Der Pfennig (Abkürzungen: Pf, Pfg oder Dpf, Symbol ₰) war eine deutsche Währungseinheit, die seit Karl dem Großen bis zur Einführung des Euro als Bargeld 2002 Bestand hatte. Er wurde im Lauf der Jahrhunderte zum niedrigsten Scheidemünzen-Nominal.

mini|Nürnberger Silberpfennig mit Pfennigsymbol oben rechts mini|Pfennigschein als Notgeld mini|hochkant|Wappen von Pennigbüttel

Überblick

Bezeichnungen Das Wort Pfennig (als Silbermünze bzw. Silberpfennig den Denar bzw. denarius ablösend) lässt sich bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen und wurde Penning, Panni(n)g, Pfenni(n)c, Pfending u. a. genannt, beispielsweise in Preußen noch bis 1873 Pfenning.Die Bezeichnung Pfenning diente in diesem Fall zur Abgrenzung zum Pfennig von vor 1821, als der Taler noch 24 (Gute) Groschen = 288 Pfennig galt und nicht wie ab 1821 30 Silbergroschen = 360 Pfenning. Das -ing- oder -inc-Suffix diente, neben -ung, der Bildung von Zugehörigkeitssubstantiven u. ä. und tritt auch in anderen Münzbezeichnungen auf, beispielsweise in Schilling. Die weitere Herkunft ist nicht geklärt, möglich ist aber eine frühe Entlehnung aus („Gewicht“, vgl. Pfund).Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold, 25. Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, s. v.

Verwandte Währungen Der Pfennig war der „Vater“ für eine ganze Reihe späterer Münznominale, die Teile oder Vielfache des späteren eigentlichen Pfennigs wurden: Groschen („großer [Pfennig]“, von lateinisch grossus „groß, dick“), Angster („enger [Pfennig]“, von lateinisch angustus „eng, dünn“), Albus („weißer [Pfennig]“, von lateinisch albus „weiß“; anfangs in Groschengröße), Witten („weißer [Pfennig]“), Rappen („Pfennig mit einem Raben“), Stäbler („Pfennig mit dem Baselstab“), Heller („Haller [Pfennig]“), Schwaren („schwerer [Pfennig]“) und andere.

Weiterhin gab es „leichte Pfennige“, „gute Pfennige“ oder auch „Zollpfennige“, was am Gepräge direkt ablesbar war. Einige Pfennigarten erhielten im Volksmund spezielle Bezeichnungen, wie die Erfurter „Sargpfennige“.Die Erfurter „Sargpfennige“ wurden angeblich aus den silberhaltigen Särgen von katholischen Heiligen um 1525 während der Reformationszeit geprägt und wiesen teilweise die entsprechende Symbolik im Gepräge auf (Totenschädel auf gekreuzten Knochen) oder Engelpfennige. mini|Engelpfennig der bischöflichen Münze Straßburg um 1300, Engel trägt Kreuz

Der Pfennig war Vorbild für den bis zur Euro-Bargeldeinführung umlaufenden in Finnland, für den in Polen (1917 bis 1918) und für den in Estland (1919 bis 1928). Noch heute läuft in Bosnien-Herzegowina der um. Der in Großbritannien entstand etwa gleichzeitig mit dem karolingischen Denarius/Pfennig.

Der Pfennig war außerdem ein altes Silbergewicht ( Silber-Gewichtsmark), vergleichbar dem englischen Pennyweight.

Im Mittelalter stand phennincgewichte oder auch kurz phennincBernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 394 (phenninc als Gewichtseinheit). für lateinisch drachma und entsprach dem Apothekergewicht von einem QuentchenGundolf Keil: Randnotizen zum „Stockholmer Arzneibuch“. In: Studia neophilologica. Band 44, Nr. 2, 1972, S. 238–262, hier: S. 258. und damit dem achten TeilGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 436 (Anmerkungen zu pfennig) und 447 (quintin, synonym: ein pfennig gewicht). einer „Unze“ bzw. Apotheker-Unze.

Begriff auf Wertmarken Gelegentlich wird der Begriff Pfennig auch auf Wertmarken verwendet, bei denen es sich nicht um Geld im engeren Sinne handelt. Dabei kann es sich zum Beispiel um „Brotpfennige“ handeln, die eine Stadt in Notzeiten herausgab, um für Bedürftige den Einkauf von Brot zu subventionieren, oder um Wertmarken innerhalb des Trucksystems.

Geschichte des Pfennigs

Mittelalter mini|Karolingischer Denarius (Denier) mini|Regensburger Pfennig aus dem 10. Jh.

Karl der Große legte im sogenannten Karolingischen Münzfuß fest, dass aus einem karolingischen Pfund Silber 240 Münzen (entspricht etwa 1,7 g Silber je Münze) geprägt werden sollen, die lateinisch mit dem Wort Denarius nach der alten römischen Münze benannt wurden (siehe Sachsenpfennig – Münzfuß). Aus der Bezeichnung entwickelte sich später in Frankreich der Denier und in Italien der Denaro. Auch das arabische Wort dinar (دينار) lässt sich auf das lateinische Wort denarius zurückführen. Im Althochdeutschen wurde bereits zur Zeit Karls des Großen der Denarius mit dem Wort Pfennig („phenninc“) benannt. Im norddeutschen und niederländischen Sprachraum hieß er später Penning und in England Penny. Die Bezeichnung paenig für den römischen Denarius taucht zum ersten Mal um 765 in England auf, als König Offa nach karolingischem Vorbild Denarii aus Silber schlagen ließ. Dies erklärt die Abkürzung ‚d‘ wie denarius, die bis 1971 in Großbritannien für den „alten“ Penny gebräuchlich war. Die frühen Pfennige hatten ein Gewicht von etwa 1,3 g bis 2 g, das im Verlauf der Jahrhunderte sich tendenziell ständig verminderte. Die häufigen Gewichtsschwankungen gleicher Pfennige waren teilweise herstellungstechnisch bedingt, wobei die höhergewichtigen Pfennigexemplare einer „ständigen privaten Aussortierung“ unterlagen, siehe Greshamsches Gesetz. Zu dieser Zeit und sogar teilweise bis in die Neuzeit musste das Gesamtgewicht einer bestimmten Anzahl von gleichartigen Pfennigen bei größeren Zahlungen stimmen, was tendenziell abweichende Kurse zwischen kleineren und größeren Münznominalen förderte und dann seinen absoluten Höhepunkt in der Kipper- und Wipperzeit fand. Zum Beispiel geben Begriffe „Schock Pfennig“ (= 60 Pf), „Schockgroschen“ oder „Pfund Sterling“ (= 240 d) Hinweise auf diese Zahlungsweisen mit kleinen Münznominalen.

Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert bestand der Pfennig (bzw. Denar) aus hochwertigem Silber, neben nur als Rechnungsgrößen verwendeten anderen Einheiten alleiniges WährungsnominalHelmut Kahnt, Bernd Knorr: Alte Maße, Münzen und Gewichte. Ein Lexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, Lizenzausgabe Mannheim/Wien/Zürich 1987, ISBN 3-411-02148-9, S. 394. und besaß hohe Kaufkraft. Deshalb wird diese Epoche in der Münzkunde auch Pfennigzeit genannt. Nur ganz selten wurden Pfennig-Hälblinge geprägt, die auch als Obole oder Scherfe bezeichnet wurden.

mini|hochkant=0.85|Rottweiler Pfennig, zwischen 1200 und 1220

Der Pfennig war um 1200 das größte und einzige deutsche Silber-Kurantmünzen-Nominal, wenn man von importierten ausländischen Gold- und Silbermünzen absieht. Kleinere Geldwerte wurden durch Halbierung oder Viertelung erzeugt (Hacksilber), was bei den einseitigen dünnen Hohlpfennigen oder „Strubben“ sehr leicht möglich war, die dann ab dem 17. Jahrhundert als Brakteaten bezeichnet wurden. Das häufig trotzdem noch benötigte „Wechselgeld“ zum Preis- und Mengenausgleich von Käufern und Verkäufern auf den städtischen Märkten waren Kleinstmengen an Naturalien und Waren, die in den Gesamtkaufvorgang mit einbezogen wurden.

Der Pfennig wurde um 1200 durch die verschiedenen Münzherrn regional in Deutschland sehr unterschiedlich im Raugewicht und Silberfeingewicht (Schrot und Korn) ausgeprägt (Regionaler Pfennig), da das deutsche Königtum das Münzregal abgab bzw. nicht als einheitlichen Reichsfuß konsequent durchsetzen konnte. Dadurch entstanden im Laufe der Zeit viele regionale Pfennige mit unterschiedlichen Kursen zueinander. Durch den vielen Zusatz von Kupfer erhielten Pfennigmünzen eine schwarze Farbe, man unterschied dann zwischen weißen Pfennigen (Wißpennig, Albus, Silberpfennig) und schwarzen Pfennigen (Kupferpfennig). Ein recht bekanntes Beispiel ist der Haller Pfennig, der später zum Heller oder auch Haller in den späteren Reichsmünzordnungen als eigenständiges Nominal gesetzlich festgelegt wurde und von denen zwei Stück auf einen Pfennig bis ins 19. Jahrhundert beispielsweise in Bayern galten. Schon bei den frühen Hellern („Händleinhellern“) setzt eine merkliche Kupferbeilegierung ein, sodass der Heller schon sehr bald zur ersten deutschen „reinen“ Kupfermünze herabsank.

Die Pfennige der Schinderlingszeit, die Schwarzpfennige, wurden ab 1457 hauptsächlich in Süddeutschland, vor allem in Österreich und Bayern fast ohne Silber geprägt. Die sogenannten Bösen Halser dieser Zeit bestanden im Wesentlichen aus einer Kupfer-Zinn-Legierung. Die Periode der Schinderlinge wurde 1460 mit fünflötigen Pfennigen beendet. Die Schwarzpfennige untergruben für lange Zeit das Vertrauen in die österreichische Silberwährung.Helmut Friedl: Die Münzen der Landgrafen von Leuchtenberg und Grafen von Hals. Regenstauf 2003, S. 12.Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress-Lexikon Numismatik. Berlin 1976, S. 343.

mini|Schüsselpfennig, beschnitten mini|Lilienpfennig mini|hochkant=0.85|Weckeler mini|hochkant=0.85|Freipfennig

Zur erfolgreichen Einführung der silbernen Groschenwährung, die den regionalen Pfennig ablöste, musste ausreichend Kleingeld vorhanden sein. Die silberreichen sächsischen Herzöge ließen zum Beispiel in ihren Münzstätten Gotha und Langensalza Hohlpfennige und Hohlheller nach vorgegebener Münzordnung prägen. Die ständige Verringerung des Silbergehalts der Groschen hatte allerdings zur Folge, dass für die Pfennigprägungen, die zeitweise die Städte durchführten (siehe die Hohlpfennige der Thüringer Städte), neue Verordnungen zur Verringerung des Silbergehalts erforderlich wurden.

Der von 1374 bis ins 18. Jahrhundert geprägte Schüsselpfennig ist infolge der Prägetechnik ein konkaver, einseitig beprägter Pfennigtyp, der ab 1374 geprägt wurde. Er entstand durch das Prägen mit nur einem Oberstempel auf einem größeren Schrötling. Dadurch wurden die Randzonen schüssel- bzw. tellerförmig nach oben bedrückt.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Battenberg Gietl, Regenstauf 2005, S. 429.

Als Vorläufer der Schüsselpfennige werden die einseitig geprägten silbernen Engel- und Lilienpfennige der Freien Reichsstadt Straßburg und die Trierer Pfennige genannt, die bereits am Anfang des 14. Jahrhunderts geschlagen worden sind. Sie sind sogenannte Ewige Pfennige, da sie im Gegensatz zu den meisten Brakteaten nicht regelmäßig gebührenpflichtig umgetauscht werden mussten.

Die sogenannten Pfälzer Weckeler mit dem Münzbild Weckenschild oder den Wecken allein ohne Schild, wurden ab etwa 1390 geprägt. Charakteristisches Merkmal des Pfennigs ist ab dem 15. Jahrhundert außerdem die gewölbte Form und ein dicker Perlkreis, welcher das Münzbild umgibt. Bei den späteren Schüsselpfennigen des 16. bis 18. Jahrhunderts kommt der Perlkreis nicht mehr vor.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Battenberg Gietl, Regenstauf 2005, S. 519: Weckeler.

Ein besonderer Pfennig ist der Freipfennig, ein Erfurter Pfennig, der zur Entrichtung einer Abgabe an den Erzbischof von Mainz diente. Der wegen der Verschlechterung der üblichen Pfennig hauptsächlich im 14. Jahrhundert geprägte spezielle Pfennig aus feinem Silber wurde als Hohlpfennig ausgebracht.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 143

Preisbeispiele für den sächsisch-thüringischen Raum (nach Krug:Gerhard Krug: Die meißnisch-sächsischen Groschen 1338–1500. Berlin 1974, S. 17.) 1324 ein Huhn 2 Pfennige ein Lammbauch 8 Pfennige vor 1382 ein Mastschwein 360 Pfennige ein junges Schwein 180 Pfennige 1382 ein Schock Eier 10 Pfennige acht Ellen Leinentuch 54 Pfennige einen Hafen Butter 40 Pfennige ein Stück frische Butter 3 Pfennige 1395 sechs Hühner 48 Pfennige