mini|Georgische Weiß- und Rotweine Der Weinbau in Georgien hat eine lange Tradition, die über 8000 Jahre zurückreicht. Georgien ist damit eines der Ursprungsländer des Weinbaus und der kultivierten Weinrebe. Das Land verfügt über günstige geologische und klimatische Voraussetzungen. 2005 wurde die Rebfläche auf 60.000 ha geschätzt. Neben einer großen Vielfalt traditioneller einheimischer Rebsorten werden auch einige internationale Standardsorten angebaut. Wein ist der zweitwichtigste Exportartikel des Landes (nach dem Export von Alteisen), traditionell größter Abnehmer war Russland, der Handel nach Russland ist jedoch seit dem Kaukasuskrieg 2008 stark zurückgegangen.
Der traditionelle Weinausbau in Amphoren (Quevri) wurde 2013 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.Ancient Georgian traditional Qvevri wine-making method Inscribed in 2013 (8.COM) on the Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity, abgerufen am 3. März 2019.
Anbauregionen In Georgien werden vier verschiedene Weinbauregionen unterschieden. Es handelt sich um Kachetien im Osten, Kartlien mit dem Kura-Tal im Südosten, Imeretien im westlichen Zentralteil und Ratscha-Letschchumi und Niederswanetien im Nordwesten des Landes. Die größten Weinplantagen liegen in Ostgeorgien, gerade Kachetien ist ein Herzland des Weinanbaus. Dabei repräsentieren die Namen der Weine ihre Anbaugebiete. Nach alter Tradition ist es untersagt, Weine miteinander zu verschneiden, was die Reinheit der Sorten und Anbaugebiete gewährleistet.
Anders verhält es sich in Westgeorgien, wo die Landschaft von Berg- und Hügelländern dominiert wird. Durch die Gliederung der Landschaft und die unterschiedliche mineralogische Konsistenz der Böden wird das Wachstum der Reben beeinflusst. Ein weiterer Faktor ist der Sonneneinfall, der zu einem unterschiedlichen Saftstand in den Trauben selbst auf dem gleichen Hang führt und die Ausführung größerer Anlagen unmöglich macht. So kann es in Westgeorgien sein, dass selbst auf zwei direkt nebeneinander liegenden Hängen oder Wingerten sehr unterschiedliche Reben angebaut werden, die sich durch ihre eigenen Charaktere auszeichnen. Hier werden keine großen Mengen produziert, die Weine sind Unikate. Entsprechend ist der Weinbau arbeitsintensiv und verlangt die Zuwendung des Weinbauern. Dies zeigt sich an den Häusern: Viele sind zur Straße hin abgeschlossen und öffnen sich mit Fenstern und Balkonen zum Weinhang hin.
Kachetien mini|Versuchsweinberge in Kachetien Kachetien in den Tälern des Alasani und Iori im Südosten ist die bedeutendste Anbauregion. Das Klima ist gemäßigt (Mesoklima). Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 400 bis 800 mm und die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 10,5 und 11 °C. Es kommen kalkhaltige Böden, teilweise auch Schwemmlandböden vor. Hauptrebsorten sind hier Rkaziteli (weiß) und Saperawi (rot). In Kachetien wachsen 70 % der Trauben für die Weinbereitung und Brennweine für Destillate. Man unterscheidet drei Anbaugebiete und über 25 Unterbereiche, das sind zum Beispiel Achmeta, Kwarelo-Kindsmarauli, Manawi, Napareuli und Zinandali. In dieser Region entsteht der charakteristische kachetische Wein, der durch Vergären in besonderen Tonkrügen (georgisch Quevri), gefolgt von einer ausgedehnten drei- bis viermonatigen Maischelagerung, so wie seit Jahrtausenden praktiziert, eine eigentümlich tanninherbe Art erlangt.
Kartlien mini|links|Tiflis umringt von Bergen Die Region Innerkartlien befindet sich in einem großen Gebiet im Kura-Tal und umschließt die Tiefländer Gori und Muchran. Etwa 15 % der georgischen Produktion stammen aus dieser Gegend. Hier entstehen Weine europäischen Stils für den Export sowie Grundweine für Branntwein und für die Schaumweinbereitung. Hier ist es mäßig warm, die Sommer sind heiß und trocken. Aufgrund geringer Niederschläge (350 bis 500 mm im Jahresmittel) muss künstlich bewässert werden.
Georgiens Hauptstadt Tiflis mit ihren großen Schaumweinkellereien und Brennereien befindet sich in dieser Region. Die im Jahre 1897 gegründete älteste Kellerei in Tiflis verfügt über eine Raritätensammlung mit etwa 1600 Weinen mit einem Umfang von rund 150.000 Flaschen. Dort lagern nicht nur regionale Produkte, sondern auch sehr alte ausländische, beispielsweise Cognac von 1811, Madeira und Marsala von 1822, Sherry von 1848 sowie Tokajer von 1846.
Imeretien Im östlichen Teil von West-Georgien, in den Tälern und Schluchten der Flüsse Rioni, Qwirila und anderer findet sich die Region Imeretien. Auf dem fruchtbaren Schwemmland, im windgeschützten Mikroklima entlang der Flüsse, gedeihen vielfältige Rebsorten, von denen die weiße Zizka besonders typisch für die Region ist. Auch hier wird eine eigene altehrwürdige Vinifikationsmethode benutzt, die der kachetischen ähnelt, nur werden in die Tonkrüge, in denen die Gärung vor sich geht, Traubenschalen gegeben, was an das italienische Governo-Verfahren erinnert. Daran schließt sich eine sechs bis achtwöchige Maischelagerung an.
Ratscha-Letschchumi Nördlich von Imeretien liegt an den Ufern der Flüsse Rioni und Zcheniszkali die Region Ratscha-Letschchumi. Nur mäßige Niederschläge (1000 bis 1300 mm jährlich), Südlagen und eine Reihe von autochthonen Rebsorten erbringen Trauben mit einem hohen Zuckergehalt. Der Unterbereich Chwantschkara ist bekannt für seinen lieblichen Chwantschkara-Wein, u. a. aus den Traubensorten Aleksandrouli und Mudschurtuli.
Subtropische Regionen Abchasien, Adscharien, Gurien und Mingrelien können zu einem fünften Bereich zusammengefasst werden. Im feuchten subtropischen Klima dieser Regionen werden vor allem Süßweine produziert, die fast ausschließlich für den regionalen Markt bestimmt sind. Über den Hafen Poti wird auch Wein ausgeführt.
Rebsorten und Erzeugnisse Rebsorten Die Qualität georgischer Rotweine war in der ehemaligen Sowjetunion angesehen. Etwa 60 bis 70 % der Gesamtrebfläche Georgiens sind mit roten Sorten bestockt. In Georgien sind Wildreben heute noch stark verbreitet. Dort ist die Vitis vinifera mit der Unterart silvestris noch heute vertreten. Es existieren mehrere Rebschulen.
Über 500 autochthone Rebsorten können differenziert werden. 38 Sorten sind offiziell für den kommerziellen Weinbau zugelassen. Dazu zählen Aladasturi, Aleksandrouli, Chichwi, Dswelschwari Obtschuri, Goruli Mzwane, Katschitschi, Kratschuna, Mudschuretuli, Mzwane, Odschaleschi, Orbeluri, Rkaziteli, Saperawi, Tschchaweri, Tschinuri, Ussachelauri, Zizka und Zolikouri. Auch Vitis – Isabella, Fetească Alba, Fetească Muskatnaia, und Fetească Regală findet man oft. Modernes Weinmarketing erfordert jedoch auch den Anbau von internationalen Sorten. In Georgien werden deshalb auch Aligoté, Chardonnay, Riesling, Cabernet Sauvignon, Malbec, Merlot und Pinot Noir angepflanzt.
Herkunftsbezeichnungen Sehr bekannte Weine bzw. Appellationen sind Achascheni (rot), Anaga (weiß), Chwantschkara (rot), Kachetinskoje (weiß), Kardanachi (weiß), Kindsmarauli (rot), Kwareli, Mukusani (rot), Napareuli (rot, weiß), Salchino (rot), Teliani (rot) und Zinandali (weiß). Der Wiedererkennungswert der Herkunftsbezeichnungen wird gemindert durch verschiedene Schreibweisen. So findet man einmal Tsinandali, ein anderes Mal Zinandali oder Mukusani statt Mukuzani.
Neben Rot- und Weißweinen aus den einheimischen und europäischen Rebsorten werden große Mengen gespritete und süße Likörweine erzeugt. In Georgien gibt es insgesamt vier Sektproduzenten. Die Marktlage in diesem Bereich ist stabil.
Weinbrand mini|David Saradschischwili und Eniseli, Destillatkeller Georgischer Weinbrand ist unter der Bezeichnung Tschatscha bekannt und zeichnet sich durch ein edles und feines Bouquet mit Vanillearoma, einen weichen samtigen Geschmack und angenehme Bernsteinfarbe aus. Tschatscha ist ein Nebenprodukt des Weinbaus und wird sowohl von den Weinbauern für den Eigengebrauch selbst gebrannt, was nach georgischem Recht zulässig ist, außerdem wird Tschatscha auch von Industriebetrieben im großen Stil produziert. Teilweise wird Tschatscha in Eichenfässern gelagert und bekommt von den Fässern zusätzliche Holzaromen und die Farbe. In Georgien hatte sich bereits 1884 unter David Saradjischwili eine prosperierende Kognakproduktion etabliert. Auf der Konferenz von Jalta überraschte Josef Stalin Winston Churchill mit der Qualität des „grusinischen Kognaks“. („Grusinien“ ist die ins Deutsche übertragene russische Bezeichnung für Georgien.)
Die Produktionsschritte sind den charentaiser Methoden vergleichbar. In Russland darf sich der Weinbrand Cognac nennen. Der Aufdruck des Etiketts muss allerdings in kyrillischer Schrift erfolgen.
Geschichte Anfänge Die ältesten Nachweise für Weinbau im heutigen Georgien werden auf die Zeit 6000–5800 v. Chr. datiert. Über 4000 Jahre alte Traubenkerne, Werkzeuge und Gefäße wurden in Mzcheta, Trialeti, Pizunda und im Alasani-Tal ausgegraben. Die Tonkrüge enthielten Kerne der weißen Sorte Rkaziteli. Eine Untersuchung der Traubenkerne ließ darauf schließen, dass Reben bereits zu jener Zeit kultiviert wurden. Ein mit Silber überzogenes kurzes Stück Rebenholz aus der Ortschaft Trialeti wird im Tiflisser National-Museum gezeigt. Es datiert auf die Zeit um 2500 v. Chr.
Die griechische Argonautensage berichtet, dass die Argonauten unter Führung von Jason bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt Kolchis rankende Reben am Eingang des Königspalasts und einen Brunnen mit Wein im Schatten der Bäume vorgefunden hätten. Die Ursprünge der Sage reichen ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurück, als die Griechische Kolonisation die Küste des Schwarzen Meeres erschloss. Vom westgeorgischen Staat Kolchis wird vermutet, dass dort seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. nicht nur Wein angebaut, sondern auch exportiert wurde. Enge ökonomische Verbindungen bestanden zu Griechenland und dem Perserreich.
Mittelalter und Neuzeit Das traditionelle Weinrebenkreuz der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche stellt Weinreben dar, die mit dem Haar der heiligen Nino verwoben sind. Das sollte demonstrieren, dass der christliche Glaube und die Weinrebe die heiligsten Güter des Landes sind. An den Wänden von Tempeln in Samtawisi, Ikalto, Gelati, Nikortsminda, Wardsia und Zarmza kann man Ornamente mit Trauben tragenden Reben finden und auch der Thron des Patriarchen im Klosterkomplex Haghpat ist mit Trauben geschmückt. Die im 12. Jahrhundert gestiftete Akademie Ichalto dokumentierte den Weinbau in Georgien. Unter osmanischer Besatzung brach der Weinanbau vom 15. bis zum 18. Jahrhundert wieder zusammen. Die islamischen Gesetze unterdrückten die Herstellung von Wein aus Trauben.
In das südliche Georgien wanderten zwischen 1816 und 1818 schwäbische Pietisten mit Weinverstand ein. Neben dem Anbau von Obst und Gemüse widmeten sich die Kaukasiendeutschen dem Weinbau.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Rebfläche 71.200 ha ein, doch durch die aus Amerika eingeschleppte Reblaus und Pilzkrankheiten wurde sie bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts auf 37.400 Hektar vermindert. Um die zerstörten Weinberge wieder einer produktiven Nutzung zuzuführen, wurden reblausfeste amerikanische Unterlagsreben importiert.
Sowjetunion Zu sowjetischen Zeiten (siehe Georgische SSR) fand georgischer Wein starken Absatz. Es begann eine Ära der Massenproduktion. Die Weinbaufläche stieg zwischen 1950 und 1985 von 58.000 auf 128.000 Hektar. Die jährliche Weinproduktion betrug Mitte der 1980er-Jahre 800.000 Tonnen.
Die Prohibition der 1980er-Jahre traf Georgien hart. Hektarweise wurden Weinberge im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Alkoholismus niedergelegt. Gorbatschows Anti-Alkohol-Kampagne vernichtete wertvolle Güter. Die georgische Weinwirtschaft geriet in gravierende Schwierigkeiten.
Unabhängigkeit und „Weinkrieg“ mit Russland