Eine Gemeindefusion (auch Gemeindezusammenlegung oder Gemeindezusammenschluss) ist der freiwillige oder erzwungene Zusammenschluss von mindestens zwei Gemeinden zu einer neuen Gemeinde als Rechtsnachfolgerin.
Allgemeines Gemeindefusionen können das Ergebnis einer allgemeinen Gebietsreform sein oder auf einem – nur für diese Gemeindefusion geltenden – spezifischen Gesetz beruhen. Eine Gemeindefusion ist der Zusammenschluss mindestens zweier benachbarter Gemeinden zu einer, wobei die neue Gemeinde sämtliche öffentlichen Aufgaben der bisherigen Gemeinden übernimmt.Reto Steiner: Kooperationen und Fusionen der Gemeinden in der Schweiz. 1999, S. 31. Daher finden Gebietsreformen statt durch Entzug eines ganzen oder teilweisen Gemeindegebiets, etwa durch Zusammenschluss (Gemeindefusion) oder EingemeindungChristian Münzer: Rechtsschutz der Gemeinden im Verfahren zur kommunalen Gebietsänderung nach nordrhein-westfälischem Recht. 1971, S. 6 ff. und gleichzeitige Vergrößerung eines vorhandenen anderen Gemeindegebiets. Stets ist mit einer Gemeindefusion eine kommunale Neugliederung verbunden.
Der Sprachgebrauch der Neugliederung bezeichnet mit Gemeindefusion den Zusammenschluss etwa gleich großer, nahe zusammenliegender Gemeinden, wobei die neue Gebietskörperschaft häufig einen Doppelnamen oder einen neuen Namen erhält. Gemeindefusionen gibt es als Zusammenschluss zu einer neuen Gemeinde oder als Eingemeindung in Form der Aufnahme einer Gemeinde in eine andere Gemeinde.Eva Siebenherz: Untergegangene Orte: Verschwundene Dörfer in Deutschland. 2016, S. 4.
Arten Es schließen sich mindestens zwei Gemeinden zu einer neuen Gemeinde zusammen, wobei alle betroffenen Gemeinden ihre bisherige Rechtsfähigkeit verlieren: . Diese echte Gemeindefusion lässt aus zwei (oder mehr) bislang selbständigen Gemeinden eine neue Gemeinde entstehen, die einen neuen Gemeindenamen erhält. Bei einer Eingemeindung gibt eine Gemeinde ihre rechtliche Eigenständigkeit auf, im ersten Fall ist dies die Gemeinde , im zweiten Fall die Gemeinde : oder
Bei der Eingemeindung verliert die – meistens kleinere – Gemeinde ( oder ) ihre Selbständigkeit.
Auswirkungen Gemeindefusionen können sich vor allem auf Wohn- und Geschäftssitz, Wahlkreise, Schulen, Steuern und weiteres auswirken. Allen gemeinsam ist ihre Abhängigkeit von einem Gemeindegebiet, so dass eine Änderung eines Gemeindegebiets automatisch auch eine Veränderung dieser geografisch orientierten Rechtsinstitute zur Folge hat.
Durchschnittliche Einwohnerzahlen je Gemeinde in einigen Staaten Land AnzahlGemeinden Einwohner Ew.-Ø /Gemeinde Jahr Deutschland16.12779.753.0004.9451990 10.848 83.019.213 7.653 2019 Deutschland: Sachsen-Anhalt 1.3672.873.9572.1021990 218 2.208.321 10.130 2019 Griechenland 6.000 10.815.197 1.8031997 325 33.278 2011 Niederlande 443 16.730.632 37.767 2014 ÖsterreichStand: Einwohner 1. Januar 2015, Gemeinden 1. Mai 2015 2.3548.507.7863.6142013 2.100 8.579.747 4.086 2015 Österreich: Burgenland 171 287.416 1.681 2013 Österreich: Niederösterreich 573 1.636.287 2.856 2015 Österreich: Oberösterreich 442 1.436.791 3.251 2015 Österreich: OÖ Mühlviertel, 120 Gemeinden laut Abruf am 14. September 2014.Wirtschaft im Mühlviertel: Das Mühlviertel hatte 1991 246419 Einwohner,Quelle: Die Bezirke Oberösterreichs im Spiegel der Statistik, Ausgabe 1993, Handelskammer Oberösterreich, abgerufen am 14. September 2014. 120 246.419 2.053 1991 Österreich: Steiermark exkl. GrazGemeindefusionen: 80 Prozent machen's freiwillig: Die Grüne Mark hat ab 2015 statt 542 nur noch 288 Kommunen, Kurier, 3. Oktober 2013, abgerufen am 14. September 2014. 542 946.847 1.747 2010 Österreich: Steiermark , Scoop.at, 18. November 20135391.215.2462.2552013 285 1.221.014 4.284 2015 Polen 2.478 38.483.957 15.512 2014 Schweden 290 9.573.466 33.012 2013 SchweizVolkszählungen ab 1850: Visualisierung historischer Daten, Bundesamt für Statistik (Ständige Wohnbevölkerung in 1000; Excel, 19,3 kB); abgerufen am 29. November 2019.3.0216.751.0002.2351990 2.212 8.544.527 3.863 2019 Schweiz: Glarus 2738.6091.4302010 3 40.349 13.450 2017
International
Länderartikel
Nach ihren Auswirkungen ist bei der Gemeindefusion in Frankreich zu unterscheiden zwischen der einfachen Gemeindefusion () und der durch das Gesetz vom 16. Juli 1971 neu geschaffenen Gemeindefusion zu assoziierten Gemeinden ().Hermann Franz: Die Communauté urbaine: das Stadt-Umland-Problem in der französischen Kommunalreform, 1985, S. 49.
Österreich Im Burgenland wurden 1971 319 Gemeinden zu 138 Gemeinden zusammengelegt. Dabei wurden 254 Gemeinden aufgelöst und zu 73 zusammengefasst, 65 Gemeinden blieben bestehen. Aufgrund von späteren Gemeindetrennungen stieg die Zahl der Gemeinden bis Jänner 2013 auf 171.
In Kärnten verringerte sich 1973 die Zahl der Gemeinden durch die Gemeindestrukturreform von 242 auf 121, einige neue Gemeinden wurden später wieder getrennt.
Bei der NÖ. Kommunalstrukturverbesserung ab 1965 wurden in Niederösterreich die Zahl der Gemeinden von 1652 auf letztlich 573/574 reduziert.
Von 2010 bis 2015 erfolgte die Steiermärkische Gemeindestrukturreform, bei der die Zahl der Gemeinden von 542 auf 287 und die der Bezirke von 17 auf 13 verkleinert wurde.
Siehe auch Doppeldorf
Weblinks Gemeindefusion auf der österreichischen Plattform Verwaltungskooperation
Einzelnachweise
Kategorie:Kommunalverwaltung Kategorie:Gebietsreform