Oberlethe ist ein Ortsteil der Gemeinde Wardenburg im Landkreis Oldenburg in Niedersachsen. Der Ortsname leitet sich von der östlich des Dorfes vorbeifließenden Lethe ab.

Geographie Oberlethe liegt etwa zweieinhalb Kilometer westlich von Wardenburg und in der Nähe der Stadt Oldenburg. Der als Kreuzungsdorf entstandene Ort besitzt eine dreieckige Grundform, die auf die hier zusammentreffenden Straßenverbindungen zurückzuführen ist. Diese führen nach Westerholt in Richtung Achternmeer und Ammerland, nach Tungeln, nach Wardenburg sowie nach Achternholt und Benthullen in Richtung Friesoythe.

Geschichte mini|Ortsschild in Oberlethe

Gründung und Aufbau des Dorfes Der Fund eines Feuersteinbeils weist auf eine menschliche Besiedlung des heutigen Oberlethe bereits in der Steinzeit hin.

Das Dorf wurde als „Herbergen“ erstmals urkundlich erwähnt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1275 wird ein adeliger Burgmann aus Oldenburg namens Willehelmus de Herbergen genannt, der vermutlich aus dem heutigen Oberlethe stammte.

Spätestens ab 1770 erscheint der Name Oberlethe in den Wardenburger Kirchenbüchern. Aus der Formulierung „over de Lethe to Herbergen“ (über die Lethe nach Herbergen, von Wardenburg aus gesehen) leitet sich der heutige Name ab.

1791 wurde für die etwa 70 bis 80 Schulkinder Oberlethes ein Schulgebäude errichtet. Bis zur Errichtung einer eigenen Schule nahmen bis 1823 auch Kinder aus dem benachbarten Westerholt am Unterricht in Oberlethe teil. mini|Symbol für die Ortschaft Oberlethe auf der Skulptur „Gemeindebaum“, geschaffen 2006 von Daniel Hübner Im Jahr 1803 war Oberlethe mit 64 erfassten Gebäuden nach Wardenburg der zweitgrößte Ort im heutigen Gemeindegebiet. Von 1811 bis 1813 gehörte Wardenburg infolge der Eingliederung des Herzogtums Oldenburg in das Französische Kaiserreich unter Napoleon zu Frankreich. Das Amtshaus wurde während der französischen Herrschaft von Wardenburg nach Oberlethe verlegt.

Vermutlich zu dieser Zeit ließ sich die Schmiederei Teebken im Dorf nieder. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war zudem die Schneiderei Otten in Oberlethe ansässig. Im Jahr 1870 wurde in Oberlethe eine Windmühle vom Tischler Johann Heinrich Hüneke errichtet, die am 9. Juni 1910 abbrannte. In einem lokalen Ortsbericht hieß es:

Oberlethe im 20. Jahrhundert Der Oberlether Krug aus dem 19. Jahrhundert entwickelte sich zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes und erfüllt diese Funktion bis heute. 1885 gründete sich dort der Oberlether Männergesangsverein Germania. Im Jahr 1904 wurde die Straße nach Tungeln gepflastert.

Im Jahr 1936 übernahm Familie Willers die Gaststätte, in der sich bisher ein Kolonialwarengeschäft sowie eine Poststelle befand.mini|Denkmal der beiden Weltkriege in Oberlethe (2026) Im Zweiten Weltkrieg waren im Oberlether Krug durchschnittlich 25 belgische und französische Kriegsgefangene im Kegelbahn- und Bühnensaal untergebracht. Sie mussten auf den Höfen im Dorf unter schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen Zwangsarbeit leisten.

Im Juni 1940 stürzte der 26-jährige britische Pilot John Herbert Nicholson über Oberlethe ab. Er gilt als erstes erfasstes Kriegsopfer des Zweiten Weltkriegs im Gemeindegebiet.

Am Abend des 30. April 1945 wurde die Lethebrücke in Richtung Wardenburg von der Wehrmacht gesprengt, um den Vormarsch kanadischer Truppen in Richtung Oldenburg zu erschweren. In der folgenden Nacht wurde der Ort mit Granaten angegriffen.

Gegen Kriegsende wurden zwei junge Wehrmachtssoldaten erschossen, denen Fahnenflucht vorgeworfen wurde. Ihre Leichen wurden anschließend an Bäumen entlang der Oberlether Hauptstraße aufgehängt und öffentlich zur Schau gestellt. Damit sollte der Bevölkerung die Konsequenz einer Abkehr von der Kriegsführung vor Augen geführt und ihre Bereitschaft zum Durchhalten aufrechterhalten werden.

Im Jahr 1956 wurde in Oberlethe ein Schulneubau errichtet. Neben der Dorfschule bestand auch eine landwirtschaftliche Berufsschule. Von 1957 bis 1966 gab es zudem eine ländliche Hauswirtschaftsschule für junge Frauen. Heute ist in Oberlethe nur noch die Letheschule als Förderschule mit den Schwerpunkten Geistige Entwicklung und Lernen vorhanden, welche am 1. August 1968 ihren Betrieb aufnahm.

Jüngere Vergangenheit Der Ort hatte im Jahr 2001 etwa 530 Einwohner.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Oberlether Krug (2026) Im Ort befinden sich der Oberlether Krug, die Letheschule sowie das Seminarhaus "Hof Oberlethe".

Literatur Die Lethestifte: Dorfchronik Oberlethe. Isensee Verlag, Oldenburg 2024 (480 S.) ISBN 978-3-7308-2150-3

Weblinks Oberlethe. In: „Wardenburger Geschichten“ Bürgerverein Oberlethe

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Oldenburg Kategorie:Geographie (Wardenburg) Kategorie:Ersterwähnung 1791