mini|hochkant=1.5|Niedersächsisches Landesmuseum in Hannover (2009) Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover (NLMH), auch Landesmuseum Hannover. Das WeltenMuseum liegt in Hannover am Maschpark gegenüber dem Neuen Rathaus. Als größtes staatliches Museum Niedersachsens beherbergt es fünf Sammlungen, die in drei „Welten“ präsentiert werden. Die „NaturWelten“ verbinden lebendige Tiere mit Objekten und Präparaten aus der Naturkunde. Die „MenschenWelten“ erzählen anhand bedeutender Exponate aus Archäologie und Ethnologie die Geschichte der Menschheit von der Evolution bis in die Neuzeit. Die „KunstWelten“ (Umbau 2025 abgeschlossen) geben Einblick in die Gemälde-, Graphik- und Skulpturensammlung mit Kunstwerken vom Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert, ergänzt durch herausragende Stücke der Münzsammlung.
Geschichte Die Anfänge bis zur Annexion Hannovers durch Preußen 1866 Das Landesmuseum HannoverInes Katenhusen: 150 Jahre Niedersächsisches Landesmuseum Hannover. In: Heide Grape-Albers (Hrsg.): 2002. Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. 150 Jahre Museum in Hannover. 100 Jahre Gebäude am Maschpark. Festschrift zum Jahr des Doppeljubiläums, Hannover 2002, S. 18–94. wurzelt in verschiedenen bürgerlichen Vereinen, die im ausgehenden 18. Jahrhundert und vor allem im 19. Jahrhundert gegründet wurden. 1852 beschlossen mit der Naturhistorischen Gesellschaft,Gerda Valentin: NaturWissen. 200 Jahre Naturhistorische Gesellschaft Hannover. Hannover 1997. Zur Geschichte der naturhistorischen Sammlung vgl. außerdem: Annette Richter, Annina Böhme: Hannover: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover – Lower Saxony State Museum Hannover. In: Lothar A. Beck, Ulrich Joger (Hrsg.): Palaeontological Collections of Germany, Austria and Switzerland. The History of Life of Fossil Organism at Museums and Universities. Heidelberg 2018, S. 309–320. dem Historischen Verein für Niedersachsen und dem 1848 gegründeten „Verein für die öffentliche Kunstsammlung“' drei dieser Vereine, ihre Sammlungen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1856 wurde das heutige Landesmuseum als „Museum für Kunst und Wissenschaft“ in der Sophienstraße 2, dem heutigen „Künstlerhaus“, eröffnet.
Parallel dazu initiierte Georg V. 1852 in Herrenhausen ein „Familienmuseum“ und gab 1853 den Anstoß für die Sammlung ethnographischer Objekte. 1857 erwarb er die private Kunstsammlung von Bernhard Hausmann, die seit 1818 öffentlich zugänglich war, und gründete 1861 das königliche „Welfenmuseum“. Es wurde 1862 mit dem „Familienmuseum“ vereint und 1863 durch ein Münzkabinett, eine Waffensammlung und eine Silberkammer erweitert. Mit dem „Welfenmuseum“ verfolgte Georg V. insbesondere das Ziel, „eine Vaterlandsliebe, die nicht auf die Gründung eines vereinten deutschen Reiches abzielte, sondern den partikularistisch motivierten Interessen entsprach“Ines Katenhusen: 150 Jahre Niedersächsisches Landesmuseum Hannover. In: Heide Grape-Albers (Hrsg.): 2002. Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. 150 Jahre Museum in Hannover. 100 Jahre Gebäude am Maschpark. Festschrift zum Jahr des Doppeljubiläums. Hannover 2002, S. 18–94, hier S. 24. zu zeigen.
Nach der Annexion Hannovers durch Preußen 1866 ging Georg V. ins Exil nach Österreich und nahm unter anderem den Welfenschatz mit sich. Die in der Stadt verbliebenen Musealia des Königshauses wurden als Fideikommiss verwaltet und in die Ausstellung des Provinzialmuseums, wie das Museum ab 1869 genannt wurde, integriert.
Vom Provinzialmuseum zum Landesmuseum (1869–1933) 1869 übernahm die Provinz Hannover die Verwaltung der Sammlungen. Diese Umstrukturierung war eine Bedingung, um die öffentlichen Zuschüsse zu erhöhen. Außerdem sollten die Vereinssammlungen zu einem Provinzialmuseum zusammengelegt werden. Zunächst bestanden das Provinzialmuseum und das Museum für Kunst und Wissenschaft nebeneinander. Dieser Zustand wurde 1886 aufgehoben, als die Vereine ihre jeweiligen Vermögen inklusive der Gebäude und Grundstücke, nicht aber die Sammlungsbestände, an den Staat überschrieben. Das geeinte Museum wurde 1890 unter die Leitung hauptamtlicher Fachkräfte gestellt.
Nachdem die Beschlagnahme des königlichen Vermögens am 10. April 1892 aufgehoben worden war, schloss das Haus der Welfen mit dem Landesdirektorium der Provinz Hannover am 18. Dezember 1893 einen Vertrag, demzufolge die Bestände des Welfenmuseums und der Cumberland-Galerie ins Provinzialmuseum überführt und in Form einer zeitlich begrenzten Leihgabe übernommen wurden. Als die königliche Sammlung 1892 freigegeben und in die Sophienstraße überführt wurde, war die knappe Raumsituation auch aus Sicherheitsgründen nicht mehr tragbar. Zwischen 1876 und 1886 versuchte man durch verschiedene An- und Neubauten, darunter der prestigeträchtige Bau der Cumberland-Galerie, die Raumsituation zu entschärfen.
mini|Das Provinzialmuseum Hannover um 1900, noch mit großer Kuppel;Foto von Karl Friedrich Wunder
1895 wurde ein Wettbewerb für einen neuen Museumsbau ausgeschrieben. Der Neubau wurde 1902 am Rand des Maschparks nach vierjähriger Bauzeit vollendet. Hubert Stier entwarf das repräsentative Museumsgebäude im Stil der Neorenaissance. Der Bau ist eine Vierflügelanlage mit zwei Hauptgeschossen über einem hohen Sockel und er verfügt über Mittelbauten an der Front- und Rückseite sowie einen großen Innenhof. Robin Beck: Vom Provinzial- zum Weltenmuseum: Die Geschichte(n) des Landesmuseums Hannover in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 23. Oktober 2023 Den Relieffries Hauptmomente in der Entwicklung der Menschheit am Gebäude schuf der Bildhauer Georg Herting gemeinsam mit Karl Gundelach und Georg Küsthardt. Die Bestände teilten sich auf eine historische und eine naturhistorische Sammlung sowie eine Kunstabteilung auf. Der „Historische Verein“ veräußerte seine Bestände 1903 an die Provinz Hannover, 1905/1906 folgte die „Naturhistorische Gesellschaft“.
1925 wurde das Fideikommiss aufgelöst und ein Teilkonvolut wurde von der Provinz Hannover für das Museum erworben. Andere Teile erhielt das Haus Braunschweig-Lüneburg, das daraufhin Objekte im Berliner Kunsthandel sowie im Ausland veräußerte. Im Gegenzug musste die Zustimmung erfolgen, die Sammlung mittelalterlicher Kunst, vor allem die aus dem ehemaligen Welfenmuseum, für mindestens 30 Jahre in der Obhut des Museums zu belassen.
1933 wurde das „Provinzialmuseum“ in „Landesmuseum“ umbenannt.
Zeit des Nationalsozialismus 1937 wurde aus dem Bestand des Museums eine große Anzahl von Werken der modernen Kunst als „Entartete Kunst“ beschlagnahmt, so etwa Werke von Ernst Barlach, Max Beckmann, Marc Chagall, Lovis Corinth, Otto Dix, Lyonel Feininger, George Grosz, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Emil Nolde, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff und Kurt Schwitters. Diese Werke erlitten unterschiedliche Schicksale. Viele wurden vernichtet, einige wurden auf der Wanderausstellung „Entartete Kunst“ präsentiert, eine bedeutende Anzahl ging zur Verwertung auf dem internationalen Kunstmarkt an Kunsthändler. Davon konnten einige nach 1945 rückerworben werden.
Das Museum blieb zwischen 1939 und 1943 fast durchgängig geöffnet. Die Mehrzahl der Kunstwerke wurde jedoch sukzessive zunächst innerhalb der Stadtgrenzen, dann an 32 Auslagerungsorten vor allem in der Region und auch nach Bad WildungenMarko Jelusić: Ein Zufluchtsort für weltbekannte Kunst. Bad Wildungen als Bergungsdepot für das Landesmuseum und das Kestner-Museum Hannover während des Zweiten Weltkrieges. In: Hannoversche Geschichtsblätter. 65, 2011, S. 111–134 (Online auf academia.edu). evakuiert. Im Zuge dessen wurden die Öffnungszeiten reduziert, die gezeigten Präsentationen widmeten sich in der Linie in Form von Wanderausstellungen der NS-Propaganda.
Bei den Luftangriffen auf Hannover während des Zweiten Weltkriegs erfuhr das Museumsgebäude starke Beschädigungen. Beim schwersten Angriff in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 wurde die Kuppel über dem mittleren Risalit durch Bomben zerstört und das zweite Stockwerk brannte aus. Die Mehrzahl der Bestände blieben aufgrund der rechtzeitigen Auslagerung erhalten.Vgl. Claudia Andratschke: Brandbilder. Kunstwerke als Zeugen des Zweiten Weltkriegs. Regensburg 2015.
Nachkriegszeit mini|Luftbild des Niedersächsischen Landesmuseums, 2013
Nach Kriegsende wurde 1945 mit der Ausstellung „Kunst und Leben im 18. Jahrhundert“ der Betrieb wieder aufgenommen. Dieser fand nicht im Landesmuseum selbst, sondern in der Orangerie von Herrenhausen statt. Ab 1947 wurden auch im museumseigenen Gebäude kleinere Ausstellungen gezeigt. Die endgültige Renovierung und Neuaufstellung der ständigen Sammlungen hielten bis in die 1960er Jahre an.Vgl. Claudia Andratschke: Zwischen Kontinuität und Neubeginn. Die Kunstabteilung im Landesmuseum Hannover nach 1945. In: Julia Friedrich, Andreas Prinzing (Hrsg.): »So fing man einfach an, ohne viele Worte«. Ausstellungswesen und Sammlungspolitik in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Berlin 2013, S. 82–88. Die stadtbildprägende Kuppel über dem Haupteingang wurde bis heute nicht wiederhergestellt.
Nachdem das Museum 1950 in „Niedersächsisches Landesmuseum Hannover“ umbenannt worden war, wurden zwischen 1950 und 1956 die Dauerausstellungen allmählich wiedereröffnet. Deren Neukonzeption dauerte bis zum Ende der 1960er Jahre an. Im Zuge dessen erfolgte der seit 1919 geplante Tausch von Sammlungsbeständen zwischen dem Landesmuseum, dem Kestnermuseum und dem Historischen Museum. Einen Abschluss fand der Ringtausch mit der Abgabe moderner Gemälde, Skulpturen und Grafiken an das Sprengel Museum Hannover. 1969 schenkte Bernhard Sprengel der Stadt seine Sammlung moderner Kunst sowie eine Summe von 2,5 Millionen für den Bau eines Museums. In Folge dieser Zuwendung wurde zehn Jahre später die Kunst der Moderne aus dem Landesmuseum ausgegliedert und als Dauerleihgabe an das 1979 eröffnete Sprengel Museum Hannover abgegeben.
Zwischen 1976 und 1983 wurde im Georg-von-Cölln-Haus nahe der Marktkirche das temporäre „Forum am Markt“ betrieben. Hier wurden Bestände der Archäologie verwahrt und Sonderausstellungen gezeigt.
Das Museum heute Seit 2013 setzt das Museum ein neues Konzept für die Präsentation seiner Dauerausstellungen um: das „WeltenMuseum“. Darin werden die unterschiedlichen Sammlungen in drei unterschiedlichen „Welten“ miteinander verknüpft, die sich über die drei Etagen des Gebäudes entdecken lassen. Im Erdgeschoss sind das Vivarium und die naturgeschichtliche Abteilung zu den „NaturWelten“ zusammengefasst, im ersten Stock vereinen sich archäologische und ethnographische Objekte zu den „MenschenWelten“. Die Neugestaltung der Landesgalerie zu den „KunstWelten“ im zweiten Stock wurde 2025 abgeschlossen. Im Vordergrund steht die Idee, auch immer wieder mittels weiterführender Exponate Verbindungen zu den anderen Welten zu schaffen, um den Anspruch des vielheitlichen Mehrspartenhauses im Sinne des Humboldtschen Weltmuseums herauszustellen.Katja Lembke: Was ist eigentlich ein Weltenmuseum. In: dies. (Hrsg.): best of. 111 Geschichten aus dem WeltenMuseum. Dresden 2017, S. 6–15.
Das Landesmuseum Hannover ist barrierefrei. Der Haupteingang kann über eine Rampe, sämtliche Ausstellungsbereiche über einen Fahrstuhl erreicht werden.
„NaturWelten“ mini|Im Landesmuseum zeitweise ausgestellter Wolfsrüde MT6, genannt „Kurti“. Er wurde 2014 geboren und 2016 in der Lüneburger Heide erschossen, da er wenig Menschenscheu zeigte.