrzeugen mit flachem Schiffsboden (z. B. Flussfähren) kann der gegenläufige Einsatz von Steuerbord- und Backbord-Maschine mit entsprechender Ruderlage zur Drehung auf der Stelle (backsen) oder zu einer seitlichen Bewegung (traversieren) eingesetzt werden.

Kommando z. B. „Ruder Steuerbord 15! Backbord voraus halbe, Steuerbord zurück halbe!“: Führt zu einer schnellen Drehung nach Steuerbord, ohne Fahrt voraus aufzunehmen. Kommando z. B. „Ruder Steuerbord 15! Steuerbord voraus halbe, Backbord zurück halbe!“: Führt zu einer seitwärtigen Bewegung nach Backbord, ohne Fahrt voraus aufzunehmen.

Auf Wasserfahrzeugen, die mit Verstellpropeller oder Voith-Schneider-Antrieb ausgestattet sind, müssen darüber hinaus weitere Einstellungen vorgenommen werden, die jedoch direkt und ohne Kommando an Brücken- oder Maschinenpersonal im eigentlichen Sinn veranlasst werden.

Kommandos auf Segelbooten miniatur|Kurse zum scheinbaren WindAbgesehen von sehr kleinen Jollen sind Segelboote in der Regel mit mindestens zwei Personen besetzt. Neben dem Bootssteurer fungiert die zweite Person als Vorschoter, d. h. bedient das Vorsegel. Der Bootssteurer hat das Kommando. Vorschoter und ggf. weitere an Bord Befindliche, die zu Aufgabe eingeteilt sind, geben dem Bootssteurer Rückmeldung über die Ausführung eines Kommandos. Kommandos zu wiederholen und die Ausführungsmeldung zu quittieren ist empfohlen, jedoch nicht vorgeschrieben-

Kommando „Klar zur Wende!“: Vorschoter meldet „Ist klar“. Bootssteurer ruft „Ree!“ und legt hart Ruder nach luv. Kommando „Anluven/Abfallen auf Hart am Wind/Am Wind/Halbwind/Raumwind, Schoten fieren/dichtholen“: Vorschoter fiert oder holt die Schot, passt somit die Segelstellung dem neuen Kurs an und meldet „ist dicht geholt/ist mit gefiert“. Darauf bestätigt der Bootssteurer „Neuer Kurs liegt an“. Kommando „Klar zum Halsen!“: Vorschoter meldet „Ist klar“ Bootssteurer legt Ruder nach lee. Vorschoter meldet „Schothorn fällt“. Bootssteurer holt die Großschot dicht und ruft „Rund achtern!“ Kommando „Klar zum Aufschießen“: Vorschoter meldet „ist klar“. Bootssteurer dreht in den Wind und ruft „Schoten los!“

Kommandos auf Motoryachten Grundsätzlich gilt, dass Kommandos, die vom Bootsführer gegeben werden, von der ausführenden Person wiederholt und die erledigte Ausführung gemeldet wird.

Kommando „Klar zum Ablegen“: „Achterleine ein“, „Vorleine ein“, „Fender ein“, „Aufklaren“ Kommando „Klar zum Anlegen mit Backbord/Steuerbord Seite/mit dem Heck“: „Fender ausbringen“, ggf. „Buganker klar“, „Leinen an Land“, ggf. „fallen Buganker“, „Maschine abschalten“ Kommando „Klarmachen zum Ankern“: „Frage Wassertiefe“, „Anker klarmachen zum Fallen“, „Fallen Anker“, „x Meter Kette zu Wasser/Leine stecken“, „Anker trägt“ Kommando „Boje über Bord!“: „Boje beobachten“, Hartruderlage steuerbord/backbord, „Boje gesichtet an Steuerbord/Backbord querab (achteraus)“, etwa 1 Bootslänge vor der Boje: „Nehme Boje an Steuerbord/Backbord auf!“

Notfall „Schotten dicht!“: wasserdichte Schotten schließen; Verschlusszustand herstellen (Marine) „Notsignal geben!“: Funktechnische und digitale Kommunikationseinrichtungen zur Alarmierung von Rettungsdiensten aktivieren „Alle Mann an Deck!“: Gesamte Mannschaft an Deck kommen! „Klar bei Rettungsweste“: Rettungswesten anlegen „Alles in die Boote!“: Schiff verlassen; in die Rettungsboote (Marine: „Auf Bergestation!“)