Die Berliner Küche war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine schlichte Küche, die eher Wert auf deftigen Geschmack und Sättigung legte. Geprägt wurde sie neben der brandenburgischen Küche von den Kochtraditionen der Einwanderer aus Schlesien, Böhmen, Ostpreußen, Pommern und Mecklenburg sowie den Hugenotten aus Frankreich. Die preußisch-protestantische Gesellschaft integrierte diese Einflüsse häufig durch Vereinfachung.
Typische Zutaten aus der Region im 20. Jahrhundert waren u. a. Schweinefleisch, Gans, Forelle, Zander, Aal, Hecht, Hühnerei, Kuhmilch, Kohl, Erbsen, Karotten, Linsen und Bohnen, Rüben, Zwiebeln, Spargel, Weizen, Roggen, Gurken, Kartoffeln, Äpfel, Birnen, Heidelbeeren und Kirschen.
Im 21. Jahrhundert hat die Berliner Küche unzählige Wellen der Erneuerung erfahren. Die kulinarische Kultur, die sehr diversen Küchentraditionen der Metropole, sowie die gastronomische Szene sind national wie international bekannt geworden.
Geschichte
1600–1900 mini|Friedrich II. inspiziert den Kartoffelanbau um 1780
Berlin war seit dem 17. Jahrhundert bedeutende Durchgangsstation und Zielort für Menschen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands und darüber hinaus. Für die Küche u. a. prägend waren die calvinistisch beeinflussten Hugenotten. Sie brachten bis dahin in Brandenburg unbekannte Zutaten mit, wie Blumenkohl, Spargel, grüne Erbsen und Bohnen, Gurken und Blattsalat, die seitdem auch im Berliner Umland angebaut werden. Bis dahin bestimmten Kohl und Rüben den Gemüseanbau auf den kargen, sandigen Böden. Ein bis heute eigenständiges Produkt des Bodens sind die Teltower Rübchen.
Zu bedeutender Größe wuchs Berlin im 18. und 19. Jahrhundert. Mit dem Aufstieg eines wohlhabenderen Bürgertums erlangte auch die städtische Gastronomie und häusliche Kochkunst einen ersten Aufschwung. Der Fleischkonsum der städtischen Bevölkerung lag im Vergleich zu den Bewohnern der ländlichen Gegenden deutlich höher.
Der von Friedrich II. um 1750 erlassene Kartoffelbefehl, den er Bauern verordnete, führte den Kartoffelanbau in Preußen ein. Die Kombination von Salzsteuer und hohem auferlegtem Mindestverbrauch von Salz aus den preußischen Salinen führte zur starken Verbreitung der Salzgurke und zum Rollmops.
Aus Brandenburg wurden hauptsächlich Spreewälder Gurken und Kernobst nach Berlin eingeführt. Auffallend ist die häufige Verwendung des Edelkrebses, der um Berlin reiche Fänge im 18. und 19. Jahrhundert ermöglichte.
1900–heute mini|Lindner-Filiale 2020, Berliner Feinkosthändler seit 1950 Um 1910 war Berlin einer der weltgrößten Brauereistandorte. Etwa 1000 Brauereien produzierten Biere mit den verschiedensten Markennamen.Henry Gidom: Berlin und seine Brauereien. Gesamtverzeichnis der Braustandorte von 1800 bis 1925. Berlin 2016 (3., überarbeitete und aktualisierte Auflage) Zu den großen Brauereien gehörten u. a. Bötzow, Patzenhofer, Engelhardt und Landré. Zu dieser Zeit gab es auch rund 200 Likörfabrikanten.
Die erste Grüne Woche fand als Messe in Berlin für landwirtschaftliche Erzeugnisse erstmals 1926 statt. Bis heute ist sie die wichtigste Messe für Ernährungswirtschaft in Deutschland.
Ab den 1950er Jahren veränderte sich das alltägliche Kochen, Essen und Trinken auch in Berliner Haushalten und Restaurants erheblich. Wesentliche Einflüsse waren u. a. die Einführung des häuslichen Kühl- und Gefrierschranks, die intensivierte Arbeitsmigration (aus der Türkei, Griechenland, Jugoslawien, Italien), der Massentourismus, und die zunehmende Industrialisierung in Herstellung, Konservierung und Vertrieb von Nahrungsmitteln. Im Zuge dessen wurde u. a. die Tiefkühlpizza erstmals in Berlin entwickelt.Über einen „Gastarbeiter“, der die Tiefkühlpizza in Deutschland erfand, bpb.de, abgerufen am 27. Januar 2026.
mini|links|Frühstück im 21. Jahrhundert
Die regionaltypischen Kochtraditionen schwächten sich deutschlandweit durch das einheitliche Angebot in Supermarktketten seit den 1960er Jahren ab. Berlin kann hier jedoch als Ausnahme gelten, da die Stadt bis 1990 durch die politische und wirtschaftliche Teilung unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt war, was die Verfügbarkeit an Produkten anging.
Die fortschreitende Internationalisierung der Berliner Essgewohnheiten, Gesundheitsaspekte, globalisierte Handelsbeziehungen und die Zunahme von vegetarischer Ernährungsweise beeinflussten u. a. auch die Entwicklungen der Berliner Küche nach 1990. Die gastronomischen Einrichtungen als soziale Orte und Treffpunkte erlebten nach 2010 einen Aufschwung.
Gerichte Viele typische Gerichte sind mit Zuwanderern nach Berlin gekommen oder entstanden in Anlehnung aus der verbreiteten Küche im deutschsprachigen Raum; in Berlin entstandene sind u. a. Kasseler, Bockwurst, Currywurst und Döner Kebap im Brot.
Fleischgerichte Speisen, die in Berlin bis weit ins 20. Jahrhundert verbreitet waren, sind u. a. Kasseler mit Sauerkraut, gebratene Leber mit Apfel, Zwiebeln und Kartoffelpüree, Schweinebraten, Sauerbraten, Schnitzelvarianten, Bauernfrühstück, Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree, Gulasch, Königsberger Klopse, Buletten mit Kartoffelsalat, Wildbret-Gerichte, „Falscher Hase“ oder Kohlrouladen. Spätestens mit Beginn des 21. Jahrhunderts sind Gerichte wie Spaghetti Bolognese, Bami Goreng oder auch Chili con Carne weitverbreitet.Der endgültige Abstieg der Kantinen-Legende, Welt, abgerufen am 27. Januar 2026.
Zur Weihnachtszeit wird in vielen Haushalten Gänsebraten mit Rot- oder Grünkohl und Klößen oder Kartoffeln gegessen. Im Sommer zur Grillsaison werden zu verschiedensten Anlässen im Freien u. a. Würstchen mit Senf oder Ketchup, Hamburger, Steak oder Hühnerbrust mit Kräuterbutter, Köfte und Ćevapčići zubereitet.
Fischgerichte mini|Gebratenes Hechtfilet
Die im 20. Jahrhundert auf vielen Speisekarten zu findenden Fische wurden u. a. aus der Havel und den reichlich vorhandenen umliegenden Gewässern geholt. Sie wurden geräuchert oder zu Gerichten wie Aal grün mit Spreewälder Gurken, Forelle Müllerinart und Hecht mit Butterkartoffeln verarbeitet. Karpfen, Schleie, Plötzen sowie der Zander sind weitere heimische Arten.
Auch der Hering als Meeresfisch aus Nord- und Ostsee erfreute sich in zahlreichen Variationen großer Beliebtheit. Er wurde zu u. a. Sahnehering, Bismarckhering, Rollmops oder Brathering verarbeitet.
Gemüsegerichte und Beilagen Kartoffelpuffer mit Apfelmus Bratkartoffeln; serviert als Hauptgericht mit Setzei (Spiegelei) oder als Beilage Pellkartoffeln und Quark mit Leinöl („Spreewälder Art“) Salzkartoffeln Teltower Rübchen Sauerkraut
Suppen und Eintöpfe mini|hochkant=0.85|Linseneintopf
Löffelerbsen Erbsensuppe mit Bockwurst Linseneintopf Hühnersuppe Bohnensuppe mit Hammelfleisch Kartoffelsuppe mit Bockwurst Kürbiscremesuppe Beamtenstippe
Salate und Eingelegtes Heringssalat Kartoffelsalat (mit Mayonnaise, Gewürzgurke und Ei) Karottensalat Gurkensalat mit Dill Saure Gurken Süßsaurer Kürbis
mini|Heidelbeercreme Desserts Milchreis mit Zimt und Zucker Grießbrei mit Früchten Berliner Luft Kompott aus Obst Rote Grütze
Backwaren In Berlin wird, wie in allen Teilen Deutschlands, seit Jahrhunderten das Bäckereihandwerk gepflegt. 2023 gab es rund 150 eingetragene Betriebe in der Stadt. Als bekannte Berliner Bäckereierzeugnisse gelten die traditionell zu Silvester und Faschingsdienstag gereichten Berliner Pfannkuchen. Schrippen sind mit einer Längskerbe versehene Brötchen aus Weizenmehl. Schusterjungen sind quadratische Brötchen aus Weizen- und Roggenmehl.
Brot und Brötchen Schusterjungen (Brötchen aus Weizen- und Roggenmehl) Schrippen (Brötchen aus Weizenmehl) Knüppel (längliches Brötchen mit einem Anteil von Milch und Schmalz im Teig) Splitterbrötchen Hackepeter: Hackfleisch vom Schwein, angemacht mit Salz, Pfeffer, Senf und gehackter Zwiebel
Kuchen und Gebäck Pfannkuchen (auch als Berliner bekannt) Berliner Napfkuchen (Kuchen aus Hefeteig mit Rosinen) Berliner Torte (Haselnuss-Mürbeteig, mit Johannisbeer-Gelee gefüllt und mit Vanille-Fondant glasiert) Käsekuchen Berliner Art, Quarkmasse mit Korinthen und Rum, auf Mürbeteigboden gebacken
Getränke mini|Getränkemarken aus Berlin, 2021
Berlin hat eine lange Brautradition. Die Berliner Weiße, ein Weizenbier, zählte im 18. und 19. Jahrhundert zu den gefragten Biersorten. Spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Pilsener der bevorzugte Bierstil. Auch Bockbiere und Lagerbiere haben eine lange Tradition. Die seit 2004 zur Radeberger Gruppe gehörende Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei ist der größte Bierproduzent in der Stadt. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Bierkonsum von 48 Litern pro Einwohner im Jahr 2015 zählt Berlin zu den drei Regionen mit dem geringsten Verbrauch in Deutschland.
Seit 1992 findet einmal jährlich in Berlin die Weinmesse statt. Mit mehr als 20.000 Besuchern und über 300 internationalen Ausstellern ist sie die größte Publikumsweinmesse in Deutschland. Der durchschnittliche jährliche Weinkonsum pro Kopf lag 2017 in Berlin bei 21,3 Litern.
Die Bar Convent Berlin ist eine jährlich stattfindende Bar- und Getränkemesse. Hier werden zahlreiche Branchenpreise vergeben. So wird u. a. der Mixologe des Jahres gekürt.
Der Futschi ist ein beliebtes Mixgetränk in Kneipen.
Gastronomie Im Jahr 2022 gab es in Berlin rund 9.000 steuerpflichtige Gastronomiebetriebe mit Lieferungen und Leistungen über 17.500 Euro. Dabei handelte es sich bei rund 1.700 um Betriebe mit Ausschank von Getränken wie Schankwirtschaften, Diskotheken oder Bars.
Restaurants Mit dem Beginn der 2000er Jahre hat sich die Spitzengastronomie in Berlin erheblich entwickelt. Seit 2008 führt der Guide Michelin Berlin als Stadt mit den meisten Sterne-Restaurants in Deutschland. 2020 wurde mit dem Rutz erstmals ein Berliner Restaurant mit drei Sternen ausgezeichnet.
2017 gab es sieben Restaurants, die mit zwei Michelinsternen ausgezeichnet wurden, weitere 14 Restaurants erhielten einen Stern. Im deutschsprachigen Raum war Berlin im selben Jahr die Stadt mit den meisten Sterne-Restaurants. Die mit zwei Sternen ausgezeichneten Restaurants waren das Rutz (Mitte), das Facil (Potsdamer Platz), das Fischers Fritz (Mitte), das Horváth (Kreuzberg), das Lorenz Adlon Esszimmer (Mitte), das Reinstoff (Mitte) und das Tim Raue (Kreuzberg).
Die Ein-Stern-Häuser waren das 5 – cinco by Paco Pérez, das Bandol sur Mer, der Bieberbau, das Cookies Cream, das einsunternull, das Frühsammers Restaurant, das Golvet, das Hugos, das Markus Semmler, das Nobelhart & Schmutzig, der Pauly Saal, das Richard, die Skykitchen und das tulus lotrek (Stand: Guide Michelin 2018). Zu den ebenfalls bekannten Restaurants in Berlin gehören das Borchardt, das Paris-Moskau und das Lutter & Wegner.
Im Jahr 2026 steig das Rutz in die Gruppe der Drei-Sterne-Gastronomie auf, während Fischers Fritz und Adlon Esszimmer nur noch einen Stern haben. Neu zu den Zwei-Sterne-Häusern kam das Coda Dessert Dining. Von zwei auf einen Stern haben sich folgende Restaurants verändert: pars Restaurant, Bonvivant, Ernst, Irma La Douce, Hallmann & Klee, Matthias, Loumi, Bricole.https://www.berlin.de/restaurants/michelin-sterne/ https://guide.michelin.com/de/de/berlin-region/berlin/restaurants/sternerestaurants
Zu den erfolgreichen Berliner Gastronomen im 21. Jahrhundert zählen Mehmet Aygün, Tim Raue, The Duc Ngo.
Die unterschiedlichsten Nationalküchen sind in der gastronomischen Landschaft Berlins ebenfalls präsent. Zu den am häufigsten verbreiteten zählen italienisch,Italienische Restaurants. Bei: Listfix, abgerufen am 15. Oktober 2024. griechisch, thailändisch/vietnamesisch, türkisch, levantinisch, amerikanisch, chinesisch, japanisch und indisch geprägte Restaurants. Darüber hinaus hat sich die Metropole zu einem wesentlichen Zentrum für vegane oder vegetarische Küche entwickelt.
Imbisslokale