mini|350px|Taiwanstraße zwischen der Provinz Fujian (Quemoy- und Matsu-Inseln) im Westen und der Insel Taiwan im Osten mini|252x252px|Zusammenfassendes Video der Tagesschau zum Taiwan-Konflikt Der Taiwan-Konflikt (, im Chinesischen allgemein meist ), in Taiwan auch China-Taiwan-Konflikt () genannt, ist der Streit nach dem Bürgerkrieg (1927–1949) zwischen der Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan) über den Status der Insel Taiwan, der zu Taiwan gehörenden Inseln (unter anderen Penghu-Inseln, Lü Dao, Lan Yu) sowie weiterer Inseln, die historisch zu den Provinzen Fujian (Kinmen, Matsu-Inseln), Guangdong (Dongsha-Inseln) und Hainan (Taiping Dao) gehören bzw. gehörten.
Nachdem die Kommunistische Partei Chinas im chinesischen Bürgerkrieg die Herrschaft über Festlandchina errungen und dort die Volksrepublik ausgerufen hatte, zog sich 1949 die unterlegene Kuomintang, welche die Republik China (1912–1949) regierte, auf die Insel Taiwan zurück. Obwohl die Volksrepublik China Taiwan somit nie kontrollierte, betrachtet die kommunistische Regierung auch die Insel als (oft ungenau als „abtrünnige Provinz“ beschrieben), während sich die Republik China weiterhin als souveränen Staat sieht, von dem sich wiederum Volksrepublik China abgespalten habe.
Beide Regierungen erhoben zunächst Anspruch auf das Recht der internationalen Alleinvertretung Gesamt-Chinas (Ein-China-Politik), den Peking seit 1971 bis heute aufrechterhält. In den 1950er Jahren wurde der Taiwan-Konflikt zeitweise militärisch ausgetragen, ab den 1980er Jahren folgte ein Prozess der allmählichen Annäherung, der hauptsächlich auf wirtschaftlichen Interessen basierte. 2010 gipfelte dieser Prozess im Rahmenabkommen über Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECFA). Als Folgeabkommen wurde das Dienstleistungsabkommen beider Seiten der Taiwanstraße am 21. Juni 2013 in Shanghai unterzeichnet, woraus im Jahr 2014 die Sonnenblumen-Bewegung in Taiwan resultierte.
Seit der Amtsübernahme von Staatspräsident Xi Jinping im Jahr 2013 verfolgt die Volksrepublik jedoch wieder einen aggressiveren Kurs gegenüber der Unabhängigkeit Taiwans und strebt eine „friedliche Wiedervereinigung“ noch in seiner Amtszeit an. Am 7. November 2015 trafen sich Xi Jinping und der taiwanische Präsident Ma Ying-jeou (KMT) in Singapur. Das historische Treffen sollte der „friedlichen Entwicklung der Beziehungen“ dienen. mini|350px|Air Defense Identification Zone (ADIZ) „China“ und „East China Sea“ der Volksrepublik China und „Taiwan“ der Republik China (Taiwan) Seit der Wahl von Präsidentin Tsai Ing-wen (DPP) im Jahr 2016 geht die Republik China wieder zunehmend auf Distanz zum Festland. Xi drohte bereits mehrfach offen eine „militärische Eroberung“ an, um alle „separatistischen Bewegungen“ zu stoppen. Seit 2019 drangen wiederholt Kampfflugzeuge der chinesischen Streitkräfte in die taiwanische Air Defense Identification Zone ein, eine Luftraumüberwachungszone, die sich weit über den hoheitlichen Luftraum Taiwans bis in den Luftraum der Volksrepublik China erstreckt. Zudem hält die Volksrepublik regelmäßig Militärübungen in der Taiwanstraße ab.
Geschichte Entwicklung auf Taiwan
Taiwan gehörte seit dem 17. Jahrhundert zum Kaiserreich China und wurde 1885 aus der Provinz Fujian ausgegliedert und zu einer eigenen Provinz erhoben. Nach dem Ende des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges 1895 erhielten die siegreichen Japaner im Vertrag von Shimonoseki von China die Insel Taiwan und die Pescadoren-Inseln. Die Bevölkerung protestierte gegen den Vertrag, indem sie die Demokratische Republik Taiwan gründete. Die Japaner gingen militärisch gegen diese erste Republik in Asien vor. Außerdem wurden während der Kolonialherrschaft mehrmals Aufstände der ursprünglichen Bewohner der Insel durch Japaner und Chinesen niedergeschlagen und am Ende ein System der Reservation angewandt. Unter der japanischen Herrschaft entwickelte sich die Insel dynamisch, was zu einem wirtschaftlichen Vorsprung gegenüber dem Festland führte. Die Wertschöpfung der taiwanischen Industrie stieg bis zum Ende der japanischen Herrschaft 1945 um das 1.600fache und stand damit in Asien nur noch der japanischen Industrie nach. Unter anderem erreichte auch das Gesundheitswesen einen der höchsten Standards im asiatischen Raum.
mini|Offizielle Übergabe Formosas durch Japan an die Republik China am 25. Oktober 1945. Nach der japanischen Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Taiwan, wie es bereits die Kairoer Erklärung von 1943 angekündigt hatte, wieder unter chinesische Verwaltung gestellt. Die Taiwaner begrüßten 1945 zunächst die von der nationalchinesischen Regierung entsandten chinesischen Beamten und Soldaten, obwohl sie das japanische Wirtschafts- und Verwaltungssystem als gut und für ganz China nützlich empfanden. Nach kurzer Zeit wurde jedoch deutlich, dass zwei verschiedene Welten aufeinander prallten: Das chinesische Festland war unterentwickelt und hatte unter großen Opfern den von Japan aufgezwungenen Krieg für sich entscheiden können. Taiwan hingegen hatte am wirtschaftlichen Aufschwung Japans teilgehabt und sah sich nun als Vertreter einer fortschrittlichen, materiellen Zivilisation, die ein Vorbild für ganz China sein sollte. Die Festlandchinesen waren befremdet, weil die Taiwaner Teile der japanischen Lebensweise übernommen hatten. Dies war einer der Gründe, weshalb sich die Chinesen auf Taiwan wie Besatzer in einem fremden Land verhielten und nicht wie Befreier einer zu ihnen gehörenden Insel. Daher wurde auch japanischer Besitz beschlagnahmt und von der Insel auf das Festland gebracht. Dieses Verhalten begründete bei den Einheimischen Ressentiments gegenüber den Festlandchinesen, die durch Willkürjustiz verstärkt wurden.
So kam es am 28. Februar 1947 zu gewalttätigen Unruhen. Da das Verhältnis zwischen Taiwanern und Festlandchinesen durch die große Armut der Bevölkerung ohnehin schon angespannt war, eskalierte die Situation am 27. Februar 1947, als festländische Beamte des chinesischen Monopolamtes von umstehenden Passanten eingekreist wurden, nachdem sie eine taiwanische Zigarettenverkäuferin zusammengeschlagen hatten. Als die Beamten flohen, schossen sie in die ihnen nachjagende Menge; dabei wurde ein Taiwaner getötet. Die aufgebrachte Menge marschierte nun geschlossen zum Monopolamt, das sie niederbrannten, während die Angestellten fliehen konnten. Die anschließenden Proteste in Taipeh wurden von den Truppen der Republik China gewaltsam niedergeschlagen. Dies führte schließlich zu einer die gesamte Insel Taiwan erfassenden Rebellion. Über den Rundfunk und per Telefon verbreiteten sich Berichte über wahre und vermeintliche Gräueltaten der Regierung.
Zur Lösung dieses Gewaltausbruches wurden taiwanische Vertretungskörperschaften gebildet, die sich um eine Schlichtung des Konflikts bemühten. Sie entwarfen ein Grundsatzprogramm zur Regelung der Zwischenfälle. Es sah als Gründe der Eskalation vor allem die Entfremdung zwischen Volk und Regierung, die Korruption, die ungleiche Entlohnung von Taiwanern und Festlandchinesen und die Übertragung ehemals japanischen Vermögens in Staatsbesitz. Um die Situation zu beruhigen und weitere Zusammenstöße zu verhindern, schlug das Programm die Entwaffnung der Regierungstruppen vor. Außerdem sollten keine weiteren Soldaten vom Festland angefordert werden, um den Zwischenfall mit Gewalt zu regeln. Chiang Kai-shek, der Präsident der Republik China, die zu diesem Zeitpunkt noch Gesamtchina vertrat, akzeptierte die Vorschläge der taiwanischen Vertretungskörperschaften jedoch nicht. Stattdessen entsandte er weiteres Militär nach Taiwan. Obwohl diesen Truppen Vergeltung verboten worden war, verübten sie aus Rache und zur Abschreckung Massaker, denen auch völlig Unbeteiligte zum Opfer fielen.
Der Kriegsminister der nationalchinesischen Regierung Bai Chongxi empfahl Anfang April 1947 die Bildung einer Provinzverwaltung auf Taiwan, die nach dem Vorbild anderer Provinzen mit Einheimischen besetzt werden sollte. Anstelle eines militärischen Befehlshabers wurde nun ein Zivilist Gouverneur. Taiwaner bekamen die Chance, Beamte zu werden, und der Staat zog sich weiter aus Taiwans Wirtschaft zurück. Außerdem wurde eine neue Kulturpolitik eingeführt, die darauf ausgerichtet war, den Taiwanern die (festland-)chinesische Kultur näherzubringen und ihnen zu zeigen, dass sie Teil dieser Kultur seien.
Die Auswirkungen des chinesischen Bürgerkrieges auf Taiwan mini|Chiang Kai-shek mit seinem Sohn Chiang Ching-kuo, 1948 Nach dem Ende des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges zerbrach die Zweite Einheitsfront und der chinesische Bürgerkrieg, der zwischen 1915 und 1937 erst von verschiedenen Warlords und dann zwischen Kuomintang, den Anhängern der nationalchinesischen Regierung, und den Kommunisten geführt wurde, brach wieder aus. Im Gegensatz zum Verlauf des Bürgerkriegs vor 1937 gelang den Kommunisten nach 1945 ein Siegeszug über die Kuomintang. Die veränderte Situation veranlasste den Führer der Kuomintang, Chiang Kai-shek, dazu, mit Vorbereitungen zur Umsiedlung des nationalchinesischen Macht- und Regierungsapparates von Nanjing nach Taiwan zu beginnen. So veranlasste er auch die Verlagerung des chinesischen Staatsschatzes wie auch wesentlicher Teile der Streitkräfte und der Partei auf die Insel, weil er Taiwan für den geeignetsten Ort für eine spätere Fortsetzung des antikommunistischen Kampfes und der Rückeroberung des chinesischen Festlandes hielt.
Stabilisierung der Republik China auf Taiwan Die Flucht der Kuomintang vom Festland hatte eine Art Siebwirkung: nur die Mitglieder flohen, die sich stark mit der Partei und ihrer Politik identifizierten. Während des Koreakrieges unterzog Chiang Kai-shek seine Partei einer 27 Monate andauernden Reform mit dem Ziel, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Folgen dieser Reform waren die Festigung der Herrschaft auf Taiwan und Umstrukturierungen der Partei, der Regierung und des Militärs. Von der Reformierung unberührt blieben jedoch der gesamtchinesische Aufbau des nationalchinesischen Parlaments und der Regierung sowie der Anspruch, die einzig legitime Regierung Chinas zu sein. Da diese Position allgemein anerkannt wurde, blieb die Republik China Mitglied der Vereinten Nationen und behielt ihren Sitz im UN-Sicherheitsrat, obwohl die Sowjetunion und der UN-Generalsekretär Trygve Lie für eine Vertretung Chinas durch die Volksrepublik Partei ergriffen.
Selbst nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Japan (1972) und zu den USA (1978) war die Kuomintang zur Kommunistischen Partei nicht kompromissbereit. Von 1979 bis 1986 verfolgte die Republik China Chiang Ching-kuos Politik des dreifachen Neins, was bedeutete: keine offiziellen Kontakte, keine Gespräche, keine Kompromisse. Im Jahr 1984 hielten die Streitkräfte der Republik China erstmals die seither jährliche Militärübung Han Kuang, bei welcher eine Invasion durch die Volksrepublik China simuliert wird, ab. 1987 wurde der 40 Jahre lang geltende Kriegszustand auf Taiwan aufgehoben. Damit einher gingen das Ende der Pressezensur sowie des Demonstrations- und des Vereinsverbotes. Somit erhielten die Taiwaner mehr Freiheiten.
Taiwan erlaubt seinen Einwohnern seit dem Ende der 1980er Jahre Reisen auf das chinesische Festland. Taiwan warnte seine Bürger Mitte 2024 vor möglichen Risiken solcher Besuche.Reuters / AFP: Taiwan warnt Bürger vor Chinareisen (und vor Reisen nach Hongkong oder Macau) (spiegel.de vom 28. Juni 2024).
Lee Teng-huis (KMT) Amtszeit (1988–2000)