Die westfriesische Sprache (Eigenbezeichnung (Westerlauwersk) Frysk) ist eine in der niederländischen Provinz Friesland (westfriesisch Fryslân) von etwa 350.000 Menschen gesprochene westgermanische Sprache innerhalb Frieslands. Das Westfriesische hat den Status einer zweiten Amtssprache. Die Mehrheit der Bewohner der Provinz Friesland spricht Westfriesisch, allerdings ist trotz zweisprachiger Schulerziehung die friesische Alphabetisierungsrate gering.

Die Bezeichnung Westerlauwersk bezieht sich auf die historische Sprachgrenze entlang der Lauwers, die es vom Ostfriesischen trennte. „Westfriesisch“ ist eher ein gelehrter Ausdruck im Deutschen und kann zu Verwechslungen führen, da im Niederländischen mit West-Friesland eine niederländischsprachige Region in Nordholland bezeichnet wird; in den Niederlanden nennt man die Sprache einfach Friesisch (Frysk auf Friesisch und Fries auf Niederländisch). mini|Historisches und heutiges Siedlungsgebiet der Friesen

Geschichte mini|Die erste Seite des Freeska Landriucht war das erste Buch in (alt)friesischer Sprache und wurde 1485 veröffentlicht.

Nordseegermanisch

Um 500 n. Chr. verbreiteten sich unter bestimmten südgermanischen Varietäten im Nordseegebiet ähnliche sprachliche Eigenarten, die „Nordseegermanismen“ oder „Ingwäonismen“ genannt werden. Aus dieser nordseegermanischen Sprachgruppe entstanden später das Altenglische und das Altfriesische. Die friesischen Runen gehören zu den frühesten schriftlichen Zeugnissen des Altfriesischen und stehen in enger Beziehung zur englischen Runentradition. Sie sind zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert n. Chr. belegt und finden sich vor allem auf kleinen Alltagsgegenständen wie Kämmen, Fibeln oder Waffen. Schriftlich verwenden sie eine erweiterte Form des älteren Futhark, die als anglo-friesisches Futhorc bezeichnet wird und zusätzliche Runen zur Wiedergabe charakteristischer nordseegermanischer Lautentwicklungen enthält.

Altfriesisch Nach der Christianisierung war Friesland ein entlegener Winkel des Fränkischen Reiches. Die Gewalt des Kaisers spürten die Friesen kaum. 1165 verteilte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Friesland unter den Bischof von Utrecht und den Grafen von Holland. Keiner dieser Landesherren konnte ihre Gewalt dauerhaft ausüben. Im Spätmittelalter war das Friesische in den friesischen Ländern zwischen Vlie und Weser die Verwaltungssprache. Die Sprache, die man im Spätmittelalter sprach, war Altfriesisch.

1233 besuchte der Graf von Holland zum letzten Mal Friesland, um dort seine landesherrlichen Rechte auszuüben. Der Bischof von Utrecht hatte das schon zuvor aufgegeben. Damit brach definitiv die Zeit der friesischen Freiheit an. Friesland verwaltete sich selbst, auch wenn Friesland weiterhin dem Heiligen Römischen Reich angehörte. 1345 versuchte der holländische Graf Wilhelm IV. erneut die Gewalt zu erzwingen. Der Überlieferung nach soll es in der Schlacht bei Warns einen blutigen Kampf gegeben haben, bei dem der Graf starb. Die Sprache der Behörden und der richterlichen Gewalt blieb Friesisch. Aus dieser Zeit sind viele friesischsprachige Urkunden und Gesetzbücher erhalten geblieben.

In der Zeit der friesischen Freiheit gab es in Friesland keine starke Zentralgewalt. Trotzdem blühte die Wirtschaft aufgrund des intensiven Handels, u. a. mit den Staaten an der Ostsee und Russland. Die friesischen elf Städte verdanken ihren Ruhm u. a. dem Verfall der Hanse. Es war eine Zeit der Prosperität, bis etwa 1400 Parteienkämpfe ausbrachen. Im Zusammenhang mit diesen Kämpfen zwischen den so genannten Schieringern und Fettkäufern wurde schließlich die Hilfe von Albrecht, dem Herzog von Sachsen, gefragt. Im Jahr 1498 übernahm er die Gewalt in großen Teilen der friesischen Länder. Damit fanden der interne Krieg und die friesische Freiheit ein Ende. Albrecht von Sachsen setzte viele nicht-friesische Verwalter ein. Damit verschwand das Altfriesische allmählich als Verwaltungssprache. Bis etwa 1530 wurden amtliche Dokumente in friesischer Sprache abgefasst.

Mittelfriesisch mini|Gysbert Japicx, der bekannteste friesischsprachige Schriftsteller des 17. Jahrhunderts. Ab dem Jahre 1550 fängt die Zeit des Mittelfriesischen an.

1514 verkaufte Albrecht von Sachsen Fryslân an Karl V. Im Jahr 1579 entzogen die Niederlande, einschließlich Fryslân, sich der Gewalt seines Sohnes Philipps II., und von diesem Zeitpunkt an waren die Niederlande unter dem Namen Republik der Sieben Vereinigten Provinzen politisch selbständig. Während des Achtzigjährigen Krieges war Fryslân eine der Sieben Provinzen. Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Verwalter in Fryslân wieder vorwiegend Friesen. Die niederländische Sprache, die schon seit dem 16. Jahrhundert als Verwaltungssprache galt, wurde allerdings immer wichtiger. In dieser Zeit war das Niederländische die Verwaltungssprache, Friesisch war auf dem Land eindeutig die Umgangssprache.

Der Bürgermeistersohn und Volksschullehrer Gysbert Japicx bewirkte, dass das Friesische wieder einen hohen Stellenwert in der Kultur bekam. Aufgrund seines umfangreichen und bemerkenswerten Œuvres gilt er als Gründer der friesischen Literatur. Im 18. Jahrhundert änderte sich die Situation kaum, es gab einige Verkaufsschlager, aber keine großen Schriftsteller.

Neufriesisch Das Friesische, das nach 1800 geschrieben und gesprochen wird, heißt Neufriesisch.

Fryslân war im 19. Jahrhundert eine Provinz der Niederlande, in der das Niederländische die einzige offizielle Amtssprache war. Schulen wurde geraten, das Friesische nicht zu dulden. Im Zuge der Romantik entstand eine friesische Sprachbewegung, welche die Sprache vor dem Untergang zu retten versuchte und Anerkennung anstrebte. Neue friesische Schriftsteller kamen auf, wie die Brüder Halbertsma: Joost Hiddes, Tsjalling und Eeltsje regten die friesische Bevölkerung an, in der eigenen Sprache zu lesen und zu singen. Im 19. Jahrhundert wurden die Sprachgesellschaften Frysk Genoatskip (1827) und Ald Selskip (1844) gegründet. 1908 wurde eine Sprachgesellschaft mit einer christlichen Identität namens Kristlik Frysk Selskip gegründet. Eine Gruppe von Friesen, die der Konservatismus von „Ald Selskip“ störte, gründete 1915 die Gesellschaft Jongfryske Mienskip, die sich auf die Sprache der Behörden und der richterlichen Gewalt konzentrierte.

1907 führte die Provinzverwaltung zum ersten Mal eine Subvention für das Friesische in der Schule ein. Der Unterricht durfte jedoch nur nach der Schulzeit gegeben werden. Hunderte von Friesen protestierten jedoch ständig, bis 1937 das Friesische ein Wahlfach wurde. mini|Zweisprachige Straßennamen in Drachten, Provinz Fryslân Im Jahr 1915 wurde zum ersten Mal ein Gottesdienst im Friesischen abgehalten, und 1943 erschien die erste friesische Bibelübersetzung. Das Amateurtheater blühte bereits seit Jahren in und außerhalb Fryslâns, mit ursprünglich friesischen und übersetzten Bühnenstücken. Friesische Lieder wurden komponiert und von den vielen friesischen Sängerchören gesungen. Gesellschaften wie Jongfryske Mienskip und Zeitschriften wie De Tsjerne (1946) stimulierten die Literatur. Für den Erwachsenenunterricht und die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien für Kinder wurde 1928 die Kommission Afûk gegründet. 1938 wurde ein Forschungsinstitut gegründet, das sich mit der friesischen Sprache und Kultur befasste: die Fryske Akademy (1938).

Die friesische Bewegung gewann nach 1945 weiter Gestalt. Es entstanden allerhand Gruppen und Organisationen, die auf die direkte oder indirekte Förderung des Friesischen ausgerichtet waren. Dabei wurde ein offizieller Status für das Friesische im öffentlichen Leben angestrebt. Ein wichtiges Ereignis in der Nachkriegszeit war Kneppelfreed. In den Wochen nach Kneppelfreed besuchten drei Minister Fryslân, und auf Antrag der niederländischen Zweiten Kammer wurden zwei Untersuchungsausschüsse gegründet, einer für Bildung und einer für Justiz. Das führte dazu, dass Friesisch ab 1955 als Unterrichtssprache zugelassen wurde. 1956 wurde das Recht, vor Gericht Friesisch zu sprechen, gesetzlich festgelegt. Das Recht, sich im Gericht auch schriftlich der friesischen Sprache zu bedienen, wurde 1995 gesetzlich festgelegt. Seit 1997 werden alle Personenstandsurkunden zweisprachig abgefasst. Seit 2001 können Notariatsurkunden von Stiftungen, Verbänden und Vereinen ebenfalls im Friesischen abgefasst und in die öffentlichen Register eingetragen werden. Damit wurde das Friesische die zweite Staatssprache in den Niederlanden.

Entwicklung der Standardsprache Nach dem Mittelalter wurde das Friesische zunächst kaum noch als Schriftsprache verwendet. Der Dichter Gysbert Japicx schrieb im 17. Jahrhundert in einer von ihm persönlich entwickelten Rechtschreibung, die stark vom Altfriesischen abwich. mini|Das Coulonhûs, Sitz der Fryske Akademy. Als das Friesische im 19. Jahrhundert wieder vermehrt als Schriftsprache Verwendung fand, gab es keine einheitliche Rechtschreibung. Man orientierte sich stattdessen häufig an den orthografischen Grundsätzen von Japicxs. Im Jahr 1834 präsentierte Justus Hiddes Halbertsma die von ihm entwickelte Rechtschreibung des Westfriesischen, welche er in einem Buch mit der Japicx-Orthografie verglich. Vom Verein Selskip foar Fryske Taal- en Skriftekennisse (kurz: Selskip 1844) wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Ausschuss gebildet, der eine einheitliche Rechtschreibung entwickeln sollte. Im Jahr 1879 erschien schließlich die Publikation De Fryske Boekstavering, in hantlieding. Diese Rechtschreibregeln, die häufig als Selskipstavering (Gesellschaftsrechtschreibung) bezeichnet wurden, enthielten zahlreiche Elemente aus der Halbertsma-Orthografie und nahmen teilweise auch noch Anleihe am Altfriesischen.

Im Jahr 1945 wurde die Selskipstavering durch die Akademystavering (Akademierechtschreibung) ersetzt. Sie ist nach der Fryske Akademy benannt, die für diese Reform verantwortlich war. Zweck und Ziel der Rechtschreibreform war es, den Abstand zwischen geschriebener und gesprochener Sprache zu verringern. Die Schreibregeln wurden 1969 von der Provinzverwaltung amtlich festgelegt und damit zur offiziellen Rechtschreibung erhoben. Gleichzeitig beschloss das Parlament der Provinz Fryslân: „Die Feststellung der einheitlichen friesischen Rechtschreibung gehört zu den Befugnissen des Parlaments der Provinz Fryslân.“ Ein Ausschuss des Provinzparlaments entwickelte gemeinsam mit Sachverständigen der Fryske Akademy eine modernisierte Rechtschreibung. Der Ausschuss beendete diese Aufgabe im Jahr 1976 und nach Annahme durch das Parlament erlangten die neuen Regeln am 1. Januar 1980 Gültigkeit. Die neue Rechtschreibung bekam die Bezeichnung Steatestavering (Parlamentsrechtschreibung).

Die Standardisierung der westfriesischen Sprache konnte jedoch die unterschiedliche Schreibweise einzelner Wörter aufgrund der mundartlichen Varietät nicht vollständig unterbinden. Deswegen wurde 2011 die Fryske Akademy vom Provinzparlament beauftragt, eine Wörterliste (westfriesisch: foarkarswurdlist) zu entwickeln, um damit eine einheitliche Schreibweise dieser Wörter zu erzielen. Um diesen Auftrag umsetzen zu können, wurde eine neue Rechtschreibreform von der Fryske Akademy nachdrücklich empfohlen. Am 27. Januar 2015 beschloss das Provinzparlament, diese erneute Rechtschreibreform durchzuführen. Der Beschluss trat am 31. Januar 2015 in Kraft. Dabei handelte es sich allerdings nur um eine leichte Anpassung, da von 83.000 Wörtern der foarkarswurdlist nur 332 sich tatsächlich änderten.Fryske Akademy:

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