mini|Wappen der Hauptverwaltung für Raketen und Artillerie des Verteidigungsministeriums Der GRAU-Index (bis 1960 GAU-Index) ist ein Bezeichnungssystem für Waffen, Munition und Ausrüstungsteile, die in den Landstreitkräften der Sowjetarmee benutzt wurden bzw. in den Landstreitkräften der russischen Streitkräfte benutzt werden. Der Index wurde ursprünglich von der sowjetischen Hauptverwaltung für Raketen und Artillerie des Verteidigungsministeriums (GRAU; russisch Главное ракетно-артиллерийское управление МО, ГРАУ) vergeben. Inzwischen wird er auch von der Verwaltung Raketenbewaffnung (Управление ракетного вооружения) der Strategischen Raketentruppen und der Hauptverwaltung der Weltraumtruppen benutzt. Die Verwaltung Raketenwaffen und Artillerie der Seekriegsflotte und die Verwaltung Waffen der Luftstreitkräfte nutzen ähnlich aufgebaute Indizes.

Die NATO verwendete für sowjetische Waffensysteme eigenständige NATO-Codenamen. Aufgrund der für die NATO nur begrenzt verfügbaren Informationen ist eine eindeutige Zuordnung des NATO-Codenamens zum GRAU-Index nicht immer gegeben.

Entwicklung Der erste Index wurde von der damaligen Hauptverwaltung Artillerie (Главное артиллерийское управление Министерства обороны - ГАУ) 1938 eingeführt. Ziel war die Erfassung und Kategorisierung der verschiedenen Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenstände. Dabei wurden die einzelnen Waffen, Munition und Ausrüstungsteile nach der Abteilung der GAU bezeichnet, die für sie verantwortlich war. Im Einzelnen bestand die GAU aus folgenden Abteilungen: 51 – militärische Geräte 52 – Materialverwaltung Artillerie 53 – Artilleriemunition, Munition für Granatwerfer und Minen einschließlich Zünder und Verpackungen 54 – Treibladungen der Artillerie und deren Bestandteile und Verpackungen 55 – Bomben der Luftstreitkräfte 56 – Infanteriewaffen 57 – Infanteriemunition

Im Jahr 1960 wurde die GAU zur Hauptverwaltung für Raketen und Artillerie des Verteidigungsministeriums umstrukturiert. Grund für die Organisationsänderungen waren die zahlreichen neuen Waffensysteme. Einerseits erforderte schon ihre Vielzahl eine Änderung der Organisationsstrukturen, andererseits waren diese Waffensysteme zunehmend komplizierter aufgebaut. Während die in den 1930er und 1940er einfach nach eigentlicher Waffe und zugehöriger Munition sowie nach Zielgeräten unterschieden werden konnten, kamen nun Startfahrzeuge, Funkmess- und Rechengeräte sowie vielfältige Unterstützungsfahrzeuge hinzu. Diese konnten mit dem bis dato genutzten System nicht oder nur schwer verwaltet werden. Von 1956 gliederte sich die Hauptverwaltung in sechs Abteilungen:

1 – optische und Funkmessgeräte, Lenksysteme 2 – Artilleriewaffen und Granatwerfer 3 – Artilleriemunition 4 – Treibladungen für Artilleriemunition 6 – Infanteriewaffen 7 – Infanteriemunition.

Die Aufstellung neuer Teilstreitkräfte, aber auch die zunehmend komplexer werdende Bewaffnung und Ausrüstung erforderten eine Erweiterung des Indexes. Die neu entwickelten Raketensysteme waren ursprünglich der Abteilung 2 – Artilleriewaffen und Granatwerfer – zugewiesen worden, Startrampen bzw. -fahrzeuge ebenfalls der Abteilung 2, Raketen bzw. Lenkflugkörper der Abteilung 3 – Artilleriemunition. Später wurde für die Raketensysteme der Landstreitkräfte die Abteilung 9 gebildet. Bereits im Index vorhandene Waffen wurden nicht neu eingeordnet, wenn sie bereits in die Bewaffnung der Sowjetarmee übernommen worden waren. Neu entwickelte Ausrüstung für diese Waffen wurden jedoch in den neuen Index eingeordnet.

Die Verwaltung Waffen der Luftverteidigung (Управление Вооружения Войск ПВО) ordnete die in ihrer Verantwortung befindlichen Systeme, Waffen und Ausrüstungen der Abteilung 5 zu. Die Verwaltung Raketenbewaffnung der strategischen Raketentruppen nutzte für die Kategorisierung der in ihrer Verantwortung befindlichen Systeme, Waffen und Ausrüstungen zunächst die Abteilung 8. Mit der Aufstellung der Weltraumstreitkräfte wurde für deren Hauptverwaltung die Abteilung 11 aufgestellt und später um die Abteilungen 14 und 17 erweitert, während die Verwaltung Raketenbewaffnung der strategischen Raketentruppen ihre Systeme, Waffen und Ausrüstungen in die Abteilung 15 einordnete. Gegenwärtig werden von den strategischen Raketentruppen der Index 15, von den Weltraumstreitkräfte die Indizes 14 und 17 genutzt.

Die Indizes der Verwaltung Raketenwaffen und Artillerie der sowjetischen Seekriegsflotte und die Verwaltung Waffen der sowjetischen Luftstreitkräfte folgen dem gleichen Prinzip und haben einen ähnlichen Aufbau, aber teilweise eine stark abweichende Bedeutung, was oft zu Missverständnissen und Verwechslungen führt.

Vergabe der Indizes Der Index wurde bis 1960 mit der Aufnahme der Waffen, Munition und Ausrüstung in die Bewaffnung der Sowjetarmee vergeben. Prototypen und Vorserienmuster erhielten keinen Index.

Ab 1960 wurde der Index mit der technischen Aufgabenstellung für den Prototyp vergeben. Daher haben auch Systeme, die nicht in die Bewaffnung der Sowjetarmee übernommen wurden, einen entsprechenden Index. Systeme, deren Entwicklung vor dem Bau der Prototypen abgebrochen wurde, haben keinen GRAU-Index und führen nur eine Werksbezeichnung.

Aufbau der Indizes GAU-Index (bis 1960) Die Bezeichnungen haben die Form <Nummer> <Buchstabe> <Nummer> mit dem optionalen Suffix <Buchstabe> <Nummer>. Die erste zweistellige Nummerngruppe bezeichnet die Abteilung der GAU, die das Waffensystem führte. Der Kennbuchstabe bezeichnete den Verwendungszweck bzw. den Aufbau. Die folgende dreistellige Nummerngruppe bezeichnet Eigenschaften wie Kaliber, Größe und Gewicht in aufsteigender Reihenfolge. Dabei wurde für zusammengehöriges Gerät unterschiedlicher Verwendungsgruppen eine identische Nummer oder ein Nummernbereich vergeben. Das Suffix kann bezeichnen Modernisierungen – Suffix M konstruktive Besonderheiten, z. B. A für Stahlguss

Beispiel: 56-А-231 ist der 7,62-mm-Karabiner Simonow. Dabei steht 56 für die Abteilung 56 — Infanteriewaffen A für automatische und selbstladende Schützenwaffen 231 für die Zugehörigkeit zum System 7,62-mm-Karabiner Simonow, für den 7,62-mm-Karabiner Simonow entwickeltes Werkzeug, Zubehör, Munition usw. bekam diese Nummer. Die dazugehörige Patrone erhielt den Index 57-N-231 (57-Н-231). Dabei steht 57 für die Abteilung 57 – Infanteriemunition N für Patrone in Normalausführung (Kampfsatz) 231 für die Zugehörigkeit zum System 7,62-mm-Karabiner Simonow

GRAU-Index (ab 1960) Die Bezeichnungen haben die Form <Nummer><Buchstabe><Nummer> mit dem optionalen Suffix <Buchstabe><Nummer>. Die erste Nummerngruppe bezeichnet die Abteilung der GRAU, die das Waffensystem führte. Der Kennbuchstabe bezeichnete den Verwendungszweck bzw. den Aufbau. Die folgende Nummerngruppe wurde in aufsteigender Ordnung innerhalb des Verwendungszweckes vergeben. Das Suffix M bezeichnet eine Modernisierung, weitere Modernisierungen werden durch angehängte Ziffern in aufsteigender Reihenfolge gekennzeichnet.

Beispiel: 2P1 ist der Startkomplex des taktischen Raketenkomplexes 2K1 Mars. Dabei steht 2 für die Abteilung 2 – Artilleriewaffen und Raketensysteme der Landstreitkräfte P für den Verwendungszweck Startvorrichtungen für Raketen 1 für die laufende Nummer (der Raketenkomplex war der erste in der Sowjetunion entwickelte taktische Raketenkomplex) Die Startrampe des Waffensystems erhielt den Index 2P2, das Transport-Ladefahrzeug den Index 2P3 und das Waffensystem insgesamt den Index 2K1.

Zusammengehörende Ausrüstung war in diesem System nicht mehr zu erkennen. So erhielt der Panzerabwehrlenkraketenkomplex Schmel den Index 2K15, das Startfahrzeug den Index 2P25 und die zugehörige Rakete den Index 3M6. Da am Ende der 1950er / zu Beginn der 1960er Jahre Komponenten eines Waffensystems getrennt voneinander beauftragt und entwickelt wurden, kann die Reihenfolge der zweiten Nummerngruppe für die Komponenten unterschiedlich sein. So erhielt der Panzerabwehrlenkraketenkomplex Falanga den Index 2K8, das Startfahrzeug den Index 2P32 und die zugehörige Rakete den Index 3M11.

Index der Verwaltung Waffen der Luftverteidigung Der Aufbau entspricht dem GRAU-Index (ab 1960), die erste Ziffer ist immer eine 5.

Index der Verwaltung Raketenwaffen und Artillerie der Seekriegsflotte Die Bezeichnungen haben grundsätzlich die Form <Nummer> <Buchstabe> <Nummer>. Eine Ausnahme bilden die ersten beiden Abteilungen, bei denen der erste Teil aus einer Kombination von Buchstabe und Nummer besteht. Die erste Gruppe des Indexes kennzeichnet auch hier die Abteilung, die Bedeutung weicht jedoch vom GRAU-Index ab: A3 – Artilleriemunition A4 – Treibladungen der Artillerie 3 – Waffensysteme mit Lenkflugkörpern 4 – Waffensysteme mit Lenkflugkörpern Der Kennbuchstabe bezeichnete den Verwendungszweck bzw. den Aufbau. Die folgende Nummerngruppe bezeichnet Eigenschaften wie Kaliber, Größe und Gewicht in aufsteigender Reihenfolge. Dabei wurde für zusammengehöriges Gerät unterschiedlicher Verwendungsgruppen wenn möglich eine identische Nummer vergeben oder die Geräte wurden einem Nummernblock zugeordnet. Das Suffix M bezeichnet Modernisierungen, weitere Modernisierungen werden durch angehängte Ziffern in aufsteigender Reihenfolge gekennzeichnet.

Beispiel: die U-Boot-gestützte ballistische Rakete R-29 erhielt den Index 4К-75. Dabei steht 4 für die Abteilung 4 – Waffensysteme mit Lenkflugkörpern K für Lenkwaffe 75 für die Bauausführung. Das dazugehörige Triebwerk führt in der ersten Stufe die Bezeichnung 4D-75 (4Д-75), die zweite Stufe die Bezeichnung 4D-76 (4Д-76).

Index der Verwaltung Waffen der Luftstreitkräfte Bis Mitte der 1950er Jahre nutzte die Verwaltung Waffen der Luftstreitkräfte ein System, das dem GAU-Index entsprach. Allerdings bestand die erste Nummerngruppe nur aus einer statt aus zwei Ziffern. Die Bedeutung der Ziffern unterschied sich jedoch vom GAU-Index, so wurde Abwurfmunition in die Abteilungen 7 und 8 eingeordnet. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde der Index geändert. Die Bezeichnungen haben grundsätzlich die Form <Nummer> <Buchstabe> <Nummer>. Die erste Nummer ist immer eine 9. Für Waffensysteme wird der Buchstabe A vergeben, Bestandteile des Waffensystems erhalten fortlaufende Buchstaben. Die letzte Nummerngruppe ist für das Waffensystem und seine Bestandteile gleich.

Weitere Bezeichnungssysteme Für sowjetische und russische Waffensysteme existieren jeweils mehrere, unterschiedliche Bezeichnungen. Neben der oftmals bei fliegendem Gerät vergebenen Herstellerbezeichnung werden ein Industriename und oft eine Dienstbezeichnung für die Nutzung im nicht geheimzuhaltenden Schriftverkehr vergeben. Ältere Waffensysteme besitzen einen Werksindex, unter dem das Waffensystem geführt wurde, bevor ein GAU- bzw. GRAU-Index zugeführt wurde. Für Panzertechnik und Kraftfahrzeuge existieren weitere, abweichende Bezeichnungssysteme.

Beispiel: Die Flugabwehrrakete des Luftverteidigungskomplexes S-25 ist bekannt als W-300 (Dienstbezeichnung) „Erzeugnis 205“ (isdelije 205, Industriename) 5W7 (GRAU-Index) Lawotschkin La-205 (Herstellername).

Indizes GAU-Index (bis 1960) 51 – militärische Geräte 51-А (51-A) – Feuerleitgeräte 51-В (51-W) – Messgeräte 51-И (51-I) – Werkzeuge und Zubehör 51-ИК (51-IK) – Infrarotgeräte 51-ОМ (51-OM) – optische Geräte 51-РЛ (51-RL) – Radargeräte 51-Я (51-Ja) – Verpackungen 51-OM (51-OM) – Laseroptik

52 – Materialverwaltung Artillerie 52-Г (52-G) – Haubitzen 52-ГС (52-GS) – selbstfahrende Haubitzen 52-Ж (52-Sch) – Gefäße und Behälter 52-З (52-S) – Senkkästen 52-И (52-I) – Werkzeuge 52-ИТ (52-IT) – Werkzeuge für Panzerkanonen 52-ИЦ (52-IZ) – Werkzeuge für mechanische Visiere 52-Л (52-L) – Lafetten 52-Л (52-L) – Lafetten für Panzerkanonen 52-М (52-M) – Granatwerfer 52-П (52-P) – Kanonen 52-ПК (52-PK) – Kasemattkanonen 52-ПС (52-PS) – selbstfahrende Kanonen 52-ПТ (52-PT) – Panzerkanonen 52-Р (52-R) – Protzen 52-У (52-U) – Lafettierungen