miniatur|Torbogen am Beginn des Sacbé miniatur|Lage von Kabah im Puuc-Gebiet miniatur|hochkant|Fassade vom Palast der Masken nach Frederick Catherwood
Kabah (auch Kabaah, Kabáh, Kahbah oder Kaba) ist eine Maya-Ruine im mexikanischen Bundesstaat Yucatán (Mittelamerika). Sie wurde erstmals von John Lloyd Stephens 1841 beschrieben. Kabah ist nach Uxmal die zweitwichtigste Ruinenstadt der Maya in der Puuc-Region. Sie war wie die meisten klassischen Orte dieses Gebietes bereits verlassen, als die Spanier nach Mittelamerika kamen. Der Name Kabah kann in der Mayasprache nicht aufgelöst werden, lediglich nach Umstellung in ahkab bedeutet er laut P. Carrillo (1846) so viel wie „Starke Hand“.H. E. D. Pollock: The Puuc. Cambridge (MA), Peabody Museum 1980, ISBN 0-87365-693-8, S. 140. Die in Kabah heute sichtbaren Bauten wurden zwischen dem 6. und dem 9. Jahrhundert errichtet, sie liegen in einem Areal von 1,5 km in ost-westlicher mal 1 km in nord-südlicher Richtung. Die Ruinenzone von Kabah wird heute von der mexikanischen Bundesstraße 261 durchschnitten.
Lage Kabah liegt im leicht welligen Karsthügelland südöstlich der Ruinenstadt Uxmal und ist mit dieser über einen 18 Kilometer langen und fünf Meter breiten gebahnten Weg (Sacbé) verbunden, der über die große, bisher nicht weiter untersuchte Ruinenstätte Nohpat verläuft. Der Weg beginnt in Kabah mit einem großen Torbogen neben der noch nicht restaurierten Gran Pirámide. Er verläuft, mit kleinen Richtungsänderungen, zunächst zu der kleinen Ruinenanlage Xhaxché (von Stephens als Sacbey bezeichnet), dann nach Nohpat und schließlich in Richtung auf den Gouverneurspalast von Uxmal. Das genaue Ende in Uxmal konnte bisher nicht lokalisiert werden. Der Grund liegt darin, dass der Sacbé hier nur durch eine einfache Steinreihe auf beiden Seiten markiert wird, während die Füllung aus kleinen Steinen und Mörtel heute nicht mehr vorhanden ist. An flachen Geländestellen verschwindet der Sacbé heute unter dem aufgeschwemmten Boden.
Forschungsgeschichte Der erste moderne Besucher der Stadt war John Lloyd Stephens, der einen Bericht in seinem Werk 1843 publizierte.John L. Stephens: In den Städten der Maya. Köln, Dumont 1980, ISBN 3-7701-1215-6. Ihm folgte 1887 Teobert Maler, der ausführliche Beschreibungen, Pläne und Fotografien hinterließ.Teobert Maler: Península Yucatán. hrsg. von Hanns J. Prem. Berlin, Mann 1997, ISBN 3-7861-1755-1, S. 25–37. Die bisher ausführlichste Dokumentation stammt aus den Jahren 1936–1940 von H. E. D. Pollock.H. E. D. Pollock: The Puuc. Cambridge (MA), Peabody Museum 1980, ISBN 0-87365-693-8, S. 140–204. Archäologische Untersuchungen, die ungefähr 1960 einsetzten, bestanden hauptsächlich aus der Konsolidierung einzelner Gebäude. Besonders zu erwähnen sind die jüngeren Arbeiten unter Leitung von Ramón Carrasco Vargas am Codz Poop (Rückseite) und an Manos Rojas. Die kleine Gruppe nicht zugänglicher Gebäude (1A3 bis 1A6) wurde 2004 freigelegt und die Mauern bis zur Gesimshöhe rekonstruiert.
Östliche Gebäudegruppe Die Stadt besteht aus mehreren Gruppierungen von Gebäuden, die meist um rechteckige Höfe angeordnet sind. Dem Tourismus geöffnet ist vor allem der Komplex östlich der Bundesstraße, dessen Bauten zu einem großen Teil wiederhergestellt wurden.
Codz Poop miniatur|Codz Poop, Westfassade miniatur|Codz Poop, Detail der Westfassade miniatur|Codz Poop, Ostseite, Königsfiguren miniatur|hochkant|Codz Poop, Königsfigur Am besten bekannt ist der 45 Meter lange Palast der Masken (Codz Poop, technische Bezeichnung 2C6, Stephens nach Aussage Einheimischer: First Casa), das zweifellos dominierende Gebäude der östlichen Gruppe. Das Gebäude liegt auf einer hohen Plattform (die das dort ansteigende Gelände ausgleicht), auf die von der Schauseite im Westen eine in der Mitte liegende Treppe hinauf führte, die jedoch nicht rekonstruiert wurde. Vor dem Gebäude liegt eine knapp 40 m breite Fläche, auf der niedrige Konstruktionen und eine Altarplattform stehen, die an der Außenseite zwei übereinander angeordnete Reihen von Hieroglyphen aufweist. Das eigentliche Gebäude steht auf einer Plattform, die rund 7 m breiter als das Gebäude selbst ist und eine Mitteltreppe von der vorgelagerten Plattform im Westen aufweist. Das Gebäude selbst hat einen in Kabah häufigen rechteckigen Grundriss, dessen Mitte ein Kern aus Geröllsteinen einnimmt. Um ihn herum sind auf vier Seiten Räume angeordnet: auf der Vorderseite (Westseite) und den beiden Schmalseiten sind es jeweils Reihen von Räumen, hinter denen eine weitere Reihe gleich großer Räume angeordnet ist. Die Ostseite besteht aus einer einfachen Reihe. Zusammen mit jeweils zwei, quer zur Raumreihe der Vorderseite liegenden, Querräumen (die annähernd völlig zerstört und nicht rekonstruiert worden sind) sind es 26 Räume. Über dem mittleren Kern des Gebäudes wurde kein zweites Stockwerk errichtet, sondern es verläuft parallel zur Hauptfassade ein aus zwei Registern bestehender, durchbrochener Dachkamm.
Die reich dekorierte Fassade der Westseite hat dem Gebäude den Namen eingetragen: Die Außenseite der Gebäudeplattform (rund 1,4 m hoch) trägt eine ununterbrochene Folge von Chaac-Masken, auf den anderen Seiten sind anstelle der Masken die üblichen horizontalen Dekorbänder aus Mäandern und verschlungenen Bändern zu sehen. Die eigentliche Fassade der Westseite besteht aus einer kontinuierlichen Abfolge von aus drei Masken bestehenden Kaskaden im unteren Wandbereich und demselben Dekor im oberen Wandbereich. Insgesamt dürften, einschließlich des Sockels, ursprünglich mindestens 210 Masken vorhanden gewesen sein. Teilweise wurde die Fassade wieder konsolidiert. Die Reihe der hinteren Räume liegt rund 80 cm höher als der Fußboden der äußeren Räume. Bemerkenswert ist, dass im mittleren Raum der Westseite zur Überbrückung des Höhenunterschiedes keine Treppe, sondern eine monumentale Maske verwendet wird, über deren Rüssel man nach oben steigt. Die Ostseite des Gebäudes weicht im Dekor von den übrigen Seiten stark ab. Hier sind keine Masken anzutreffen, sondern die untere Wandfläche ist mit diagonalen Bändern in Feldern geschmückt, die in Abständen von senkrechten Reihen dreieckiger Steine und Kreuzsteinen unterbrochen werden. Der mittlere Fries zeigt Rosetten, schräg gestellte Sägesteine und darüber ein glattes Band. Bemerkenswert und überaus selten sind die vollplastischen, mannshohen Steinfiguren in der oberen Wandfläche. Sie haben ausdruckslose, mit Schmucknarben übersäte Gesichter und gehören zu den wenigen dreidimensionalen, menschlichen Steinfiguren in Maya-Ruinen. Zwei Reliefplatten zu beiden Seiten des zentralen Eingangs der Ostseite zeigen in zwei Registern Maya-Krieger mit toltekischen Zügen, in einem schmalen mittleren Band befinden sich nur teilweise lesbare Texte, die ein Datum aus dem Jahre 859 enthalten.
Segunda Casa miniatur|Gebäude 2C2, Westfassade miniatur|Gebäude 2C2, Detail der Westfassade Das von Stephens als „Zweites Haus“ bezeichnete Gebäude 2C2 liegt an der Ostseite eines Hofes, der dasselbe Niveau aufweist wie der Codz Poop, aber von Westen über eine eigene Treppe zugänglich ist. Das Gebäude beeindruckt durch die Präzision in Planung und Ausführung sowie Dekor. Das Erdgeschoss besteht aus einer einfachen Reihe von Räumen, die um einen rechteckigen Kern aus Schüttmauerwerk angelegt sind. Die Vorder- (West) und die Rückseite sind hierbei genau spiegelbildlich gestaltet und weisen je sechs Räume auf, die relativ breit sind. Es ist ungewöhnlich, dass bei einem größeren Gebäude die Toreingänge einer Hauptfassade eine gerade Zahl bilden. Die Schmalseiten im Norden und Süden weisen jeweils zwei Räume auf. Über die beiden Hauptfassaden springt eine fliegende Treppe zum oberen Niveau, auf dem ein langes, die gesamte sicher bebaubare Fläche ausnutzendes Gebäude steht, das aus zwei, ebenfalls spiegelbildlichen, Reihen von je sieben Räumen besteht, die sich nach Osten und Westen öffnen. Die Reihen werden an den Schmalseiten von je einem Querraum abgeschlossen. Als einzige Abweichung von der Symmetrie fällt auf, dass auf der Vorderseite die jeweils zweiten Räume (gerechnet von der Seite) einen von einer Säule getragenen Eingang haben, während dies auf der Rückseite bei den ersten Räumen der Fall ist. Über der Trennmauer zwischen den beiden Raumreihen steht über die gesamte Länge des Gebäudes ein aus zwei Registern bestehender Dachkamm. Der Fassadendekor ist einfach gehalten: Auf einem Gebäudesockel mit einer durchgehenden Säulchenreihe zwischen zwei glatten Bändern folgt die untere Wandfläche, die glatt ist, aber dreimal von Paaren dreifach gekröpfter Säulen zwischen den Türen unterbrochen wird. Mittlerer Fries und obere Wandfläche sind kaum erhalten und können deshalb nur schwer rekonstruiert werden. Vermutlich waren sie dem oberen Stockwerk ähnlich. Dieses weist eine völlig glatte untere Wandfläche auf, das einzige gliedernde Element sind hier die Türen. Die obere Wandfläche ist leicht nach innen geneigt und glatt, mit häufigen Unterbrechungen durch Dreiergruppen von dreifach gekröpften Säulchen, die sich auch im oberen Fries, wenn auch niedriger, wiederholen.
Teocalli miniatur|Gebäude 2C3, Südwestecke von Dach des Codz Poop Teocalis, eigentlich Teocalli, nannte Stephens dieses Gebäude (technische Nomenklatur 2C3). Auch hier handelt es sich um ein vierseitiges, beinahe quadratisches Gebäude um einen großen Schüttkern. Die Frontseite ist nach Norden, dem Hof zu orientiert. Auf allen vier Seiten finden sich fünf Räume, welche auf der Front- und Rückseite etwas länger sind; bei dreien an der Frontseite und einem an der Rückseite ist der Eingang durch Säulen besonders repräsentativ gestaltet. Dennoch ist die Fassade sehr einfach: Die undekorierten unteren und oberen Wandflächen (aus letzterer ragten einzelne Steinzapfen, die eine Dekoration aus Stuck hielten) werden nur durch einen einfachen Fries aus zwei glatten Bändern getrennt, der Sockel ist ebenfalls einfach und besteht nur aus einer vorgezogenen Steinreihe. Der obere Fries bestand aus drei einfachen Steinreihen. Damit ist das Gebäude einer frühen Phase der Puuc-Architektur zuzuordnen, kombiniert aber Elemente der Typen I und II. Das zweite Stockwerk war durch die Konstruktion des großen Schüttkerns von Anfang an vorgesehen, zu ihm führen fliegende Treppen an der Nord- und Ostseite hinauf. Das Gebäude sitzt auf einer eigenen Plattform, die weit größer als das Gebäude ist. Dieses ist so stark zerstört, dass sich nur der Grundriss ablesen lässt: Auch hier ist die Symmetrie tragendes Konzept: Auf der Nord- wie auf der Südseite liegen jeweils zwei einander gegenüber angeordnete Reihen mit je drei Räumen, wobei die hinteren durch die vorderen zu betreten sind. An den Schmalseiten liegen jeweils zwei Querräume nebeneinander. Eine überdimensionierte Trennwand zwischen den Räumen der Vorder- und der Rückseite weist auf einen Dachkamm hin, von dem keine Spuren erhalten sind. Es sind nur noch die Maueransätze der Außenwände der inneren Räume vorhanden.
Gebäude 2C1 miniatur|Gebäude 2C1 vom Dach des Teocalli Gegenüber dem Teocalli, auf der Nordseite des Hofes, steht ein unregelmäßiges Gebäude. Es besteht aus einer Reihe von fünf Räumen, an die auf der Hinterseite noch zwei Gruppen von Räumen angefügt sind. Die Mauerfugen lassen mehrere Bauphasen erkennen. Als erstes entstand ein kleines Gebäude mit drei Räumen und einem zentralen Eingang mit zwei Säulen nach Süden. Merkwürdigerweise hat der linke dieser Räume seinen Zugang von hinten, wechselt also die Orientierung. An diesen Raum wurden drei Räume angefügt, einer in Verlängerung des älteren Gebäudes, mit zwei quer verlaufenden Räumen dahinter, die sich zu einem so entstehenden kleinen Hof öffneten.