Die sowjetische Invasion der Mandschurei und der Inneren Mongolei im August 1945 führte zusammen mit dem ersten Atombombeneinsatz zum Ende des Zweiten Weltkriegs und war Teil des Sowjetisch-Japanischen Kriegs. Dieser letzte Angriff der Sowjetunion besiegelte die endgültige Niederlage des kaiserlich japanischen Heeres im Pazifikkrieg. Für den von drei Fronten gleichzeitig durchgeführten Feldzug wurde ab den 1980er Jahren alternativ vom US-amerikanischen Militärhistoriker David Glantz die Bezeichnung Operation Auguststurm geprägt.

Nach dem Japanisch-Sowjetischen Grenzkonflikt von 1939 war diese an den Grenzen des japanischen Vasallenstaates Mandschukuo durchgeführte militärische Aktion gegen das Kaiserreich Japan eine militärische Fortsetzung, die von der Sowjetunion betrieben wurde. Im Kampf gegen die japanische Kwantung-Armee eroberte und besetzte die Rote Armee im August und September 1945 die Mandschurei und Mengjiang, Korea, die Präfektur Karafuto (Südsachalin) und die Kurilen.

Vorgeschichte Auf der im Februar 1945 tagenden Konferenz von Jalta hatte der sowjetische Staatsführer Stalin dem Drängen der Westalliierten nach einem Bruch des Neutralitätsabkommens mit Japan von 1941 nachgegeben und vereinbart, dass der Eintritt der Sowjetunion in den Pazifikkrieg drei Monate nach dem Kriegsende in Europa beginnen sollte.

Ab März 1945 begann die STAWKA, Streitkräfte aus Europa nach Fernost zu verlegen: Die Oberkommandos der Karelischen Front (Merezkow) und der 2. Ukrainischen Front (Malinowski) waren ausersehen, das Hauptquartier der Fernostfront zu verstärken und als 2. Fernost- und Transbaikalfront die Operationen zu organisieren. Nach dem Ende des Kriegs gegen das Dritte Reich wurden auch die 5., 39. und 53. Armee sowie die 6. Garde-Panzerarmee nach Fernost verlegt. Viele dieser Großverbände hatten jene Kampferfahrungen, die im schwierigen Operationsgelände der Mandschurei benötigt wurden. Einige hatten im sumpfigen Gelände Kareliens gekämpft, andere im Gebirge der Karpaten. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl von Artillerie-, Pionier- und Panzerregimentern nach Osten verlegt. Ab März bis August 1945 rollten etwa 20 bis 30 Züge pro Tag auf der transsibirischen Eisenbahn nach Osten und beförderten diese und andere Verstärkungen an die Fernostfront.

Gemäß den Ergebnissen der Konferenz von Jalta begannen am 30. Juni die Verhandlungen zwischen der Regierung der UdSSR und China. Die Verhandlungen endeten erst am 14. August mit der Unterzeichnung eines Union- und Freundschaftsvertrages, der im vornherein die territorialen Verhältnisse zwischen beiden Staaten nach Beendigung der Kämpfe festlegte. In der Nacht des 8. August teilte der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow dem japanischen Botschafter Satō Naotake mit, dass sich die Sowjetregierung ab dem 9. August im Krieg mit Japan befinde.

Truppen Sowjetunion Für die Gesamtleitung der Operationen an den Grenzen von Mandschukuo wurde das Oberkommando im Fernen Osten eingerichtet, als Oberbefehlshaber mit dem Hauptquartier in Chabarowsk wurde Marschall Alexander M. Wassilewski bestimmt, dem zusätzlich auch die Pazifikflotte (Admiral I. S. Jumaschew) unterstellt wurde. Die gesamten Streitkräfte der Roten Armee umfassten etwa 80 Divisionen mit 1,5 Millionen Soldaten, über 5000 Panzer (u. a. 3700 T-34), über 28.000 Artilleriegeschütze und 4.300 Flugzeuge. Etwa ein Drittel der sowjetischen Kräfte machten Unterstützungs- und Nachschubeinheiten aus.

Für die Offensive wurden drei neue Fronten der Roten Armee organisiert:

Transbaikalfront, Marschall Rodion J. Malinowski (in der Inneren Mongolei und an der Westgrenze von Mandschukuo): 17. Armee (Danilow) 36. Armee (Lutschinski) 39. Armee (Ljudnikow) 53. Armee (Managarow) 6. Gardepanzerarmee (Krawtschenko) 12. Luftarmee (Chudjakow) sowjetisch-mongolische mechanisierte Kavalleriegruppe Plijew (Mongolische Revolutionäre Volksarmee) 1. Fernostfront, Marschall Kirill A. Merezkow (an der Ostgrenze von Mandschukuo): 1. Rotbanner-Armee (Beloborodow) 5. Armee (Krylow) 25. Armee (Tschistjakow) 35. Armee (Sachwatajew) 9. Luftarmee (Sokolow) 10. Mechanisiertes Korps 2. Fernostfront, General Maxim A. Purkajew (an der Nordgrenze von Mandschukuo): 2. Rotbanner-Armee (Terjochin) 15. Armee (Mamonow) 16. Armee (Tscheremisow) 10. Luftarmee (Schigarjew) 5. Besonderes Schützenkorps Tschugujewsk-Gruppe Amur-Flottille

Die sowjetischen Marinekräfte der Pazifikflotte umfassten 12 größere Schiffe, 78 U-Boote, zahlreiche Amphibienfahrzeuge, die an den Kämpfen beteiligte Amur-Flottille bestand aus Kanonenbooten und zahlreichen kleineren Schiffen.

Japan Die japanische Kwantung-Armee unter General Yamada Otozō war der strategisch-operative Verband, der den Vormarsch der Roten Armee stoppen sollte. Sie war als eine der Hauptarmeen des Japanischen Kaiserreiches der wichtigste Teil der japanischen Besatzungsarmee in der Mandschurei und Korea. Die Kwantung-Armee umfasste mehr als 600.000 Mann, welche über 1.215 Panzerkampfwagen (meist Panzerwagen und leichte Panzer), 6.700 (leichte) Geschütze und 1.800 meist veraltete und zur Ausbildung genutzte Flugzeuge verfügten. Sie gliederte sich im Wesentlichen aus drei Regionalarmeen, einer unabhängigen Armee, zwei Eisenbahnregimentern und zwei Luftflotten:

2. Luftflotte 15. selbständiges Geschwader 101. selbständiges Ausbildungsgeschwader

5. Luftflotte 13. Fliegerdivision 105. selbständiges Ausbildungsgeschwader 5. Luftwaffen-Nachrichteneinheit

Festland-Eisenbahntruppen 3. Eisenbahnregiment 4. Eisenbahnregiment

1. Regionalarmee (General Kita Seiichi, im nordöstlichen Mandschukuo)

3. Armee (Generalleutnant Murakami Keisaku) 79. Division (Generalleutnant Sadamasa Ota) 112. Division (Generalleutnant Jikizo Nakamura) 127. Division (Generalleutnant Ryutaro Koga) 128. Division (Generalleutnant Yoshishige Mizuhara)

5. Armee (Generalleutnant Shimizu Noritsune) 124. Division (Generalleutnant Masatake Shiina) 126. Division (Generalleutnant Kazuhiko Nomijo) 135. Division (Generalleutnant Hitomi Yoichi)

122. Division (Generalleutnant Akashika Tadashi) 139. Division (Generalleutnant Tominaga Kyoji)

4. Armee (Generalleutnant Uemura Mikio, im nördlichen Mandschukuo) 119. Division (Generalleutnant Shiozawa Kiyonobu) 123. Division (Generalleutnant Kitazawa Teijiro) 134. Division (Generalleutnant Izeki Jin) 149. Division (Generalleutnant Sasaki Toichi) 80. selbständige gemischte Brigade 131. selbständige gemischte Brigade 135. selbständige gemischte Brigade 136. selbständige gemischte Brigade

3. Regionalarmee (General Ushiroku Jun, im südwestlichen Mandschukuo)

30. Armee (Generalleutnant Iida Shojiro) 39. Division (Generalleutnant Shinnosuke Sasa) 125. Division (Generalleutnant Tatsuo Imari) 138. Division (Generalleutnant Tsutomu Yamamoto) 148. Division (Generalleutnant Motohiro Suemitsu)

44. Armee (Generalleutnant Hongo Yoshio) 63. Division (Generalleutnant Kishikawa Kenichi) 107. Division (Generalleutnant Abe Koichi) 117. Division (Generalleutnant Suzuki Hiraku) 9. unabhängige Panzer-Brigade

108. Division (Generalleutnant Iwai Torajiro) 136. Division (Generalleutnant Makamura Torn) 79. selbstständige gemischte Brigade 130. selbständige gemischte Brigade 134. selbständige gemischte Brigade 1. selbständige Panzerbrigade

17. Regionalarmee (Generalleutnant Kozuki Yoshio, verantwortlich für Korea)

34. Armee (Generalleutnant Kushibuchi Senichi) 59. Division (Generalleutnant Fujita Shigeru) 137. Division (Generalleutnant Akiyama Yoshisuke) 133. selbständige gemischte Brigade

Keine Kampfbeteiligung:

58. Armee (Generalleutnant Nagatsu Sahishige) 96. Division (Generalleutnant Yoshiro Tamada) 111. Division (Generalleutnant Tamio Iwasaki) 121. Division (Generalleutnant Yoshito Masai) 108. selbständige gemischte Brigade 109. selbständige gemischte Brigade

120. Division 150. Division 160. Division 320. Division 127. selbständige gemischte Brigade

Jede Regionalarmee der Kwantung-Armee bestand aus ein oder zwei Armeen und mehreren, dem Regionalarmeekommando direkt unterstellten Divisionen und selbstständigen gemischten Brigaden. Zusätzlich wurden die Japaner durch die 40.000 Mann starken Mandschukuo-Verteidigungskräfte, die sich aus acht schlecht ausgerüsteten und unzureichend ausgebildeten chinesischen Divisionen zusammensetzten, unterstützt. Korea, das nächste Ziel des Fernöstlichen Kommandos der Sowjets, wurde von der 17. Regionalarmee verteidigt.

Die japanische Marine trug nichts zur Verteidigung der Mandschurei bei, von deren Besetzung sie immer aus strategischen Gründen abgeraten hatte. Der Großteil der japanischen Kräfte bestand aus deutlich weniger Soldaten als vorgesehen und der Hauptteil ihrer schweren Geräte war für den Pazifikkrieg abgezweigt worden.

Der Großteil der verfügbaren Industrie und Rohstoffe Chinas lag in der Mandschurei. Die japanischen Einheiten konnten es allerdings nicht mit der Roten Armee aufnehmen, welche deutlich besser ausgerüstet und ausgebildet sowie taktisch überlegen war. Auch bestand diese zu einem nicht geringen Teil aus frischen Kräften, meist Rekruten. Das Armeehauptquartier gab Korea den Vorzug und die japanische Armee musste sich an der Nord- und Ostgrenze der Mandschurei in Position bringen, während die Westgrenze nur spärlich verteidigt wurde.

Der Feldzug mini|Mandschurische Offensive 1945

Am 9. August um eine Minute nach Mitternacht transbaikalischer Zeit begannen die Sowjets gleichzeitig mit drei Fronten ihre Angriffe an der westlichen, östlichen und nordöstlichen Grenze von Mandschukuo. Die sowjetische 9. und 12. Luftarmee bombardierten die militärischen Einrichtungen und Kommunikationsverbindungen der Japaner in Harbin, Changchun und Jilin (Kirin). Im Morgengrauen begannen die Stoßgruppen der Transbaikal-Front über die Ostgrenze der Mongolischen Volksrepublik und über das Große Hinggan-Gebirge in Richtung auf Mukden und Changchun, die Armeen der 1. Fernost-Front aus dem Amur- und Ussuri Abschnitt und aus der Region Primorje (die Küstenregion) in den Richtungen auf Harbin und Kirin anzugreifen. Der Feldzug wurde nach dem klassischen Zangenverfahren ausgeführt, wobei ein Gebiet von der Größe Westeuropas eingekesselt wurde.

Im Westen kämpfte sich die Rote Armee gemeinsam mit der Mongolischen Revolutionären Volksarmee über die Berge und die Wüsten der Mongolei voran, weit entfernt von ihren Versorgungslinien. Dies verwirrte die Japaner und sie wurden unvorbereitet überrascht. In den ersten 18 Stunden des Kampfes war der japanische Kommandant abwesend und der Kontakt zu anderen Einheiten brach kurze Zeit später ab; die japanische Armee hatte vermutet, die Invasion würde im Oktober beginnen und war deshalb nicht auf den Angriff der Sowjets vorbereitet. Zur gleichen Zeit sicherten sowjetische Luftversorgungstruppen Flugplätze und Stadtzentren beim Vormarsch der Bodentruppen; sie wurden auch dazu verwendet, Treibstoff an die Einheiten zu liefern, zu denen kein Bodenkontakt mehr möglich war.

Die im Norden operierende 2. Fernostfront unter General Purkajew spielte bei der Gesamtoperation eine unterstützende Angriffsrolle. Ihre Ziele waren die Städte Harbin und Qiqihar und die Verhinderung des geordneten Rückzugs – der im nördlichen Mandschukuo vorgelagerten japanischen 4. Armee – nach Süden. Nach Wassilewskis Planung führte die Transbaikal-Front den Hauptstoß an der Westgrenze von Mandschukuo mit der 6. Garde-Panzerarmee in allgemeiner Richtung auf Mukden (heute Shenyang) um in der südlichen Zentralmandschurei die Verbindung zu den gleichzeitig aus dem Osten angreifenden Truppen der 1. Fernost-Front herzustellen.

Nachdem die Truppen der 1. Fernostfront und der Transbaikalfront die Stadt Changchun erobert hatten, sollte die 2. Fernostfront die Halbinsel von Liaodong angreifen und Port Arthur einnehmen. Die Operationszone zwischen der Transbaikal- und der 2. Fernost-Front wurde am Zusammenlauf des Flusses Gasimur in den Argun festgelegt.