Die Internationale Multimedia-Schülerzeitung trait d’union (französisch; „Bindestrich“) ist eine Plattform der interkulturellen Kommunikation und Kooperation von und für Schüler und ihre Lehrer in aller Welt.

Basisinformationen miniatur|rechts|Internationales Projekttreffen italienischer, polnischer, französischer und deutscher trait d’union-Mitarbeiter im November 2001 in Rom. Gastgeber war das Liceo "Bertrand Russell".

Die Anfänge von trait d'union liegen im Jahr 1999, als das Projekt von der Deutschen Schule Toulouse zunächst vor allem als eine Plattform der pädagogischen Zusammenarbeit mit dem benachbarten Lycée International Victor Hugo de Colomiers (Frankreich) ins Leben gerufen wurde. Den unmittelbaren Anstoß zur Initiierung von trait d'union gab die Goethe-Rallye, ein trilinguales interkulturelles Lernspiel, das 1999 in Rom im Rahmen eines Schüleraustauschs zwischen der Deutschen Schule Toulouse, dem Liceo "Bertrand Russell" di Roma und dem Lycée International Victor Hugo de Colomiers durchgeführt wurde.

Die Zeitung erscheint in der Regel einmal pro Jahr gedruckt, online und (unregelmäßig) als Video, wobei immer ein bestimmtes Schwerpunktthema, z. B. "Wir alle sind Fremde" (1/2001) oder "Träume und Entwicklungen" (5/2005), im Vordergrund steht.

Der Online-Auftritt von trait d'union wurde von Anfang an vom DASAN-Server (Deutsche Auslandsschularbeit am Netz) der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) beim Bundesverwaltungsamt gehostet. In den Jahren von 2000 bis 2003 erfuhr trait d'union als internationales Schulprojekt aus Mitteln des Comenius-Programms der Europäischen Union finanzielle Unterstützung.

Zwischen 2000 und 2017 beteiligten sich insgesamt 27 Schulen vor allem aus Europa, aber auch aus Afrika und Asien sowie Nord- und Südamerika an der Gestaltung der multilingualen Zeitung, darunter fünf Deutsche Auslandsschulen und drei inländische deutsche Schulen. 2005 sah die ZfA trait d'union „auf dem Weg, eine der größten interkulturellen Schülerzeitungen der Welt zu werden“ (ZfA-Info 1/2005). Die Texte der bisherigen Ausgaben von trait d'union (bis 2005) sind in 15 Sprachen verfasst, darunter auch solchen aus Afrika und Asien.

Das Projekt ist allen Schultypen zugänglich: Die meisten Teilnehmerschulen sind Gymnasien oder diesen äquivalent; aber auch Grundschulen gehören zum – permanent aufnahmebereiten – Teilnehmerkreis.

Koordinierungsschule war von September 1999 bis Juli 2007 die Deutsche Schule Toulouse, seit September 2004 gemeinsam mit dem Michaeli-Gymnasium München. Zwischen 2007 und 2015 lag die Leitung des Projekts bei der Deutschen Schule Bilbao. Project Manager ist Lothar Thiel. Er unterrichtete bis 2019 am Gisela-Gymnasium München (Deutschland), das seit dem Schuljahr 2015/16 als Koordinierungsschule fungiert.

Der Name der Zeitung als Sinnbild ihrer Struktur Das Verbinden spielt für die Internationale Multimedia-Schülerzeitung trait d’union eine so wesentliche Rolle, dass das Symbol des Bindestrichs als Name gewählt wurde.

miniatur|rechts|Video: "Faust im 21. Jahrhundert", Episode "Faust beim Psychologen". Kooperationsprojekt zwischen der Deutschen Schule Toulouse und dem Lycée International Victor Hugo de Colomiers (2003) Interkulturalität Als interkulturelles Projekt erhebt die Zeitung trait d’union nicht nur den Anspruch Multikulturalität im Sinne kultureller und sprachlicher Vielfalt (sei es im Innern einer Gesellschaft oder auf internationaler Ebene) zu dokumentieren. Es geht ihr auch darum, das Verhältnis zwischen den verschiedenen Kulturen – Unterschiede und Gegensätze, aber auch Gemeinsamkeiten – zu thematisieren, was die Reflexion über die in der Ära der Globalisierung so wichtigen Fragen einschließt, wie konfliktträchtige Interaktionen zwischen unterschiedlichen Kulturen entschärft und das Voneinanderlernen gefördert werden kann. Dementsprechend dominieren in ihren Publikationen kulturelle und interkulturelle Beiträge, die von den Schülern ihrer Mitgliedsschulen in aller Welt erarbeitet werden.

Indem sie ihre Mitarbeiter aus den verschiedenen Ländern dazu einlädt, ihre Arbeiten schon während des Entstehungsprozesses auf den virtuellen Redaktionstisch trait d'union IntraNet zu legen, versucht sie, zumindest im Rahmen ihres Projekts einen Dialog, wenn nicht der Kulturen selbst, so doch zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturen anzuregen und zwischen ihnen eine auf ein gemeinsames Produkt zielende Kooperation zu ermöglichen. Dieser komplexe, von vielerlei Bedingungen abhängige Prozess spiegelt strukturell wider, was auch die berufliche Zusammenarbeit in internationalen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen zunehmend kennzeichnet. Interkulturelle Kompetenzen gehören daher im 21. Jahrhundert zu den Schlüsselqualifikationen und trait d'union will einen Beitrag dazu leisten, sie schulpädagogisch aufzuarbeiten und zu vermitteln.

miniatur|rechts|Video "The Sugarman... and the Kinder-Riegels", entstanden im Englischunterricht der Klasse 8d der Halepaghen-Schule Buxtehude (2005)

Multimedialität Die Multimedialität von trait d’union ermöglicht den Mitarbeitern gemäß ihren jeweiligen Absichten und technischen Möglichkeiten die Auswahl zwischen folgenden Medien bzw. Formaten: Druck, Onlinepräsentation, Audio, Video und PowerPoint. Da alle Medien spezifische Vorteile und Beschränkungen aufweisen, fördert der zielorientierte Umgang mit ihnen die Medienkompetenz der Teilnehmer, was auch die Verknüpfung verschiedener Medien einschließt.

Diese vielfältige Medienstruktur von trait d’union ist, dem technischen Fortschritt folgend, in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Sie spricht bei den Schülern die Inhaber unterschiedlicher Talente und Interessen an (z. B. den Computerspezialisten und den eher künstlerisch Ambitionierten) und kann so den Einzelnen, bedingt durch die Projektkooperation, an von ihm bisher nicht beachtete Tätigkeitsfelder heranführen.

Eine weitere Wirkung der Multimedialität ist die nahezu unbegrenzte Freiheit in der Auswahl der Gattungen – z. B. zwischen Texten, Fotos, Zeichnungen, Songs, Filmen – und deren Kombination. Dieser Aspekt unterstützt fächerübergreifende Projektansätze und die Kompatibilität des Projekts mit unterschiedlichen Bedingungen an der Teilnehmerschulen in den verschiedenen Ländern.

Kombination verschiedener Sozial- und Unterrichtsformen Verschiedene Sozialformen konstituieren die Säulen, auf denen die Projektarbeit von trait d’union beruht: Diese reichen vom individuellen Wirken freier Mitarbeiter über unterrichtsgestützte Projektbeiträge, die von interessierten Fachlehrern geleitet werden, bis zu permanenten Redaktionen, die an den einzelnen Schulen als Arbeitsgemeinschaft oder Wahlunterricht geführt werden können. Jede Mitgliedsschule entscheidet ihren jeweiligen Bedingungen gemäß frei darüber, welche Form(en) der Mitarbeit sie für sich wählt. Auch die Sozialformen weisen im Hinblick auf die materiellen und pädagogischen Projektziele spezifische Vorzüge und Grenzen auf, so dass sich deren Verknüpfung – auch schul- bzw. länderübergreifend – anbietet.

Soweit die Projektbeiträge aus dem Unterricht stammen, können sie, der jeweiligen Schulkultur entsprechend, eher traditionell (Frontalunterricht) oder unter Anwendung handlungsorientierter Unterrichtsmethoden erstellt werden, denen trait d’union ein reiches Betätigungsfeld bietet. Auch fächerverbindende und jahrgangsübergreifende Ansätze werden durch die Projektstruktur unterstützt. Sowohl in der Wahl der Unterrichtsform als auch hinsichtlich des Beitragsumfangs sind teilnehmende Pädagogen also völlig autonom.

Multilingualität Die Schüler bedienen sich für ihre Texte teils ihrer Erstsprache, die nicht mit ihrer Muttersprache identisch sein muss, teils einer Zweit- oder Fremdsprache. Auf diese Weise entstanden bis 2006 Artikel in fünfzehn Sprachen. Es sind dies: Arabisch (اللغة العربية, al-luġatu ʾl-ʿarabīya), Deutsch, Englisch (English), Französisch (Français), Hochchinesisch (普通话 bzw. 普通話 / Putonghua / Mandarin), Italienisch (Italiano), Litauisch (lietuvių kalba), Niederländisch (Nederlandse taal), Polnisch (język polski), Portugiesisch (Português), Rumänisch (limba româna), Russisch (русский язык), Spanisch (Español, Castellano), Urdu (اردو) und Wolof. Berücksichtigt man auch kürzere trait-d'union-Videos (siehe: Weblinks / trait d'union Web TV!), kamen bis 2007 noch folgende sechzehn Projektsprachen hinzu: Albanisch (Shqip), Armenisch (Հայերեն լեզու / Hajeren lesu), Bulgarisch (Български език / Bălgarski esik), Persisch (فارسی), Fon, Japanisch (日本語 / nihongo), Kurdisch (kurdisch: Zimanê Kurdî, türkisch: Kürt dilli, arabisch: الكردية), Neugriechisch (Νέα Ελληνικά / Néa Elliniká), Serbokroatisch (srpskohrvatski oder cрпскохрватски oder hrvatskosrpski oder hrvatski ili srpski oder srpski ili hrvatski), Slowakisch (Slovenčina), Tigrinya (Tigray, Tigrinja, Tigrigna), Tschechisch (Čeština), Türkisch (Türk dili, Türkçe), Ukrainisch (українська {мова} / ukrajinska {mowa}), Ungarisch (magyar nyelv) und Vietnamesisch (tiếng Việt, tiếng Việt Nam oder Việt ngữ).

Im Konflikt zwischen dem Ziel, die kommunikative Reichweite der Zeitung zu maximieren (was dafür spräche nur auf Englisch zu schreiben), und dem Anliegen kulturelle Vielfalt auch sprachlich auszudrücken (dies widerspräche jeglicher sprachlicher Selektion) steuert trait d'union einen diskutierbaren Kompromisskurs, welcher der faktischen Hierarchie der Sprachen hinsichtlich ihrer Verbreitung entspricht: Englisch wird als Weltsprache Nummer eins anerkannt. Es folgen die Sprachen, die in den meisten europäischen Ländern (in denen die Mehrzahl der Mitgliedsschulen beheimatet ist) als Fremdsprache unterrichtet werden. Die dritte Gruppe bilden die Sprachen, auf die dies nicht zutrifft. Texten, die in diesen Sprachen verfasst sind, werden sowohl in der Druck- als auch in der Online-Ausgabe Übersetzungen in Sprachen der Gruppe eins oder zwei beigefügt.

Darüber hinaus werden alle Artikel in trait d'union Online zusammen mit einer interaktiven Schaltfläche "Translate this text" präsentiert, welche die Nutzer zur Übersetzung sie interessierender Texte einlädt. Diese Versionen werden mit dem ursprünglichen Text verlinkt. Das Bemühen von den Navigationsseiten verschiedene Sprachversionen zur Verfügung zu stellen ist noch nicht sehr weit gediehen.

Die Multilingualität soll die Lust der Schüler auf Fremdsprachen anregen. Durch sie unterstützt trait d'union auch den Fremdsprachenunterricht, indem sie authentische Texte über Verhältnisse und Standpunkte aus anderen Ländern anbietet, die von Altersgenossen der Lernenden verfasst wurden. Dazu können die Schüler mit dem Verfasser eines Textes in dessen Erstsprache bzw. in der von ihm verwendeten Fremdsprache kommunizieren. Dies wird durch eine weitere interaktive Funktion, "Write us!", ermöglicht, wobei allerdings das Zustandekommen eines Dialogs mit dem Autor umso unwahrscheinlicher wird, je länger die Entstehung des Textes zurückliegt.

Thematik

Obwohl trait d'union als Projekt der interkulturellen Pädagogik nicht in dem Sinne eine klassische Schülerzeitung ist, als an ihr nur Schüler mitwirkten, gilt für die Thematik der Beiträge das Gebot der "Jugendlichenperspektive": Sie müssen einen klaren Bezug zur Lebenspraxis junger Menschen und zu ihrem Bewusstsein bzw. ihren Interessen aufweisen. Zugleich sollen die Themen aber auch bildungs- und damit unterrichtsrelevant sein, sei es auf inhaltlichem und arbeitstechnischem oder auf sprachlichem und sozial-kommunikativem – insbesondere interkulturellem – Gebiet.

Die durch die Kriterien der Jugendlichenperspektive und der Bildungsrelevanz entstehende Themenschnittmenge soll einerseits die Lern- beziehungsweise Projektmotivation der Schüler fördern – "Non scholae, sed vitae discimus" – und zum anderen die Chancen erhöhen, die Erarbeitung eines kleineren oder größeren Projektbeitrags kompatibel in den Unterricht verschiedener Länder zu integrieren.