Struga ( und definit; ; ; indefinit Strugë []) ist eine am Ausfluss des Schwarzen Drins aus dem Ohridsee gelegene Kleinstadt mit 15.009 Einwohnern im Südwesten Nordmazedoniens und eines der beliebtesten Touristenziele des Landes.

Sie ist Amtssitz der nach ihr benannten Gemeinde, zu der noch 50 weitere Ortschaften gehören.

Weltweit renommiert sind die seit 1962 ausgetragenen Abende der Poesie, welche zu den ältesten und größten Poesiefestivals gehören und an denen schon Pablo Neruda, Allen Ginsberg und Mahmud Darwisch ausgezeichnet wurden. Struga wird deswegen „Welthauptstadt der Poesie“ genannt.

In der ethnisch, sprachlich und religiös sehr diversen Stadt und deren Umland liegen zahlreiche historische Kulturdenkmäler: So wie die Via Egnatia, welche in der Antike durch den Ort verlief. Auch gibt es zahlreiche Naturdenkmäler. Struga liegt innerhalb des UNESCO-Welterbes Natur- und Kulturerbe der Ohrid-Region. Als Wahrzeichen der Stadt gelten insbesondere die heute insgesamt sieben Brücken über den Schwarzen Drin; die byzantinische Kaisertochter und Geschichtsschreiberin Anna Komnena (1083–1154) nannte Struga „Stadt der 100 Brücken“.

Geographie Physische Geographie Lage und Gewässer mini|Lage des Stadtgebiets (türkis hervorgehoben) innerhalb der Gemeinde (mazedonisch-kyrillische Karte) mini|Blick auf das Nadelwehr am Ausfluss des Schwarzen Drins aus dem Ohridsee, im Hintergrund ein bis zu vier Meter hoher Schilfrohrgürtel mit Fischerbooten und Motor- sowie Segelyachten davor (2009)

Struga befindet sich im äußersten Südwesten der Republik Nordmazedonien. Es ist die letzte Stadt auf der Nationalstraße 4, welche die Hauptstadt Skopje mit dem Grenzübergang Qafë Thana zu Albanien verbindet. Jener ist vom Stadtzentrum rund 13 Kilometer entfernt.

Die Kleinstadt liegt überdies am nördlichen Ufer des Ohridsees, genau am Ausfluss des Schwarzen Drins, womit das Stadtgebiet in eine westliche (etwas größere) und in eine östliche (etwas kleinere) Hälfte geteilt wird. Sie ist nach Ohrid und Pogradec (Albanien) die kleinste der drei Uferstädte. Jene sind rund 15 und 40 Kilometer entfernt. Mit Ausnahme von den Be- und Entwässerungskanälen auf den Feldern rund um die Stadt ist das einzige weitere, nennenswerte Gewässer ein aus dem Hauptstrom des Schwarzen Drins fließender Nebenarm im nördlichen Stadtgebiet, der nach knapp einem Kilometer nördlich der Stadt schon wieder in den Hauptarm mündet.

Nachbarortschaften von Struga sind (im Uhrzeigersinn drehend im Südwesten beginnend): Kališta/Kalisht, Radolišta/Ladorisht, Šum/Shum, Zagračani/Zagraçan, Dolna Belica/Belica e Poshtme, Vraništa/Vranisht, Moroišta/Morovisht und Misleševo/Misllesheva. Der Ort Teferič/Teferiç gehört indes zum Struganer Stadtgebiet.

Geomorphologie Wie viele andere nordmazedonische Städte befindet sich Struga in einem Talkessel; diese „Struga-Ebene“ (maz. Струшко Поле Struško Pole; alb. definit Lugina e Strugës, indefinit Luginë e Strugës) ist Teil des Ohrid-Struga-Beckens, zu dem noch weitere Teilebenen gehören. Westlich der Stadt erhebt sich der Bergzug der Jablanica, im Norden befindet sich das Karaorman-Gebirge und im Osten wird die Struga-Ebene durch einen Hügelzug von der Ohrid-Ebene getrennt.

Flora und Fauna In der Nähe des Stadtgebiets gibt es so gut wie keine Wälder, wie dies wegen der landwirtschaftlichen Nutzung in der ganzen Ebene der Fall ist. Am ganzen städtischen Seeufer wachsen Schilfrohre, nur im Osten gibt es größere freie Kieselstrände.

Wie in der ganzen Region wird die Landschaft von Zypressen, Walnuss- und Feigenbäumen, Pappeln sowie Mazedonischen Eichen geprägt.

In vielen Städten Nordmazedoniens gehören neben Rotfüchsen und Eichhörnchen ebenso Straßenkatzen und Straßenhunde zum Stadtbild, Letztere überwiegen jedoch bei weitem. Ein am westlichen Stadtrand gelegener Freiwilligenverein kümmert sich teilweise um sie. Mit Stand 2021 hat der Staat jedoch noch keine offizielle Auffangstation aufgebaut – trotz langjähriger Forderungen von Tierschutzvereinen. An Feldrändern sind Europäische Sumpfschildkröten anzutreffen.

Klima In Struga herrscht wie in der ganzen Region kontinentales Klima, sodass es im Sommer oft sehr warm wird und kaum Niederschlag fällt, während es im Winter oft sehr kalt wird und viel Niederschlag fällt. Wald- und Buschbrände kommen im Sommer wegen Trockenheit häufig vor.

Demografie mini|Flaniermeile (maz. und alb. Korzo) auf der auch heute noch so benannten Straße Maršal Tito (2019)

Laut der Volkszählung von 2021 hatte Struga 15.009 Einwohner in 4.635 Haushalten und zählte somit zu den kleineren Städten Nordmazedoniens. 3.038 Einwohner waren zwischen 0- und 19-jährig, 4.091 Einwohner zwischen 20- und 39-jährig, 5.257 Einwohner zwischen 40- und 64-jährig und 2.623 Einwohner waren über 65-jährig, zu den über 85-Jährigen zählten 156 Stadtbewohner.

Ethnien Zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit bezeichneten sich 6.517 als Mazedonier, 4.903 als Albaner, 810 als Türken, 431 als Aromunen, 141 als Roma, 49 als Serben und 23 als Bosniaken. 574 Personen gaben eine andere Ethnie an, darunter vor allem viele Balkan-Ägypter. 1.561 Personen deklarierten ihre Ethnizität nicht oder jene ist unbekannt, weil sie zur Zeit der Durchführung der Volkszählung nicht im Land waren.

Religionen Struga wird von zwei Religionen geprägt. Auf der einen Seite ist das orthodoxe Christentum maßgebend, dem der größere Teil der Bevölkerung angehört (9.197 Einwohner) und vor allem in der mazedonisch-orthodoxen Kirche organisiert ist. Auf der anderen Seite ist der sunnitische Islam hanafitischer Rechtsschule vertreten, dem die Minderheit angehört (7.075 Einwohner). Der bektaschitische Einfluss ist jedoch nicht zu unterschätzen, wenngleich er in den letzten Jahrzehnten merklich abgenommen hat. Unbedeutend ist hingegen der Salafismus. Weiter bezeichneten sich 23 Personen als römisch-katholisch; 264 hatten einen anderen Glauben. Diese Daten beruhen wiederum auf die Volkszählung 2002, als Struga noch 16.559 Einwohner hatte.

Ein Großteil der während des sozialistischen Jugoslawiens aufgewachsenen Einwohner ist außerdem säkular geprägt. Der Atheismus spielt jedoch eine eher unbedeutende Rolle.

Dem Islam gehören insbesondere die Albaner, Torbeschen, Türken und Bosniaken an. Zum orthodoxen Christentum zählen sich hauptsächlich die Mazedonier und Serben.

Sprachen Bei der Volkszählung 2002 gaben 9.665 Personen Mazedonisch als Muttersprache an, 5.616 Personen Albanisch, 823 Türkisch, 271 Aromunisch, 67 andere Sprachen, 53 Romani, 52 Serbisch und 13 Bosnisch.

Einwohnerentwicklung Die nachfolgende Tabelle zeigt die demographische Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg. 194819531961197119811991Die ethnisch-albanische Minderheit Mazedoniens boykottierte teilweise die Volkszählung von 1991.199420022021Mazedonier–2.1943.4236.2158.0029.3259.4338.9016.517Albaner–1.1091.6493.5084.1491.0574.3305.2934.903Türken–927994730832938887907810Roma–141–1242120611497141Aromunen–530––337464462550431Serben–42541068486917249Bosniaken–––––––1623Andere–477379045009217207231.561Gesamteinwohnerzahl4.9234.9966.85711.45714.32512.99716.03716.55915.009

Gliederung

Das Stadtgebiet wird von der Verwaltung in 11 Viertel unterteilt.

Etymologie Laut dem albanischen Albanologen Eqrem Çabej, dem bulgarischen Übersetzer Iwan Miladinow (1867–1942) und dem kosovarischen Sprachwissenschaftler Mehmet Halimi (* 1937) ist der Stadtname albanischen Ursprungs. So soll „Struga“ von shtrunga (definit) für „schmaler Pfad“ kommen, womit der enge Ausfluss des Schwarzen Drins aus dem Ohridsee gemeint sei. Ein Hinweis dafür sind Karten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, auf denen die Stadt als „Stronga“ eingetragen ist. Diesem wissenschaftlichen Standpunkt steht die Auffassung des polnischen Linguisten Włodzimierz Pianka (1937–2022) entgegen, der „Struga“ auf den gleichlautenden slawischen Gattungsnamen bezieht: auf das mazedonische (und bulgarische) straga, „Fischgrund“. Doch da die serbische Sprache in der mittelalterlichen Kanzleramtstradition ein höheres Prestige hatte, sei daraus struga geworden. Der albanische Gelehrte Dhimitër Shuteriqi (1915–2003) weist diesbezüglich auf ein venezianisches Grundbuch von 1416–17 hin, in dem ein gewisser Jon Stronga als Verwandter des Alex Kastrati aus dem albanischen Stamm der Kastrati in der nordalbanischen Malësia e Madhe auftritt, dies sei für ihn eher ein Hinweis auf ein albanisches Anthroponym und Toponym.

Geschichte Erste Fischersiedlung Die Region von Struga ist sehr reich an archäologischen Fundorten. Die 1996 von der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste herausgegebene „Archäologische Karte der Republik Mazedonien“ zählt auf dem Gemeindegebiet insgesamt 127 Ausgrabungs- und Fundorte, die über alle Zeitperioden von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter reichen.

Der Ort bei Struga ist unterdessen seit 3000 v. Chr. bewohnt. Damals in der Jungsteinzeit gründeten erste Siedler ein Pfahlbau-Fischerdorf beim Ausfluss des Schwarzen Drins aus dem Ohridsee. 1961 wurden an dieser Stelle neben Resten der Pfeilerstützen des hölzernen Gebäudes ebenso Fragmente von Keramikgefäßen, Steinäxte, Feuersteinmesser und -pfeile sowie Harpunen und Hirschgeweihspitzen gefunden. Diese Artefakte sind in den Museen von Struga und Ohrid ausgestellt.

Illyrer mini|Bei Trebeništa gefundene Goldmaske aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., die als Grabbeigabe diente.

Die ersten archäologisch-kulturell identifizierbaren Bewohner der Ohridsee-Region waren illyrische Stämme. Bei Trebeništa (8 km) und Selca e Poshtme (35 km) wurden Nekropolen und andere Funde aus dem 7. bis 1. Jahrhundert v. Chr. gemacht.

Skymnos (2. Jahrhundert v. Chr.), ein Geograph aus Chios, nennt die illyrischen Stämme der Bryger (laut Herodot Vorfahren der Phryger) und Dassareten (= Sesarethier) als Bewohner der Ohridsee-Region.

Hellenismus und Römer

Der antike Historiker Polybios erwähnt Enchelanai in seinen Werken und sagt, dass der Ort ab 359 v. Chr. zusammen mit dem benachbarten Lychnidos und anderen Städten am Ohridsee von Philipp II. erobert wurde. (Bisher wurde jedoch diese Vorgängerstadt von Struga nicht lokalisiert.) In der heutigen Innenstadt wurden Gräber aus hellenistischer Zeit entdeckt.

Enchelanae war Teil des antiken Makedonien bis ins Jahr 148 v. Chr., als sie von den Römern in ihr Reich einverleibt wurde. Die wichtige römische Handelsstraße Via Egnatia verlief in dieser Zeit durch Enchelanae. Auch aus römischer Zeit wurden Gräber gefunden.

Ausbreitung des Christentums und Komani-Kruja-Kultur

Mit der Verbreitung des Christentums ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. verschwanden die antiken Tempel und auf ihrem Grund wurden Basiliken errichtet, die zum Frühchristentum gehörten. Viele Überreste dieser Basiliken wurden in der Umgebung von Struga entdeckt. So ist auch die Kirche Heiliger Erasmus (; ) – rund neun Kilometer östlich vom Stadtzentrum an der Straße nach Ohrid gelegen – die erste christliche Missionierung im Gebiet (etwa 6. Jahrhundert).

Im 6. Jahrhundert werden Enchelanae, Lychnidos und andere Siedlungen um den See Teil des Oströmischen (Byzantinischen) Reiches. In dieser Zeit siedelt sich der slawische Stamm der Wersiten in der Region an (siehe auch: Landnahme der Slawen auf dem Balkan).

Bei Radolišta, Sveti Erazmo und Pogradec fanden Archäologen Artefakte aus dem 7. bis 12. Jahrhundert, die sie der sogenannten Komani-Kruja-Kultur zuordnen.

Mittelalter

Zum ersten Mal wurde die Stadt mit ihrem heutigen Namen im 11. Jahrhundert erwähnt. In einer Urkunde des bulgarischen Zaren Kaliman I. Assen vom 13. Jahrhundert wird erwähnt, dass ein Teil der Erträge vom Fischfang in der Stadt für das Athoskloster Zografou am Ägäischen Meer bestimmt waren.