mini|Waffenschacht einer Avro Lancaster beladen mit 12 SBC‘s mit insgesamt 2.832 INC 4 lb sowie einer 1.814-kg-Luftmine („Cookie“) Als Stabbrandbombe werden umgangssprachlich kleine, stabförmige Brandbomben bezeichnet, die während des Zweiten Weltkriegs in großer Anzahl eingesetzt wurden. Weiter sind auch die Bezeichnungen Brandstab, Thermitstab, Elektron-Thermitstab sowie Streubrandbombe gebräuchlich.

Geschichtliche Entwicklung Die ersten Thermit-Stabbrandbomben wurden gegen Ende des Ersten Weltkriegs im Deutschen Reich entwickelt aber nicht eingesetzt. Im Vereinigten Königreich entstanden mit den „Baby Incendiary Bomb‘s“ (BIB) ebenfalls kleinen Thermit-Brandbomben, welche aber nicht zu den Stabbrandbomben zählen.The Air Ministry: The Second World War 1939–1945 Royal Air Force - Armament Vol I: Bombs and Bombing Equipment. Vereinigtes Königreich, 1952, S. 73–75 & 80–84.Neil Hanson: First Blitz. Corgi Books, 2009, S. 433–434.Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 29.Neil Hanson: First Blitz. Corgi Books, 2009, S. 433–434.

In der Zwischenkriegszeit setzte im Spanischen Bürgerkrieg die Legion Condor bei Luftangriffen auf Madrid, Barcelona sowie beim Luftangriff auf Guernica erstmals Stabbrandbomben ein.Richard Overy: Der Bombenkrieg. Europa 1939–1945. Rowohlt Verlag, 2014, S. 63–66.Malvern Lumsden: Incendiary Weapons. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), 1975, S. 28.Sven-Felix Kellerhoff: , In Die Welt, Ausgabe 29. Mai 2013 Im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg setzten die Streitkräfte des Japanischen Kaiserreichs Stabbrandbomben bei Luftangriffen gegen Städte und Ortschaften in China ein.Malvern Lumsden: Incendiary Weapons. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), 1975, S. 28–29.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen von Stabbrandbomben durch die Luftwaffe der Wehrmacht, der Royal Air Force (RAF) und die United States Army Air Forces (USAAF) auf Städte in Europa und Asien abgeworfen.

Im Koreakrieg warfen Bomber der United States Air Force (USAF) nochmals massenweise Stabbrandbomben auf nordkoreanische Städte ab.Jörg Friedrich: Yalu. An den Ufern des dritten Weltkrieges. Propyläen Verlag, München 10/2007, ISBN 978-3-549-07338-4Crane Conrad: American Airpower Strategy in Korea 1950–1953, University Press of Kansas 2000.

Stabbrandbomben gelten heute als obsolet und werden z. Z. weder produziert noch eingesetzt.

Technische Beschreibung mini|Technische Information über die engl. Stabbrandbombe INC 4 lb Mark IV Stabbrandbomben waren Kleinbomben mit einem Gewicht von 0,9 bis rund 4 kg. Die Bomben hatten eine Länge von 30 bis etwa 55 cm. Der Durchmesser lag zwischen 43 und zirka 75 mm, bei einem sechseckigen oder kreisrunden Querschnitt. Die Bomben bestanden aus einem Zünder, dem Bombenkörper mit dem Brandstoff sowie einem Heckteil. Der Bombenkopf war in der Regel flach ausgebildet. Einzelnen Stabbrandbomben verwendeten zur Stabilisierung des Falls Stoffbänder am Bombenheck. Jeweils ein bestimmter Prozentsatz der Stabbrandbomben war mit einem Knallsatz aus Schießpulver versehen. Dieser explodierte mit einigen Minuten Verzögerung und verstreute das brennende Thermit und Elektron. Die Explosion war nicht tödlich, sondern diente lediglich der Abschreckung, um Bergungs- und Löschversuche zu behindern. Etwa ab 1942 wurden auch Stabbrandbomben mit einer Ladung Sprengstoff im Bombenkopf eingesetzt. Der Sprengstoff explodierte mit einigen Minuten Verzögerung und zerlegte den Bombenkopf in Splitter, die auf kurze Distanz tödlich wirkten. Stabbrandbomben können aufgrund der verwendeten Brandstoffe in zwei Kategorien eingeteilt werden:Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 173–174.Karl R. Pawlas: Munitions-Lexikon. Band 3: Deutsche Bomben. 2. Auflage. Journal-Verlag, 1992, S. 149–155.

Bomben mit festem Brandstoff – Dieser Brandstoff besteht ausnahmslos aus Thermit sowie einem Bindemittel. Der dickwandige Bombenkörper besteht normalerweise aus brennbarem Elektron. Bei der Bombenzündung wird mit einer Verzögerung zuerst die Thermitreaktion in Gang gesetzt. Dabei tritt eine grelle Stichflamme aus der Bombe hervor. Die Thermitreaktion entzündet dabei den Bombenkörper aus Elektron. Die Bombe brennt nun während 5 bis 10 Minuten mit einer Brenntemperatur von bis zu 2500 °C ab und zerschmilzt zu einer weißglühenden, brennenden Metallschmelze. Bomben dieses Typs wurden während des Zweiten Weltkriegs überwiegend auf Städte in Europa abgeworfen.

Bomben mit flüssigem Brandstoff – Diese Brandstoffe bestehen üblicherweise aus Motorenbenzin, das mit Napalmpulver, Naphthensäuren, Naturkautschuk, Natriumsilicate, Polystyrol, Aluminiumpulver usw. zu einer viskosen Masse verdickt wird. Der dünnwandige Bombenkörper besteht normalerweise aus Blechen. Bei der Bombenzündung wird mit einer Verzögerung eine Ladung Schießpulver im Bombenkopf gezündet. Durch den Druck im Bombenkörper wird der gelförmige Brandstoff mehrere Meter weit aus dem Bombenheck herausgeschleudert. Die Spritzer des klebrigen Brandstoffes brennen für 4 bis 7 Minuten, bei Temperaturen zwischen 800 und 1600 °C. Bomben dieses Typs kamen während des Zweiten Weltkriegs primär bei Angriffen auf Städte in Asien, insbesondere in Japan zum Einsatz.

Deutsche Stabbrandbomben mini|Deutsche Elektronbrandbombe B 1 E Die erste deutsche Stabbrandbombe, die Elektronbrandbombe B 1 E wurde zwischen 1917 und 1918 von der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron entwickelt. Diese sollten im Sommer 1918 bei dem sog. Feuerplan gegen Paris und London eingesetzt werden. Der Einsatz wurde aber im September 1918 von Erich Ludendorff, dem Chef der OHL untersagt. In den 1930er-Jahren entwickelte Deutschland die B 1,3 E, B 2 EZ und B 2,2 EZ. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen dieser Elektronbrandbomben von der Luftwaffe auf die Städte Europas, insbesondere in Großbritannien abgeworfen. Die deutschen Stabbrandbomben wurden in verschiedenen Betrieben der I.G. Farben produziert. Mit dem Kriegsende wurden diese Bomben ausgesondert.Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 53–54.Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 173–174.Karl R. Pawlas: Munitions-Lexikon. Band 3: Deutsche Bomben. 2. Auflage. Journal-Verlag, 1992, S. 149–155.

Britische Stabbrandbomben mini|Britische INC 4 lb-Stabbrandbombe Im Vereinigten Königreich wurde zwischen 1934 und 1936 mit der INC 4 lb die erste Thermit-Stabbrandbombe entwickelt. Bis 1945 wurden rund 100 Millionen dieser Bomben bei Imperial Chemical Industries (ICI) produziert. Während des Zweiten Kriegs warf das RAF Bomber Command rund 80 Millionen INC 4 lb auf deutschen Städte ab. Die INC 4 lb verblieben bis zum Kriegsende im Bestand der RAF und wurden Ende der 1940er-Jahre ausgesondert.The Air Ministry: The Second World War 1939–1945 Royal Air Force - Armament Vol I: Bombs and Bombing Equipment. Vereinigtes Königreich, 1952, S. 190–192.

US-amerikanischen Stabbrandbomben mini|AN-M69-Stabbrandbombe aus den USA In den Vereinigten Staaten entstand ab 1941 als erstes die AN-M50-Stabbrandbombe. Diese war ein weiterentwickelter Lizenzbau der britischen INC 4 lb Mk.II. Danach folgten die Stabbrandbomben AN-M52, AN-M54 und kurz vor Kriegsende die M126. Für die Luftangriffe auf Japan wurden ab 1943 die mit Napalm befüllten Stabbrandbomben AN-M69 und AN-M74 entwickelt. Von diesen Bomben wurden während des Zweiten Weltkrieges Millionen auf Städte der japanischen Hauptinseln und im Koreakrieg auf Städte in Nordkorea abgeworfen. Die letzte US-amerikanischen Stabbrandbombe, die M126 verblieb bis Anfang der 1970er-Jahre im Bestand der Streitkräfte und wurde dann ausgesondert. Alle amerikanischen Stabbrandbomben wurden durch den Chemical Warfare Service (CWS) entwickelt und produziert.War Department: Technical Manual TM 9-1904 Ammunition Inspection Guide, March 1944.Department of the Army Technical Manual: Technical Manual TO 11-1-28/TM 9-1325-200 Bombs & Bomb Components, Departments of the Army, the Navy and the Air Force, April 1966.National Defense Research Committee (NDRC): Summary Technical Report of Division 11, Volume 3: Fire Warfare, Incendiaries and Flame Throwers, Washington D.C. 1946.Leo P. Brophy, Wyndham D. Miles, Rexmond C. Cochrane: The Chemical Warfare Service: From Laboratory to Field, Center of Military History, United States Army, Washington D.C., 1988Malvern Lumsden: Incendiary Weapons. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), 1975, S. 79.

Französische Stabbrandbomben Frankreich entwickelte in den 1920er-Jahren eine Thermit-Stabbrandbombe mit einem Gewicht von 1 kg. Nach der Deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wurden diese Bomben von der Luftwaffe der Wehrmacht übernommen und im Krieg eingesetzt.Dtic.mil: Italian and French Explosive Ordnance 1953 (PDF; 25 MB)Lonesentry.com: "Incendiaries" from Tactical and Technical TrendsWw2data.blogspot.com: French Explosive Ordnance - BombsBulletpicker.com: Handbook of foreign Explosives (PDF; 45 MB)

Japanische Stabbrandbomben Das Japanische Kaiserreich hatte seit den 1930er-Jahren eine Thermit-Stabbrandbombe mit einem Gewicht von 1 kg im Bestand. Diese glich sowohl äußerlich wie auch im Aufbau der deutschen Elektronbrandbombe B 1 E. Die Kaiserlich Japanische Armee setzte dieses Bombenmodell im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg sowie im Zweiten Weltkrieg ein.Bulletpicker.com: Japanese Bomb, 1 kg Incendiary

Einsatzkonzept mini|Eine Avro Lancaster beim Abwurf von INC 4 lb-Stabbrandbomben über Duisburg im Oktober 1944 Die Stabbrandbomben wurden nicht gegen Einzel- oder Punktziele, sondern im Flächenbombardement eingesetzt. Dafür wurden sie massenweise aus an Flugzeugen montierten Abwurfbehältern oder verpackt in Streubomben abgeworfen. In Abhängigkeit von Flughöhe und Fluggeschwindigkeit verteilten sich die Bomben nach dem Abwurf über ein größeres oder kleineres Gebiet. Beim Aufprall konnten die Bomben Dachziegel und dünne Stahlbetonplatten durchschlagen, bevor sie zündeten. Danach sollten sie im Dachgeschoss abbrennen und dabei das Gebäude in Brand setzen. Ein direktes Löschen der Stabbrandbomben mit Wasser oder Sand war nicht möglich. Sich einer abbrennenden Bombe zu nähern, war durch die teilweise verbauten Sprengladungen im Bombenkörper gefährlich. Nur im Zusammenwirken mit brennbaren Stoffen, insbesondere Holz, entfalteten die Bomben ihre Wirkung. Optimale Wirkung zeigten die Stabbrandbomben beim Einsatz gegen dichtbebaute Stadtgebiete mit einem hohen Anteil an Holzbauten. Bei Großangriffen mit zehn- bis hunderttausenden Stabbrandbomben wurde im Zielgebiet eine sehr hohe Belegungsdichte erreicht. Innerhalb kurzer Zeit konnten sich dabei die Brände zu Großfeuer und Flächenbränden ausbreiten.

Bei Angriffen auf Städte in Europa wurden Thermit-Stabbrandbomben vielfach in Kombination mit Sprengbomben eingesetzt. Dabei wurden zuerst Sprengbomben und Luftminen, und kurz darauf massenweise Stabbrandbomben abgeworfen. Die Detonationswellen der Sprengbomben und Luftminen deckten Dächer ab und zertrümmerten Fenster und Türen. Die Stabbrandbomben konnten nun nicht mehr von den steilen Schrägdächern abprallten und fielen in die freiliegenden hölzernen Dachstühle oder durch die zerstörten Fenster auch direkt ins Gebäude. Begünstigt durch die zertrümmerten Fenster hatten die Brandherde im Gebäudeinnern ausreichend Zufuhr von Luftsauerstoff.Richard Overy: Der Bombenkrieg. Europa 1939–1945. Rowohlt Verlag, 2014, S. 150–152 & 175.Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. Propyläen Verlag, 2002, S. 26–2.